Welchen Schritt macht Valentino Lazaro?

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Valentino Lazaro ist kein junger Mann der unüberlegten Karriereschritte.

Mit 23 Jahren hat so mancher Kicker schon den Sand aller Herren Länder in den Taschen. Nicht so der Steirer. Gerade einmal zwei Transfers hat er hinter sich gebracht, einen im Nachwuchs, einen im Profi-Bereich.

Nun scheint es zum dritten Mal an der Zeit zu sein, um weiterzuziehen. Denn Berlin bzw. der dort ansässige deutsche Bundesligist Hertha BSC wird dem ÖFB-Teamspieler langsam aber sicher zu klein.

Möglichkeiten hat der Grazer viele. Wieder einmal klopfen jede Menge namhafte Top-Klubs an. SSC Napoli, Inter Mailand und der AC Milan sollen Interesse haben, auch von Everton und Leicester City ist zu lesen.

"Wir haben uns, als er 15 Jahre alt war, entschieden, nicht zu Chelsea oder Manchester City zu gehen"

Berater Max Hagmayr

„Er hat das Interesse von mehreren, sehr guten Klubs geweckt. Mehr werde ich dazu nicht sagen“, hält sich sein Berater Max Hagmayr bedeckt. Dass der Manager vor allem nach Italien gute Kontakte hat, ist ein Fakt. Dass er bei seinem Besuch in Neapel, als RB Salzburg im Europacup in Süditalien zu Gast war, mit den Verantwortlichen des Gastgebers über Lazaro gesprochen hat, ist zumindest sehr wahrscheinlich.

Sicher ist auch, dass es wieder ein wohlüberlegter Schritt sein wird, den Lazaro macht. Der modebewusste Youngster kann, muss aber nicht wechseln, betont Hagmayr: „Wenn nicht das Richtige dabei ist, werden wir es nicht machen. Wenn aber alles passen würde – primär vom Sportlichen her, aber natürlich auch wirtschaftlich – und es gibt eine Einigung zwischen den Klubs, wieso auch nicht?“

Den Verlockungen widerstanden

Der Rechtsfuß und sein Berater schlagen gerne auch mal auf den ersten Blick verlockende Angebote aus, wenn sie beim jeweiligen Interessenten nicht die richtige sportliche Perspektive sehen. Das hat die Vergangenheit gezeigt.

„Wir haben uns, als er 15 Jahre alt war, entschieden, nicht zu Chelsea oder Manchester City zu gehen, sondern in Salzburg zu bleiben. Wir haben uns, als er 19 Jahre alt war, dazu entschieden, den Vertrag in Salzburg noch einmal zu verlängern und nicht zu Real Madrid oder AS Roma zu gehen“, verrät Hagmayr.

Valentino Lazaro mit elf Jahren

Zu seinem 15. Geburtstag übersiedelte Lazaro aus dem Nachwuchs des GAK in die Talenteschmiede von Red Bull Salzburg. Auch dort war rasch klar, dass der technisch beschlagene Kicker mit den gerne mal ausgefallenen Frisuren ein wenig besser ist als die meisten seiner Altersgenossen. Nicht einmal zwei Jahre später verhalf Roger Schmidt dem damals 16-Jährigen zu seinem Bundesliga-Debüt.

Die Zweifel

In den Nachwuchs-Nationalteams war der Steirer zu diesem Zeitpunkt bereits unumstrittener Leistungsträger, 2013 vertrat er Österreich bei der U17-EM und der U17-WM. Doch in diesem Jahr wurden erstmals auch die Zweifel geweckt, ob das mit dem Sprung zum Profi wirklich so klappen könnte wie gewünscht.

Gleich zwei Mal fiel der fünffache österreichische Meister in der Saison 2012/13 wegen eines Mittelfußbruchs monatelang aus. Auch die Saison 2014/15 war von mehreren Verletzungen, die ihn immer wieder wochenlang außer Gefecht setzten, geprägt.

