Liverpool: Wer soll van Dijk und Co. ersetzen?

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Jürgen Klopp kann einem fast leidtun.

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Virgil Van Dijk (Kreuzbandriss), Alexander-Arnold (Wadenverletzung), Fabinho (Oberschenkelverletzung) und nun Joe Gomez, der sich eine Sehnenverletzung im Knie zuzog (alle Infos>>>), muss der Liverpool-Trainer beinahe seine gesamte Defensive vorgeben.

Speziell die Innenverteidigung wird zur Problemzone – hier stehen dem Deutschen mit Joel Matip, der allerdings mit muskulären Problemen zu kämpfen hat und in dieser Saison erst auf 182 Spielminuten kommt, dem jungen Niederländer Sepp van den Berg, dem 19-Jährigen Rhys Williams und Nathaniel Phillips, der letzte Saison noch auf Leihbasis für den VfB Stuttgart auf dem Feld stand, gerade einmal vier Optionen zur Verfügung. Und die Erfahrung lässt zu wünschen übrig.

In der Champions League kann der Sieger der Saison 2018/19 derzeit gar nur auf Matip und Williams setzen, da bei der Kaderbekanntgabe für die Königsklasse 24 Spieler für den kommenden Bewerb nominiert werden mussten. Es gibt zwar eine B-Liste, quasi die Reserveliste - in eben dieser scheint aber schon der 19-Jährige Williams auf, die nächste Nominierungsphase findet erst vor der KO-Runde statt.

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Fast verkauft und urplötzlich das Premier-League-Debüt

Keiner der aktuell "fitten" zentralen Abwehrspieler hätte unter normalen Umständen einen Stammplatz in Klopps Team. Vor allem Phillips sollte nach seiner Rückkehr aus Deutschland im vergangenen Transferfenster abgegeben werden, steht nicht einmal im Champions-League-Kader der "Reds".

Klopp sagte über den Engländer: "Zwölf Championship-Klubs wollten ihn im Sommer. Ich hatte kein Problem damit, dass er gehen sollte, aber es hat aus irgendeinem Grund nicht geklappt, und heute Abend war er genau der Richtige." Hier spricht der Erfolgscoach den 31. Oktober an.

Da feierte der 23-Jährige sein Pflichtspieldebüt für den amtierenden Meister und wusste bei seinem Einstand direkt zu überzeugen. Mit neun klärenden Aktionen, davon sechs per Kopf (!), lieferte der Abwehrspieler nicht nur ein Wahnsinns-Spiel, sondern auch gleich die Spitzenwerte bei seinem Premier-League-Debüt. "Sky Sports" wählte ihn folgerichtig zum "Man of the Match".

Und sein Trainer kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: "Wie wir verteidigen. Nat Philipps, wow! Ich könnte nicht zufriedener sein. Vor dem Spiel habe ich ihn gefragt, ob er nervös sei, er sagte nein. Ich meinte zu ihm: 'Ich wär's!' Denn es macht dich hellwach, ab der ersten Sekunde. Er war selbstbewusst, hat geliefert und ein wirklich gutes Spiel hingelegt."

2019 Kidderminster, 2020 Champions League

Aber auch der 1,95 Meter große Williams überzeugt bisher - allerdings, anders als Phillips, nur in der Champions League. In der Premier League saß der 19-Jährige Defensivspieler lediglich einmal auf der Bank, beim 2:1-Erfolg über West Ham.

Vor gut einem Jahr sah die Situation beim aktuellen U21-Teamspieler noch deutlich düsterer aus. Der Mann aus Preston wurde Ende Juli 2019 zu den Kidderminster Harriers ausgeliehen. Der Verein, südwestlich von Birmingham gelegen, spielt derzeit in der sechstklassigen National League North.

