Union-Kapitän Trimmel offen für SCR-Rückkehr

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Seit mittlerweile vier Jahren kickt Ex-Rapidler Christopher Trimmel bei Union Berlin. Vor Beginn dieser Saison wird er zum Kapitän der "Eisernen" und übernimmt auf und neben dem Platz viel Verantwortung.

Sportlich läuft es rund für die Köpenicker. Als einziges Team der zweiten deutschen Bundesliga sind sie noch ungeschlagen. Jetzt geht es für den Tabellendritten im Spitzenspiel zum HSV (20:30 Uhr).

Wie er sein Kapitäns-Amt interpretiert, was er über Ex-Klub Rapid denkt und mit welchen ehemaligen Kollegen er Kontakt hat, verrät "Trimbo" im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Christopher, warum läuft es aktuell bei Union so gut?

Trimmel: Bei uns in der Mannschaft stimmt einfach die Mischung. Natürlich haben auch das Trainerteam und die neuen Spieler einen sehr großen Anteil. Was für mich aber der Hauptgrund ist: Wir haben jetzt die Möglichkeit, dass wir immer mit der gleichen Qualität von der Bank reagieren können, wenn es nicht so läuft.

LAOLA1: Letzte Saison habt ihr lange gegen den Abstieg gespielt, wie verarbeitet man das?

Trimmel: Dadurch, dass der Präsident sehr nah an der Mannschaft war, haben wir Spieler gemerkt, was ein Abstieg für Union bedeuten würde. Das hätte enorme Auswirkungen auf viele Angestellte gehabt, da ging es um sehr viele Existenzen. Wenn man, so wie ich, schon ein älterer Spieler ist, kann man mit dem Druck leichter umgehen. Für unsere jungen Spieler war das ganz schwer, aber sie haben viel aus der Situation mitnehmen können. Sie bleiben jetzt auch in großen Drucksituationen, wie dem Pokalspiel in Dortmund, sehr ruhig. Also auch wenn es verrückt klingt, aber das hilft uns jetzt.

LAOLA: Seid ihr deshalb auch immer noch ungeschlagen, weil ihr ruhig bleibt und lieber einen Punkt mitnehmt als zu verlieren?

Trimmel: Das kann man so sagen. Aber ich glaube, dass unsere stabile Defensive der Hauptgrund für den aktuellen Lauf ist. Unser neuer Trainer Urs Fischer war selbst Abwehrspieler. Deshalb hat er sofort gemerkt, dass er an unserer Defensive arbeiten muss – und damit meine ich nicht nur uns vier da hinten.

Trimmel geht als Kapitän voran
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LAOLA1: Was hat er genau verändert?

Trimmel: Er hasst es, wenn jemand nach einem verlorenen Zweikampf einfach stehen bleibt und nicht mit nach hinten arbeitet. Das fängt bei den Stürmern an. Als Profi, der viel Geld verdient, muss ich solche Tugenden einfach jeden Tag abrufen können. Das gelingt uns momentan sehr gut, deshalb haben wir mit am wenigsten Gegentore kassiert. Das Team hat ein großes Selbstvertrauen, weil es nie das Gefühl hat, dass etwas passieren könnte.

LAOLA1: Jetzt geht es zum Spitzenspiel zum HSV. Kommt Union als Außenseiter oder auf Augenhöhe zum Bundesliga-Absteiger?

Trimmel: Als Außenseiter, so realistisch muss man schon sein. Wir brauchen uns nicht einbilden, dass wir mit Hamburg oder Köln auf Augenhöhe sind. In dem Kader steckt so viel Bundesligaerfahrung, die haben so viele Spieler die ein Match entscheiden können. Trotzdem freut man sich natürlich auf das Spiel in dem tollen Stadion. Wir werden topmotiviert auftreten und alles geben, um etwas mitzunehmen. In den Medien hat man ja immer das Gefühl, dass der HSV abgeschlagen wäre. Die stehen aber oben. Sie haben den Trainer schon gewechselt und stehen trotzdem oben. Da möchte ich nicht wissen, wie das aussieht, wenn sie Ruhe im Verein haben.

