Sturm-Fans unterstützen Rapid: "Skandalös!"

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Nachdem sich die Fans des FC Bayern München solidarisch mit den Anhängern des SK Rapid Wien zeigen, melden sich auch die Fans des SK Sturm Graz zu den Derby-Vorfällen zu Wort.

Zwar könne man das Bewerfen von Autos auf der Autobahn mit Schneebällen nicht gutheißen und wolle den sich seit Jahren zuspitzenden Konflikt zwischen Polizei und grün-weißer Fanszene nicht aus der Ferne bewerten, "nach reiflicher Überlegung" wolle man das Geschehen vom Sonntag jedoch nicht unkommentiert lassen.

"Der Polizeieinsatz des vergangenen Wochenendes ist derart fragwürdig und für alle Fußballfans von Relevanz, dass wir uns äußern wollen und müssen. Diese skandalöse und schikanöse Behandlung von 1.338 Menschen, die das rechtsstaatliche Prinzip und den damit einhergehenden Grundsatz der Verhältnismäßigkeit mit Füßen tritt, sucht selbst bei Einsätzen der berüchtigten Wiener Polizei ihresgleichen", heißt es in der Aussendung des "Kollektiv 1909".

Justiz soll Polizei die Grenzen aufzeigen

Das Fehlverhalten einzelner Personen hätte dazu geführt, dass "1338 Fans unter unmenschlichen Bedingungen bis zu sieben Stunden festgesetzt wurden und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, ohne Zugang zu Toiletten, Getränken oder Essen stundenlang in der Kälte ausharren mussten.

Es würde nun an der Justiz liegen, "endlich einen deutlichen Strich zu ziehen und der Wiener Polizei, die nicht zum ersten Mal durch völlig überzogene Maßnahmen auffällt, ihre Grenzen aufzuzeigen. In der Vergangenheit wurde dies leider nur zu oft unterlassen."

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Bei Kollektiv-Strafen schrillen alle Alarmglocken

Gerade bei Sturm-Anhängern sollte bei Strafen, die auf dem Rücken des Kollektivs ausgetragen werden, "seit einigen Wochen ohnehin alle Alarmglocken schrillen", heißt es mit Hinweis auf die Starfe eines Geisterspiels nach dem Becherwurf im Europacup:

"Ist es im Falle von Rapid zwar eine Maßnahme der Polizei und in unserem Fall eine Strafe der UEFA, die das Gros der Fans wegen einem einzigen Becherwerfer vom kommenden Europacup-Spiel ausschließt, so bleibt das Prinzip hinter solchen Sanktionen dennoch das gleiche. Und gerade am Beispiel des Becherwerfers lässt sich wunderbar illustrieren, dass ein Fehlverhalten einzelner Personen niemals gänzlich ausgeschlossen werden kann."

Außerdem fordert das Kollektiv 1909 die Österreichische Fußball-Bundesliga auf, eindeutig Stellung zu beziehen "und sich nicht an den Vereinen und ihrer eigenen Unzuständigkeit abzuputzen".

DIE KOMPLETTE STELLUNGNAHME DES KOLLEKTIV 1909:

Kommentar des Kollektiv 1909 zu den Vorfällen in Wien am letzten Sonntag

Nach reiflicher Überlegung sind wir, die im Kollektiv 1909 vereinten Fangruppen des SK Sturm Graz, zur Überzeugung gelangt, dass wir die Vorfälle rund um das Wiener Derby nicht unkommentiert lassen können. Nach reiflicher Überlegung deshalb, weil wir einerseits das Bewerfen von Autos auf der Autobahn durch Schneebälle keinesfalls gutheißen können und andererseits den sich seit Jahren zuspitzenden Konflikt zwischen Polizei und grün-weißer Fanszene nicht aus der Ferne bewerten wollen.

Der Polizeieinsatz des vergangenen Wochenendes ist jedoch derart fragwürdig und für alle Fußballfans von Relevanz, dass wir uns äußern wollen und müssen. Diese skandalöse und schikanöse Behandlung von 1.338 Menschen, die das rechtsstaatliche Prinzip und den damit einhergehenden Grundsatz der Verhältnismäßigkeit mit Füßen tritt, sucht selbst bei Einsätzen der berüchtigten Wiener Polizei ihresgleichen.

