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Nein zu Rassismus! Kompanys Worte sollten zum Denken anregen

Auf einer Pressekonferenz äußerte sich Bayern-Trainer Vincent Kompany zum Vorfall im Duell zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid. Dabei findet er Worte, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

Nein zu Rassismus! Kompanys Worte sollten zum Denken anregen Foto: © GETTY

In einem beeindruckenden zwölfminütigen Monolog hat sich Vincent Kompany bei einer Pressekonferenz zu dem Vorfall zwischen Vinicius Junior und Gianluca Prestianni zu Wort gemeldet.

Das Statement ist zwar schon drei Tage alt, hat aber definitiv einen Platz auf dieser Plattform verdient.

Über rassistische Vorfälle wird auf Sportseiten berichtet, ihnen auch wirklich den Raum zu geben, um dagegen vorzugehen, kommt aber oft zu kurz.

In einer Fußballwelt, in der irgendwelche Halbstarken häufig und viel zu oft rassistische, diskriminierende Narrative umherschießen, muss das Thema aufgegriffen werden. Ein "zu oft" gibt es dabei nicht.

Das fängt in den Dorfligen Österreichs an, in der irgendwelche Menschen glauben, homosexuelle, diskriminierende und rassistische Narrative schreien zu dürfen, und geht bis in die Champions League.

Kompany bezieht Stellung

Kurz der Vorfall zusammengefasst: Vinicius Junior soll nach seinem ausgiebigen Jubel beim 1:0-Treffer von Prestianni im Champions-League-Spiel als "Affe" beschimpft worden sein. Außerdem sieht man einige Fans im Stadion, wie sie Affenzeichen machen (die Langfassung hier nachlesen >>>).

Vor dem Spiel gegen Frankfurt nahm Bayern-Trainer Kompany dazu klar Stellung. Er kritisiert insbesondere, wie nach dem Spiel mit der Situation umgegangen wurde.

Er sagt: "Nach dem Spiel hast du den Anführer einer Organisation, Jose Mourinho, der im Grunde den Charakter von Vinicius Junior attackiert, indem er die Art und Weise von dessen Jubel thematisiert, um zu diskreditieren, was Vinicius in diesem Moment tut. Für mich ist das in Sachen Leadership ein großer Fehler."

"Viele Spieler, die keine Stimme haben"

Vinícius Júnior ist als Starspieler von Real Madrid zwar jemand, der aneckt, polarisiert und häufig – teils auch zu Recht – kritisiert wird. In diesem Fall jedoch macht er genau das Richtige, wie auch Vincent Kompany unterstreicht:

"Es gibt immer noch viele Spieler, die in verschiedenen Ligen in Europa spielen, die keine Stimme haben. Wenn diesen Spielern etwas passiert, dann haben sie null Chance, auch nur irgendeine Unterstützung zu bekommen. Vini Jr. ist zumindest in einer Situation, in der es viele Menschen für ihn möglich gemacht haben, sich diesen Moment zu nehmen und in diesem Augenblick zu protestieren."

Kompany ergänzt: "Ich habe 100 Menschen kennengelernt, die mit Jose zusammengearbeitet haben. Jeder liebt ihn. Ich verstehe ihn, dass er für seinen Verein kämpft. Du kannst keine schlechte Person sein, wenn so viele Menschen gut über dich reden. Ich muss ihn nicht als Person beurteilen, [...], aber er hat einen Fehler gemacht."

"Raum geben, wo sich jemand entschuldigen kann"

Der Bayern-Trainer warnt zugleich vor zu schnellen Schwarz-Weiß-Reaktionen:

"Mein Traum ist es, dass am Ende dieser ganzen Sache, wenn es wahr ist, dass der Spieler von Benfica etwas derart Schlimmes gesagt hat, immer noch einen Raum gibt, wo sich jemand entschuldigen kann. Und dass das auch Einfluss auf die Strafe haben kann. Aber wir berauben uns all dieser Optionen, weil wir nur links oder rechts denken."

Auch die Ausrede des ausgiebigen Torjubels darf in keinster Weise Begründung für ein mögliches Fehlverhalten von Prestianni oder der Benfica-Fans sein.

"Zentrale Werte verteidigen"

Dass Rassismus ein alltägliches Thema ist, zeigen viele Vorfälle aus der Vergangenheit:

"Lasst uns einige einfache Dinge, einige zentrale Werte verteidigen! Ich kenne so viele Spieler, denen so etwas passiert ist. Es ist Eto´o, Balotelli passiert. War es auch ihr Jubel?"

Einer der schönsten Momente aus Kompanys Spielerkarriere war, wie er selbst sagt, ein Spiel gegen Betis Sevilla, in der übelste rassistische Ausdrücke von den Ultras der spanischen Fans kamen, die Dinge vom Ku-Klux-Klan sangen und Affengeräusche machten.

Zusammenhalt hilft

Kompany zeigt hier auf, wie Zusammenhalt und Taten helfen können:

"Gleichzeitig war es auch einer der schönsten Momente meiner Karriere, weil die Betis-Fans in den anderen Stadionbereichen angefangen haben, die Ultras auszubuhen. Es gab also einen Kampf im Stadion zwischen den Fans derselben Mannschaft. Und das fand ich wundervoll, weil die Welt nicht perfekt ist. Es gibt solche Dinge, so viele Dinge, so viele Situationen. Aber immerhin gibt es hier gerade Menschen vom selben Verein, die das nicht akzeptieren."

In den weiteren Minuten erzählt er von weiteren Vorfällen in seiner Spieler- und Trainerkarriere mit Rassismus.

Sein Appell fokussiert sich am Ende auf den Zusammenhalt und darauf, wie man mit solchen Vorfällen umgeht: "Schaut euch an, was wir gemeinsam erreichen können, statt der Dinge, die uns immer wieder spalten."

Große Empfehlung, das ganze Statement anzuschauen:

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