Flo Hager:
Es ist für mich das vorgezogene Finale der diesjährigen Champions-League-Saison. Es treffen die zwei wohl stärksten Mannschaften der aktuellen Saison aufeinander.
Mit jeweils 38 erzielten Treffern prallen zudem die beiden offensivstärksten Teams des Wettbewerbs aufeinander. Dabei nehmen sich beide Vereine nicht viel. Bayern überzeugt in dieser Saison konstant auf einer Ebene.
113-Bundesliga-Tore in 31 Bundesligaspielen, Meister mit Respektabstand und ein zweiter Platz im Grunddurchgang der Champions-League-Ligaphase sprechen eine deutliche Sprache. Selbst eine drei-Tore-Führung reichte Mainz gegen die Münchner vergangenes Wochenende nicht.
Auch Paris zeigt sich vor allem in den wichtigen Partien extrem stark und kann wieder auf Vitinha und Achraf Hakimi zurückgreifen.
Für mich ist Bayern in diesem Duell der leichte Favorit, dennoch wird es ein Spiel, bei dem es am Ende auf Tagesform, Effizienz und Momentum ankommen wird.
Johannes Hofer:
In diesen zwei Spielen erleben wir das vorgezogene Finale – da bin ich komplett bei Flo. Mit einer Favoritenrolle tu ich mir aber ehrlicherweise schwer.
Denn auch wenn Liverpool eine enttäuschende Saison spielt – so staubig wie PSG musst du die "Reds" in einem Viertelfinale erst einmal ausschalten. Bayerns Offensivpower ist natürlich unübersehbar groß. Wenn wir da irgendwo ein Haar in der Suppe suchen wollen, finden wir es in der Defensive.
In den vergangenen vier Partien kassierten die Münchner acht Gegentore. Aber die 14 geschossenen Tore dürfen natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.
Auf einen Favoriten will ich mich nicht festlegen. Aber überrollen werden die Bayern Titelverteidiger PSG gewiss nicht.
These 2: Vier Tore im Achtelfinale, fünf Tore im Viertelfinale - Shakhtar wird mit seiner brillanten Offensive zum Sargnagel für Oliver Glasner und Crystal Palace.
Johannes Hofer:
Das liest sich zunächst einmal sehr gut. Aber genau solche Gegner sind doch ein gefundenes Fressen für K.o.-Glasner!
Gegen Teams, die keine Angst vor dem Ball haben, kann Palace die eigenen Stärken perfekt auf den Rasen bekommen. Frag nach bei der Fiorentina.
Kompakt verteidigen, den Gegner mürbe machen und dann perfekt umschalten.
Ich bin absolut überzeugt, dass Oliver Glasner nach Eintracht Frankfurt das nächste Team zu einem Europacuptitel coacht.
Flo Hager:
Ob sich die Offensive der Ukrainer gegen Crystal Palace entfalten kann, ist eher fraglich. Die Engländer sind doch ein anderes Kaliber als Lech Posen oder Alkmaar und stellen die drittbeste Defensive der englischen Liga.
Es wird in Polen bestimmt ein schweres Auswärtsspiel, aber die Leistungen der letzten Wochen stimmen mich positiv, dass sich die Mannschaft von Oliver Glasner eine gute Ausgangslage für das Rückspiel erspielen wird.
Manko bei Palace häufig: Die Chancenverwertung. Bekommt man das, wie im Viertelfinal-Hinspiel gegen Fiorentina, in den Griff, wird man sich wohl so langsam nach Flügen zum Finale in Leipzig erkundigen können.
These 3: Aus im Pokal-Halbfinale, Klatsche gegen Dortmund – Florian Grillitsch und Braga werden Freiburgs Durchhänger eiskalt ausnutzen und ins Finale einziehen.
Flo Hager:
Es stimmt, dass die Form nicht unbedingt für Freiburg spricht. Die 2:1-Cup-Niederlage gegen Stuttgart sieht zudem knapper aus, als es war. Cup-Torhüter Florian Müller parierte an diesem Tag quasi alles, was es zu halten gab und verhinderte eine noch deutlichere Niederlage.
Aber auch Braga verlor am Wochenende gegen Nachzügler Santa Clara in der portugiesischen Liga. Alles deutet auf ein offenes, schwer vorhersehbares Halbfinale hin.
Aber ich gehe mit der These mit und glaube, wenn Braga Betis Sevilla im Viertelfinale ausschaltet, schaffen sie es auch Freiburg im Halbfinale zu bezwingen.
Johannes Hofer:
Das stimmt schon, Freiburg hatte eine maximal schwierige Woche. Aber auch Braga hatte es nicht gerade kuschelig. Vor allem hat das Team um Florian Grillitsch eine mühsame Auswärtsreise auf die Azoren mit enttäuschendem Ergebnis in den Knochen.
Und Braga hat massive Verletzungsprobleme. Flo Grillitsch musste nach Einwechslung am Sonntag mit einem Muskelfaserriss ausgewechselt werden.
Der Teamkicker ist zwar unumstrittener Stammspieler, aber auf seiner Position haben die Portugiesen zumindest Ersatz. Schlimmer schaut es da schon in der Innenverteidigung aus. Hier fehlen gleich fünf potenzielle Stammelf-Kandidaten. Dieser Umstand machte sich auch im Ligaspiel bemerkbar.
Fehlende Abstimmung und positionsfremde Kicker, die hier aushelfen mussten. Braga Coach Carlos Vicens wird nicht von seiner Dreierkette abweichen. Deshalb glaube ich zum jetzigen Stand an Freiburg im Finale.