LASK-Märchen: Daran erinnert man sich noch mit 70

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Es wird gerne inflationär umgegangen mit Begriffen wie historisch, Spiel des Jahres oder anderen Superlativen.

Aber man kommt nicht umhin zu behaupten, dass der LASK mit dem Aufstieg gegen den FC Basel und dem Einzug in die Champions-League-Playoffs einen der denkwürdigsten Abende der Vereins-Geschichte hingelegt hat.

So sieht es auch Präsident Siegmund Gruber: "Einfach sensationell! Das ist nach Meistertitel und Cupsieg der größte Erfolg der Klubgeschichte."

Das Double ist schon ein Zeiterl her. Um genau zu sein, gelang es 1965, als es noch eine Vision war, Menschen auf den Mond zu schicken. Soll heißen: Für viele, viele Anhänger der Linzer war dieser Triumph gegen Basel wohl die größte Sternstunde ihres Vereins, die sie persönlich miterlebt haben.

Und ja, es gibt sie, diese Fußball-Abende, die man nicht so schnell vergessen wird.

"An dieses Tor werde ich mich noch mit 70 erinnern können", versichert Marko Raguz, der in Minute 94 den Deckel auf den 3:1-Erfolg draufmachte.

Fast wie im Märchen nach all den Tiefschlägen

So mancher Besucher auf der stimmungstechnisch völlig entfesselten Gugl konnte seine feuchten Augen nur schwer verbergen. Durchaus verständlich, denn so erfreulich die Gegenwart der Oberösterreicher auch ist, so viele bittere Tiefschläge mussten eingefleischte LASK-Fans in den vergangenen Jahrzehnten ertragen.

Dieses Wissen macht Fußball-Abende wie diesen vielleicht noch spezieller, noch unvergesslicher.

"Man kann sagen, es ist eigentlich fast wie im Märchen, wenn man bedenkt, wo der LASK vor fünf, sechs Jahren war."

Gernot Trauner

"Man kann sagen, es ist eigentlich fast wie im Märchen, wenn man bedenkt, wo der LASK vor fünf, sechs Jahren war - und jetzt spielst du Champions-League-Qualifikation, kommst eine Runde weiter ins Playoff, triffst auf internationale Topmannschaften, kannst mithalten und vom Ergebnis her eigentlich auch klar gewinnen. Das ist einfach überragend", schwärmt Kapitän Gernot Trauner und verspricht im selben Atemzug: "Wir bleiben trotzdem am Boden."

Was wie eine Floskel klingt, ist gleichzeitig mehr als eine Order der Team-Leaders. Es steht für den Charakter einer Mannschaft, die ihre Herangehensweise inzwischen schon über einen längeren Zeitraum bewiesen hat - inzwischen sogar unabhängig vom Trainer.

Was den LASK von anderen Manschaften abhebt

"Wir wissen einfach, dass wir jedem Gegner weh tun können", verdeutlicht Trauner und ist nach dem Schlusspfiff beileibe nicht der einzige Linzer Kicker, der die Tugenden dieser Mannschaft ins Rampenlicht stellt.

So erläutert etwa Peter Michorl: "Unsere Mentalität und unser Teamgeist heben uns einfach von anderen Mannschaften ab, und natürlich auch unsere Spielphilosophie. Jeder weiß, was wir machen wollen, und das setzen wir am Platz immer um. Das ist unsere größte Stärke. Samuel Tetteh ist sich die Lunge aus dem Leib gelaufen. Dann kommt Dominik Frieser rein, leitet das zweite Tor ein und legt das dritte Tor auf."

"Nach dem Tor waren es nur noch Glücksgefühle, Freude pur. Man kann es einfach nicht beschreiben, was da alles von einem abfällt."

Thomas Goiginger

Schütze des zweiten Treffers war Thomas Goiginger. Ein Tor, das einer Erlösung glich. Denn nach dem späten Ausgleich fehlte dem FC Basel nur noch ein Treffer, um eine Verlängerung zu erzwingen. Als Goigingers Schuss das Netz zappeln ließ, brachen endgültig alle Dämme.

