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Salzburgs Röhl: "Titelfavorit sollten wir schon sein, aber ..."

Neo-Trainer Danny Röhl nimmt die Favoritenrolle an und nennt Rapid als Geheimtipp. Nikolas Veratschnig winkt die Kapitänsrolle.

Salzburgs Röhl: "Titelfavorit sollten wir schon sein, aber ..." Foto: © GEPA

Auf der Suche nach der Erfolgsformel hat Salzburg erneut fast jeden Stein umgedreht.

"Nach drei titellosen Jahren war dieser Umbruch dringend notwendig", sagte Neo-Trainer Danny Röhl vor dem Saisonstart zur APA.

Der 37-jährige Deutsche soll beim finanziellen Bundesliga-Krösus die sportliche Neuaufstellung gestalten. Sein Grundrezept, um die Zuschauergunst in Salzburg zurückzugewinnen, ist so simpel wie schwierig: "Siegen."

Salzburger Kahlschlag

Gerade damit hat sich der einstige Serienmeister seit dem bisher letzten Meistertitel 2023 jedoch schwergetan. Seit dem Abgang des langjährigen Masterminds Christoph Freund 2023 holten die Bullen fünf verschiedene Trainer und drei Sportchefs, jedoch keinen Titel.

Der amtierende Geschäftsführer Sport, Marcus Mann, vollzog nach dem missglückten Experiment Daniel Beichler den Kahlschlag. Es kamen bisher nicht nur neun neue Spieler für kolportierte 34 Millionen Euro. Auch gut die halbe Belegschaft im Trainingszentrum Taxham – vom Analysten bis zum Zeugwart – wurde mit dem Ziel einer Frischzellenkur ausgetauscht.

Bei seinem Einstand stieß Röhl auf 34 Kaderspieler. Die Gruppe ist mittlerweile kleiner geworden, manche fanden neue Klubs, andere Aussortierte und Wechselwillige trainieren in einer separaten Trainingsgruppe am Nachmittag. Die ersten Wochen unter Röhl verliefen schweißtreibend und fordernd. Es gab auch zweieinhalbstündige Einheiten bei über 30 Grad Celsius und täglich Meetings.

Röhl, der seinen Posten als Rangers-Cheftrainer in Glasgow für Salzburg aufgab, will seinen Ruf als Talente-Entwickler festigen. "Wir wollen attraktiven Fußball spielen. Wir wollen Spiele gewinnen und hochtalentierte Spieler auch wieder auf den Markt hin entwickeln."

Röhl nimmt Favoritenrolle an und nennt Rapid als Geheimtipp

Dabei gibt sich der langjährige Assistent von Hansi Flick beim FC Bayern und dem DFB-Team keinen Illusionen hin.

Angesprochen auf seinen persönlichen Titelfavoriten, zögerte der baumlange Sachse kurz, ehe er grinsend sagte: "Titelfavorit sollten wir schon sein. Aber wenn man drei Jahre in Folge nichts geholt hat, brauchen wir den Mund nicht allzu voll nehmen." Nachsatz: "Ich glaube, Rapid Wien sollte man dieses Jahr nicht unterschätzen."

Die Ausgewogenheit in seinem Kader sieht Röhl mittlerweile auch besser gegeben. Mit dem bosnischen Sturmtank Haris Tabakovic (32), Austrias Mittelfeldmotor Abubakr Barry (25) und dem Schweizer Linksverteidiger Dominik Schmid (28) stießen auch routinierte Spieler neu hinzu. Der 23-jährige Kevin Boma, der aus Portugal von Estoril kam, soll künftig die Abwehr dirigieren.

"Die Balance muss richtig sein: Hochtalentierte Spieler rund um eine funktionierende Achse", betonte Röhl. Was einmal war, interessiert ihn wenig. "Ich gucke nicht viel zurück, sondern mehr nach vorne. Es macht sehr viel Spaß, die Jungs tagtäglich im Training zu sehen."

Ein 23-Jähriger als neuer Kapitän?

Ein Spaßmacher war in der Vorbereitung Nikolas Veratschnig. Der Österreich-Rückkehrer kreuzte bei der Bundesliga-Pressekonferenz vor dem Saisonstart an der Seite seines Trainers auf. Bei diesem Termin treten traditionellerweise die Trainer und Kapitäne der zwölf Vereine auf. Laut Röhl ist die Kapitänsfrage in Salzburg nach dem Abgang von Alexander Schlager noch offen. Veratschnig ist ein Kandidat.

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Nikolas Veratschnig hat beim FC Red Bull Salzburg gute Chancen auf das Kapitänsamt.
Foto: ©GEPA

"Er spielte eine sehr gute Vorbereitung und bringt auch Erfahrung aus der deutschen Bundesliga in Mainz mit. Er trifft, er geht voran, ist sehr kommunikativ und ist natürlich auch ein Österreicher", sagte Röhl über den Kärntner, der zum Saisonstart den Vorzug gegenüber Stefan Lainer auf der Rechtsverteidigerposition bekommen wird.

Der erst 23-Jährige zeigte sich dem Kapitänsamt gegenüber nicht abgeneigt. "Ich würde den Job liebend gerne übernehmen", sagte Veratschnig. Man habe unter dem neuen Trainer bereits jetzt viel Neues gelernt. "Sei es mit Ball, gegen den Ball, Standards."

Veratschnig und Kollegen ist es vorbehalten, in Salzburg wieder Euphorie zu entfachen. Der Klub ist mit dem prozentual größten Zuschauerrückgang der Liga konfrontiert. 2025/26 kamen durchschnittlich 11.211 Fans ins Stadion und damit 7,11 Prozent weniger als in der Vorsaison. Auch die Nachfrage in den lukrativen VIP-Logen war schon einmal höher.

Herausforderung tiefer Block

Salzburg soll künftig wieder für "Erfolg und hohe Intensität" stehen, so formulierte es Röhl. "Das sind die Grundelemente. Und trotzdem wollen wir vor allem mehr Tore schießen." Salzburgs Torausbeute sank von rekordverdächtigen 110 in der Saison 2019/20 auf zuletzt 56.

"Wir wollen in den richtigen Momenten nach vorne spielen und müssen eine neue Facette in Ballbesitz reinbekommen. Wir werden nicht nur auf aktiv mitspielende Gegner, sondern auch auf tiefe Blöcke treffen. Wenn wir für jegliche Aufgaben Lösungen finden, haben wir eine große Möglichkeit, wieder ganz oben zu stehen", sagte Röhl.

Eine erste Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen, ergibt sich am Samstag beim Pflichtspielauftakt im Cup gegen den Regionalligisten Oberwart.

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