Gerhard Strubers bewegtes Jahr

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Zu behaupten, dass der Start von Gerhard Struber in das Abenteuer bei den New York Red Bulls holprig war, grenzt an eine drastische Untertreibung.

Der Salzburger hat sein Amt Anfang Oktober übernommen, die „Red Bulls“ haben für die Dienste Strubers angeblich zwei Millionen Euro Ablöse an Barnsley überwiesen. Ab da hieß es: Bitte warten! Der Visa-Prozess hat mehrere Wochen gedauert, das erste Spiel, das der 43-Jährige von der Seitenlinie aus betreuen konnte, war just das Aus in den Playoffs gegen Columbus Crew.

Der ehemalige WAC-Trainer befindet sich nun nach dreieinhalb Wochen Aufenthalt in New York wieder in seiner Heimat. Es war, neben den offensichtlichen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie, ein turbulentes Jahr für Struber, der innerhalb von zwölf Monaten zweimal den Verein wechselte.

Im November 2019 ging es für den Salzburger vom Wolfsberger AC zum FC Barnsley in die englische Championship. Nach geschafftem Klassenerhalt verabschiedete er sich Richtung MLS zu den New York Red Bulls.

"Es war schon ein bisschen kurios", sagt Struber bei einem Online-Medientermin. Die häufigen Wechsel in den letzten Monaten hatte er so nicht geplant.

"Als ich zum WAC gekommen bin, habe ich einen Jahresvertrag mit Option unterschrieben", so Struber, der längerfristig bei den Lavanttalern bleiben wollte. "Gleichzeitig aber ist es uns gelungen, auf kurzem Weg wahnsinnig viel zu bewerkstelligen. Auf einmal hat es Anfragen aus Deutschland und England gegeben."

"So eine Chance ergibt sich so schnell nicht wieder"

Die Möglichkeit, im Mutterland des Fußballs zu arbeiten, hat sich der 43-Jährige nicht entgehen lassen wollen, wie er aus damaliger Sicht erzählt: "So eine Chance ergibt sich für mich so schnell nicht wieder, speziell für einen österreichischen Trainer."

Wichtig sei für ihn damals schon die persönliche Entwicklung gewesen. Die "Tykes" hatte Struber damals im Abstiegskampf übernommen, durch einen unglaublichen Kraftakt - und einen Punkeabzug für Wigan Athletic - gelang am letzten Spieltag aber doch noch die Rettung. Ursprünglich hatte Struber vor, seinen Weg trotz anderer Angebote in Barnsley fortzusetzen.

"Es hat sich herausgestellt, und das ist für mich absolut okay, dass die Eigentümer einen Weg gehen wollen, der sehr restriktiv ist", so Struber, der selbst immer davon spricht, sich ambitionierte Ziele zu setzen. Mit den Besitzern des Vereins war er da offensichtlich nicht auf einer Linie.

Struber will sich in New York verwirklichen

Bei seinem neuen Arbeitgeber ist dies nun anders. Struber merkte bei der Anfrage der Red Bulls: "Die wollen mich unbedingt. Ich kann dort möglicherweise meine ambitionierten Ziele auch verwirklichen. Mit Ressourcen, die speziell sind, wenn man weiß, wie es in der Red-Bull-Welt zugeht. Ich kann mich einfach von meiner Persönlichkeit als Trainer, als Mensch besser entwickeln."

Die Entscheidung pro New York war dann laut Struber relativ schnell getroffen. Dennoch ist das vergangene Jahr nicht spurlos am Salzburger vorbeigegangen.

Die Vereinswechsel haben "dazu geführt, dass im letzten Jahr sehr viel los war in meinem Leben, das aber gleichzeitig auch Energie kostet, wenn man sich immer wieder auf etwas Neues einstellt und immer wieder in andere Länder zieht.“

Auch privat stellt das den Familienvater vor Herausforderungen, wie er auch schon im Juli gegenüber LAOLA1 betonte. "Fußballtrainer ist für ein Familienleben nicht das Feinste, was man sich vorstellen kann. Das muss man auch einmal festhalten", sagt Struber am Dienstag.

Familien-Umzug nach New York als Herausforderung

Vor dem Wechsel in die USA war es der Plan, die Familie nach England zu holen. An diesem Vorhaben ändert sich nun nicht viel, lediglich die Destination.

