Kalajdzic: "Das ist auch kein Freibrief für mich"

Kalajdzic: Foto: © getty
 

Sasa Kalajdzic ist einer der Senkrechtstarter in der laufenden Saison der deutschen Bundesliga! Mit zehn Treffern und vier Torvorlagen spielt sich der gebürtige Wiener in die Herzen der Fans des VfB Stuttgart.

Dabei musste der baumlange Stürmer zu Beginn seiner Zeit im Südwesten Deutschlands einen herben Rückschlag hinnehmen - nur zwei Wochen nach seinem Transfer von der Admira nach Stuttgart setzte ihn ein Kreuzbandriss für ein knappes Jahr außer Gefecht.

Nach seinem Debüt in der zweiten deutschen Bundesliga ging es schnörkellos in der Bundesliga weiter, wo er seinem Team mit wichtigen Toren eine Vielzahl an Punkten sichern konnte. Mittlerweile steht Kalajdzic auch auf der Liste von ÖFB-Teamchef Franco Foda, der den Österreicher mit serbischen Wurzeln im vergangenen Herbst zum Nationalteam-Debüt verhalf.

Nun stehen richtungsweisende Wochen für Stuttgart und den 23-Jährigen an, doch nach dem Highlight deutsche Bundesliga könnte im kommenden Sommer der bisherige Höhepunkt in seiner Karriere folgen - die Europameisterschaft 2021.

Im LAOLA1-Interview spricht Sasa Kalajdzic über seine Anfänge im Schwabenland. Dazu erzählt er, warum er sich letztlich für Stuttgart entschied und wie er die aktuelle Lage sieht. Außerdem spricht er über sein erstes Mal im Nationalteam, den Konkurrenzkampf im ÖFB-Team und warum die österreichische Bundesliga schlechter geredet wird, als sie eigentlich ist.

LAOLA1: Sasa, du absolvierst bisher eine tolle Saison – in 21 Liga-Spielen hast du zehn Treffer und vier Vorlagen erzielt. Wie schätzt du die bisherige Spielzeit ein?

Sasa Kalajdzic: Unterm Strich bin ich wirklich sehr zufrieden. Es gab gute Spiele, es gab auch Spiele, die jetzt nicht so gut waren. Aber es ist mein erstes Jahr nach einer langen Verletzung und deshalb hätte ich das vor der Saison auch so unterschrieben. Es kann immer besser sein, es gab auch einige Situationen, wo ich ein paar Chancen liegen gelassen habe. Ich habe aber auch einige Tore gemacht, bei denen ich nicht erwartet habe, dass ich sie mache.

LAOLA1: Du bist im Juli 2019 nach Stuttgart gewechselt, zwei Wochen später hast du dir in einem Testspiel gegen den SC Freiburg das Kreuzband gerissen und bist ein knappes Jahr ausgefallen. Wie war dein verspätetes erstes Mal auf dem Feld mit dem VfB Stuttgart?

"Einerseits bin ich immer enttäuscht, wenn ich nicht von Beginn an spiele, weil ich natürlich immer spielen möchte. Andererseits muss ich mir selber auch bewusst sein, dass ich auch aufgrund der herrschenden Konkurrenz immer weiter an mir arbeiten muss. Ich sehe das allerdings als große Motivation."

Sasa Kalajdzic

Kalajdzic: Es war ein geiles Gefühl - dazu noch gegen den HSV, das war ein wirklich wichtiges Spiel. Das war auch ein Moment, an den ich mich immer erinnern werde, nur die Zuschauer haben damals gefehlt. Trotzdem bin ich einfach glücklich, wie das alles verlaufen ist. Ich war aber auch während meiner Verletzung glücklich und gut aufgehoben. Man hat mich hier immer unterstützt, die Leute waren freundlich zu mir und ich bin froh, im Schwabenland zu sein.

LAOLA1: Warum fiel denn damals die Entscheidung für Stuttgart und nicht für einen größeren Klub in Österreich?

Kalajdzic: Ich hatte bei Stuttgart das beste Gefühl. Es gab wohl auch Interesse von anderen Klubs. Ich sah aber den Schritt in die 2. Deutsche Bundesliga zu einem Klub, der sich gut aufstellte und diese offensive Art von Fußball spielen möchte. Dazu kommen noch die Tradition und das Umfeld, das hat für mich letztendlich am meisten Sinn ergeben. Mein Bauchgefühl hat dann gesagt, ich will diesen Schritt jetzt gehen.

