Der außergewöhnliche Aufstieg des Sasa Kalajdzic

Der außergewöhnliche Aufstieg des Sasa Kalajdzic Foto: © getty
 

Die Zahl der ÖFB-Legionäre, die in diesem Jahrtausend in einer Saison der deutschen Bundesliga zweistellig getroffen haben, ist überschaubar.

Martin Harnik gelang es im Trikot des VfB Stuttgart gleich doppelt – 2011/12 erzielte er 17 Tore, 2013/14 waren es zehn. Guido Burgstaller jubelte 2017/18 im Schalke-Trikot über zehn Treffer und Michael Gregoritsch in derselben Spielzeit über 13 Tore für Augsburg.

In der aktuellen Saison reiht sich Sasa Kalajdzic in diese Riege ein. 13 Tore hat der „Lange“ schon für den VfB erzielt (Scorer-Wertung >>>). Und es hat nicht den Anschein, als ob damit so bald Schluss wäre.

Den Wiener unterscheidet allerdings etwas von seinen Vorgängern. Während bei Harnik, Burgstaller und Gregoritsch schon früh klar war, welche Richtung ihre Karrieren nehmen werden, ist der kometenhafte Aufstieg Kalajdzics denkbar unwahrscheinlich.

Gregoritsch hat im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal in der österreichischen Bundesliga für Kapfenberg getroffen. Martin Harnik war 20, als er in der Champions League, der deutschen Bundesliga und dem ÖFB-Team debütiert hat. Guido Burgstaller hat mit 17 Jahren in Österreichs 2. Liga seinen Premieren-Treffer bejubelt, war ab der U16 Stammgast in den Nachwuchs-Auswahlen des ÖFB und mit 20 Jahren in der Bundesliga gesetzt.

Baumeisters Idee

Kalajdzic hat bis kurz vor seinem 19. Geburtstag in der Wiener Liga, der vierthöchsten Leistungsstufe des Landes, bei Donaufeld gespielt. Und das noch dazu im zentralen Mittelfeld, teilweise sogar als Sechser, meistens weit entfernt vom gegnerischen Tor, in das er inzwischen regelmäßig trifft.

Es war Zufall, und auch ein wenig Instinkt eines erfahrenen Trainers, dass der Blondschopf auf dem Feld an vorderster Front eingesetzt wurde. Schon bald nach seinem Wechsel zur 2. Mannschaft der Admira im Sommer 2016 hatten die Südstädter in der Offensive Personalsorgen. Coach Ernst Baumeister stellte den Neuzugang dann erstmals als Stürmer auf.

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Und Kalajdzic traf sofort nach Belieben – acht Tore in sechs Spielen. Der Stürmer Sasa Kalajdzic war geboren.

Im Sommer 2019 sagte der Shootingstar im LAOLA1-Interview dazu: „Vielleicht hätte ich ja als Sechser oder Achter trotzdem mit dem Toreschießen begonnen, man kann es nie wissen. Ich bin aber froh, dass das so passiert ist. Mittlerweile fühle ich mich im Angriff viel wohler – ich habe viele Freiheiten, kann zum Tor ziehen. Und ich liebe es, manchmal das Eins-gegen-Eins zu suchen. All diese Dinge sollte man in einer defensiveren Rolle eher nicht tun. Ich will Tore schießen, meine Mitspieler in Szene setzen, schönen Fußball spielen, kombinieren – diese Faktoren sind für mich wichtig.“

Kein Akademiker

Eine Fußball-Akademie hat der Goalgetter nie von innen gesehen. Ausgebildet wurde er zunächst bei Donaufeld, dann lange bei der Vienna. Die meiste Zeit hat er in der WFV-Liga verbracht, das ist innerhalb des Wiener Verbands die höchste Nachwuchs-Liga. Mit Donaufeld war er in der U18 aber auch in der A-Liga aktiv, zählt man die Akademie-Meisterschaft dazu, dann also die dritthöchste Nachwuchs-Leistungsstufe. Geschafft hat es aus seinen Nachwuchsteams sonst keiner. Am ehesten noch Amro Lasheen, der in der 2. Liga beim SV Horn sporadisch eingesetzt wird.