Ein Schuss rein ins Glück? "Das beschreibt es sehr gut", lacht der 26-Jährige, "nach dem Tor waren es nur noch Glücksgefühle, Freude pur. Man kann es einfach nicht beschreiben, was da alles von einem abfällt, weil du weißt, jetzt wird es sehr, sehr schwierig für Basel. Es war kurz vor Schluss, und du weißt, eigentlich hast du das Ding fast bei dir. Das war dann unbeschreiblich."

Auch Glück gehörte dazu

Goiginger ist einer von gar nicht mal so wenigen Akteuren im LASK-Kader, die eine Underdog-Story hingelegt haben, erst eher spät den Durchbruch schafften. Ob er vor einigen Jahren ernsthaft daran gedacht hätte, dass er einmal an die Tür zur Königsklasse klopfen werde?

"Denken tut man sehr viel, aber ob es realistisch ist, ist immer die andere Frage", grinst der Salzburger, "ich bin einfach sehr stolz auf den Weg, den wir als Mannschaft gegangen sind, aber auch ich selbst als Einzelner - und dieser Weg ist hoffentlich noch nicht zu Ende."

International führt dieser Weg nun zum FC Brügge - die letzte Hürde vor der Champions League. Ein Gegner, gegen den man wohl mindestens zwei ähnliche Energieleistungen wie gegen Basel bringen muss.

Bei aller Euphorie vergaßen die Linzer Spieler nämlich keineswegs, dass das Weiterkommen schon auch vom Unvermögen der Schweizer begünstigt wurde, die gerade vor der Pause zahlreiche Großchancen liegenließen. Zudem wurde ihnen ein Elfmeter verwehrt.

"Wir sind der Außenseiter, natürlich brauchst du in solchen Spielen auch Glück", meint Michorl, "ein Ball von ihnen ist an die Latte gegangen. Aber ich denke nicht, dass wir so unterlegen waren. Sie hatten Chancen, wir hatten Chancen, zur Pause hätte es 2:2 stehen können. Zweite Halbzeit war es eine klare Sache für uns."

Laute Fans: Die eigenen Worte am Feld nicht verstanden

Trauner rekapituliert: "Wir wussten, dass sie richtig anfahren werden. Sie haben ihre Qualität gezeigt, hatten ein paar richtig fette Chancen, bei denen wir teilweise richtig Glück hatten. Aber wir hatten durch Joao Klauss gleich die erste Chance und haben unsere anderen Chancen in der ersten Halbzeit nicht so gut ausgespielt. Zweite Halbzeit haben wir das viel besser gemacht, im richtigen Moment zugeschlagen und Basel den Todesstoß versetzt."

"Unglaublich, was die Fans geleistet haben. Man hat am Feld die eigenen Worte fast nicht verstanden, weil sie so richtig Radau gemacht haben."

Peter Michorl

Und damit eine emotionale Party losgetreten. So ziemlich das ganze Stadion intonierte den Klassiker "Oh, wie ist das schön..." Die Ehrenrunde nach dem Schlusspfiff kosteten Spieler wie Fans aus - beide haben während der 90 Minuten alles gegeben.

"Unglaublich, was die Fans geleistet haben", lobt Michorl, "man hat am Feld die eigenen Worte fast nicht verstanden, weil sie so richtig Radau gemacht haben. Das ist natürlich in solchen Spielen extrem wichtig, dass dich die Fans nach vorne pushen."

"Ein Abendspiel auf der Gugl, das einen eigenen Flair hat, solch eine Stimmung, die Champions League steht an - da kann man rennen bis zum Umfallen", versichert Trauner, der aber vermutlich nicht der einzige LASK-Kicker war, der gegen Spielende schon den einen oder anderen Muskel spürte.

Der LASK will noch mehr

Auch in den kommenden Wochen heißt es Kräfte mobilisieren, denn die englischen Wochen gehen weiter. Und man darf zumindest davon träumen, eine noch viel größere, eine noch viel epochalere Geschichte zu schreiben.

"Das ist jetzt historisch gewesen, aber wir wollen trotzdem mehr. Wir wollen in die Gruppenphase. Wir werden uns jetzt jeden Tag darauf vorbereiten, damit wir Brügge auch noch schlagen", verspricht Raguz.

Textquelle: © LAOLA1.at

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