Heftige VAR-Kritik nach Stuttgart gegen Gladbach

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Die vierte und eigentlich letzte Minute der Nachspielzeit im Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach läuft. Gladbach führt 2:1 und steuert nach dem Comeback-Sieg gegen die Bayern am vergangenen Wochenende auf den dritten Liga-Sieg in Serie zu.

Ein letzter langer Ball fliegt in hohem Bogen in Richtung Grundlinie, wo der eingewechselte ÖFB-Legionär Sasa Kalajdzic, bedrängt von seinem Teamkollegen Waldemar Anton und Gladbach-Verteidiger Bensebaini, ins Straucheln kommt und zu Boden geht. Schiri Felix Brych lässt zunächst weiterspielen, doch kurze Zeit später interveniert der Video-Schiedsrichter.

Brych sieht sich die Bilder an und entscheidet auf Elfmeter, den Wamangituka zum späten 2:2-Ausgleich für Stuttgart verwandelt (zum Spielbericht >>). So weit so normal - dass die Entscheidung von Brych allerdings äußerst umstritten ist und das leidige Thema VAR wieder einmal kritisch beäugt wird, sollte schon nach Ansicht der Videobilder klar sein.

Spätestens beim ersten "Sky"-Interview nach dem Spiel von Gladbachs Jonas Hofmann wird dann aber deutlich, wie wenig die Gladbacher Seite vom Elfmeterpfiff und dem Einschreiten des VAR in dieser Situation hält.

"Das ist eine absolute Frechheit"

Hofmann ist kaum zu beruhigen und redet sich regelrecht in Rage. "In der heutigen Zeit ist es so, dass die Spieler kaum noch ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich sie jetzt frei und breit kundtun würde, dann würde ich wahrscheinlich den Rest der Saison gesperrt werden", bricht es aus dem Mittelfeldspieler heraus.

Und weiter: "Das ist eine absolute Frechheit, ich weiß gar nicht, was man sich dabei denkt! Und ich weiß auch nicht, für was wir eigentlich einen Video-Schiedsrichter haben. Der Spieler läuft einfach nur rückwärts. Breel Embolo zum Beispiel wird 50-mal im Spiel so gefoult, und wir kriegen kein einziges Foul. Und in der 94. Minute pfeift dieser Schiedsrichter - oder besser gesagt kriegt er einen Hinweis, es wäre ein klares Foul und eine klare Fehlentscheidung."

Besonders die Einmischung des Video-Schiedsrichters stößt Hofmann sauer auf, er schmipft weiter: "Ich weiß wirklich nicht, warum wir den Video-Schiedsrichter überhaupt haben. So viel (Wut; Anm.) kann sich im Moment eigentlich gar nicht anstauen. Das ist eine absolute Frechheit. Das Spiel wurde heute von einer Person - oder von zwei, drei Personen - entschieden. Das ist einfach so. Und das wissen sie hoffentlich selber. Und ich sage jetzt auch nichts mehr, sonst wird es mir zu viel."

(Text wird nach dem VIDEO fortgesetzt)

Nachdem die ersten Emotionen verraucht sind, äußert sich auch Gladbach-Trainer Marco Rose zur Szene. Dass man sich "vor dem Elfmeter als Verteidiger sicher besser anstellen kann", sei für ihn auch klar. Doch im Grunde stimmt er Hofmann zu: "Aber der Schiedsrichter hat ja erst weiterlaufen lassen - und dann frage ich mich, warum kommt dann wieder Köln dazu. Wahrscheinlich gibt es morgen wieder irgendeine Begründung dafür und ich lese irgendwo im kicker eine DFB-Erklärung, warum man diesen Elfmeter doch gegeben hat. Aber keine klare Fehlentscheidung bedeutet: Köln bleibt weg! Klare Ansage."

"Heute kann Stuttgart mit dem Elfmeter glücklich sein"

Eine Stunde nach Abpfiff erläutert auch noch Schiri Felix Brych seine Sicht auf die Situation. "Ich habe nur die Hände gesehen, mir war es aber vom Gefühl her einen Tick zu wenig", führt der erfahrene Referee aus und ergänzt: "Bensebaini geht ein hohes Risiko, indem er den Spieler umklammert, aber letztlich gibt es auch noch einen Kontakt vom eigenen Spieler am Fuß. Ich glaube auch, dass der mitentscheidend war."

Auf die Berührung am Fuß sei er allerdings "nicht hingewiesen worden und ich habe sie auch am Bildschirm nicht gesehen", erklärt Brych und beschließt sein Fazit mit einer bemerkenswerten Aussage: "Mein Gefühl war heute eigentlich ganz gut auf dem Platz, auch in der gesamten Spielleitung. Ich habe ja schon gesagt: Mir war es am Platz einen Ticken zu wenig. Heute kann Stuttgart mit dem Elfmeter glücklich sein."

ÖFB-Legionär im Mittelpunkt

Der Mann der Schlussphase aus Stuttgart-Sicht, der gefoulte Sasa Kalajdzic, stellt sich gleich nach Abpfiff den Fragen von "Sky". "Ich habe mich ein bisschen hineingelegt in den Gegner, vielleicht bin ich wegen Antons Füße gestolpert", kann sich der ÖFB-Stürmer nicht mehr exakt an die Entstehung erinnern. Auf die Frage, ob der Elfer richtig ist, ja oder nein, antwortet er mit einem schelmischen Grinsen "Jein" und verabschiedet sich in die Katakomben.

Zurück bleibt die schwierige Frage: Wann darf sich der Videoassistent einschalten? Laut Regelbuch unter anderem bei einer klaren Fehlentscheidung. Ob diese im Top-Spiel der Bundesliga am Samstag-Abend tatsächlich vorlag, darf zumindest bezweifelt werden.

Textquelle: © LAOLA1.at

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