Fabian Miesenböck: Europa League statt 2. Liga

Fabian Miesenböck: Europa League statt 2. Liga Foto: © GEPA
 

Fabian Miesenböck hat innerhalb weniger Monate einen großen Karrieresprung vollzogen.

Anfang Juni 2018 kämpfte er noch mit dem SC Wiener Neustadt um den Aufstieg in die österreichische Bundesliga. Einige Monate später misst er sich mit großen internationalen Namen wie Fenerbahce Istanbul und RSC Anderlecht in der Europa League.

Seit seinem Wechsel zum slowakischen Meister Spartak Trnava zu Beginn dieser Saison hat sich so einiges im Leben des Mittelfeldspielers verändert. Miesenböck gibt LAOLA1 genauere Einblicke in sein Leben in der Slowakei und seine Vergangenheit unter zwei österreichischen Star-Trainern.

Ein enormer Sprung

Fabian Miesenböck hat im Alter von 25 Jahren seine erste Station im Ausland in Angriff genommen. Durch seinen Wechsel zum slowakischen Meister Spartak Trnava hat er gleich einmal relativ prompt drei Einsätze in der Europa League, sowie fünf Einsätze in der Qualifikation für die Champions League zu seinem Lebenslauf hinzugefügt - und das obwohl er noch keinen einzigen Bundesliga-Einsatz in seiner Vita stehen hat.

"Am Anfang war dann schon ein Unterschied zu sehen. Da ist schon eine Steigerung zur 2. Liga in Österreich zu sehen, vor allem wenn man dann Champions-League-Qualifikation oder Europa League spielt. Am Anfang war es nicht leicht für mich, weil es komplett was anderes war, als ich es gewöhnt bin. Mittlerweile habe ich mich schon richtig gut eingelebt."

"Ich weiß, ich kann Fußball spielen und habe deshalb auch nie an mir gezweifelt."

Eine große Umstellung - für jeden Profi. Der Fußball ist ein anderer, das Tempo ist höher. "Das ist einfach ein robusterer Fußball. Ich bin ja eher ein kleinerer und dynamischer Spieler. Ich muss da schon lernen, den Körper besser einzusetzen."

"Aber ich weiß, ich kann Fußball spielen und habe deshalb auch nie an mir gezweifelt. Auch als ich damals in Wiener Neustadt oder beim LASK war, habe ich immer daran geglaubt, dass ich den Sprung schaffen werde, in eine höhere Liga zu kommen", war sich der Kärntner seines Potenzials immer bewusst.

Kulturschock überwunden

Nicht nur die Spielweise und die Gangart des Gegners hat sich mit diesem Transfer schlagartig verändert - auch die Sprache und Kultur haben einen Wandel vollzogen.

"Mittlerweile habe ich mich schon richtig gut eingelebt. Ich verstehe mich mit jedem, kann mich mit jedem unterhalten. Mein Englisch wird auch immer besser, dazu lerne ich natürlich auch ein bisschen Slowakisch, obwohl es natürlich schwierig ist, aber ich gebe mein Bestes."

"Ich denke, ich komme ganz gut in der Mannschaft an, alle haben mich akzeptiert und wissen auch, was meine Qualitäten sind", fühlt sich Miesenböck nach einer Eingewöhnungszeit von ein paar Monaten nun vollkommen in die Mannschaft integriert.

Ungewissheit über Vereinswechsel

Dass Fabian Miesenböck den direkten Sprung von einem österreichischen Zweitligisten zu einem Europa-League-Teilnehmer schaffen würde, damit hat er selbst wohl auch nicht gerechnet. Immerhin lag der Fokus vor ein paar Monaten noch voll und ganz auf dem SC Wiener Neustadt und dessen Ziel: der Aufstieg in die Bundesliga.

Eigentlich sah vieles danach aus, dass Fabian Miesennöck in der Saison 2018/19 in der österreichischen Bundesliga zu sehen sein wird. Dieser Überzeugung war auch Miesenböck: "Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass ich in Wiener Neustadt bleibe."

"Zuerst gab es ja diese Lizenz-Geschichte in Hartberg, wo eigentlich keiner von uns gedacht hat, dass sie die Lizenz kriegen. Leider haben wir es über die Relegation dann auch nicht geschafft. Da hat dann leider der letzte Punch gefehlt. Aber so ist es eben im Fußball, du kannst nicht immer nur Erfolg haben und das war eben eine Niederlage."

So kam das Angebot von Spartak Trnava. Der slowakische Klub, der sich sich gerade zuvor erstmals zum slowakischen Meister küren konnte, punktete bei Miesenböck vor allem mit dem Fakt, Champions-League-Qualifikation zu spielen. Ein Punkt, der wohl den Ausschlag gegeben hat, sich Trnava anzuschließen.

Im Europacup ausgeschieden

Auch wenn man in der 3. Runde der Qualifikation für die Königsklasse knapp an Salzburg-Schreck Roter Stern Belgrad gescheitert ist, so konnte man sich immerhin das Ticket für die Europa League sichern.

Trnava schloss die Europa-League-Gruppe mit RSC Anderlecht, Dinamo Zagreb und Fenerbahce Istanbul mit zwei Heimsiegen gegen die Belgier und die Türken ab - für den Aufstieg reichte es allerdings nicht. Miesenböck durfte auf der großen internationalen Bühne allerdings nie von Beginn an ran. Er musste mit Einwechslungen Vorlieb nehmen.

"Man will in der Europa League immer 100 Prozent geben."

