Konrad Laimer: Plötzlich Rechtsverteidiger

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So war das nicht geplant. Als Konrad Laimer im vergangenen Sommer von RB Salzburg zu RB Leipzig gewechselt ist, kam er als Mittelfeldspieler zum deutschen Champions-League-Starter.

Seit Beginn des Jahres läuft der 20-Jährige aber als Rechtsverteidiger bei den „Bullen“ auf. Und ist auf dieser Position auch noch gesetzt.

„Ich habe davor nur eine Halbzeit in einem Testspiel auf dieser Position gespielt“, verrät der ÖFB-U21-Teamspieler im LAOLA1-Interview. Dennoch kann er sich mit seiner neuen Aufgabe gut anfreunden.

Der Salzburger erzählt zudem über den Stellenwert seines Arbeitgebers in der Stadt Leipzig, zerbricht sich den Kopf über die Zuschauerzahlen in der Mozartstadt und sagt, was er von einem Red-Bull-Duell in der Europa League gehalten hätte.

LAOLA1: Wenn du jemanden kennenlernen würdest, der keine Ahnung hat, wer du bist, du erzählst ihm, dass du Profi-Fußballer bist und er fragt, welche Position du spielst. Was würdest du antworten?

Konrad Laimer: (lacht) Ich würde ihm sagen: „Ich kann alles spielen!“ Derzeit ist es mir ziemlich egal, wo ich spiele. Meine Haupt-Position ist sicher im Mittelfeld, das habe ich, seit ich klein bin, immer gespielt. Aber ich kann auch auf anderen Positionen spielen, das habe ich in den letzten Wochen gezeigt. Schlussendlich macht es nicht so viel aus, wo ich spiele, für mich ist wichtig, dass ich Spielzeit kriege. Das war in den letzten Wochen der Fall. Solange ich das machen kann, was ich kann, was meine Leidenschaft ist, freut es mich – ob im Mittelfeld oder als Rechtsverteidiger.

LAOLA1: Hat dich diese Umschulung dennoch überrascht?

Laimer: Klar, ein wenig schon. Aber ich bin einfach froh, dass mir der Trainer das Vertrauen gegeben hat, auch als ein Spiel mal nicht so gut war. Dafür bin ich einfach dankbar. Ich denke, ich habe das Vertrauen mit meinen Leistungen zurückgezahlt.

"Ich bin immer noch nicht da, wo ich gerne sein will – wobei man es ja sowieso nie perfekt spielen kann –, aber ich tue mir immer leichter"

LAOLA1: Es ist aber trotzdem eine Umstellung, oder?

Laimer: Vor allem am Anfang war es das! Wir hatten im Winter nur eine kurze Vorbereitung, ich habe nur eine Halbzeit in einem Testspiel auf dieser Position gespielt. Es wird von Spiel zu Spiel leichter. Es sind andere Abläufe, vor allem taktisch in der Defensive. In der Offensive hat man da ja mehr Interpretationsspielraum. Ich bin immer noch nicht da, wo ich gerne sein will – wobei man es ja sowieso nie perfekt spielen kann –, aber ich tue mir immer leichter.

LAOLA1: Du hast hunderte Spiele als zentraler Mittelfeldspieler in den Beinen, dann eine Halbzeit als Rechtsverteidiger in einem Testspiel und dann musst du dort in der deutschen Bundesliga ran. Wie geht man da auf den Platz?

Laimer: Ich habe mir von Anfang an nicht viele Gedanken gemacht, habe nicht lange überlegt. Ich wollte einfach zeigen, was ich kann, meine Stärken ins Spiel bringen. Die ganze Mannschaft hat mir sehr geholfen. Deshalb ist es mir auch nie wirklich schwer gefallen. Die Abläufe kommen dann schon.

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LAOLA1: Wie zufrieden bist du insgesamt mit deiner bisherigen Zeit in Leipzig? Du hast 19 Bundesliga-Spiele absolviert, zwölf davon in der Startelf.

Laimer: Wenn ich die Statistik so höre, klingt das nicht schlecht. Es war ein neuer Schritt in eine neue Liga und es ist doch etwas anderes, ob man in Österreich oder in Deutschland spielt. Ich habe eine Anlaufzeit gebraucht, um mich an die neuen Bedingungen, die neuen Stadien, das ganze Drumherum anzupassen. Ich bin froh, dass ich jetzt angekommen bin. Im Herbst hatte ich schon meine Einsätze, aber nicht so viele, wie ich vielleicht wollte. Aber wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass ich 19 Mal in der Bundesliga spiele, hätte ich das sofort gekauft. Es ist schön, wie es sich entwickelt hat.