Wenn der Youngster aber fit war und auf dem Platz stand, stellte er sein Können unter Beweis, wenn auch noch nicht mit der nötigen Konstanz. 64 Profi-Spiele hatte der nunmehrige ÖFB-Legionär auf dem Buckel, als er seinen 20. Geburtstag feierte. Ohne diverse Verletzungen wären es wohl zumindest doppelt so viele gewesen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Lazaro auch positionstechnisch schon eine erstaunliche Entwicklung hinter sich gebracht. Rechter Flügel, linker Flügel, zentrales Mittelfeld, offensives Mittelfeld – in der Mozartstadt wurde er in der Offensive praktisch überall eingesetzt. Und dann kam Ralf Rangnick als Sportdirektor.

Die neue Perspektive

Der Deutsche eröffnete dem Talent eine neue Perspektive, die auf den ersten Blick so überhaupt nicht auf Gegenliebe stieß. Hagmayr erinnert sich: „Als er 19 Jahre alt war, hat ihn Ralf Rangnick als Erster als Rechtsverteidiger gesehen. Ich habe mich damals eher dagegen gewehrt, war der Meinung, dass er alles für einen hervorragenden Offensivspieler mitbringt. Doch Rangnick hat damals zu mir gesagt: ‚Es gibt auf der Welt viele gut Offensivspieler, aber nur ganz wenige hervorragende Rechtsverteidiger.‘“

Eher zähneknirschend fügte sich Lazaro. Im Nachhinein hatte Rangnick das richtige Näschen. Denn auch in der deutschen Bundesliga hat sich der 23-Jährige mittlerweile auf dieser Position bewährt – wenn die Hertha mit Viererkette aufläuft, spielt er den klassischen Rechtsverteidiger, wenn mit Dreier- bzw. Fünferkette gespielt wird, agiert er auf der rechten Außenbahn.

"Eigentlich ist er ja ein Künstler, aber jetzt arbeitet er verdammt hart"

Trainer Pal Dardai

„Er hat einen riesigen Schritt gemacht. Eigentlich ist er ja ein Künstler, aber jetzt arbeitet er verdammt hart. Das ist die perfekte Mischung für diese Position“, lobte ihn (Noch-)Hertha-Coach Pal Dardai im Herbst.

„Valentino und ich waren damals nicht sehr glücklich über Rangnicks Aussage. Mittlerweile tendieren wir auch eher zu dieser Position“, gibt Hagmayr zu. Außenverteidiger mit Format sind international gefragt, ob der ÖFB-Teamkicker als Offensivspieler jenes Level erreicht hätte, das er nun ins Auge fassen kann, ist zumindest fraglich.

Berliner Liebling

In der deutschen Hauptstadt erfreut sich der Grazer jedenfalls großer Beliebtheit – die Fans wählten ihn im Sommer 2018 zu ihrem Spieler der Saison und im vergangenen Winter zum Spieler der Hinrunde. „Spielbeleber“, „Unterschiedsspieler“ und „Gewinnertyp“ schreiben die Berliner Medien über ihn.

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Der Sohn eines Angolaners und einer Österreicherin mit griechischen Wurzeln entwickelt sich bei der Hertha auch mehr und mehr zum Sprachrohr. Wer Leistung bringt, dessen Meinung ist gefragt. Dank seiner Eloquenz kann Lazaro diese auch entsprechend verbalisieren.

Nun stellt sich nur noch die Frage, welcher Verein das von der Hertha geforderte Geld in die Hand nimmt, um sich den 23-Jährigen zu schnappen. 20 Millionen Euro Ablösesumme rufen die Berliner angeblich auf. Immerhin läuft der Vertrag des Stammspielers noch bis 2021.

Es gibt nicht viele Klubs, die eine solche Summe für einen Defensivspieler ausgeben können und wollen. Lazaros Vorteil: Wer es doch tut, wird mit ihm als Stammspieler planen. Das ist gewiss auch der Plan des Außenbahnspielers.

Geht es nach Hagmayr, ist das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht: „Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, er hat noch sehr viel Potenzial.“

Nun gilt es, den nächsten Karriereschritt gut abzuwägen. Bisher hat das ja stets ausgezeichnet geklappt.

Textquelle: © LAOLA1.at

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