Yilmaz jubelt über Erfolgslauf: "Mein Durchbruch"

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Kubilay Yilmaz wir dem durchschnittlichen österreichischen Fußballfan wohl wenig sagen, doch der Österreicher ist der zurzeit heißeste Torjäger in der Slowakei.

Der in Wien aufgewachsene Österreicher mit türkischen Wurzeln hat sich bereits im zarten Alter von 15 Jahren dazu entschlossen ins Ausland zu gehen. Nachdem er sich einige Jahre durch die tschechischen Jugendligen gekämpft hat, ist ihm nun endlich der Durchbruch gelungen.

Nach anfänglichen Problemen, zu Einsätzen zu kommen, geigt der 22-Jährige bei Spartak Trnava nun richtig auf. Sechs Treffer in den letzten fünf Pflichtspielen, eines davon der Siegtreffer im Europa-League-Duell gegen Fenerbahce Istanbul am vergangenen Donnerstag. Yilmaz surft auf der Erfolgswelle.

Spartak Trnava steht allerdings ein Umbruch bevor. Der Präsident verkauft den Klub. Sportdirektor und Trainer sind am Absprung. Der ÖFB-Legionär steht LAOLA1 Frage und Antwort und erzählt dabei über seinen ungewöhnlichen Werdegang und seine aktuelle Situation in Trnava.

LAOLA1: Vergangenen Donnerstag ist ja wirklich viel auf dich zugekommen. Es war dein allererstes Europacup-Spiel, dann auch noch, was für dich als Österreicher mit türkischen Wurzeln bestimmt speziell ist, gegen Fenerbahce Istanbul. Und als wäre das noch nicht genug, warst du auch noch der Matchwinner der Partie mit deinem entscheidenden Treffer. Wie hast du den Abend erlebt?

Kubilay Yilmaz: Wie soll ich das am besten erklären? Es sind, genau wie du sagst, viele Sachen zusammengekommen, die das Spiel noch spezieller gemacht haben. Erstens war es mein UEFA-Europa-League-Debüt und zweitens auch noch gegen einen türkischen Verein und dann hab ich das Spiel auch noch entschieden. Das hat es alles noch besser gemacht, finde ich. Es waren unbeschreiblich gute Gefühle. Ich kann es eigentlich gar nicht in Worten beschreiben, aber jetzt hab ich schon drüber geschlafen und jetzt geht es wieder.

LAOLA1: Warst du eigentlich nervös?

Yilmaz: Vor dem Spiel war ich zwar nicht nervös, aber doch positiv angespannt. Aber ab dem Moment, wo ich am Platz war, war es ein Spiel wie jedes anders. Ich war deswegen nicht mehr oder weniger nervös.

LAOLA1: Ihr habt das Spiel mit dem 1:0 bis zum Ende spannend gehalten. Du alleine hattest eigentlich genügend Chancen, das Spiel schon früher zu entscheiden. Was hättest du gedacht, wenn ihr das Spiel noch aus der Hand gegeben hättet?

Yilmaz: In dem Fall hätte ich mich selbst dafür beschuldigt. Ich hatte zwar keine hundertprozentigen Chancen, aber trotzdem drei, vier gute Situationen, wo der Ball schon mal reingehen kann. Dass wir im Endeffekt gewonnen haben, hat mich natürlich extrem glücklich gemacht.

"Ich hatte nie die Chance, auch nur einmal schlecht zu spielen."

LAOLA1: Im Moment läuft es ja recht gut für dich. Anfangs in dieser Saison warst du aber teilweise nicht mal im Profikader, hast nur bei den Amateuren gespielt. Woran lag das?

Yilmaz: Es läuft jetzt gut, das stimmt. Ich treffe jetzt schon einige Spiele hintereinander. Ich habe am Anfang in der Liga auch nicht so viele Chancen von Anfang an bekommen, wie ich mir das gewünscht hätte. Wir haben im Verein einen großen Konkurrenzkampf, einen Kader von fast 30 Spielern. Ich habe auch die Vorbereitung aufgrund einer lästigen Verletzung verpasst, habe danach gut sechs, sieben Wochen gebraucht bis ich wieder in die Mannschaft gekommen bin. Wenn ich einmal die Chancen bekommen habe, habe ich mich immer wieder aufs Neue beweisen müssen. Ich hatte nie die Chance, auch nur einmal schlecht zu spielen.

LAOLA1: Du bist nun schon seit einigen Wochen gesetzt und hast zudem eine tolle Torquote von sechs Treffern in den letzten fünf Partien. Würdest du das als deinen Durchbruch bezeichnen?

Yilmaz: Durchbruch? Ja, vielleicht kann man das so nennen. Ich spiele in letzter Zeit fast alle Spiele durch und habe Gott sei Dank auch schon einige Male getroffen. Man kann schon sagen, dass das mein Durchbruch ist. Doch es gibt immer mal wieder Phasen im Fußball, in denen es wieder schlechter läuft, und ich werde wohl auch nicht jedes Spiel so weitertreffen. Das ist mir schon bewusst.

LAOLA1: Obwohl deine persönliche Situation recht rosig aussieht, läuft es für Spartak Trnava nicht so gut. In der Europa League seid ihr ausgeschieden und in der Liga steht ihr als Titelverteidiger nur auf Rang acht. Ihr habt das gleiche Liga-System wie in Österreich, also schätze ich, das Ziel nach der Winterpause heißt Top-6?

