10 Gründe, warum Salzburg ins Finale einzieht

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Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.

Salzburg kämpft am Donnerstag (21:05 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) im Halbfinal-Rückspiel der UEFA Europa League in der ausverkauften Red-Bull-Arena gegen Olympique Marseille um den Einzug ins Endspiel.

Nach der Wiener Austria (1978), Rapid (1985, 1996) und Austria Salzburg (1994) will die Mannschaft von Trainer Rose als fünftes österreichisches Team in ein Europacup-Finale.

Dieses findet am 16. Mai in Lyon statt. Der Weg dorthin ist seit dem 0:2 im Hinspiel wieder etwas weiter geworden, doch Salzburg hat schon bewiesen, dass es solch einen Rückstand drehen kann.

Das ist einer der 10 Gründe, warum es Salzburg noch ins Finale der UEFA Europa League schaffen kann.

1. Salzburg hat es schon einmal geschafft

"Erlebtes hilft". Trainer Marco Rose wurde nach dem 0:2 noch in Marseille auf das "Wunder gegen Lazio" angesprochen. Im Viertelfinal-Rückspiel lag seine Mannschaft gegen die Italiener bereits mit einem Gesamtscore von 2:5 zurück, ehe das Duell in vier Minuten (für die Ewigkeit) noch gedreht werden konnte. Der Glaube an ein Comeback ist auch deswegen da. Noch in den Katakomben im Stade Velodrome gingen die Salzburger in den "Lazio-Modus" über. Ein Salzburger Team hat schon einmal ein 0:2 im Europacup gedreht: Austria Salzburg holte 1993/94 dieses Hinspiel-Ergebnis gegen Sporting Lissabon im Achtelfinale des UEFA-Cups auf. Ein gewisser Adi Hütter schoss Salzburg damals in die Verlängerung, Martin Amerhauser sorgte für das 3:0 und am Ende kam das Team von Otto Baric sogar bis ins Finale.

2. Salzburg ist heimstark

38 Heimspiele in Folge haben die Salzburger nicht verloren, davon 30 gewonnen. Erstmals seit Ried 2008/09 könnte ein Bundesliga-Team eine Saison ohne Heimniederlage schaffen. Zuhause ist der Serienmeister auch international eine absolute Macht, verlor zehn Spiele in Folge nicht, und gewann in diesem Frühjahr auch gegen Sociedad (2:1) sowie gegen Lazio (4:1). Die letzte Niederlage setzte es am 27. November 2016 gegen die Admira (0:1), im Europacup unterlag man zuletzt am 20. Oktober 2016 Marseilles Ligue-1-Rivalen Nizza (0:1). OM hat auswärts in dieser Europacup-Saison nur eine von acht Partien gewonnen, die aber immerhin in Bilbao (2:1). In Salzburg verlor Marseille im Herbst mit 0:1. Im Jahr 2018 hat Salzburg neun von zehn Heimspielen gewonnen, gegen Dortmund reichte ein 0:0 zum Aufstieg. Bei einem Einzug ins Endspiel der Europa League wäre Salzburg übrigens das nominelle Heimteam – Atletico/Arsenal der "Gast" in Lyon.

3. Salzburg hat wieder im Rückspiel Heimrecht

Über mangelndes Auslosungs-Glück darf sich Salzburg in dieser Saison nicht beschweren, vor allem was die Reihenfolge angeht. Denn vier Mal wurde der Meister in der K.o.-Phase als zweites Team gezogen, was bedeutet, dass das Rückspiel vier Mal in Salzburg abgehalten wurde/wird. Keine Reise, keine Strapazen vor dem Showdown um einen Aufstieg. Es wird natürlich nicht so ohrenbetäubend wie im Stade Velodrome, aber auch in Salzburg können die Fans für einen echten Heimvorteil sorgen, wenn sie die Mannschaft lautstark unterstützen. Im 60. Salzburger Europa-League-Spiel wäre das besonders wichtig. Rose: "Wir werden eine tolle Stimmung haben. Vielleicht gehen nicht so viele Zuschauer rein wie in Marseille (62.312), aber wir werden zeigen, dass es auch in Salzburg (29.520) große Fußball-Stimmung geben kann."