LAOLA1: Angenommen Union schlägt den HSV, wird dann die Euphorie wieder zu groß?

Trimmel: Das glaube ich nicht. Die Mentalität stimmt rund um den Verein. Wir haben unsere Erfahrungen gemacht und jeder weiß, wie schwierig es ist, in dieser Liga aufzusteigen. Vor allem wenn man eben nicht Köln oder Hamburg ist.

LAOLA1: Aber das knappe Pokal-Aus in Dortmund hat gezeigt, dass ihr mit den Großen mithalten könnt.

Trimmel: Wir können definitiv mithalten. Ich bin wirklich stolz auf unsere Leistung in Dortmund. Natürlich haben wir auch davon profitiert, dass beim BVB rotiert wurde und sie gerade in der Defensive an diesem Abend nicht ganz sattelfest waren. Aber solche Chancen muss man gegen einen Top-Gegner nutzen und so müssen wir es auch gegen den HSV machen. Wir lassen uns überraschen, welchen Plan sich unser Trainer überlegt.

"Als Ausländer musst du immer mehr Qualität haben"

Trimmel zu seinen Anfangsproblemen

LAOLA1: Wenn alles gut geht, wirst du nach dieser Saison mehr Ligaspiele für Union als für Rapid gemacht haben. Was sagt das über deinen Stellenwert aus?

Trimmel: Ich glaube sehr viel. Ich hatte nur zu Beginn meiner Union-Zeit leichte Probleme. Ich war zum ersten Mal als Spieler im Ausland, das ist nicht zu unterschätzen. Denn es ist schon so, dass du als Neuzugang aus dem Ausland zeigen musst, dass du verdienst zu spielen. Als Ausländer musst du immer mehr Qualität haben. Deshalb war der Druck gleich zu Beginn sehr groß. Das Standing, das ich jetzt habe, habe ich mir hart erarbeitet.

LAOLA1: Seit Sommer bist du Kapitän, was bedeutet dir das?

Trimmel: Sehr viel. Weil ich nicht einfach vom Trainer bestimmt wurde, sondern das eine Entscheidung war, in die viele Leute mit eingebunden waren - vom Mannschaftsrat bis zum Präsidenten. Wenn du dann merkst, dass alle wollen, dass du es machst, ist das eine tolle Auszeichnung. Wenn man dann noch ungeschlagen ist, macht es umso mehr Spaß.

LAOLA1: Wie legst du dein Amt als Kapitän an?

Trimmel: Es ist schon sehr viel Arbeit abseits vom Fußballspielen. Ich gehe das intensiv an, will für die Spieler da sein, die aktuell hinten dran sind. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie wichtig fürs Team sind. Für mich als Kapitän ist entscheidend, dass wir eine tolle Stimmung innerhalb der Mannschaft haben und das gelingt mir momentan.

Bejubelt in Hütteldorf
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LAOLA1: Einer der Spieler, die in dieser Saison überhaupt kein Land sehen, ist Christoph Schösswendter. Wie hilfst du ihm konkret?

Trimmel: Bei Schössi muss ich wenig machen. Er hat momentan einen schweren Stand, ist aber lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass sich das schnell wieder ändern kann. Er könnte den Kopf hängen lassen, aber das macht er nicht. Er haut sich im Training voll rein und gibt alles, dafür wurde er zuletzt auch vom Trainer gelobt. Vielleicht schaut ab Winter alles schon anders aus.

LAOLA1: Damit wären wir auch beim Thema Rapid. Beim Abschiedsspiel von Steffen Hofmann haben dich die Rapid-Fans sehr gefeiert. Was war das für ein Gefühl?

Trimmel: Es war super. Ich durfte zum ersten Mal im neuen Rapid-Stadion spielen, noch dazu mit vielen ehemaligen Teamkollegen. Das war schon ein spezielles Gefühl so willkommen geheißen zu werden. Ich habe das Glück, dass es bei meinen beiden Vereinen wirklich tolle Fans gibt, die man vermutlich so in Europa nur selten findet. Das neue Stadion finde ich übrigens wirklich sehr gelungen. Jetzt fehlt nur noch, dass der Erfolg zu Rapid zurückkehrt. Ich wünsche es ihnen sehr.

