news

Dunst: Von CL-Nächten in Barcelona und Malen nach Zahlen

Österreichs Fußballerin des Jahres spricht mit LAOLA1 unter anderem über den Erfolgsfaktor Mentalität und ihre aufregende Zeit bei Eintracht Frankfurt.

Dunst: Von CL-Nächten in Barcelona und Malen nach Zahlen Foto: © getty

Barbara Dunst erlebt mit Eintracht Frankfurt eine mehr als ordentliche Saison. In der Deutschen Frauen-Bundesliga liegen die Hessinnen auf Platz drei, zudem gelang im Herbst die Qualifikation für die Champions League.

Gleichzeitig lief es im Frauen-Nationalteam nach Wunsch (hier nachlesen >>>). Mentale Vorbereitung ist für die 26-Jährige einer der Erfolgsschlüssel.

Als Grund für den Erfolg der Eintracht sieht Dunst neue Strukturen im Verein, die in kürzester Zeit geschaffen wurden. "Es hat sich einiges geändert, wir bekommen Frühstück und Mittagessen. Wir haben einen kleinen Campus und sehr gute Trainingsplätze. Durch die Fusion mit der Eintracht geht hier viel voran. Der komplette Verein ist dahinter", erzählt die Mittelfeld-Akteurin im Gespräch mit LAOLA1.

Eiszeit in Frankfurt vor Barcelona-Flug

Bundesligist Eintracht Frankfurt ist 2020 in den Frauenfußball eingestiegen, und hat mit dem 1. FFC Frankfurt fusioniert.

Das hatte nicht nur Platz drei in der Vorsaison zur Folge, sondern brachte den Einzug in die Women’s Champions League.

Dunst hadert mit dem Gruppen-Aus in der Champions League.
Foto: © getty

Diese "richtig coole Erfahrung" soll erst der Anfang sein, denn Dunst, die 2019 in Frankfurt anheuerte, hadert sogar mit dem Gruppen-Aus: "Schade, dass wir es nicht weiter geschafft haben. Zu Hause gegen Benfica müssen wir es uns selber zuschreiben."

Überzeugend waren die beiden Auftritte gegen Titelträger Barcelona, trotz zweier Pleiten. Für Dunst ein absolutes Highlight: "Die Analyse war schon speziell. Wir haben gesehen, sie spielen einen richtig krassen Fußball. Das ist ein anderer Planet. Wir haben zwei super Ergebnisse (1:3, 0:2, Anm.) geliefert."

Selbstverständlich war die Leistung speziell in Barcelona nicht, denn "vor dem zweiten Spiel war in Frankfurt Eiszeit, wir hatten kaum Trainingsplätze zur Verfügung. Von 0 auf 100 sind wir nach Barcelona geflogen, wir haben uns super präsentiert". In Frankfurt gelang der Eintracht sogar die Führung gegen die Katalaninnen.

Grundstock als Erfolgsfaktor

Die Hessinen möchten nun Dauergast in der Women’s Champions League werden, auch wenn klar ist: "Der Quali-Modus ist krass schwer."

National gilt es noch weiter vorzudringen. "Wir wollen in den nächsten ein, zwei Jahren oben angreifen. Wir wollen Wolfsburg und Bayern ärgern", macht Dunst klar.

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Niko Arnautis, Trainer der Eintracht-Frauen, hält seit Jahren am selben Grundstock an Spielerinnen fest, Neuzugänge kommen nur vereinzelt dazu. "Das spricht für ihn. Es ist im Fußball schon oft so, wenn du zwei, drei Spiele nicht performst, bist du weg vom Fenster. Er gibt uns sehr viel Vertrauen", freut sich die ÖFB-Teamspielerin.

Mentale Arbeit als Schlüssel

In der erfolgreichen Eintracht-Saison absolvierte die Steirerin bisher alle Spiele von Beginn an. Die Mittelfeldspielerin fühle sich in diesem System "sehr wohl, da ich zentraler spiele".

"Offensiv habe ich sehr viele Freiheiten. Defensiv haben wir einen Plan, wie wir agieren. Wir haben eine hohe Qualität in der Mannschaft", erklärt Dunst.

Stellt sich die Frage: Wie hält sich die Frankfurt-Legionärin so fit? Schließlich ist sie seit Längerem verletzungsfrei.

"Ich dachte mir schon, dass irgendwann die Welle kommt, wo ich mich schlapper fühle. In der Hinrunde war ich im Flow. In der Winterpause war ich dann einmal ein paar Tage krank", verrät sie. Wichtig sei, das Ganze richtig zu kommunizieren.