Die Zeit im Amateurfußball sollte Williams auch prägen - so blickt der Coach des Sechstligisten, Russell Penn, auf den Leihdeal zurück: "Man kann hier echt den Arsch versohlt bekommen von Spielern, denen egal ist, wo du herkommst. Ich glaube, Rhys hat das hier schnell verstanden und darum war er hier sehr respektiert."

Bereits im Winter-Transferfenster wurde Williams aber wieder zurückgeholt, kam dann jedoch nur in der Jugendliga der Premier League zum Einsatz. Und plötzlich steht der Rechtsfuß nach den vielen Verletzungen in der Champions League auf dem Feld und darf der wundervollen Hymne vor Spielbeginn lauschen.

Bei Liverpool halten sie "unheimlich viel" vom Innenverteidiger, den sie im Sommer mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet haben. Klopp hätte sein Talent aber gerne noch etwas vom großen Rampenlicht ferngehalten, durch die Verletzungsprobleme musste Williams aber in die Bresche springen - mit Bravour. In den englischen Medien wird der 19-Jährige sogar mit Star-Verteidiger Van Dijk verglichen, aufgrund seines Körperbaus und seiner Spielanlage.

Der unerfahrene Niederländer

Der dritte Jungspund im Bunde ist der Niederländer Sepp van den Berg, der im Sommer 2019 aus Zwolle zu den "Reds" wechselte. 1,9 Millionen Euro ließ sich der amtierende Meister die Dienste des erst 18-Jährigen kosten.

Bisher absolvierte der 1,89 Meter große Youngster erst vier Pflichtspiele für die Truppe von Jürgen Klopp - drei davon im Carabao Cup 2019/20 (vs. MK Dons, Arsenal und Aston Villa) sowie eines im FA Cup (vs. Shrewsbury) vergangene Saison. Van den Berg sollte behutsam aufgebaut werden, nun steht aber auch er davor, in der Premier League aufzulaufen.

Immerhin wird "Kloppo" rotieren müssen, denn in der Champions League stehen nominell nur Matip und Williams zur Verfügung, in der Premier League werden aber wohl Phillips und van den Berg ihre Chancen bekommen.

Es stehen harte Wochen für Liverpool an - bereits am 21. November empfängt man den aktuellen Tabellenführer Leicester City, bevor es nur vier Tage später bereits gegen Atalanta in der Königsklasse weitergeht. Bis Anfang Jänner stehen elf (!) Partien am Programm, erst dann könnten die "Reds" auf dem Transfermarkt tätig werden.

Kommt nun Alaba wieder ins Gespräch?

In eben jenem Winter-Transferfenster muss der 19-fache Meister aktiv werden, will er in der laufenden Saison in allen Bewerben ein Wörtchen mitreden.

Ex-Liverpool-Kapitän Jamie Redknapp, der für "Sky Sports" als Experte arbeitet, meint sogar: "Dem Klub sind die Hände bis zu einem gewissen Punkt gebunden, weil jeder weiß, dass du verzweifelt bist und deswegen werden die Preise steigen."

Ein gewichtiger Punkt in der Suche nach neuen Spielern, allen voran auch bei David Alaba. Das die "Reds" Interesse am ÖFB-Star zeigen, ist hinlänglich bekannt, ein Transfer im Winter scheint aber praktisch ausgeschlossen, auch aufgrund der hohen Transfersumme, welche die Bayern bestimmt aufrufen würden.

Vereinslose Spieler wären zwar eine Option, würden allerdings nicht in das Beuteschema Klopps passen. So muss der aktuelle Tabellendritte der Premier League kreativ werden und anderweitig nach Verstärkungen suchen.

Denn Matip, Williams, Phillips und van den Berg sind zwar alle Spieler mit unbestrittenem Talent und Können. Der FC Liverpool wird aber trotzdem endlos glücklich sein, wenn seine Stamm-Defensive wieder einsatzbereit ist und den Stürmern dieser Welt das Fürchten lehrt.

Textquelle: © LAOLA1.at

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