"Wir haben die Ästhetik vor die Effizienz gesetzt. Das ist eine sehr noble Haltung, aber für mich als Trainer nicht immer sehr beruhigend."
Nach Test-Pleite Demut gefordert
Warum das Spiel gegen die Oststeirer verloren ging? "Es geht darum, immer den Fokus auf dem Jetzt zu haben. Die Jungs haben das vielleicht ein bisschen unterschätzt", sagt Vogel.
Dass am Vormittag vor dem Spiel eine intensive Trainingseinheit am Programm stand, lässt er nicht als Ausrede gelten. "Auch dann gilt es, den Fokus hoch zu halten. Aber das Ergebnis ist weder demotivierend noch ein Weckruf. Es geht um Demut, die wird zu selten gelebt im Fußball. Demütig sollten wir nach gestern sein."
Ob der gegen Lafnitz mit einer Fußprellung ausgewechselte Marvin Potzmann für das Spiel in der NV Arena fit wird, ist noch offen. "Ich hoffe, dass es bis Samstag reicht", so Vogel, der in der Länderspielpause zufrieden auf die Einsätze seiner Schützlinge in den Nationalteams geblickt hat.
Flexibilität als Waffe
"Jörg (Siebenhandl, Anm.) hat sein Debüt mit einem Spiel zu null gegeben, auch Peter Zulj. Das macht stolz. Dazu hatte Sandi Lovric bei der U21 ein Erfolgserlebnis. Das nimmt man wohlwollend zur Kenntnis", so der 42-Jährige.
Damit es in St. Pölten mit dem nächsten Sieg klappt, sei auch gegen das abgeschlagene Tabellen-Schlusslicht volle Konzentration gefragt.
"Ich glaube, dass sie viele gute Spiele absolviert haben, in denen sie das Wettkampfglück nicht auf ihrer Seite hatten. Für mich stellt sich die Frage nicht, ob wir da nur verlieren können. Das ist zu despektierlich dem Gegner gegenüber. Sie sind an letzter Position, aber ich habe schon Leistungen gesehen, die dieser Position definitiv nicht entsprechen."
Ein Erfolgsgeheimnis soll bei den Grazern die Flexibilität von Spielern wie Röcher, Zulj oder Hierländer sein. "Das sehe ich als Waffe. Aufgrund ihres Potenzials geben mir die Spieler die Möglichkeit, sie so einsetzen zu können", lobt Vogel sein Team.
"Ein 1:0 ist trügerisch, ein 2:0 genauso"
"Ich glaube, dass sich das gegenseitig bedingt. Ich glaube, dass ich es schaffe, der Mannschaft eine klare Vorstellung zu vermitteln, was ich will. Aber das ganze ist nur möglich, weil die Jungs mit dieser Flexibilität umgehen können. Das ist ein großes Prädikat, das ich der Mannschaft ausstelle. Das ist nicht alltäglich. Insofern genieße ich das."
Weniger genossen hat Vogel, dass sein Team zuletzt die Partie gegen Altach trotz spielerischer Dominanz aufgrund der knappen Führung bis zum Schluss spannend bleiben ließ.
Daher ist für ihn klar, was er noch verbessern will: "Die Effizienz. Wir haben die Ästhetik vor die Effizienz gesetzt. Das ist eine sehr noble Haltung, aber für mich als Trainer nicht immer sehr beruhigend. Ein 1:0 ist trügerisch, ein 2:0 ist genauso trügerisch, weil der Gegner durch eine Standardsituation immer wieder zurück ins Spiel kommen kann. Wir müssen lernen, den Sack früher zuzumachen."
Der Kreativität im Spiel soll das aber keinen Abbruch tun: "Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite freue ich mich auch, wenn sich die Mannschaft ein bisschen verspielt präsentiert, Spielfreude zeigt. Das ist für mich genauso wichtig wie die Effizienz. Da können wir noch am meisten zulegen, um eine gesunde Balance zu finden."