"Im Moment mache ich in der Früh zu meinem Kaffee Malen nach Zahlen. Da muss ich mich brutal konzentrieren, weil die Kästchen zwei Millimeter groß sind. Ich habe für mich ein paar Dinge gefunden, die mir guttun."

Dunst achte sehr auf ihre Fitness. "In den letzten Spielen ist es offensiv nicht so gelaufen. Darauf bin ich aber mental vorbereitet. Ich wusste, es kann nicht immer nur nach oben gehen. Körperlich passt es bisher sehr gut", so die 26-Jährige.

Dunst sieht hinter der Thematik auch eine "mentale Geschichte". Seit vergangenen Sommer hilft ihr Meditation. "Ich habe mit der Sportpsychologin der Nationalmannschaft darüber geredet. Die mentale Verfassung ist gerade in den englischen Wochen der Schlüssel", verrät Dunst.

Malen nach Zahlen und Spaziergänge

Sie sucht nach dem richtigen Ausgleich: "Im Moment mache ich in der Früh zu meinem Kaffee Malen nach Zahlen. Da muss ich mich brutal konzentrieren, weil die Kästchen zwei Millimeter groß sind. Ich habe für mich ein paar Dinge gefunden, die mir guttun."

Es sei wichtig abzuschalten. Das könne beispielsweise auch die Universität sein. "Spaziergänge und Self-Care, das ist brutal wichtig. Das habe ich in den letzten Monaten für mich herausgefunden", meint Dunst.

Ösis? "Das tut der Mannschaft gut"

Ösis?
Österreicherinnen seien bei der Eintracht bisschen "verpeilt und lustig"
Foto: © getty

Hilfreich sind auch die beiden Landsfrauen Virginia Kirchberger und Verena Hanshaw im Team der Eintracht.

"Ösis in der Mannschaft sind angenehm. Das bringt ein gewisses Zuhause-Gefühl mit sich. Da fühle ich mich pudelwohl", meint Dunst.

In Frankfurt habe sie zwar viele Freunde, aber "mit Ösis unter sich ist es besonders. Das tut der Mannschaft gut, weil wir bisschen verpeilt und lustig sind".

Studium als zweites Standbein

Neben dem Profisport studiert Dunst Sportmanagement, aber ist das nicht eher noch mehr Stress?

"Mit den englischen Wochen war es heavy. Da ist man müde. Es ist sonst aber eine gute Ablenkung. Es ist sehr wichtig, sich von der Bildung her frisch zu halten. Nach einer Frauenfußballkarriere hast du nicht ausgesorgt. Ein zweites Standbein ist wichtig. An der Zeit mangelt es nicht. Manche machen Lehre mit Matura, davor habe ich Respekt", sieht Dunst keine großen Probleme.

Nach der Karriere möchte sie dem Frauenfußball erhalten bleiben. "Irgendwie schlummert in mir, dass ich meine Erfahrungen weitergeben möchte. Manchmal habe ich das Gefühl, in mir steckt eine Trainerin, manchmal denke ich in Richtung Management oder Spielerberatung."

Bessere Vermarktung als Chance?

Eine bessere Vermarktung könnte dem Frauenfußball helfen, dass in Zukunft mehr Geld fließt. In Deutschland kurbelt unter anderem der Streamingdienst "DAZN" den Frauenfußball mit intensiver Berichterstattung an.

"Mir geht es darum, wie wird das Ganze aufgezogen. Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass wir uns mit Leistungen in den Vordergrund schieben. Social Media hat auf manche Dinge einen großen Einfluss. Es muss jede Spielerin selbst wissen, wie weit sie sich in den Vermarktungsprozess reindrängt", meint Dunst.

Die Mittelfeld-Spielerin meint auch, dass in Deutschland noch mehr drin sei. Aber: Steigt damit nicht der Druck auf die Spielerinnen?

"Das würde ich nicht sagen. Einige Spielerinnen verspüren diesen generell. Sie wollen sich für die Nationalmannschaft zeigen", erläutert Dunst.

Eintracht-Abgang? "Mal schauen"

In Frankfurt steht die Steirerin noch bis 2025 unter Vertrag. Durch die Leistungen in der Champions League könnte Dunst aber international Interesse geweckt habe.

"Mal schauen. Im Moment passt es gut. Der Verein entwickelt sich. Ein Ziel wäre es, die Eintracht auf das nächste Level zu heben. Wir wollen ein Top-Verein sein", meint Österreichs Spielerin des Jahres 2023 zu ihrer Zukunft.

Dunst: "Bin selten über irgendwas zufrieden" >>>

Die 20 ÖFB-Frauen mit den meisten Länderspiel-Einsätzen

Kommentare