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Barcelona-Kapitän spricht offen über Depressionen

Der Uruguayer gesteht Angstzustände und nahm sich Ende des Jahres deshalb eine Auszeit.

Barcelona-Kapitän spricht offen über Depressionen Foto: © GETTY

Ronald Araujo fehlte dem FC Barcelona um den Jahreswechsel für mehrere Wochen. Cheftrainer Hansi Flick sprach damals von privaten Gründen.

Mittlerweile ist klar: Der Abwehr-Mann litt unter Depressionen. Offen spricht er darüber jetzt gegenüber der "Mundo Deportivo".

"Ich wusste schon lange, dass es mir nicht gut ging - das ist die Wahrheit. Aus Gewohnheit macht man weiter, aber manchmal braucht man Hilfe. Ich litt anderthalb Jahre unter Angstzuständen, die sich zu einer Depression entwickelten, und ich spielte trotzdem so weiter. Das hilft einem nicht", so der 26-Jährige.

Platzverweis gegen Chelsea ausschlaggebend für Auszeit

Der Platzverweis gegen Chelsea Ende November bei der 0:3-Auswärtspleite brachte das Fass zum Überlaufen.

"Auf dem Platz fühlst du dich nicht wie du selbst. Ich weiß, welches Niveau ich habe und was ich der Mannschaft geben kann. Und weil ich mich nicht wiederfand, wusste ich, dass etwas nicht stimmt. An diesem Tag wurde mir klar: Es reicht. Ich muss mit Experten und dem Klub sprechen, damit sie mir helfen", sagt Araujo.

Der Verteidiger handelte, sprach Sportdirektor Deco an. "Er war zunächst überrascht, weil es nicht normal ist, dass ein Barça-Spieler so etwas sagt. Aber er hat großartig reagiert, sehr persönlich. Er kontaktierte umgehend den Präsidenten und den Trainer. Sie waren fantastisch", meint Araujo.

Reise nach Israel half

Flick unterstützte seinen Schützling. "Er war betroffen von der Situation. Er kennt meine Qualitäten und sah, dass ich nicht auf meinem Niveau spielte. Er wusste, dass etwas nicht stimmte. Von Anfang an schickte er mir Nachrichten: Ich solle mir Zeit lassen, in Ruhe gesund werden - dass es das Wichtigste sei, die Sache gut zu überwinden", verrät der Barcelona-Kapitän.

Auch international erhielt er viel Zuspruch. "Das hat mich überrascht. Spieler aus Italien, Deutschland - einige sagten, sie seien durch das Gleiche gegangen, hätten es aber nie zugegeben. Aus Angst, aus Druck wegen des Gehalts, wegen der Reaktionen des Umfelds. Sie sagten mir, ich solle mich dafür nicht schämen, dass mein Schritt mutig sei", erzählt der 26-Jährige.

Eine Reise nach Israel half dem gläubigen Christen. "Ich brauchte Frieden, Einsamkeit, Ruhe. Ich wollte mich wieder mit meinem Glauben verbinden, Antworten finden. Es tat mir unendlich gut", berichtet Araujo.

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