LAOLA1: Wie intensiv verfolgst du Rapid?

Trimmel: Schon sehr. International habe ich alles gesehen, bei den Ligaspielen versuche ich, so viel wie möglich mitzunehmen.

"Das Fußballgeschäft ist verrückt, man weiß nie was passiert."

Trimmel über eine Rapid-Rückkehr

LAOLA1: Bei Rapid gibt es seit längerer Zeit die Diskussion um Führungsspieler. Du wärst einer und dein Vertrag in Berlin läuft im Sommer aus. Steht eine Rapid-Rückkehr im Raum?

Trimmel: Das Fußballgeschäft ist verrückt, man weiß nie, was passiert. Ich werde alle Möglichkeiten, die ich habe, genau prüfen. Mit 31 muss ich das auch, weil die Zeit, die ich als Profi noch habe, doch begrenzt ist. Ich unterschreibe noch einen, vielleicht zwei, große Verträge. Ausgeschlossen ist nichts. Wenn man, so wie ich, gewohnt ist, dass man gesetzt ist und viel spielt, überlegt man natürlich noch genauer.

LAOLA1: Du betonst oft, wie wohl du dich in Berlin fühlst. Willst du überhaupt zurück nach Österreich?

Trimmel: Auch da bin ich offen für alles was passiert. Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der fast überall leben könnte. Ich kann nur sagen, dass ich, so lange es körperlich geht, Profi bleiben möchte. Zum Glück bin ich von Verletzungen verschont geblieben und denke, dass ich noch einige Zeit kicken kann.

LAOLA1: Es gibt ja bei Union mit Schösswendter und Zulj noch zwei weitere Österreicher. Unternimmt man da viel in der Freizeit?

Trimmel: Natürlich trifft man sich häufiger. Das Problem ist aber, dass sie in Köpenick in der Nähe vom Stadion wohnen und ich in der Stadt. Das sind dann in Berlin zu weite Strecken, um schnell mal auf einen Kaffee zu gehen.

LAOLA1: Wie sieht es mit ehemaligen Rapid-Kollegen aus? Mit Louis Schaub spielt einer seit dieser Saison in Köln.

Trimmel: Louis macht es ziemlich gut in Köln, das freut mich für ihn. Kontakt habe ich zu ihm nicht, weil ich auch seine Handynummer gar nicht habe. Aber natürlich redet man vor Spielen, man kennt sich ja. Mit Stefan Kulovits habe ich mehr Kontakt, wir haben auch eine gemeinsame Whats-App-Gruppe. Und mit Steffen Hofmann schreibe ich auch häufig, auch wenn er jetzt seine Karriere beendet hat.

Trimmel im ÖFB-Dress 2009 gegen Rumänien
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LAOLA1: Fast logisch bei deinen konstant guten Leistungen ist die Frage zum Nationalteam. Hast du damit schon abgeschlossen?

Trimmel: Nein, abgeschlossen nicht. Ich kann nicht mehr tun, als beim Verein Gas zu geben und genau das werde ich weiterhin machen. Wenn sich etwas ergeben sollte, wäre es toll. Ansonsten bleibe ich halt ein großer Fan des Nationalteams und wünsche ihnen, dass sie den nächsten Entwicklungsschritt machen. Ich glaube, dass das Nationalteam für Österreich eine sehr hohe Bedeutung hat.

LAOLA1: Zum Abschluss: Ihr habt euer letztes Spiel vor der Winterpause am 23. Dezember. Das ist schon hart oder?

Trimmel: Auf jeden Fall. Für uns Spieler sowieso, aber auch für den Klub, weil wir am 23.12. bei uns im Stadion das Weihnachtssingen haben, was jedes Jahr ein tolles Event ist. Der Klub hat auch einen Antrag beim DFB gestellt, um die Partie zu verlegen. Der wurde aber leider abgelehnt. Jetzt spielen wir halt am 23.12. in Aue. Am 24.12. bin ich dann zuhause im Burgenland und am 25. geht es weiter in den Urlaub.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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