LAOLA1: Sprechen wir noch kurz über die aktuelle Saison: In der laufenden Spielzeit stehst du einmal von Beginn an auf dem Platz, in anderen Spielen sitzt du nur auf der Bank. Wie gehst du damit um?

Kalajdzic: Einerseits bin ich immer enttäuscht, wenn ich nicht von Beginn an spiele, weil ich natürlich immer spielen möchte. Andererseits muss ich mir selber auch bewusst sein, dass ich auch aufgrund der herrschenden Konkurrenz immer weiter an mir arbeiten muss. Ich sehe das allerdings als große Motivation. Es ist auch weiterhin eine Findungsphase, denn am Anfang habe ich richtig gute Leistungen (drei Spiele, drei Tore, Anm.) gezeigt. Danach hatte ich zwar keinen Einbruch in meinen Leistungen, aber ich habe einfach die Tore nicht gemacht. Nach dem Nationalteam im Oktober ging alles relativ schnell und da ist es auch in der Entwicklung normal, dass man nicht immer Höchstleistungen bringen und immer treffen kann. Es gibt Leute, die können das, aber soweit war ich zu Saisonbeginn noch nicht. Das war dann auch eine Phase, in der ich an mir weiterarbeiten und dranbleiben musste. In den letzten Spielen hat es wieder besser funktioniert und das zeigt mir, dass dieser Weg, dieser Fleiß, sich auch auszahlen. Es gab aber leider auch Spiele, die ich gut absolviert habe und im nächsten Spiel saß ich nur auf der Bank, weil taktische Änderungen getroffen wurden oder die Konkurrenz auf meiner Position einfach richtig groß ist. Das sind oft nur knappe Entscheidungen, die halt nicht für mich gefallen sind. Ich zeige dem Trainer aber auf dem Platz, dass ich immer spielen will und arbeite daran, dass solche Entscheidungen in Zukunft zu meinen Gunsten ausfallen.

LAOLA1: Der Konkurrenzkampf ist ja wirklich riesig – mit Silas Wamangituka (elf Saisontreffer, Anm.) und Nicolas Gonzalez (sechs Saisontore, Anm.) gibt es weitere treffsichere Akteure. Aber vor allem mit Gonzalez, der nun nach einem Muskelfaserriss mehrere Wochen ausfällt, hast du um den Platz in der Sturmspitze gekämpft. Kannst du diese Situation vielleicht ausnutzen?

"Ich wusste natürlich, dass es für mich eventuell schwieriger sein könnte, weil ein neuer Trainer am Anfang noch nicht weiß, was er an mir hat."

Sasa Kalajdzic

Kalajdzic: Ich würde, ehrlich gesagt, lieber in der Startelf stehen, wenn "Nico" fit ist. Auch wenn er jetzt nicht fit ist, habe ich keinesfalls eine Startelf-Garantie. Das ist auch kein Freibrief für mich. Ich muss einfach jeden Tag, in jedem Training und bei jedem Spiel Höchstleistungen bieten. Ich muss dem Trainer zeigen, dass ich das will und wenn ich das schaffe, dann werde ich dafür auch belohnt. Gleichzeitig habe ich mir bestimmt einen gewissen Wert erarbeitet, auch innerhalb der Mannschaft und beim Trainerteam. Ich denke, dass viele Entscheidungen jetzt für mich getroffen werden, aber das habe ich mir hart erarbeitet. Da will ich auch weitermachen.

LAOLA1: Nachdem du bereits den Trainer ansprichst – als du nach Stuttgart gewechselt bist, wurde das Team noch von Tim Walter betreut, der allerdings während deiner Verletzungspause im Winter 2019 entlassen wurde. In der Folge wurde Pellegrino Matarazzo vorgestellt. War da eine gewisse Unsicherheit bei dir vorhanden, ob der neue Trainer auch auf dich setzt?

Kalajdzic: Ich wusste natürlich, dass es für mich eventuell schwieriger sein könnte, weil ein neuer Trainer am Anfang noch nicht weiß, was er an mir hat. Natürlich sticht hervor, dass ich sehr groß bin, aber mittlerweile wissen viele, dass ich auch nicht so schlecht mit dem Ball bin. Ich bin auch nicht wegen einzelnen Personen nach Stuttgart gekommen, sondern weil der Verein und ich das wollten. Trainerwechsel sind gang und gäbe, aber es kann auch blöd sein, wenn der alte Trainer auf dich gesetzt hat und beim Neuen musst du dir das erst wieder erarbeiten. Das sehe ich aber wieder als Chance, um zu zeigen, dass er mich brauchen wird. Das erste Gespräch mit Trainer Matarazzo war gut, daher hat das auch gepasst.