Dennoch sieht es Kalajdzic nicht als Nachteil, nie in einer Akademie gewesen zu sein: „Ich höre von vielen Leuten, dass es in den Akademien mittlerweile sehr eintönig ist. Es wird viel Wert auf ein System gelegt, ich unterdessen hatte meine Freiheiten. Als Zehner bei Donaufeld konnte ich viel ausprobieren, kreativ sein, dribbeln, es war kein Problem, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Als Spieler, der nicht aus der Akademie kommt, hat man etwas anderes.“

„Ich will jetzt gar nicht sagen, dass Akademien schlecht sind, man wird dort gut vorbereitet, langsam an den Profi-Fußball herangeführt. Aber ich denke schon, dass es auch im Amateurbereich sehr gute Spieler gibt – nur manche von ihnen bekommen eine Chance. Ich habe sie genutzt.“

Kalajdzic im Einsatz für Stuttgart:

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)

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Doch es waren nicht nur die Widrigkeiten, nicht auf höchstem Niveau ausgebildet worden zu sein, denen Kalajdzic getrotzt hat. Auch sein eigener Körper sorgte dafür, dass viele Menschen Zweifel hegten, ob er für Fußball auf Top-Niveau geeignet sei.

Im Frühjahr 2018 gelang der Durchbruch in der Bundesliga. Zwei Tore und drei Assists in den ersten sechs Admira-Spielen im Frühjahr machten den Namen Kalajdzic über Maria Enzersdorf hinaus bekannt. Doch dann stoppte ihn ein Mittelfußbruch. Erst Ende September feierte der Youngster sein Comeback, traf und verletzte sich prompt am Knie. Einen Monat später stand er in zwei Kurzeinsätzen am Platz, ehe ihn ein Syndesmosebandriss wieder rund drei Monate außer Gefecht setzte.

Dennoch wollte der SK Rapid zuschlagen. Doch die Admira lehnte ab. Angeblich wäre Kalajdzic den Hütteldorfern im Winter 2018/19 rund eineinhalb Millionen Euro wert gewesen. Das Frühjahr 2019 verlief dann jedenfalls fulminant. Der Stürmer war fit und setzte mit acht Toren und vier Assists in einer Bundesliga-Halbsaison zahlreiche Ausrufezeichen.

Schock nach dem Transfer

Der VfB Stuttgart setzte sich gegen Union Berlin und Köln durch, griff zu und überwies rund 2,5 Millionen Euro an die Admira. „Ich hatte bei Stuttgart das beste Gefühl. Es gab wohl auch Interesse von anderen Klubs. Ich sah aber den Schritt in die 2. Deutsche Bundesliga zu einem Klub, der sich gut aufstellte und diese offensive Art von Fußball spielen möchte. Dazu kommen noch die Tradition und das Umfeld, das hat für mich letztendlich am meisten Sinn ergeben. Mein Bauchgefühl hat dann gesagt, ich will diesen Schritt jetzt gehen“, berichtete er erst unlängst in einem LAOLA1-Interview.

"Der Torrekord macht mich stolz, spielt aber für mich vor oder während des Spiels keine Rolle"

Zwei Wochen nach dem Transfer der Schock: Ein Testspiel gegen Freiburg endete für den Neuzugang mit einem Kreuzbandriss, einem Innenbandriss und Außenmeniskusriss. Fast ein ganzes Jahr verging, ehe der ehemalige U21-Teamspieler sein Pflichtspiel-Debüt mit dem Brustring-Trikot feiern durfte.

In der laufenden Saison ist Kalajdzic dann regelrecht explodiert. 13 Tore, vier Assists. Mit sieben Spielen en suite, die er nun getroffen hat, hat der Wiener den Stuttgarter Rekord von Fredi Bobic aus der Saison 1995/96, als dieser Teil des legendären magischen Dreiecks (zusammen mit Krassimir Balakov und Giovane Elber) war, eingestellt.

Der Angreifer, der inzwischen auch schon zwei Länderspiele für Österreichs A-Team in den Beinen hat, sagt: „Der Torrekord macht mich stolz, spielt aber für mich vor oder während des Spiels keine Rolle.“

In der Torschützenliste der Bundesliga rangiert der 23-Jährige mit 13 Treffern auf Platz sechs. Wer hätte das gedacht, als der Shootingstar vor fünf Jahren noch vor 200 Menschen am Kinkplatz im 14. Wiener Gemeindebezirk als Joker in der Wiener Liga Donaufeld zum 2:1-Auswärtssieg gegen Austria XIII geschossen hat…?

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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