"Meine Frau trägt irrsinnig viel mit und ist in Wahrheit die große Managerin daheim und hält diesen Laden am Laufen. Gleichzeitig haben wir uns gewünscht, diesen Weg nach Amerika gemeinsam zu machen. Meine Familie wird in absehbarer Zeit nachkommen. Die Kinder wollen natürlich das Schuljahr beenden. Dann wollen wir alle gemeinsam in New York das Familienleben haben, das wir uns vorgestellt haben", so Struber, der trotzdem Herausforderungen auf seine Familie zukommen sieht.

"Auf der einen Seite ist die Freude riesengroß, gemeinsam in New York zu sein. Auf der anderen Seite weiß ich auch: Für meinen Sohn, der ist elf Jahre alt, der spielt bei Red Bull Salzburg im Nachwuchs, der liebt die Welt hier in Salzburg, er hat alle seine Freunde hier. Für ihn wird das eine Challenge."

Dennoch sieht Struber für seinen Nachwuchs auch Chancen, vor allem durch das Eintauchen in eine neue Kultur.

"Mit Marsch im Austausch", aber keine Hintertür zu RBS

Auch im Fußball wartet auf den Trainer ein Kulturwechsel. Struber beobachte die MLS schon vor seinem Engagement und weiß, dass die Liga hauptsächlich über die Physis kommt. Trotzdem versprühen einige Mannschaften einen gewissen Spielwitz durch den Lateinamerikanischen Einfluss der verschiedensten Imports.

"Ich traue mir zu sagen, dass es von der Physis in eine ähnliche Richtung geht wie die Championship", technisch stehe die MLS über der österreichschen Bundesliga.

"Ich war mit Jesse immer wieder im Austausch, wir kennen uns schon längere Zeit. Am Ende hat mir Jesse sehr viele Dinge mitgeben können, wie die MLS läuft, wie die Kultur in der Liga ist, auch im Klub. Das habe ich dort Eins-zu-Eins so vorgefunden."

Gerhard Struber

Einen persönlichen Rückschritt sieht Struber im Weg nach Amerika nicht. "Mein spezieller Trainer-Weg führt nicht immer, vielleicht so wie es der Mainstream andenkt, in eine Richtung. Man muss auch den einen oder anderen Umweg gehen. Amerika ist speziell für mich eine Chance mich zu entwickeln, in eine Kultur einzutauchen, die mich auf meiner Klaviatur noch einmal breiter ausrichtet", so der Salzburger.

Eine Hintertür zu Red Bull Salzburg, einen ähnlichen Weg hatte Jesse Marsch genommen, stellt das Engagement in New York nicht da.

Von LAOLA1 auf seinen Vorgänger im "Big Apple" angesprochen, meint Struber, dass er vor seinem Wechsel zu den Red Bulls durchaus mit dem US-Amerikaner in Kontakt stand.

"Ich war mit Jesse immer wieder im Austausch, wir kennen uns schon längere Zeit. Am Ende hat mir Jesse sehr viele Dinge mitgeben können, wie die MLS läuft, wie die Kultur in der Liga ist, auch im Klub. Das habe ich dort Eins-zu-Eins so vorgefunden."

Lockt Struber Österreicher in die MLS?

Große Eingewöhnungszeit in sein neues Umfeld ist jedenfalls nicht von Nöten. "Es ist ein Vorteil, wenn man nativ in die Red-Bull-Welt eingetaucht ist, weil man die Philosophie kennt, wie wir gemeinsam spielen wollen. Das macht es für mich einfacher. Ich kenne sehr viele Menschen in der Red-Bull-Welt. Ich weiß, wie ambitioniert die Ziele hier sind, wie hoch der Standard ist. Es ist kein Neuland für mich, ich tauche in eine Welt ein, die mir sehr bekannt vorkommt", verrät Struber.

Der Salzburger arbeitet, wie so viele in dieser ungewöhnlichen Zeit, digital von zu Hause aus. Oberstes Ziel sei aktuell die Kaderplanung für die kommende Saison. "Jetzt ist das Gebot der Stunde, die Mannschaft zu verstärken", gibt der 43-Jährige an.

Dafür kommen auch Spieler aus Österreich in Frage, so Struber, der über die Nachwuchsarbeit in Österreich schwärmt. "Österreich ist generell in der Ausbildung richtig gut unterwegs, macht einen großen Job." Der ehemalige Profi aus Kuchl wird laut eigenen Angaben auch im Ausland immer wieder auf die Ausbildungsarbeit in seiner Heimat angesprochen. In wie weit Synergien nach Salzburg genutzt werden, lässt der 43-Jährige offfen.

