Hopp-Skandal: Bayern-Führung wusste Bescheid

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Mit 6:0 setzte sich der FC Bayern München am Samstag in der deutschen Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim durch (Spielbericht >>>).

Nach dem Spiel spricht allerdings keiner mehr vom Ergebnis, sondern viel mehr über die untergriffigen Angriffe der Bayern-Fans auf Dietmar Hopp.

Anhänger der Münchner zeigten während der Partie Transparente mit wüsten Beleidigungen gegen den TSG-Mäzen. Die Partie wurde daraufhin unterbrochen, Bayern-Spieler sowie Bayern-Verantwortliche, wie Trainer Hansi Flick, Hasan Salihamidzic und Karl-Heinz Rummenigge redeten auf die Fans ein, die Plakate wieder zu entfernen.

Gleichzeitig machten auch Anhänger von Borussia Dortmund ihren Unmut bezüglich Dietmar Hopp beim Spiel gegen den SC Freiburg kund. Bayern-Verantwortliche gehen von einer im Vorfeld abgesprochenen Aktion unter Ultra-Gruppierungen der Liga aus.

Laut Bayern-Trainer Hansi Flick seien einige Details der geplanten Aktion der Bayern-Ultras bereits im Vorfeld an die Vereinsführung durchgesickert. "Ich wusste, dass vielleicht etwas geplant ist. Wir haben mit unserem Fanbeauftragten versucht diesen Aktionen entgegenzuwirken. So etwas kommt leider immer wieder vor. Trotz der Kontrollen bekommen sie solche Plakate ins Stadion. Das geht einfach nicht", meint Flick nach dem Spiel gegenüber "Sky".

Rummenigge: "Werden Leute zur Rechenschaft ziehen"

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, äußert sein Unverständnis gegenüber den eigenen Fans und kündigt an, die Leute, die aus der Reihe tanzen, zur Rechenschaft zu ziehen. "Ich schäme mich zutiefst aus Sicht des FC Bayern für die Chaoten. Jetzt ist der Moment gekommen, wo der DFB und alle Verantwortlichen gegen diese Chaoten vorgehen müssen", meint Rummenigge.

"Das ist das ganz hässliche Gesicht des FC Bayern München. Wir werden mit aller Schärfe gegen diejenigen vorgehen, die heute den FC Bayern diskreditiert haben. Wir haben alles mitgefilmt und werden die Leute zur Rechenschaft ziehen", kündigt der Bayern-Boss Konsequenzen an.

Rummenigge nimmt zudem den deutschen Verband in die Pflicht: "Mit dem heutigen Tag muss ein Umdenken stattfinden. Die ganze Bundesliga, die DFL und der DFB müssen zusammenstehen und gegen diese Chaoten vorgehen. Wir haben viel zu lange die Augen zugemacht."

Hoffenheim-Sportdirektor Alexander Rosen dankt den Bayern-Verantwortlichen nach dem Spiel für deren Unterstützung: "Ich muss ein Kompliment an die Schiedsrichter, die vernünftigen Fans und an die Spieler des FC Bayern aussprechen. Es wurde eine Grenze überschritten, die wir so nicht durchgehen lassen können. Es geht hier gegen eine Person und um einen Klub, aber hauptsächlich geht es um einen Menschen."

Bayern-Fans rechtfertigen sich: "Keine Alternative"

Die Fanszene des FC Bayern hat sich in einem online veröffentlichten Schreiben für die Vorfälle gerechtfertigt und keinerlei Einsicht gezeigt. In dem am Samstag auf "suedkurve-muenchen.org" veröffentlichten Text heißt es unter anderem: "Man muss den Wortlaut nicht gut heißen, aber es gab für uns hierzu keine Alternative, da nur so das Thema die nötige Aufmerksamkeit erhält."

Eine Entschuldigung wurde von den Fans nicht formuliert, stattdessen wurde ausdrücklich Kritik an der zweimaligen Unterbrechung geübt. "Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können. Die Unterbrechung heute war einfach nur überzogen und absurd", hieß es.

Auch beim Spiel zwischen Borussia Dortmund und SC Freiburg gab es zeitgleich Schmähungen gegen Hopp. Auch hier wurde das Spiel kurz unterbrochen, später aber wieder fortgeführt. "Das hat bei uns im Stadion nichts zu suchen. Wir können uns nur mit aller Kraft distanzieren. Bisher hat es die Bundesliga nicht in den Griff bekommen. Wir haben einen Punkt erreicht, der nicht mehr zu tolerieren ist. Das ist scheiße", meint BVB-Sportdirekor Michael Zorc.

Die Fans von Borussia Dortmund wurden erst kürzlich für ähnliche Spruchbänder mit einer zweijährigen Sperre für den Auswärtssektor in Hoffenheim bestraft. Das Gastspiel Hoffenheims in Mönchengladbach wurde unterbrochen, als Hopps Konterfei von Fans der Gastgeber mit einem Fadenkreuz versehen wurden.

DFL über Hopp-Anfeindungen: "Nicht mehr hinnehmbar"

Inzwischen hat sich auch schon die DFL (Deutsche Fußball Liga) zu den Vorfällen geäußert. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert kritisiert die Bayern-Ultras scharf: "Die permanenten Anfeindungen gegen Dietmar Hopp sind schon lange nicht mehr hinnehmbar und auf das Schärfste zu verurteilen. Wir haben diesbezüglich heute einen traurigen Höhepunkt erlebt. Dafür gibt es keine Entschuldigung."

"Alle Beteiligten - Spieler, Schiedsrichterteam und die Verantwortlichen von Bayern München und der TSG Hoffenheim sowie sehr, sehr viele Stadion-Besucher - haben in dieser Situation vorbildlich gehandelt und damit ein klares Signal an einige selbsternannte Herrscher über die Fußball-Kultur gesetzt, derartige Entgleisungen nicht mehr zu dulden. Dies muss der Anspruch des gesamten deutschen Profifußballs sein", meint Seifert.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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