LAOLA1: Inwieweit hast du deinen Kreuzbandriss genutzt, um dich auch körperlich zu verstärken?

Kalajdzic: Ich habe in der Reha sehr viel mit meinem Reha-Trainer an der körperlichen Fitness gearbeitet. Ich bin aber auch nicht der bullige Typ, obwohl ich schon versuche, mich so kräftig wie möglich aufzubauen. Mittlerweile kann ich mich besser gegen die Verteidiger durchsetzen. Das ist das Wichtigste. Ich habe damals aber viel an meiner Fitness, meiner Stabilität und meiner Beweglichkeit gearbeitet. Der Fokus lag dabei auch auf dem Knie, damit da nichts Gröberes mehr passiert. Bisher funktioniert das sehr gut.

LAOLA1: Kehren wir zur aktuellen Saison zurück – 12 Spiele sind noch zu absolvieren, dabei ist von Abstiegskampf bis internationales Geschäft noch alles möglich. Wie sehen die Ziele in den kommenden Wochen und Monaten aus?

Kalajdzic: 12 Spiele bedeuten, es sind noch 36 Punkte zu vergeben. So wie du sagst, von oben bis nach unten ist noch vieles möglich. Wir haben gelernt, dass es nichts bringt, nur auf die Tabelle zu schauen. Es geht vor allem um die Mannschaft und jeden Einzelnen, dass sich jeder kontinuierlich verbessert. Wenn das passiert, dann kletterst du auch automatisch weiter hoch. Wenn du dich aber zu sehr auf die Tabelle fokussierst, dann verkrampfst du und es geht ganz schnell wieder nach unten. Bei uns in der Mannschaft wird es so formuliert, dass wir vor allem in den kommenden Wochen, nur von Spiel zu Spiel schauen, weil das richtige Wegweiser sein werden.

LAOLA1: Es ist in dieser Saison wohl enger denn je in der Liga – merkt man das auch auf dem Spielfeld?

Kalajdzic: Ja, absolut. Wir müssen in jedem Spiel über 100 Prozent abrufen und das über die gesamte Spielzeit. Bei Hertha BSC ist uns das nicht so gelungen, obwohl wir richtig gut gespielt und uns gute Chancen erarbeitet haben. Und plötzlich hören wir in der 2. Halbzeit auf zu kicken, das reicht dann einfach nicht. Auch wenn wir gut verteidigt haben, passiert dann einfach so ein Tor. Es reicht nicht, wenn wir nur eine Halbzeit gut spielen – wenn du 5:0 führst, da kannst du vielleicht anfangen zu verwalten. Aber bei 1:0 geht das nicht. Jede Mannschaft ist so gut, dass sie das noch drehen kann. Es ist unser Ziel, solche Leistungen über 90 Minuten abzurufen.

Foto: © GEPA

LAOLA1: Ist da vielleicht noch eine gewisse Naivität vorhanden, auch angesichts des jungen Alters eurer Truppe?

Kalajdzic: Jein – da sind viele Spieler, die ihr erstes Bundesliga-Jahr absolvieren. Da ist es dann klar, dass einige Fehler passieren. Wir spielen auch mit viel Risiko hinten raus, aber das ist unsere Art von Fußball. Vielleicht ist es in der einen oder anderen Situation der Fall, dass man mit einer gewissen Routine, Ruhe ins Spiel bringt. Aber das sind alles junge Spieler, ich absolviere ebenfalls mein erstes volles Jahr und mir passieren genauso Fehler. Daraus muss man einfach lernen.

LAOLA1: Du hast bereits zu Beginn des Gespräches das Nationalteam erwähnt – wie hast du deine ersten Länderspieleinsätze erlebt?

Kalajdzic: Es war ein wunderschönes Gefühl. Ich habe auch nie glaubt, dass ich einmal für das U21-Nationalteam spielen werde, geschweige denn für das A-Team. Dieselbe Situation ist es mit Stuttgart – hätte mir das jemand vor ein paar Jahren gesagt, hätte ich gefragt, ob er deppert ist (lacht). Ich bin einfach nur froh und denke, dass ich es erst realisiere. Natürlich weiß ich, was es bedeutet und natürlich bin ich extrem stolz, aber ich werde das wohl erst in ein paar Jahren richtig realisieren können. Es geht alles irrsinnig schnell und deshalb probiere ich, alles zu genießen und so weiter zu machen, wie es bisher der Fall war.