LAOLA1: Waren nicht die Erwartungshaltungen an dich ein wenig zu hoch? Du bist aus der österreichischen Bundesliga zu einem deutschen Champions-League-Starter gekommen. Konnte man da erwarten, dass du sofort ein Fixleiberl hast?

Laimer: Wenn man sieht, wer da im Mittelfeld spielt – Naby Keita, Kevin Kampl, das sind ja nicht Irgendwelche. Dann gibt es noch einen Diego Demme, der letzte Saison praktisch jedes Bundesliga-Spiel gemacht hat. Klar wollte ich mich da auch einreihen. Ich weiß, dass ich die Qualitäten habe, aber auch, dass ich ein junger Spieler bin, der aus Österreich kommt. Es gibt auch Beispiele von Spielern, die gekommen sind und es hat sofort gepasst. Andere brauchen ein bisschen Anlaufzeit. Ich habe einfach versucht, in jedem Training das zu geben, was ich kann. Ich bin 20 Jahre alt und will mich jeden Tag weiterentwickeln, besser werden, stärker werden. Die Erfahrungen, die ich in diesem Jahr mache, helfen mir für meine weitere Karriere enorm.

LAOLA1: Wie hast du dich fernab der Heimat in diesen Monaten als Mensch weiterentwickelt?

Laimer: Es war einfach etwas Neues – eine neue Stadt, ein neues Umfeld, die Familie nicht gleich nebenan. Aber ich habe mir bei solchen Dingen nie schwergetan. Ich habe auch in Salzburg schon zwei Jahre in meiner eigenen Wohnung gelebt. Meine Freundin ist mit mir nach Leipzig gegangen, meine Eltern kommen zu vielen Spielen, es hat sich nicht viel geändert. Außerdem kannte ich beim Verein schon viele Gesichter. Ich fühle mich wohl.

"Was diese Salzburger Mannschaft Woche für Woche am Platz zeigt, hätte mehr Anerkennung verdient"

LAOLA1: Wenn man als Salzburger nach Leipzig kommt, ist die Integration sicher nicht so schwierig.

Laimer: Mit einigen habe ich ja schon zusammengespielt. Aber wenn es nicht so gewesen wäre, wäre es auch kein Problem. Im Fußball geht das schnell, man verbringt fast jeden Tag miteinander, lernt die Leute kennen. Ich bin kein Mensch, der sich dann unwohl fühlt.

LAOLA1: Welchen Stellenwert hat diese Mannschaft in der Stadt Leipzig?

Laimer: Einen großen. Wenn man sich die Begeisterung der Fans ansieht, wenn man erlebt, wie die Stadt bei jedem Spiel mitfiebert, wie groß das Interesse ist… Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass so viele Leute hinter dem Verein stehen.

LAOLA1: Ist es noch einmal etwas anderes als in Salzburg?

Laimer: Klar. Eigentlich spielen wir jedes Mal vor mindestens 30.000 Zusehern. Es ist ein geiles Gefühl, aus dem Spielertunnel zu kommen, hochzuschauen und das ganze Stadion ist voll. Dafür spielt man Fußball. Das ist etwas anderes als in Österreich.

LAOLA1: Hast du eine Erklärung dafür, warum der Verein in Salzburg nicht mehr so angenommen wird, wie das ursprünglich der Fall war?

Laimer: Das ist schwierig. Ich glaube, Salzburg gibt auf sportlicher Ebene alles dafür, dass die Leute ins Stadion kommen. Es ist unglaublich, was die für eine Saison spielen, da kann man nur den Hut ziehen. Dass dann leider nur so wenige Menschen dafür zu begeistern sind, ins Stadion zu kommen, ist schade. Was diese Mannschaft Woche für Woche am Platz zeigt, hätte mehr Anerkennung verdient.

LAOLA1: Wie erlebst du die Vorbehalte gegenüber Red Bull in der deutschen Bundesliga?

Laimer: Das ist einfach so. Als Spieler interessiert mich das relativ wenig. Mein Job ist es, Fußball zu spielen. Was die Fans schreien, lenkt mich nicht ab, stört mich nicht. Sie sollen ihre Meinung sagen, es gibt Meinungsfreiheit in Deutschland.

LAOLA1: Hättest du dich über ein Duell mit Salzburg in der Europa League gefreut?

Laimer: In der Form, in der Salzburg gerade ist, hätte ich mich nicht gefreut. Das wären von Anfang an zwei hitzige Duelle gewesen. Ich freue mich, dass es jetzt noch nicht Salzburg geworden ist. Vielleicht kommt es ja noch. Wenn es für uns beide ganz weit geht, passiert das ja zwangsläufig.

LAOLA1: Wer sind eigentlich die nächsten Salzburger Spieler, die nach Leipzig kommen?

Laimer: (grinst) Ich bin nur Fußballer, kein Sportdirektor.

Textquelle: © LAOLA1.at

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