4. Salzburg lernt aus seinen Fehlern

Im Viertelfinale wurde das 2:4 in Rom analysiert, die Fehler besprochen und das Spiel in Salzburg gedreht. Das muss nicht immer so aufgehen, aber es zeigt, dass die Mannschaft auch aus Fehlern lernt. Die Betreuer ließen sich für das Rückspiel gegen Lazio mit einem 4-3-3 auch etwas einfallen. Gegen Marseille lief es im Hinspiel - abgesehen vom Ergebnis - gar nicht so schlecht, nur dürfen etwa Freistoß-Gott Dimitri Payet nicht so viele Möglichkeiten gegeben werden. Sauberes Arbeiten nach hinten und vorne ist gefragt, leichte Ballverluste müssen vermieden werden, Effizienz ist in der Offensive Pflicht.

5. Salzburg-Gegner Marseille ist nicht übermächtig

Die Ausgangslage ist mit dem 0:2 alles andere als optimal, aber Olympique Marseille ist kein Gegner, gegen den dieses Ergebnis nicht zu drehen ist - auch wenn Spieler wie Dimitri Payet (31 Scorerpunkte) oder Florian Thauvin (41!) absolute Klasse besitzen. Zuletzt reichte es aber in der Liga nur für ein 1:1 beim 14. in Angers, obwohl die meisten Stammspieler zum Einsatz kamen. In den letzten drei Runden der Ligue 1 geht es für OM immerhin um einen CL-Fixplatz. Das Hinspiel zeigte auch, dass Salzburg selbst in einem Halbfinale den Gegner unter Druck setzen kann. Dieses Mal ist dafür auch keine Anlaufzeit notwendig. Das Selbstbewusstsein ist da, ab Minute eins voll draufzugehen.

6. Salzburg hat zwei Trümpfe im Tor

Ja, Alexander Walke hat im Hinspiel daneben gegriffen. Aber lassen wir das mal außen vor, spielt der Deutsche eine bärenstarke Saison und ließ sich sonst nichts zu Schulden kommen. Zudem war der 34-Jährige in den Spielen gegen Dortmund und Lazio zur Stelle, wenn es ganz wichtig war. OM-Goalie Yohann Pele wehrte zwar Hannes Wolfs große Chance im Stade Velodrome bravourös ab, doch er ist "nur" Marseilles nominelle Nummer 2 - Steve Mandanda war bis zuletzt verletzt, steht nun erstmals wieder im Kader, wird aber laut Trainer Rudi Garcia nicht spielen. Der 35-jährige Pele vertrat ihn bisweilen ganz gut, zeigte aber auch im Hinspiel Unsicherheiten. Eine spannende Spekulation: Salzburgs Elfer-Killer Cican Stankovic könnte für ein etwaiges Elferschießen eingewechselt werden, zumal Rose beim 4:1 gegen Lazio auch nur zwei Mal wechselte. Im Cup-Halbfinale wehrte Stankovic zuletzt drei der vier Mattersburger Elfmeter ab, der vierte ging weit über das Tor. Das bislang einzige internationale Elfmeterschießen in der RB-Ära ging gegen Dinamo Minsk verloren (2:3). Ein Europa-League-Halbfinale bietet sich geradezu an, diese Bilanz auszugleichen, sollte es so weit kommen.

7. Salzburg ist fitter

Auch das war in Marseille zu sehen und überhaupt in der gesamten Saison. Salzburg kann in einem Spiel zulegen und vor allem hinten raus noch etwas bewegen, was bei einer Aufholjagd freilich nützlich ist. Die Medizin-Abteilung sorgt dieser Tage und Wochen zudem für den positiven Ausnahmezustand, sodass de facto alle Salzburger zum Einsatz kommen könnten. Das ist nach 56 Pflichtspielen und in dieser intensiven Phase alles andere als selbstverständlich. Rose hat die Qual der Wahl punkto Aufstellung, auch wen er im Fall der Fälle von der Bank bringt. Für unterschiedliche Spiel-Situationen unterschiedliche Alternativen bringen zu können, kann definitiv nicht schaden.