Das Fehlverhalten von einzelnen Personen hat an diesem Derby-Tag dazu geführt, dass diese 1.338 Fans unter unmenschlichen Bedingungen bis zu sieben Stunden festgesetzt wurden und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, ohne Zugang zu Toiletten, Getränken oder Essen stundenlang in der Kälte ausharren mussten. Die Anhaltung erfolgte, wie die LPD Wien im Nachgang bestätigte, bewusst in diesem unbeleuchteten, unebenen und beklemmenden Nadelöhr, durch das Auswärtsfans in Favoriten auch nach einem millionenschweren Steuergeschenk nach wie vor gezwungen werden. Wenn ein solch unverhältnismäßiges und überzogenes Vorgehen von der Gesellschaft akzeptiert wird, dann läuft in diesem Staat etwas falsch und demokratische und rechtsstaatliche Grundsätze werden auf Dauer nicht nur bei Fußballspielen in Gefahr sein.

Es liegt nun an der Justiz, endlich einen deutlichen Strich zu ziehen und der Wiener Polizei, die nicht zum ersten Mal durch völlig überzogene Maßnahmen auffällt, ihre Grenzen aufzuzeigen. In der Vergangenheit wurde dies leider nur zu oft unterlassen. Den weit über tausend Unschuldigen hilft dies aber ohnehin wenig. Mehr als eine Feststellung, dass ein Einsatz überzogen war, ist in der Vergangenheit nicht herausgekommen. Ganz zu schweigen von etwaigen Entschädigungen für die erlittenen körperlichen Qualen, die Demütigungen oder den Verfall der im Voraus erworbenen Eintrittskarten.

Bei Sturmfans sollten bei Strafen, die auf dem Rücken eines Kollektivs ausgetragen werden, seit einigen Wochen ohnehin alle Alarmglocken schrillen. Ist es im Falle von Rapid zwar eine Maßnahme der Polizei und in unserem Fall eine Strafe der UEFA, die das Gros der Fans wegen einem einzigen Becherwerfer vom kommenden Europacup-Spiel ausschließt, so bleibt das Prinzip hinter solchen Sanktionen dennoch das gleiche. Und gerade am Beispiel des Becherwerfers lässt sich wunderbar illustrieren, dass ein Fehlverhalten einzelner Personen niemals gänzlich ausgeschlossen werden kann.

In den Medien wird unterdessen gemunkelt, dass es sich bei der Aktion um eine Revanche für die 1312-Choreographie der Rapidler beim Spiel gegen die Glasgow Rangers handelt. Folgt man der Annahme, dass sich die Polizei von den Bannern der Rapidler beleidigt gefühlt habe, muss man sich konsequenterweise auch fragen, ob wir denn in einer Bananenrepublik ansässig sind. Wer vom Staat Österreich das Gewaltmonopol übertragen bekommt und dieses exekutiert, muss über solchen Provokationen stehen und hat auch in schwierigen Situationen professionell zu agieren.

Obwohl die organisierte schwarz-weiße Fanszene bekanntermaßen weitestgehend versucht, auf dumpfe, verallgemeinernde Polizeibeschimpfungen zu verzichten, gab es in der Vergangenheit auch bei unseren Reisen nach Wien zahlreiche negative Erfahrungen mit der Staatsmacht. Wenngleich wir festhalten wollen, dass die Fanszenen fraglos auch nicht unfehlbar sind und zu einem Konflikt immer zwei Seiten gehören, folgen jedoch gerade in Wien nach Banalitäten oftmals völlig unverhältnismäßige Reaktionen seitens der Polizei, die rein darauf abzielen, eine Machtdemonstration abzuliefern und zu zeigen, wer den größeren Knüppel hat.

Was nun auch immer der Anlass für dieses skandalöse Vorgehen am vergangenen Sonntag war, wir fordern allen voran die Österreichische Fußball-Bundesliga auf, eindeutig Stellung zu beziehen und sich nicht an den Vereinen und ihrer eigenen Unzuständigkeit abzuputzen. Zudem gilt unsere Aufforderung ALLEN Vereinen mit mehr oder minder großen Fanszenen, im speziellen gilt sie dem SK Sturm Graz sowie allen ernstzunehmenden Medien und der breiten Öffentlichkeit: Stellt euch einer differenzierten Auseinandersetzung und nehmt diese menschenunwürdigen Behandlungen von Fußballfans nicht mehr einfach hin!

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Textquelle: © LAOLA1.at

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