Endstand
0:2
0:2 , 0:0
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Salzburgs unerwarteter Fehlstart: "Nicht bereit für dieses Spiel"

Nach einem eigentlich guten Auftakt ins Pflichtspieljahr setzt es für die "Bullen" ausgerechnet gegen den FAK eine Bundesliga-Niederlage. Coach Letsch wurde danach laut in der Kabine.

Salzburgs unerwarteter Fehlstart: "Nicht bereit für dieses Spiel" Foto: © GEPA
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Lieblingsgegner war einmal!

Gegen keinen Kontrahenten in der ADMIRAL Bundesliga war der FC Red Bull Salzburg in der jüngeren Vergangenheit so erfolgreich wie gegen die Wiener Austria.

Selbst in schwierigeren Phasen konnten die "Bullen" stets mit Punkten gegen die "Veilchen" rechnen; speziell in der heimischen Red Bull Arena ließen sie ihnen zuletzt über ein Jahrzehnt lang überhaupt kaum eine Chance.

Nun, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem es so wirkte, als hätten sich die Salzburger stabilisiert, setzte es mit einem 0:2 (Spielbericht>>>) die erste Heimniederlage gegen die Wiener seit September 2014.

"Wir waren nicht bereit für dieses Spiel", analysiert RBS-Coach Thomas Letsch nach dem verpatzen Bundesliga-Frühjahrsauftakt lapidar.

Viel Ballbesitz, wenig Konkretes

Auf dem Spielfeld stellte sich diese mangelnde Bereitschaft so dar, dass die "Bullen" mit 71 Prozent Ballbesitz und einem deutlichen Plus an Abschlüssen zwar auf dem Papier dominant waren, gleichzeitig 90 Minuten aber so gut wie ungefährlich blieben.

Die violetten Gäste verteidigten von Minute eins an im tiefen Block und das mit voller Leidenschaft; ihre wenigen Offensivaktionen nutzten sie eiskalt aus.

"Die Austria hat ihren Matchplan wirklich gut ausgespielt. Sie haben top verteidigt und dann aus zwei Chancen zwei Tore gemacht", zieht "Bullen"-Kapitän Mads Bidstrup den Hut.

Auch Trainer Letsch, der einst für etwas mehr als ein Jahr den FAK betreute, spricht von einem verdienten Sieg der Gäste. Der Deutsche macht diesen Umstand vor allem aber an den Versäumnissen seiner Mannschaft fest.

"Nicht die Schärfe der letzten Spiele"

"Wir müssen das, was Red Bull Salzburg jahrelang ausgezeichnet hat, nämlich Schärfe und Galligkeit im Zweikampf, immer an den Tag legen. Das haben wir heute nicht geschafft", so sein nüchternes Resümee.

Umso bitterer für Letsch: Nach einer vielversprechenden Wintervorbereitung zeigte sein Team bereits, dass es diese Tugenden eigentlich drauf hätte.

Den FC Basel schlugen die Salzburger in der Europa League auch dank eines extrem giftigen Pressings und viel Entschlossenheit im letzten Drittel, gegen Premier-League-Spitzenteam Aston Villa ging man zumindest 60 Minuten ähnlich frech ans Werk und im ÖFB-Cup-Viertelfinale erwischte man immerhin einen vielversprechenden Start, der auch dank einer frühen Überzahl schlussendlich für den Aufstieg genügte.

Umso enttäuschter zeigte sich Ex-Lehrer Letsch am Freitag von seinen Schützlingen. "Heute war es vielleicht etwas lauter in der Kabine als sonst", gibt der 57-Jährige zu. Er habe "von Anfang an das Gefühl gehabt, wir haben nicht die Schärfe der letzten Spiele".

Im Salzburger Trainerteam werde man sich nun "jegliche Frage stellen, warum wir es gegen Basel, in Birmingham und beim WAC geschafft haben, und heute nicht. Es ist nicht einfach, eine Erklärung dafür zu finden."

Lösungen gegen tiefstehende Gegner gesucht

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Immer wieder stand am Freitag ein violettes Bein einem Salzburger Abschluss im Weg
Foto: ©GEPA

Ein Ansatz wäre, dass die Wiener Austria perfekt vorbereitet in diese Partie ging. FAK-Coach Stephan Helm gab nach Spielende zu, die bisherigen Pflichtspiele der "Bullen" bis ins letzte Detail analysiert zu haben, um nicht die gleichen Fehler wie ihre bisherigen Gegner zu machen.

Dass eine Mannschaft mit einer derart destruktiven Spielweise wie der FAK den Salzburgern entgegentritt, werde im Laufe des Frühjahrs "sicher noch das ein oder andere Mal passieren", weiß Letsch. Er fordert: "Es ist die Aufgabe von uns allen, noch klarer zu werden und noch bessere Lösungen gegen diese tiefstehenden Gegner zu finden."

Konkret bedarf es hierzu "einer gewissen Kreativität und vielen Tiefenläufen. Damit haben wir uns eigentlich im Trainingslager beschäftigt", knirscht Letsch. Zudem kritisiert er, seine Mannschaft habe "im Ballbesitz sehr behäbig und langsam gewirkt. Wenn du gegen tiefstehende Gegner keine Bewegung und keine Geschwindigkeit drinnen hast, wird es schwer, Lücken zu reißen."

Letsch mit dem Kader "absolut zufrieden"

Der letzte Fehlerpunkt ist schließlich die mangelnde Konsequenz im letzten Drittel: "Wir haben es nicht geschafft, zu zwingenden Situationen zu kommen. Es waren viele Abschlüsse dabei, aber nur zwei aufs Tor."

Diese Problematik hängt sicher auch damit zusammen, dass sich aktuell kein klassischer Knipser, den man im Zweifelsfall einfach mal mit einem hohen Ball füttern, oder der nach einem Weitschuss abstauben könnte, im Kader befindet. Petar Ratkov, der sich im Herbst am ehesten zu einem solchen entwickelte, wurde im Jänner verkauft und in dieser Form nicht am Transfermarkt ersetzt.

Ratkovs Abgang war "eine Entscheidung von uns allen. Unser Weg wird immer sein, einen Spieler den nächsten Step machen zu lassen, wenn es wirtschaftlich spannend ist", äußert sich Letsch dazu. Es sei eben "nicht so einfach, im Winter Ersatz zu finden".

Im gleichen Atemzug betont er: "Ich bin mit dem Kader absolut zufrieden, ich vermisse nichts."

So wird man nicht Meister

Dass die Salzburger Kaderqualität grundsätzlich hoch genug wäre, um endlich wieder Titel zurück in die Mozartstadt zu holen, ist wohl unbestreitbar. Leistungen wie am Freitag werden dafür aber mit Sicherheit nicht ausreichen.

"Wir haben nach den letzten Spielen gesagt, dass wir auf einem guten Weg sind. Aber das bedeutet nichts, wenn du so einen Spiel wie heute machst", bringt es ein angefressener Mads Bidstrup auf den Punkt.

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