Die besten Bilder des Halbfinal-Hinspiels der Europa League zwischen Olympique Marseille und Red Bull Salzburg:

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8. Salzburgs gutes Schiedsrichter-Omen

Im Hinspiel gab Willie Collum aus Schottland ein glasklares Elfmeter-Foul an Stefan Lainer nicht. Rose mit leicht sarkastischem Unterton: "Der Schiedsrichter hat ein super Spiel gemacht, er hat nur eine Situation übersehen." Das wird Sergej Karasev aus Russland nicht passieren, zumindest gab der 38-Jährige schon einmal einen Elfmeter in diesem Jahr in Salzburg – beim 2:1 gegen Sociedad im Februar. Vor seiner Heim-WM leitet Karasev also noch einmal eine Partie in der Red-Bull-Arena. Wenn er das auf ähnliche Weise wie sein WM-Kollege Damir Skomina aus Slowenien gegen Lazio macht, nämlich fehlerlos, steigen auch Salzburgs Chancen auf einen Einzug ins Europacup-Finale. Pikant: Karasev leitete in dieser Saison auch schon ein Spiel von OM in der Gruppenphase - das 1:1 in Konya. Garcia hatte mit der Besetzung keine Freude und sagte "France Football": "Wir haben sehr gemischte Gefühle und fühlten uns in der Türkei benachteiligt." Konya bekam einen Elfer zugesprochen und Jordan Amavi sah Rot - auf der anderen Seite gab es bei Aktionenen gegen Sakai und Njie keinen Pfiff.

9. Salzburgs Trainer hat eine offene Rechnung

Nicht, dass es auch nur ansatzweise eine zusätzliche Motivation brauchen würde, ins Endspiel der UEFA Europa League nach Lyon gelangen zu wollen. Aber Rose hat seit vergangenen Donnerstag eine Zusatz-Motivation. Er will es gewissen Menschen aus Marseille zeigen – und nicht mit dem Finger. Die vielen Mittelfinger, die ihm in Südfrankeich gezeigt wurden, hat der Gerechtigkeitsfanatiker nicht vergessen. Die ideale Antwort wäre die sportliche Revanche auf dem Platz mit der Verabschiedung von Marseille aus dem Bewerb, auch wenn er es bei der Pressekonferenz am Mittwoch diplomatisch herunterspielte und von an sich freundlichen Gastgebern sprach. Das "Drumherum" hat er aber sicherlich nicht vergessen.

10. Salzburgs außergewöhnliche Mannschaft

Zu guter Letzt sollte sich vor Augen geführt werden, was diese Mannschaft ohne große Stars in dieser Saison geleistet hat. Die letzten acht Klubs in beiden großen europäischen Bewerben hießen Real Madrid, Bayern München, Liverpool, AS Roma, Atletico, Arsenal, Marseille – und Salzburg. Wer vor der Saison auf eine Halbfinal-Beteiligung des österreichischen Meisters im Europacup gesetzt hat, dürfte reich sein. Das ist alles, nur nicht selbstverständlich. Rose und sein Team haben ein talentiertes Kollektiv mit Winner-Mentalität geformt, das unter anderem den BVB und Lazio in die Schranken wies. Der Teamgeist ist enorm, wie Andre Ramalho beschreibt: "Es ist ein Wahnsinn, wie gut sich alle verstehen. Das zeigt auch, warum wir so weit gekommen sind. Wir sind eine außergewöhnliche Mannschaft." Die am Donnerstag österreichische Fußball-Geschichte schreiben kann.

Textquelle: © LAOLA1.at

Salzburgs Matchplan für den Showdown gegen Marseille

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