Entschlüsselter RB-Code als Adi Hütters Trumpf?

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Es ist kein Spiel wie jedes andere für Adi Hütter. Es geht im Sechzehntelfinale der Europa League gegen RB Salzburg (ab 18:55 Uhr im LIVE-Ticker und auf DAZN), zum einen ein Verein aus der Heimat, zum anderen sogar ein Ex-Verein, dem er selbst den internationalen Durchbruch verdankt.

Die Vergangenheit wird vor dem Anpfiff zum größeren Thema als die Gegenwart, denn Hütters Abschied vom "Ausbildungsverein" Salzburg ist noch in guter Erinnerung. Doch der Salzburger, der erst kürzlich 50 Jahre alt wurde, will das Thema nicht überkochen lassen und neu befeuern.

"Ich habe Salzburg sehr viel zu verdanken. Es gab untereschiedliche Ansichten, aber ich bin im Guten gegangen, habe unglaublich viel lernen dürfen, auch eine andere Art und Weise, wie man Fußball spielen und denken kann. Dadurch hat sich auch meine Sichtweise auf den Fußball ein bisschen verändert durch Ralf Rangnick, auch wie man sich im Spiel gegen den Ball verhält", beschreibt Hütter die Lehren seiner Salzburg-Zeit.

Zwei Titel durfte er mit RBS einheimsen, nach Grödig und Altach waren die ersten Erfahrungen bei einem großen Verein unglaublich lehrreich. Das Gelernte will er nun gegen seinen Ex-Arbeitgeber anwenden. Denn der Ex-Profi stellt klar: "Wir wollen Salzburg ausschalten."

Spezielles Wiedersehen für Österreicher bei 50:50-Chance

Dass es sich um eine besondere Konstellation handelt, will Hütter gar nicht verneinen. Auch für die anderen Österreicher im Klub. Martin Hinteregger ist im Hinspiel noch gesperrt, doch auch er hat eine Vergangenheit in der Mozartstadt wie Stefan Ilsanker.

Laut Hütter sei es für den Neuzugang noch spezieller, da seine Familie und Freunde direkt aus Salzburg stammen, er dort aufgewachsen ist und fußballerisch einen Riesen-Schritt gemacht hat.

Schon bei der Auslosung war die Freude auf das Wiedersehen groß, obwohl es laut Hütter noch immer vorrangig um das Duell Frankfurt gegen Salzburg geht. "Wir freuen uns auf Duell, es ist ein schweres Los für uns. Schon bei der Auslosung habe ich die Chancen 50:50 gesehen, das sehe ich heute auch noch so. Wir müssen uns eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel schaffen."

Zwischendurch klang das auch schon mal euphorischer. Nämlich durch den Aufwärtstrend der Eintracht im Frühjahr, und auch der Tatsache, dass Salzburg im Winter durch die Abgänge von Erling Haaland, Takumi Minamino und Marin Pongracic doch deutlich geschwächt wurde.

RBS geschwächt:"Das könnte möglicherweise ein Vorteil für uns sein"

Zumindest auf den ersten Blick, denn Hütter betont, dass es schon in der Vergangenheit Salzburgs große Stärke war, aufgrund der Philosophie und des Aufbaus junger Spieler sofort Ersatz parat zu haben, der auch funktioniert.

Trotzdem muss sich auch die Truppe von Jesse Marsch erst finden, wie die 2:3-Heimniederlage gegen den LASK und der Verlust der Tabellenführung bewies. Zusätzlich hat Frankfurt bereits sechs Spiele in den Beinen, während Salzburg abgesehen von der LASK-Pleite davor nur im Cup gegen Amstetten aufstieg.

Ein Vorteil für die Deutschen? "Das könnte möglicherweise ein Vorteil für uns sein", schließt Hütter nicht aus. "Es war schon überraschend, dass Salzburg gegen LASK verloren hat, aber die Linzer sind mittlerweile eine Spitzenmannschaft in Österreich. Die Abgänge tun ihnen sicher weh."

Zu Haaland brauche man keine großen Worte verlieren, den besten Beweis lieferte dieser erst am Dienstag mit seiner 2-Tore-Gala in der Champions League gegen Paris St. Germain und seinen elf Toren in sieben Spielen für Borussia Dortmund.

Durch die Abgänge des 19-jährigen Norwegers (28 Tore) und Minamino (9) gingen insgesamt 37 Salzburg-Tore aus dieser Saison verloren. Mit Patson Daka, Neuzugang Noah Okafor und Co. steht die nächste Riege bereits in der Warteschleife, aber Frankfurt wittert die Chance.

RB-Code entschlüsselt? Hütter ortet Unterschiede zwischen RBS und Leipzig

Allerdings ist für Hütter und seinen Staff Rätselraten angesagt. So wie er selbst noch zwischen einer Dreier- und Viererkette schwankt, ist man sich auch noch nicht sicher, wie Salzburg in der Commerzbank-Arena auflaufen wird - wie zuletzt gegen den LASK oder schon mehrmals im Europacup mit Dreierkette oder mit vier Mann in der hintersten Kette.

