Bundesliga-Abschied: Mattersburg gibt Lizenz ab!

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Die Bundesliga-Ära des SV Mattersburg ist zu Ende.

Die Burgenländer entscheiden sich auf der Hauptversammlung des Vereins, einen Insolvenzantrag zu stellen und die Lizenz zurückzulegen. Nach dem Commerzialbank-Skandal ist der Klub nicht mehr in der Lage, den Profi-Betrieb aufrechtzuerhalten.

Damit bleibt die WSG Tirol, sportlich eigentlich abgestiegen, auch in der nächsten Saison erstklassig und Teil der Bundesliga.

"Die Mitgliederversammlung hat sich unabhängig davon einstimmig für eine Neugründung eines Vereins für Nachwuchs-Mannschaften in Mattersburg ausgesprochen, in welcher Form soll in den kommenden Tagen festgelegt werden", teilen die Burgenländer in einem Facebook-Posting (siehe unten) darüber hinaus mit.

Abgesehen von dieser möglichen Auffanggesellschaft für den Nachwuchs kündigt Vizepräsident Hans-Georg Deischler gegenüber dem "ORF" an, dass der Verein nicht am Spielbetrieb in den unterklassigen Ligen teilnehmen wird.

Gegenüber "Sky" gibt WSG-Manager Stefan Köck ein erstes Statement zum Klassenerhalt ab: "Ich mag es nicht, wenn es jemandem schlechter geht als uns, und ich habe Mitgefühl mit dem SV Mattersburg. Aber natürlich freue ich mich wahnsinnig, dass wir ein weiteres Jahr Bundesliga spielen dürfen."

Zur Aufstockung der 2. Liga hat die Bundesliga gegenüber dem zuständigen ÖFB-Präsidium den Aufstieg von Rapid II aus der Regionalliga Ost beantragt.

Zu große Unsicherheiten nach Banken-Skandal

"Der SV Mattersburg ist seit 14. Juli zahlungsunfähig, seit das mit der Bank passiert ist. Es hat Gespräche mit Investoren, Gönnern gegeben. Aber aufgrund der großen Unsicherheit dieses Kriminalfalls, man weiß nicht, was der Masseverwalter der Bank fordert, - wie will man die bedienen? Da springt jeder Investor ab", sagt Deischler nach der Entscheidung.

Der SV Mattersburg kam durch den Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg in wirtschaftliche Nöte. Der Verein war von der Bank jahrelang großzügig unterstützt worden. Deren Gründer und Vorstand Martin Pucher hat laut Medienberichten vor der Staatsanwaltschaft gestanden, Kredite erfunden und Bilanzen gefälscht zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Pucher war auch langjähriger Klub-Chef des SV Mattersburg, den er 1988 übernommen und von der 2. Liga Mitte in die Bundesliga geführt hatte.

Spieler können ablösefrei gehen

Deischler versuchte mit den nach dem Rückzug von Pucher und weiteren Klub-Organen übrig geblieben Funktionären, den Verein noch zu retten. Vergeblich. Zu unsicher waren die Verstrickungen des Klubs in den Bankenskandal. "Um uns auch selbst zu schützen, haben wir den Konkursantrag gestellt", sagt der Langzeitfunktionär. Der Antrag werde demnächst eingebracht, der Konkurs dann über einen Masseverwalter abgewickelt.

Die übrig gebliebenen Spieler können den Verein ablösefrei verlassen. Sie haben laut Berichten seit zwei Monaten keine Gehälter mehr ausgezahlt bekommen.

Die Nachwuchsakademie Mattersburg soll vom Land unterstützt werden und somit erhalten bleiben. Auf die Anteile des SV Mattersburg, die bei 35 Prozent liegen, werde sich der Masseverwalter "draufhauen", wie Deischler anmerkt.

Es hätte sowieso düster ausgesehen

Ein Nachfolgeverein ist derzeit nicht in Planung. Die Stadtgemeinde Mattersburg regte im Zuge der Sitzung an, dass sie den Nachwuchsbereich retten will. Es könnte ein Verein für die Jugendspieler gegründet werden. "Alles andere sind Zukunftsträume", so Deischler. Das Pappelstadion gehört der Stadt.

Schon vor der Mitgliederversammlung sah die Zukunft der Mattersburger düster aus. Laut einem der "Kronen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) vorliegenden Schreiben der Bundesliga an den Klub sah sich der Aufsichtsrat der Liga "veranlasst, die Einleitung einen Verbandsausschlussverfahrens zu prüfen". Es bestehe der Verdacht, dass der Verein erheblich von strafrechtlich relevanten Vorgängen profitiert habe, hieß es in dem Schreiben.

Deischler bestätigt dies. "Bei der Sitzung (am Donnerstag, Anm.) stand der Ausschluss im Raum, dann verliert man automatisch die Lizenz", sagt er. In einem weiteren Schreiben des Lizenzausschusses der Liga habe dieser indes gefordert, die Lizenz für die kommende Saison komplett neu zu machen. Darin sollten auch Berechnungen angestellt werden, wie viele Forderungen durch die Liquidation der Commerzialbank für den SVM entstehen könnten.

"Damit sind wir überfordert, das ist unerfüllbar", erklärt Deischler dazu.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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