Yilmaz: Genau, das Ziel vom Verein war eigentlich mindestens über dem Strich zu stehen. Wir sind der amtierende Meister und wollten eigentlich oberes Playoff spielen. Wir haben uns das sicher nicht so vorgestellt, dass wir so schlecht in der Liga abschneiden. Leider haben wir nicht so aufgespielt, wie wir wollten. Aber das Ziel bleibt dennoch in das obere Playoff zu kommen, was natürlich auch nicht so einfach ist, weil uns ein schwerer Spielplan bevorsteht.

LAOLA1: Wenn ich einen durchschnittlichen österreichischen Fußballfan nach Kubilay Yilmaz frage, wird er mir wohl nicht viel über dich erzählen können. Wie würdest du dich selbst diesem Fan beschreiben?

Yilmaz: Ich bin ein ganz normaler Österreicher mit ausländischen Wurzeln. Ich bin genauso wie die anderen Jungs, die in Wien aufgewachsen sind. Vom Spielertyp her bin ich ein klassischer Neuner. Andere Positionen liegen mir auch nicht wirklich. Ich könnte zwar schon auch Doppelsturm oder hängende Spitze spielen, aber am wohlsten fühle ich mich ganz vorne in der Spitze.

LAOLA1: Wärst du eigentlich sowohl für das Nationalteam Österreichs, als auch für das der Türkei spielberechtigt?

Yilmaz: Ich könnte theoretisch für Österreich, als auch für die Türkei spielen. Ich müsste mich im Falle einer Nominierung noch entscheiden für welches Land ich spiele.

LAOLA1: Du bist ja ein gebürtiger Wiener. Pendelst du eigentlich täglich hin und her oder wohnst du in der Slowakei?

Yilmaz: Nein, ich wohne schon in der Slowakei. Ich fahre aber mindestens einmal pro Woche nach Wien, um meine Eltern oder meine Freunde zu besuchen.

LAOLA1: Du bist als 15-Jähriger damals von Wiener-Stadtliga-Klub Slovan HAC in die Jugend von Rapid gewechselt. Also nehme ich an, in Hütteldorf aufgewachsen und daher auch Rapid-Fan?

Yilmaz: Ich bin in der Rapidler-Gegend, in der Nähe von Hütteldorf aufgewachsen. Ich bin zwar kein Fanatiker, aber da ich natürlich auch schon für Rapid gespielt habe, ist Rapid meinem Herzen schon näher.

Es war bestimmt kein einfacher Weg.

LAOLA1: Der Sprung von der Wiener Stadtliga zu Rapid war bestimmt ein Großer für dich, aber dennoch ein wahrgewordener Traum, nehme ich an. Wie hast du die Zeit erlebt?

Yilmaz: Es war eigentlich gar nicht so ein großer Sprung, weil ich schon mit 15 Jahren unter Gerhard Werner bei Slovan HAC in der Wiener Liga Minuten bekommen habe. Ich habe mich eben dann dafür entschieden in die Akademie zu Rapid zu wechseln. Ich weiß nicht, was dann genau schief gegangen ist. Ich gehe da eigentlich sehr selbstkritisch mit mir um, tu ich auch sonst immer. Es lag bestimmt auch an mir, das bestreite ich nicht. Ich habe mit meiner Entwicklung leider nicht die Schritte gemacht, wie ich das erwartet habe.

LAOLA1: Du hast die Rapid-Akademie nach einem Jahr schon verlassen und bist dann in die Jugend des tschechischen Zweitligisten 1.SC Znojmo gewechselt. Wie ist es dir dort ergangen?

Yilmaz: Ich habe nach meinem Wechsel nach Znojmo in der U21-Liga gespielt, wo die besten U21-Teams Tschechiens, wie zum Beispiel Sparta Prag, mitgespielt haben. In diesen zwei Jahren habe ich mich bestimmt sehr weiterentwickelt.

LAOLA1: Dennoch war das ein recht ungewöhnlicher Schritt für einen 15-Jährigen, oder?

Yilmaz: Es ist natürlich so, dass wenn du den Schritt zu einer österreichischen Akademie nicht schaffst, dann bleiben dir gar nicht so viele Möglichkeiten über. Entweder musst du so einen Weg wählen wie ich, oder es besteht die Chance, dass du mit 18 Jahren wieder irgendwo in der Wiener Stadtliga landest. Da geht man dann schon mal verloren. Es war bestimmt kein einfacher Weg. Ich habe mit 16 Jahren schon alleine in Tschechien gelebt, aber im Endeffekt kann ich sagen, dass es sich ausgezahlt hat und für mich der richtige Schritt war.

LAOLA1: Du spielst nun schon seit sieben Jahren im Ausland, warst aber nie wirklich weit weg von der Heimat. Zudem steht euch in Trnava eine ungewisse Zeit bevor. Der Präsident will den Klub verkaufen, Sportdirektor und Trainer sind vor dem Absprung. Wäre für dich eine Rückkehr nach Österreich denkbar?

Yilmaz: Jeder macht sich in so einer Situation Gedanken, aber ich will mich von dem nicht ablenken lassen. Ich war jetzt Jahre lang im Ausland und habe eigentlich fast keine Spiele in Österreich absolviert, obwohl ich erst 22 Jahre alt bin. Aber grundsätzlich wäre eine Rückkehr, abhängig vom Verein, schon denkbar.

LAOLA1: Und was ist, wenn Rapid anklopft? Immerhin hat Sportdirektor Fredy Bickel offen zugegeben auf der Suche nach einem Stürmer zu sein.

Yilmaz: Ich habe Vertrag bei Spartak Trnava und konzentriere mich voll und ganz auf meine Aufgaben dort, aber ich will nichts ausschließen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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