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These: Glasner sollte einen sofortigen Schlussstrich ziehen!

LAOLA1 und CANAL+ debattieren über die aktuelle Phase bei Cystal Palace, das Rückspiel Real Madrid gegen Benfica, Bodö/Glimt als mögliches Vorbild und den italienischen Fußball.

These: Glasner sollte einen sofortigen Schlussstrich ziehen! Foto: © GETTY

In unserem Format "Ansichtssache" versuchen wir, Meinungen, Stimmungen, Überreaktionen oder sonstige Ansichten jeglicher Art in eine These zu packen und zu analysieren.

Das kann mal provokant sein, mal eine oft gehörte Meinung. Mal sehr strittig, mal weniger. Mal eine Prognose, mal eine simple Einordnung.

In der aktuellen Ausgabe behandeln wir den Start der K.o.-Phase in den internationalen Wettbewerben.

CANAL+ überträgt das Topspiel zwischen Real Madrid und Benfica am Mittwoch (21:00 Uhr) live und exklusiv >>>

Passend dazu hat die Redaktion Johannes Hofer, Kommentator bei Canal+, und Florian Gabriel, Redakteur bei LAOLA1, mit vier Thesen konfrontiert:

These: Die Stimmung bei Crystal Palace scheint im Keller: Oliver Glasner wäre am besten beraten, einen sofortigen Schlussstrich zu ziehen.

These: Die Stimmung bei Crystal Palace scheint im Keller: Oliver Glasner wäre am besten beraten, einen sofortigen Schlussstrich zu ziehen.
Die Fans ließen beim letzten Heimspiel mit einem Banner gegen Klub und Trainer ihrem Frust freien Lauf.
Foto: ©GETTY

Johannes Hofer: So ein Schritt klingt immer sehr ehrenhaft und oft einfach. Aber das eigens Aufgebaute hinter sich zu lassen, ist doch immer das Schwierigste im Leben.

Was aktuell in Südlondon passiert, ist die Blaupause von Oliver Glasners Karriere. Wieder einmal hat er einen Verein in ungeahnte Sphären geführt. Wieder einmal kann oder will der Klub dann nicht mit seinen Ambitionen mithalten. Das war bei Wolfsburg und Frankfurt schon so, das ist nun bei Palace der Fall.

In Phasen wie diesen sucht der Innviertler die Flucht nach vorne, kritisiert mantraartig die Transferpolitik. Das wirkt bei den Engländern aktuell zunächst paradox, weil es ja verhältnismäßig große Transfers gegeben hat. Aber trotzdem hat das Team nicht mehr die Qualität wie vor einem Jahr.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass Glasner Vereine immer erst nach Abschluss einer Saison verlässt. Ein vorzeitiges Ende könnte aus meiner Sicht nur passieren, wenn er mit den Engländern in wirklich aussichtlose Abstiegssorgen gerät. Am Ende bleibt, dass er mit dem FA-Cup den ersten Titel der Vereinsgeschichte geholt hat. Irgendwann werden sie ihm im London Borough of Croydon eine Statue bauen.

Florian Gabriel: Ein sofortiger Schlussstrich? Das wäre nicht Glasner. Und es wäre vor allem zu einfach.

Ja, die vergangenen Wochen waren laut. Ja, seine Kritik an der Transferpolitik war ungewöhnlich deutlich. Aber genau das gehört zu seinem Profil: Glasner ist kein Verwalter, er ist ein Antreiber. Wenn er merkt, dass ein Klub sportlich stehen bleibt, legt er den Finger in die Wunde – auch öffentlich.

Dass Crystal Palace im Sommer investiert hat, ändert nichts daran, dass Qualität nicht nur eine Frage der Ablösesumme ist. Entscheidend ist, ob das Gesamtgefüge stärker geworden ist. Und genau daran darf man zweifeln.