"Mit Caden haben wir einen Spieler, den wir uns wünschen. Das ist der Prototyp eines Talentes, wie wir es uns vorstellen. Er bringt viel von der Identität mit, er hat eine unbekümmerte Art und Weise, die ihn in der MLS in der sehr kurzen Zeit bekannt gemacht hat."

Gerhard Struber

Mit Daniel Royer findet Struber einen Landsmann in der Weltmetropole vor. Dieser sei Fixpunkt in seinen Überlegungen: "Daniel Royer hat eine sehr erfolgreiche Zeit bei RBNY erlebt und ist auch in Zukunft ein wichtiger Spieler im Kader und gehört zum Kreis der Spieler, mit denen wir in die Zukunft gehen wollen."

Kein Thema ist indes Salzburg-Leihgabe Samuel Tetteh, dessen Leihe nicht verlängert wird. "Man muss sich, dort wo man ist, immer sehr wohlfühlen. Wenn das am Ende nicht unbedingt der Fall ist, ist es besser wenn man neue Wege geht. Daher war das eine gemeinsame Entscheidung von allen Partien. Kein Alleingang von uns oder Salzburg", so Struber zu den Gründen der Trennung.

"Wunderkind" Clark: "Ein sehr interessanter Spieler für Europa"

Langfristiges Ziel des Vereins sei es, ein guter Ansprechpartner für junge hochveranlagte Spieler zu sein. "Wir wollen diesen Spielern den nächsten Schritt in einer starken Liga ermöglichen", so Struber.

"Wir wollen Spieler entwickeln, die für den Fußballmarkt interessant sind. Wir wollen eine Adresse in der MLS werden, wo junge Spieler einen klaren Fokus bekommen." Mit dem 17-jährigen Caden Clark hat Struber ein vielversprechendes Talent in den eigenen Reihen, wie er auf LAOLA1-Nachfrage erklärt.

"Mit Caden haben wir einen Spieler, den wir uns wünschen. Das ist der Prototyp eines Talentes, wie wir es uns vorstellen. Er bringt viel von der Identität mit, er hat eine unbekümmerte Art und Weise, die ihn in der MLS in der sehr kurzen Zeit bekannt gemacht hat. Ich habe ihn in den letzten dreieinhalb Wochen sehr eng bei mir gehabt und ihn persönlich kennengelernt. Er ist ein sehr intelligenter Bursch, der schon unglaublich reif ist und genau weiß, was er will", erzählt der 43-Jährige.

Der Offensivspieler ist allerdings nicht nur eine heiße Aktie für die Zukunft, auch in der kommenden Spielzeit gehört Clark zum Stammpersonal. "Das ist ein junger Bursch, der für uns ein Schlüsselspieler für die Ziele im nächsten Jahr ist. Daher wollen wir mit ihm den nächsten Schritt machen, er auch für sich."

Der Weg nach Europa, möglicherweise zu den Schwesterklubs nach Leipzig oder Salzburg scheint jedenfalls vorgezeichnet. "Er freut sich sehr auf dieses gemeinsame Jahr und Spielzeit. Wenn er so weiter macht, wird er ein sehr interessanter Spieler für Europa."

Struber setzt sich ambitionierte Ziele

Sportlich soll es für die Red Bulls nach einem mäßigen Jahr wieder ganz nach vorne gehen, erklärt Struber: "Wir sprechen sehr klar darüber, dass wir in der Liga ganz vorne um den Supporters Shield kämpfen wollen. Dafür braucht es eine Kaderdichte in der Spitze und der Breite. Da wollen wir schon eine Veränderung anstreben."

Wahllos investiert kann aufgrund der Salary Cap und den unzähligen Transferbeschränkungen in der MLS ohnehin nicht werden.

Doch nicht nur die Entwicklung der Spieler steht im Vordergrund, auch Erfolg auf dem Spielfeld hat Priorität. "Wir wollen nicht wie dieses Jahr im letzten Moment in die Playoffs kommen, wir wollen uns ganz vorne in unserer Confernce etablieren. Wenn es um den MLS-Cup geht, der ja der größte Titel in Amerika ist, wollen wir ein gewichtiges Wort mitsprechen", sagt der Salzburger.

Wann Struber dieses Unterfangen mit den New York Red Bulls angehen kann, ist unklar. Der Starttermin für die neue Saison steht noch nicht fest. Erst sechs Wochen vor Saisonstart dürfen die Vereine mit der Vorbereitung beginnen. Für Struber geht es Anfang Jänner wieder zurück nach New York - mit neuen Zielen und Ambitionen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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