Salzburg nach Auftaktremis: "Noch nichts verloren"

 

Es war ein Punkt, der sich wie eine Niederlage anfühlt.

Der FC Salzburg startete mit einem 2:2 daheim gegen den am Papier einfachsten Gruppen-Gegner Lokomotive Moskau in die Champions League (Spielbericht>>>) und steht damit schon nach Spieltag eins mit dem Rücken zur Wand.

Zu einer über weite Strecken vergleichsweise mäßigen Salzburger Leistung kam eine äußerst fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidung sowie eine Menge Pech im Torabschluss.

Ganz unzufrieden ist man in Salzburg am Ende dennoch nicht. "Summa Summarum ist es ein Punkt. Es ist nicht verloren, noch ist alles drinnen", findet der beste Salzburger am Mittwoch-Abend, Zlatko Junuzovic.

Der Routinier, der während des Spiels von der Sechs auf die Zehn wechselte und dort richtig aufblühte, machte sich mit einer Eckball-Vorlage für Traumtorschützen Dominik Szoboszlai und einem doppelt abgefälschten Weitschuss fast zum Matchwinner der "Bullen". Dass Salzburg wie schon im Vorjahr beim 6:2-Kantererfolg über den KRC Genk siegreich in die Champions League startete, verhinderte schlussendlich aber eine etwas kuriose Situation in Minute 75:

Wieso kein Videobeweis?

Der eingewechselte Masaya Okugawa versucht, nach einem Ballgewinn per Pirouette das Spiel schnell zu machen, wird dabei klar von Francois Kamano am unteren Schienbein getroffen und kommt zu Fall. Der schon davor schwache und ohne Linie pfeifende Schiedsrichter Serdar Gözübüyük lässt die Partie - wie es die Regeln bei einer unklaren Zweikampf-Situation vorschreiben - allerdings weiterlaufen. Über Krychowiak landet die Kugel bei Lok-Rechtsverteidiger Zhivoglyadov. Dieser flankt, die Salzburger Hintermannschaft deckt sich selbst besser als den Gegner und der eingetauschte Vitali Lisakovich kann unter kräftiger Mithifle von Cican Stankovic einköpfen.

Referee Gözübüyük bespricht sich kurz mit seinen Videoassistenten Pol Van Boekel und Dennis Higler. Dem jungen holländischen Offiziellen ist es die Mühe aber nicht wert und Salzburgs Name wohl nicht groß genug, um in seinem zweiten Champions-League-Spiel überhaupt auf Nummer sicher zu gehen, zum Bildschirm an der Seitenlinie zu marschieren und sich die Situation in der Zeitlupe anzusehen. Stattdessen pfeift der 34-Jährige die Partie ohne Videostudium wieder an.

Junuzovic ärgert sich über "billiges Tor"

In Salzburg sucht man aber nicht nach Ausreden beim Schiedsrichter, die "Bullen" nehmen sich an die eigene Nase. "Es ist leider zu wenig, wir hätten aus unseren Chancen mehr Kapital schlagen müssen, nach dem 2:1 hatten wir eine Drangphase, das Momentum verpasst und dann kriegen wir ein billiges Tor", sagt Junuzovic bei "Sky", für den Routinier geht die Punkteteilung schlussendlich aber in Ordnung: "Nur ein Punkt leider, aber wenn man das gesamte Spiel hernimmt, ist es okay."

Dieser Meinung ist man auch auf Moskauer Seite, Lok-Trainer Marko Nikolic kann mit einem Unentschieden samt zwei Auswärtstoren gut leben. "Man kann nicht unzufrieden sein, in der ersten Halbzeit waren wir besser. Ich bin nicht vollends zufrieden. Objektiv gesehen waren wir in der ersten Hälfe besser und Salzburg in der zweiten, da geht der Punkt in Ordnung", findet der Serbe.

Marsch: "Hätten Sieg verdient"

Etwas anders sah den Spielverlauf Jesse Marsch. Für den US-Amerikaner waren seine "Bullen" die über weite Strecken bessere Mannschaft: "Es ist ein bisschen schade für uns, dass wir unentschieden gespielt habe, weil ich glaube, wir waren besser in diesem Spiel und wir hätten einen Sieg verdient gehabt. Aber es war nicht unsere beste Leistung."

Den Grund, warum Salzburg wie schon des Öfteren in dieser Saison nicht über 90 Minuten sein volles Potenzial ausschöpfen konnte und den Powerfußball, der die Mozartstädter auszeichnet, über die gesamte Spieldauer auf den Platz gebracht hat, erklärt Marsch so: "Es hat ein bisschen mit dem Gegner zu tun gehabt. Sie haben das gut gemacht, besonders in den ersten 20 Minuten. Dann haben wir ein bisschen reagiert. Ich glaube, in den letzten 70 Minuten waren wir die bessere Mannschaft."

Rückschlag im Rennen um Platz 3

Der US-Amerikaner fährt fort: "Am Ende ist es nicht so schlecht, dass wir nicht unser bestes Spiel gemacht haben und trotzdem gewinnen hätten sollen. Wir müssen reagieren für das Wochenende gegen Austria Wien und nächste Woche in Madrid", spricht der 46-Jährige den harten Spielkalender der "Bullen" an, der sie kommenden Dienstag zum schwierigen Auswärtsspiel im Wanda Metropolitano bei Atletico führt.

Gegen die "Rojiblanco", die bei ihrem Auftakt eine 0:4-Watsche von den Bayern kassierten (Spielbericht>>>), muss eine deutliche Steigerung her. Dem sind sich auch die Salzburger bewusst. "Ich hoffe, dass wir nächste Woche in Madrid mit voller Energie und Überzeugung auftreten. Dann ist auch alles möglich", spricht Junuzovic zwei Grundtugenden an, die normalerweise zum Mozartstädter Standardrepertoire gehören.

Um das Mindestziel - Rang drei der Gruppe und damit den Umstieg in die Europa League - zu erreichen, müssen sich die Salzburger schon nach Spieltag eins ordentlich strecken. Gegen den vermeintlich größten Konkurrenten um Platz drei, Lok Moskau, haben sich die "Bullen" aufgrund des Umstands, dass bei Punktegleichheit das direkte Duell über den Aufstieg entscheidet, mit einem eher unnötigen 2:2 daheim gleichmal eine ordentliche Hürde aufgebrummt - und die Aufgaben werden nicht leichter.

Textquelle: © LAOLA1.at

Champions League: Einzelkritik zu FC Salzburg gegen Lok Moskau

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