Ein loyaler Mann
Mann war selbst Profi, wenngleich nicht auf allerhöchstem Niveau - zwei Einsätze in der 2. deutschen Bundesliga waren das höchste der Gefühle.
Direkt nach seinem Karriereende 2016 übernahm er als sportlicher Leiter bei seinem Ex-Klub 1. FC Saarbrücken, wechselte nach vier Jahren im Saarland nach Hoffenheim, wo er für ein Jahr die hiesige Akademie leitete, und werkte seit Sommer 2021 erfolgreich als Sportdirektor bei Hannover 96.
Man merkt: Der Deutsche zeigte sich seinen jeweiligen Vereinen in seiner bisherigen Funktionärskarriere durchaus loyal gegenüber und plante seine nächsten Schritte sorgfältig.
Reiter mit Seitenhieb Richtung Schröder
Ein Mitgrund dafür, warum sich die "Bullen" so stark um ihn bemühten und schlussendlich kolportierte zwei Millionen Euro für ihn hinblätterten.
"Ich bin überzeugt, dass wir mit Marcus Mann, mit all seiner Erfahrung, mit seinem Verständnis für Fußball, der nachhaltigen Entwicklung, die er bei anderen Klubs gezeigt hat, und auch seiner Loyalität gegenüber seinen Vereinen die richtige Entscheidung für die Zukunft getroffen haben", schwärmt Geschäftsführer Wirtschaft Stephan Reiter über Mann.
Der 41-Jährige selbst erklärt: "Man sollte wissen, ich war sehr gerne in Hannover. Damit ich mir Gedanken mache, den Klub zu verlassen, müssen ein paar Dinge zusammenkommen. In der Vergangenheit kam deshalb manche Anfrage nicht in Frage."
Gespräche mit Klopp
Nach vielen Gesprächen mit Reiter und Co., aber auch mit Jürgen Klopp, sei für ihn die Entscheidung gefallen, den Schritt nach Salzburg zu tätigen. Er habe zudem bewusst bis 2030 unterschrieben:
"Ich bin bislang immer sehr lange bei meinen Vereinen gewesen, hatte immer eine sehr große Identifikation zu meinen Klubs und bin überzeugt, dass dem auch hier der Fall sein wird. Man weiß ja nie, was im Fußball passiert, aber ich trete hier an, um lange zu bleiben. Um etwas zu entwickeln, braucht man einfach Zeit, die Dinge greifen nicht immer am zweiten Tag."
Kader mindestens "einen Tick zu groß"
Das bringt uns zur aktuellen Problematik, mit der sich Mann in den ersten Wochen und Monaten seiner Amtszeit beschäftigen muss: Der Größe des Kaders.
Bevor diese nicht reduziert werden kann, wird es wenig bis keine Neuzugänge geben und Manns Handschrift wird sich zunächst nur schwer erkennen lassen, wie er sich selbst bewusst ist.
Beim Trainingsauftakt der "Bullen" waren 26 Feldspieler und zusätzlich vier Torleute am Start. Diese Kadergröße ist Mann "einen Tick zu groß".
"Für die Kaderplanung ist im Winter anzufangen nicht der ganz optimale Zeitpunkt."
Er gibt zu: "Für die Kaderplanung ist im Winter anzufangen nicht der ganz optimale Zeitpunkt."
Im am Donnerstag beginnenden Trainingslager in Belek (TUR) wird jeder der 30 Spieler die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren, dann werde man weitersehen. Von möglichen Neuzugängen war am Dienstag nicht die Rede.
Der schwierige Spagat
In den ersten Monaten seiner Arbeit gehe es hauptsächlich darum, "den Spagat hinzubekommen: Wir wollen erfolgreich Fußball spielen, müssen aber nach und nach ein paar Sachen umbauen".
Manns Idee von erfolgreichem Fußball deckt sich mit jener der Red-Bull-Schule: "Ein absolut interessanter, moderner Ansatz. Trotzdem müssen wir schauen, dass wir uns weiterentwickeln: Im Spiel gegen, aber auch mit dem Ball. In beiden Phasen haben wir Potenzial nach oben."
