Die grundsätzliche Art und Weise, wie in unserer Liga Fußball gespielt wird, muss hinterfragt werden.
"Wenn ich mir die 'Mastery on the Ball' von Weltmeister Spanien anschaue, dann steckt darin ein kontinuierlicher Glaube. So was erwarte ich mir auch in Österreich: Dass wir mit unserer intensiven Spielidee beginnen zu verstehen, was es bedeutet, uns in Ballbesitz anders zu definieren", so Schopp.
Eine ähnliche Ansicht vertrat Sturm-Graz-Trainer Fabio Ingolitsch. "Die grundsätzliche Art und Weise, wie in unserer Liga Fußball gespielt wird, muss hinterfragt werden. Wir sollten uns mehr den internationalen Trends hingeben - wohlwissend, dass wir alle das bekannte Spiel mitspielen, um konkurrenzfähig zu sein und Punkte zu holen", meinte der 34-Jährige.
Wichtig sei, sich stärker auf die individuelle Spielerentwicklung zu konzentrieren. "Wir müssen im Kinder- und Akademiebereich wieder viel mehr den einzelnen Spieler in den Mittelpunkt stellen, nicht den Mannschaftserfolg. Am Ende machen oft die Individualisten den Unterschied", sagte Ingolitsch.
Silberberger: "Haben uns nach unten nivelliert"
WAC-Coach Thomas Silberberger gestand: "Wir haben uns schon Schritt für Schritt ein bisschen nach unten nivelliert. Wir haben die letzten zehn Jahre aufs hohe Anlaufen investiert und weniger auf fußballerische Lösungen. Je höher das Level ist, desto größer ist die Qualität der Spieler, die dieses Pressing umspielen. Das haben wir leidvoll erfahren müssen."
WSG-Tiroler-Betreuer Philipp Semlic betonte, man dürfe "in der Ausbildung nicht nur auf Pressing und gegen den Ball denken. Wir müssen auch das ganzheitliche Spiel sehen."
Dabei sei jedoch Geduld gefragt, erklärte Rieds Mario Despotovic. "Es gibt kein Geheimrezept, dass man das auf die Schnelle hinbekommt. Man muss das strategisch planen."
Rapid-Coach Johannes Hoff Thorup gab zu bedenken: "Wenn man den Ball nicht kontrollieren und ein Spiel dominieren kann, wird es auf der größten Bühne schwierig, und der Europacup ist die größte Bühne."
Außerdem meinte der Däne: "Es würde der Liga guttun, wenn es mehr Klubs mit unterschiedlichen Zugängen zum Fußball geben würde und jeder Klub seine eigene Identität entwickelt."
Zaric: Wegfall der Punkteteilung könnte helfen
Laut Altachs Ognjen Zaric könnte der Wegfall der Punkteteilung ab dieser Bundesliga-Saison einen zumindest mittelfristig positiven Effekt auf die österreichischen Europacup-Auftritte haben. "Weil sich die Vereine dann mehr um die Spielerentwicklung kümmern können, wenn Ziele früher erreicht werden."
Einen pragmatischen Zugang wählte LASK-Meistermacher Dietmar Kühbauer. "Wir haben in den letzten Jahren nicht so performt, aber deswegen ist nicht alles schlecht. Solche Phasen hat jedes Land", erklärte der Burgenländer.
2024/25 war Österreich noch mit je zwei Klubs in den Ligaphasen der Champions League und Conference League vertreten, doch diese Zeiten dürften so schnell nicht wiederkehren. Die heimische Bundesliga bewegt sich derzeit in der Fünfjahreswertung um Rang 20.
Ein Vorstoß auf den begehrten 15. Platz, der das fünfte Europacup-Ticket bedeutet, erscheint in der aktuellen Situation unrealistisch. Daher muss sich Österreich wohl auch auf eine Europacupsaison 2028/29 mit nur vier Startern einstellen.