Wenige Minuten nach Schlusspfiff versammelte Cheftrainer Peter Stöger seine Mannschaft im Mittelkreis zu einer kurzen Ansprache.
Auch Claudy Mbuyi, der Mann des Abends, ergriff das Wort - doch im Freudentaumel verstand ihn kaum jemand.
"Ich hab ihn auch nicht verstanden, ich glaube er weiß selber nicht, was er gesagt hat", scherzte Jannes Horn in der Mixed-Zone nach dem 2:0-Heimsieg über den FC ETO Györ, mit dem man sich für die Ligaphase der UEFA Conference League qualifizierte (Spielbericht >>>).
Mbuyi klärte später auf: "Ich war schon etwas müde, aber ich habe einfach Danke zu meinen Teamkollegen und dem Klub gesagt. Der Start war für mich nicht einfach, aber jetzt fühle ich mich schon viel besser. Sie haben mich wunderbar willkommen geheißen."
Viel Lob für den Matchwinner
Mit seinem Doppelpack schoss der 26-jährige Franzose den SK Rapid in die Ligaphase der Conference League – und krönte damit seine rasante Entwicklung.
"Es ist richtig schön, es kann so schnell gehen im Fußball. Ich genieße die Zeit einfach und bin sehr glücklich, hier zu sein", zeigte sich der Matchwinner demütig.
Auch Kapitän Matthias Seidl sparte gegenüber LAOLA1 nicht mit Lob: "Ich freue mich extrem für ihn. Er hat in den ersten Wochen schon bewiesen, dass er was draufhat, körperlich gut ist, einen gewissen Speed mitbringt und auch im Abschluss gut ist."
Horn, der den zweiten Treffer mit einem starken Chip-Pass vorbereitete, sah das ähnlich: "Er ist pfeilschnell und hat einen brutalen Körper. Er ist richtig gut in Form. Ich lobe ungern nur einzelne, aber er war eindeutig der Man of the Match."
Der Stürmer bewies an diesem Donnerstagabend unter Druck zweimal die nötige Coolness und ließ damit das Stadion explodieren. Nach seinem zweiten Treffer wurde der Franzose unter Standing-Ovations ausgewechselt. "Die Stimmung im Stadion war unglaublich", so der Doppeltorschütze.
Vor einem Jahr noch LigaZwa
Vor ziemlich genau einem Jahr wechselte Mbuyi aus der dritten französischen Liga in die ADMIRAL 2. Liga zum SKN St. Pölten. Nach einer kurzen Anlaufphase traf der Stürmer in der Rückrunde wie am Fließband und schoss sich damit auf das Radar von Markus Katzer und Peter Stöger.
"Ich habe ihn schon letztes Jahr, als ich noch bei der Admira war und er in St. Pölten, beobachtet. Dort konnte man schon sehen, dass er mit seiner Physis und seiner Schnelligkeit vielen Teams wehtun kann", offenbarte Stöger.
Der Angreifer wurde am Ende der Saison mit 21 Treffern aus 24 Spielen Torschützenkönig in LigaZwa. In den letzten vier Ligaspielen traf er zudem immer doppelt.
"Wir wussten natürlich nicht, wie groß der Sprung für ihn sein wird, in die Bundesliga oder dann auch in den Europacup", so der Trainer. Vier Tore und zwei Vorlagen in elf Pflichtspielen in dieser Saison zeigen aber, dass die Richtung stimmt und er sich gut eingefügt hat.
"Er deckt vieles ab, was ein guter Stürmer braucht und er ist ein extrem positiver Charakter, der hier seine große Chance sieht, sich zu beweisen. Das merkt man in jeder Trainingseinheit", so Stöger.
Chance genutzt - wohin führt die Reise?
Mit dem Einzug in die Ligaphase der Conference League steht Mbuyi am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere – und das trotz starker Konkurrenz im Angriff.
"Er war schon in der Vorbereitung einer unserer besten Stürmer. Da waren allerdings die anderen auch noch nicht da", witzelte Stöger.
Eines ist sicher: Sein Doppelpack im Playoff-Rückspiel war wohl erst der Anfang. Wenn Mbuyi so weitermacht, wird er noch öfter im Mittelkreis das Wort ergreifen.