Ein vorzeitiger Abgang würde wie eine Flucht wirken – und das passt nicht zu seinem Selbstverständnis. Glasner weiß, was er in Südlondon aufgebaut hat. Mit der UEFA Conference League bietet sich zudem noch eine letzte große Chance: Europacup kann er – das hat er in Frankfurt bewiesen.

These: Wenn es nur ansatzweise so heiß hergeht wie im Hinspiel, darf man sich bei Real Madrid gegen Benfica auf gleich mehrere Ausschlüsse im Bernabeu einstellen.

These: Wenn es nur ansatzweise so heiß hergeht wie im Hinspiel, darf man sich bei Real Madrid gegen Benfica auf gleich mehrere Ausschlüsse im Bernabeu einstellen.
Im Hinspiel wurde es nach dem Führungstreffer hitzig. Vinicius Junior wurde dabei wohl rassistisch beleidigt.
Foto: ©GETTY

Florian Gabriel: Der Fußball lebt von hitzigen K.o.-Duellen mit vielen Emotionen. Was sich vor einer Woche im Estadio da Luz aber abzeichnete, ist fern von Gut und Böse.

Ausgelöst durch die Vorwürfe einer rassistischen Beleidigung von Prestianni gegen Vinicius Jr. kochte die Partie früh über – sportlich wie emotional. Bayern-Trainer Vincent Kompany hielt dazu im Nachgang eine eindringliche zwölfminütige Brandrede und kritisierte auch Benfica-Coach José Mourinho für dessen Reaktion.

Im Bernabeu wird diese Vorgeschichte nicht verpuffen. Im Gegenteil: Ein Platzverweis ist wahrscheinlicher als ein torloses Remis – und zwei Ausschlüsse wären keine Überraschung.

Johannes Hofer: Wie viele Ausschlüsse es geben wird, ist mir ziemlich egal. Viel wichtiger wäre, kein Prestianni 2.0 zu erleben.

Wenn der argentinische Junior-Macho es nicht selbst verrät, werden wir wohl nie erfahren, was er zu Vinicius Jr. gesagt hat. Benfica mit Speerspitze Jose Mourinho war zunächst nicht auf Brand löschen aus und genau deshalb wird es nicht nur aufgrund des knappen Resultats richtig hitzig im Bernabeu.

Von einem torlosen Remis gehe auch ich nicht aus. Aber seien wir uns ehrlich: Die ein oder andere Rote Karte würde dieses Spiel noch zusätzlich aufheizen. Hoffen wir, dass es in einem der Hochämter des Fußballs nur sportlich heiß hergeht.

These: Jetzt auch in der Champions League höchsterfolgreich! Jeder österreichische Verein sollte sich Bodö/Glimt als Vorbild nehmen.

These: Jetzt auch in der Champions League höchsterfolgreich! Jeder österreichische Verein sollte sich Bodö/Glimt als Vorbild nehmen.
Der norwegische Klub steht nach einem 3:1-Heimsieg gegen Inter Mailand mit einem Bein im Achtelfinale.
Foto: ©GETTY

Johannes Hofer: Dann müsste zuallererst einmal der Kunstrasen wieder zugelassen werden. Das vor jeder Partie wassergeflutete Plastikgeläuf ist Bodös vielleicht größte Stärke. Sturm Graz kann ein Lied davon singen.

Aber was die Nordnorweger seit Jahren abgesehen davon liefern, sollte Vorbild für viele Klubs aus kleineren Ländern sein. Ihr Urvertrauen in den eigenen Nachwuchs und ein gutes Gespür für skandinavische Talente macht sich bezahlt.

Die Transferpolitik ist durchdacht und stimmig. Es sei ihnen vergönnt, dass der Hype noch lange anhält.

Eine Besonderheit der Goldenen Generation ist jedoch auch, dass es fast alle wichtigen Spieler schon im Ausland versucht haben und einigermaßen gescheitert retour in die Heimat gekommen sind.