Dennoch eine Erfahrung, die der 25-Jährige nicht missen möchte: "Die Europa League ist immer etwas Besonderes. Da ist man immer topmotiviert – vor ausverkauftem Haus überhaupt. Man will in der Europa League immer 100 Prozent geben."

Trnava enttäuscht in der Liga

Trotz des respektablen Abschneidens Trnavas im Europacup, hinkt der amtierende Meister in der Liga noch hinterher. Die slowakische Fortuna Liga hat das gleiche System wie die österreichische Bundesliga. Eine Zwölfer-Liga, welche nach der ersten Saisonhälfte in zwei Teile geteilt wird.

Spartak Trnava steht nur auf Rang acht. Vier Spiele bleiben noch, das Ruder rumzureißen. "Wir sind in der Liga unseren Erwartungen nicht nachgekommen. Diese Dreifachbelastung mit Pokal, Liga und Europacup war schon außergewöhnlich. Man darf nicht vergessen, dass wir dadurch viel unterwegs waren. Du hast lange Anreisen, fliegst wieder zurück – eigentlich sind wir ein halbes Jahr nur im Bus oder im Flieger gesessen."

Als Ziel gilt noch immer, einen Europacup-Startplatz herauszuholen, auch wenn dies ein schweres Unterfangen darstellt: "Unser Ziel heißt jetzt, zumindest den Pokal zu holen, so dass wir nächstes Jahr wieder Europacup spielen können."

Verletzung bremst Miesenböck aus

Leider schlich sich beim Kärntner Ende Oktober der Verletzungsteufel ein. Der ÖFB-Legionär musste gleich vier Wochen wegen einer Gehirnerschütterung pausieren. "Da war schon Pech dabei", sagt Miesenböck.

Seine persönliche Leistung bilanziert er dennoch durchwegs positiv. "Ich glaube, dass ich eigentlich ein gutes halbes Jahr gespielt habe. Wenn ich mir die Statistiken anschaue, dann habe ich in den neun Pflichtspielen, in denen ich in der Startelf war, sieben Tore gemacht. Ich kann mir da eigentlich nichts vorwerfen."

Dennoch würde er sich wünschen, öfter in der Startelf zu stehen. "Man kann nicht immer alles verstehen, aber es ist eben so. Ich muss einfach weiter Gas geben", sagt der 25-Jährige.

Unter den besten Coaches trainiert

Obwohl Miesenböck zuvor "nur" in der 2. Liga Österreichs aktiv war, so hatte er dennoch das Privileg von zwei Top-Trainern Österreichs trainiert zu werden. Ein Jahr unter Oliver Glasner beim LASK, sowie ein weiteres Jahr unter Roman Mählich in Wiener Neustadt. "Es sind beide hervorragende Trainer."

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Mit dem LASK wurde er im Jahr 2017 Meister der damaligen Ersten Liga. Allerdings fand er sich damals im System von Oliver Glasner nicht wirklich zurecht. "Glasner ist ein Perfektionist. Er kommt von der Red-Bull-Salzburg-Schule, da muss alles passen. Unter dem Spielstil damals beim LASK habe ich mich nicht so integrieren können, wie dann später unter Roman Mählich."

Dennoch sah zunächst alles danach aus, als würde Miesenböck dem LASK in die Bundesliga folgen. "Das war eigentlich eine komische Geschichte. Ich hatte damals einen Vertrag mit einer Option auf Verlängerung. Eigentlich hat man mir gesagt, dass die Option gezogen wird. Im Endeffekt ist es dann doch nicht so gewesen, warum auch immer."

So kam es zum Wechsel nach Wiener Neustadt. Dort entwickelte sich Miesenböck zu einem absoluten Leistungsträger, was durchaus auch auf den Coach zurückzuführen war. "Ich habe mich unter Roman Mählich sehr weiterentwickelt, er hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Da habe ich unter Beweis stellen können, dass ich der Mannschaft auch weiterhelfen kann."

"Das hat Mählich überragend gemacht!"

Speziell Mächlichs menschliche Art scheint es dem Kärntner angetan zu haben. "Bei ihm hat mir speziell seine Menschlichkeit irrsinnig gut gefallen. Ich brauche einen Trainer, der einen Schmäh hat, der auf mich setzt und mir Vertrauen gibt. Und genau diese Menschlichkeit hat Roman Mählich mir, aber auch der ganzen Mannschaft, rübergebracht."

"Ich glaube, es gibt keinen, der sich nicht mit dem Trainer verstanden hat oder über ihn schlecht geredet hätte. Auch das ist nicht überall so! Denn die Spieler, die nicht von Anfang an spielen, oder weniger zum Zug kommen, müssen ja auch immer auf Standby sein, oder sich mit dem Trainer verstehen, denn es kann ja immer etwas passieren. Genau das hat Mählich überragend gemacht! Natürlich trotzdem immer mit einem gewissen Abstand, denn zu viel Freund ist auch nicht gut, aber er hat da die perfekte Mischung gehabt", gerät Miesenböck über seinen Ex-Coach ins Schwärmen.

Doch welcher der beiden Coaches wird auf lange Sicht den größeren Erfolg vorweisen? Miesenböck will sich nicht festlegen: "Ich glaube, dass beide sehr erfolgreich sein werden. Oliver Glasner ist ein überragender Trainer, da brauchen wir nicht lange darüber reden! Das zeigt er jetzt schon seit einigen Jahren."

"Auch Roman Mählich hat das speziell mit der Wende bei Sturm Graz unter Beweis gestellt. Oft sind es Kleinigkeiten, die einer Mannschaft helfen, oder sie wieder weiter nach vorne bringt", ist sich Miesenböck sicher.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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