"Das Schlüsselthema wird sein, wie sie die Kette gestalten - ob mit drei oder vier Spielern und ob Ramalho spielen wird. International haben sie oft mit Dreierkette gespielt, das dann aber auch oft in der Halbzeit korrigiert", weiß der Frankfurt-Coach bestens Bescheid, rechnet fix mit Jerome Onguene und Maximilian Wöber sowie Andreas Ulmer links. Dann wird es drauf ankommen, ob Patrick Farkas spielt. "Sie haben aber auch im 4-4-2 mit Raute sehr gute Spiele gemacht, können mit zwei oder drei Spitzen spielen – das sind Fragen, die wir uns stellen müssen. Sie sind sehr variabel und haben viele Möglichkeiten", warnt Hütter.

Aufgrund von zwei Siegen gegen RB Leipzig wurde dieser bereits gelobt, den Red-Bull-Code geknackt zu haben. Viele trauen ihm deshalb und aufgrund der vielen Vorkenntnisse über RB Salzburg auch hier den großen Coup zu. Doch Hütter weist auf Unterschiede hin, die erst seit kurzem so richtig zum Tragen kommen.

"Ich sehe in dieser Saison schon nicht mehr zu hundert Prozent diese Parallelen zu RB Leipzig wie noch letze Saison, wo Rangnick noch das Zepter geschwungen hat. Julian Nagelsmann legt mittlerweile auch sehr viel Wert auf Ballbesitz, was sie beide verbindet ist dieses unglaublich schnelle Umschalten nach Ballgewinn. Im Gegenpressing ist Salzburg noch aktiver, aber hat vielleicht nicht so das gepflegte Spiel mit dem Ball wie Leipzig. Also es gibt Parallelen aber doch auch Unterschiede", analysiert der Eintracht-Chefbetreuer.

Als Marsch bei Hütter in Taxham vorbeischaute

Der Salzburg einfach durch und durch kennt. Die Kontakte sind nie abgerissen, die Herangehensweise hat er selbst inhaliert und sich das eine oder andere auch für seinen weiteren Werdegang mitgenommen. Was Salzburgs Philosophie so speziell macht?

"Die Art und Weise, wie in Salzburg Fußball gespielt wird, ist eng verbunden mit dem Namen Ralf Rangnick. Die unbedingte Balleroberung, das Spiel gegen den Ball, was durch die komplette Akademie vom Bundesleistungszentrum bis in die Kampfmannschaft geht. Es werden Spieler ausgesucht, die Schnelligkeit, Mentalität haben und jung sind. Mit Junuzovic zum Beispiel haben sie aber schon auch erfahrene Spieler. Also die Auswahl der Spieler und die Art und Weise wie Fußball gespielt wird, zieht sich wie ein roter Faden durch."

Und Jesse Marsch setzt diese fort und treibt diese auf den Höhepunkt. Hütter kennt ihn, denn zu seiner Trainerzeit schaute der damals schon in den USA tätige Emporkömmling mal in Salzburg vorbei. "Ich weiß noch, wie Marsch bei uns in Taxham zugeschaut hat, wir haben uns damals kurz ausgetauscht, er hat dann einen guten Weg hingelegt über Leipzig nach Salzburg, seit Sommer macht er es sehr gut. Ich freue mich, ihn zu sehen."

Für Sentimentalitäten wird jedoch keine Zeit sein. Denn für Hütter steht viel auf dem Spiel. In der deutschen Bundesliga hinkt Frankfurt mit Platz zehn den Erwartungen hinterher, im DFB-Pokal-Viertelfinale ist man noch vertreten und in der Europa League will man im besten Fall den Halbfinal-Einzug vom vergangenen Jahr wiederholen.

Kein Gegentor gegen Salzburg? "Das wird eine Herausforderung"

Eine Parallele zwischen den beiden Kontrahenten, schließlich war Salzburg eine Saison davor unter den letzten Vier. Erfahrungen, die weiterhelfen können.

Die Ausgangslage ist klar. Aus österreichischer Sicht gilt Frankfurt als klarer Favorit, auch wenn RBS bewiesen hat, dass international alles möglich ist. Hütter beschreibt die Ausgangsposition so: "Wichtig wird sein, kein Gegentor zu erhalten." Dass das schwierig wird, weiß er, denn Salzburg habe die letzten Wochen, Monate und Jahre gezeigt, dass es immer für Tore gut ist - egal, ob in Liverpool, Neapel oder sonst wo. "Salzburg so aus dem Spiel zu nehmen, dass sie keine Tore erzielen, wird eine Herausforderung. Wenn wir ein oder zwei Tore schießen, wäre das eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel", findet Hütter.

Diesmal kann er nicht selbst dazu beitragen, dass der Spielstand verändert wird. 1994 schon, damals erzielte im Heimspiel im UEFA-Cup-Viertelfinale den 1:0-Siegtreffer für Austria Salzburg gegen Eintracht Frankfurt und traf im Rückspiel im Elfmeterschießen, wo schlussendlich bei der Sternstunde von Otto Konrad (HIER geht's zur Story >>>) der Aufstieg gelang.

"Ich habe in Wien getroffen und hier den vierten Elfmeter gegen die deutsche Legende Uli Stein im Tor verwandelt und wir haben Frankfurt ausgeschaltet. Das war eine große Überaschung, Frankfurt war damals schon eine Top-Mannschaft. Das wird mir ewig in Erinnerung bleiben", so Hütter, bevor er die Erinnerungen in eine Kampfansage ummünzt: "Aber jetzt bin ich Trainer bei Frankfurt und hoffe, dass wir in den zwei Duellen mit Salzburg als Sieger vom Platz gehen."

Textquelle: © LAOLA1.at

Salzburgs Kult-Keeper Otto Konrad: Filmriss als Frankfurt-Schreck

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