Kapitän Patrick Berg war in Lens, Jens Petter Hauge bei Milan und Frankfurt oder Fredrik Bjorkan bei der Hertha und Feyenoord – sie alle hat es am Ende wieder über den Polarkreis verschlagen. Dort wurden sie aber nicht als Gescheiterte, sondern vielmehr als Local Heroes empfangen und liefern Woche für Woche.

Ob Bodö diese mannschaftliche Qualität gepaart mit Identifikation auch noch in fünf Jahren bieten kann, hängt vom Unterbau ab. Wenn die jungen Spieler wie Sjovold oder Bro Hansen ihren aktuellen Vorbildern treu bleiben, wäre das auf der einen Seite äußerst romantisch und auf der anderen für den Verein sportlich wertvoll.

Florian Gabriel: Bodö/Glimt als Vorbild? Unbedingt – aber nicht wegen des Kunstrasens. Nein, Spaß beiseite, ich stimme meinem Kollegen voll zu.

Cheftrainer Kjetil Knutsen leitet Bodø seit 2018 – Kontinuität, die man in Österreich oft vergeblich sucht. Sechs Legionäre im Kader, vier aus Dänemark – und dennoch liefert der Klub auf höchstem Niveau.

Was die Nordnorweger seit Jahren auszeichnet, ist Geduld, System und Vertrauen in die eigenen Talente – Punkte, die österreichische Vereine zunehmend vergessen haben. Und das, obwohl Bodö nur halb so viel Kaderwert hat wie Red Bull Salzburg (57 zu 118 Millionen Euro).

Der Klub zeigt vor, dass nicht nur Kauf und Verkauf von talentieren Youngsters zum Erfolg führen kann, sondern eben auch nachhaltige Arbeit und ein klares Konzept.

These: Wenn sich mit Inter Mailand, Juventus und Atalanta alle Teams bereits in der Zwischenrunde verabschieden, gehört im italienischen Fußball einiges überdacht.

These: Wenn sich mit Inter Mailand, Juventus und Atalanta alle Teams bereits in der Zwischenrunde verabschieden, gehört im italienischen Fußball einiges überdacht.
Die Enttäuschung war bei Petar Sucic und seinen Klubkollegen nach der Pleite bei Bodö/Glimt groß.
Foto: ©GETTY

Florian Gabriel: Wenn sich Inter, Juventus und Atalanta bereits in der Zwischenrunde verabschieden, ist das kein Zufall – sondern ein Symptom.

Inter hielt mit seinen jüngsten Champions-League-Erfolgen lange die Fahne hoch, doch dahinter klafft eine Lücke. Juventus befindet sich seit Jahren im Umbau, Milan sucht seine alte Identität, Atalanta hat nicht mehr das Niveau vom Europa-League-Triumph 2023/24.

Die Serie A lebt von Spannung und Taktik – doch im europäischen Vergleich fehlt es an Tempo, individueller Klasse und finanzieller Schlagkraft. Wenn drei Aushängeschilder früh scheitern, muss sich der italienische Fußball ehrlich fragen, ob er strukturell noch mithalten kann.

Johannes Hofer: Für einen Abgesang auf den Calcio ist es meiner Meinung nach noch viel zu früh. Inter war in den vergangenen drei Saisons zwei Mal im Finale!

Klar, die Mannschaft hat ihren Zenit überschritten, aber das gehört in Italien doch zum guten Ton und ist Teil der Herangehensweise. Ein schwächelndes, endgültig überaltetes Inter dominiert die Liga. Das muss für die Konkurrenz ein viel größeres Alarmsignal sein.

Aber auf das große Hinterfragen lasse ich mich nicht ein. Dafür haben italienische Klubs in der Vergangenheit schon oft genug Comebackqualitäten gezeigt.

Und eines noch: Abgesehen von den Finalteilnahme der "Nerazzuri" gab es in den vergangenen fünf Jahren mit der Roma und Atalanta auch noch zwei italienische Europacupsieger, zudem stand die Fiorentina zweimal im Conference League Finale.

Andere große Fußballnationen können von diesem Szenario nur träumen.

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