LAOLA1: Vielleicht geht das Genießen bereits beim kommenden ÖFB-Lehrgang Ende März weiter…

Kalajdzic: Das wäre natürlich überragend. Ich werde mein Bestes geben und dann schauen wir, was dabei rauskommt. Spekulieren bringt mir da gar nichts, denn die Entscheidung treffe nicht ich.

LAOLA1: Ein weiteres großes Ziel wird allerdings die Europameisterschaft sein?

Kalajdzic: Auf jeden Fall!

LAOLA1: Die Konkurrenz ist mit Marko Arnautovic, Adrian Grbic, Karim Onisiwo oder Michael Gregoritsch zwar groß, angesichts deiner bisherigen Leistungen stehen die Chancen allerdings gut, auf den EM-Zug aufzuspringen.

Kalajdzic: Spekuliert wird eher von den Medien. Bei Marko muss man gar nicht viel sagen, dessen Qualitäten sind unbestritten. Bei "Adi" hat man gesehen, der muss gar nicht viel spielen, um beim Nationalteam häufig zu treffen. "Gregerl" bringt im Nationalteam genauso seine Leistungen, hat gegen Nordirland das wichtige Tor gemacht und ist auch für unser Spiel wichtig. Das sind alles Spieler, die aus gewissen Gründen ihren Platz im Team haben – auch wenn es für sie derzeit vielleicht nicht so läuft, wie sie es sich wünschen. Sie stehen vermutlich auch vor mir, daher muss ich weiterhin meine Leistungen bringen. Dann werden wir sehen, wie sich der Trainer entscheidet.

LAOLA1: Inwiefern verfolgst du denn noch die österreichische Bundesliga, aber auch deinen Ex-Verein, die Admira?

"Man redet die österreichische Liga immer ein wenig schlecht, so ist mein Gefühl."

Sasa Kalajdzic

Kalajdzic: Ich verfolge sie regelmäßig. Mit der Admira werde ich mich immer verbunden fühlen, denn es ist ein Verein, der mir am Herzen liegt. Ich habe dort mein Profi-Debüt gefeiert, habe die Chance bekommen, mich zu zeigen und hoffe, dass sie auch dieses Jahr den Klassenerhalt schaffen – vielleicht früher, als es in der vergangenen Saison der Fall war. Die Liga selbst verfolge ich ebenfalls, auch wenn ich nicht jedes Spiel sehe. Aber ich werfe immer einen Blick auf die Resultate und die Highlights. Auch hier ist es sehr eng – sowohl oben als auch unten. Auch wenn die Abstände zwischen Salzburg, Rapid, LASK und Sturm größer wurden, nach der Punkteteilung ist es wieder extrem eng. Ich bin sehr gespannt und hoffe, dass es oben so lange wie möglich spannend bleibt. Unten hoffe ich, dass die Admira das packt. Da mache ich mir aber wenig Sorgen, weil sie mit Damir Buric einen super Trainer haben und ich zu 100 Prozent überzeugt bin, dass sie es schaffen.

LAOLA1: Bemerkst du vor dem Fernseher auch eine gewisse Weiterentwicklung im österreichischen Fußball?

Kalajdzic: Ja, schon. Das siehst du auch an den internationalen Leistungen von Salzburg, LASK, WAC oder Rapid. Das Niveau entwickelt sich und man redet die österreichische Liga immer ein wenig schlecht, so ist mein Gefühl. Es hat vielleicht auch schon ein wenig Tradition, aber die Liga ist nicht so schlecht, wie viele meinen. Ich glaube, dass viele Mannschaften auf hohem Niveau mithalten können. Vor allem die Top-5-Mannschaften, die haben richtig Qualität, es gibt aber auch viele Teams, die Potenzial haben. Ich finde es attraktiv zum Anschauen, auch wenn natürlich Spiele dabei sind, die einmal nicht so attraktiv sind – das ist in der deutschen Liga aber genauso der Fall.

LAOLA1: Das liegt aber gerade in der jetzigen Jahreszeit oftmals auch an den Witterungsverhältnissen…

Kalajdzic: Ja, sicher. Wenn ich mir anschaue, wie die Admira gegen die Austria gespielt hat, bei dem Schneefall und den Platzverhältnissen…da kannst du gar nicht richtig spielen. Das ist extrem schwer und da kommen Partien raus, die mal nicht so attraktiv sind, aber es ist immer spannend. Gerade bei Duellen der oberen Vereine geht es doch sehr ansehlich zu, mit hohem Tempo und hoher Intensität. Die österreichische Liga hat absolut ein besseres Standing, als es manche sagen...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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