Auch die Transferphilosophie soll die in Salzburg mittlerweile altbekannte bleiben: Jung, talentiert einkaufen, top ausgebildet, teuer weiterverkaufen.
"Es wird auch in Zukunft immer wieder zu Spielerverkäufen kommen und dann ist es unsere Aufgabe, diese so gut wie möglich oder im besten Fall sogar besser zu ersetzen", so Mann dazu.
Mann will wieder mehr Eigenbauspieler im Profikader sehen
Das soll freilich in Zukunft auch wieder verstärkt in Form von Eigenbauspielern passieren. Die Red-Bull-Akademie sei eine der Hauptgründe, warum er in Salzburg andockte.
"Ich arbeite sehr gerne mit jungen Spielern zusammen. Unser Ziel muss sein, so viele Profis aus der eigenen Akademie wie möglich im Kader zu haben", gibt Mann die Marschrichtung vor.
Den Akademiespielern, von denen zuletzt nicht weniger als neun Teil von Österreichs U17-Vizeweltmeistermannschaft waren, stehe die Tür nach oben "immer offen, sie haben es selbst in der Hand".
Moser "wird seinen Weg bei uns machen"
Dies gilt nicht zuletzt für Johannes Moser. Den U17-WM-Torschützenkönig habe man "extrem auf dem Schirm, er wird seinen Weg bei uns machen", stellt Mann unmissverständlich klar.
Eigentlich hätte man den Kärntner bereits mit ins Trainingslager nach Belek nehmen wollen, doch aktuell bremst ihn eine Schambeinentzündung aus. Gut möglich, dass Moser nach seinem 18. Geburtstag am 16. Jänner langfristig in Salzburg unterschreibt.
Routiniers schon wieder außer Mode?
Anders als sein Vorgänger Schröder hält Mann wenig davon, den blutjungen Spielern zwingend Routiniers an die Seite stellen zu müssen:
"Der eine oder andere ältere Spieler schadet nie, es geht aber auch sicher ohne."
"Ich kann die Herangehensweise nachvollziehen, dass eine junge Mannschaft Anker braucht. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass Spieler, die gut sind, egal in welchem Alter, das auf dem Platz alleine hinbekommen. Der eine oder andere ältere Spieler schadet nie, es geht aber auch sicher ohne."
In der Vergangenheit hatte man in Salzburg nie Probleme, die besten Talente der Welt nach Österreich zu holen. Ob sich das angesichts der mittlerweile jahrelang anhaltenden Misere geändert hat?
"Der Klub hat sicherlich schon erfolgreiche Zeiten erlebt, hat aber trotzdem einiges zu bieten, deswegen habe ich nicht die ganz großen Sorgen, Argumente zu liefern. Ich bin aber ehrlich, dass ich es noch nicht ganz einschätzen kann, wie es auf dem Markt gesehen wird", erklärt Mann aufrichtig.
"Erwarte eine gewisse Arbeitsmoral"
Als Person beschreibt sich der Schwabe als jemand, "der grundsätzlich viel Vertrauen gibt. Ich bin keiner, der jeden Tag über die Schulter schaut, trotzdem läuft bei mir viel zusammen. Ich habe viel Geduld, die ist aber auch endlich. Ich erwarte eine gewisse Arbeitsmoral. Wenn es nicht läuft, kann ich schon aus der Haut fahren und deutliche Worte finden, aber auch ab und zu ein Auge zudrücken."
Mann zieht alleine nach Salzburg. Seine Frau und seine drei Kinder bleiben, wie bereits während seiner Hannover-Zeit, zuhause in der Nähe von Stuttgart wohnend. "Das hat sich eingespielt, das werden wir so beibehalten."
Auf sich alleine gestellt ist er zunächst auch auf professioneller Ebene. Es ist zunächst nicht geplant, ihm als Geschäftsführer Sport noch einen Sportdirektor unterzuordnen.