Salzburg-Tormann: Wer hat welche Karten?

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Der FC Red Bull Salzburg hat mit Nico Mantl einen neuen Tormann verpflichtet. Alle Infos dazu >>>

Doch wie wirkt sich dieser Transfer auf die Hackordnung im Bullenstall aus? Muss sich Platzhirsch Cican Stankovic Sorgen um seinen Platz im Tor des Serienmeisters machen? Welche Keeper haben keine Zukunft mehr in der Mozartstadt? Und was kommt aus der Jugend noch nach?

LAOLA1 analysiert die Tormann-Situation in Salzburg:

Cican Stankovic – der Platzhirsch

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Das ist der Mann, an dem alle anderen Goalies im Bullenstall vorbei müssen, wenn sie ins Tor der Salzburger Profis wollen. Im Sommer 2018 hat der 28-Jährige den Platz im Tor des Serienmeisters übernommen und ihn seither nicht mehr hergegeben. Im ÖFB-Nationalteam, für das er schon vier Mal aufgelaufen ist, liefert er sich mit Pavao Pervan und Alexander Schlager den Kampf um die Nummer eins.

In der Mozartstadt hatte er zuletzt keine ernsthaften Konkurrenten. Das dürfte sich im Sommer ändern, wenn Mantl angreift. Zumindest im Frühjahr muss sich Stankovic aber keine Sorgen machen. Die Erfahrung von 131 Pflichtspielen für Salzburg (134 Gegentore, 49 Mal zu Null) spricht klar für ihn, wenngleich er nicht der allergrößte Liebling der Fans ist. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2023, an einen Abgang denkt er derzeit aber überhaupt nicht, Gerüchte über einen Wechsel nach News York sind aus der Luft gegriffen.


Die Salzburger Tormann-Historie in der Ära Red Bull im Überblick:

Zwölf Torhüter kamen bisher bei Red Bull Salzburg zum Einsatz (Stand: Jänner 2021). LAOLA1 hat die Schlussmänner der "Bullen" zusammengetragen:

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Cican Stankovic (2015-laufend): 131 Spiele, 134 Gegentore, 49x zu null

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Kam 2015 als große Hoffnung von Nachbar-Klub Grödig, löste Alexander Walke aber erst 2018 als "Einser" ab.

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Wurde im gleichen Jahr auch erstmals ins Nationalteam einberufen, ist nach vier Einsätzen 2019 (nur ein Gegentor!) aber hauptsächlich Ersatzmann. Liegt die mittelfristige Zukunft des 28-Jährigen woanders?

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Carlos Miguel Coronel (BRA/2017-laufend): 11 Spiele, 14 Gegentore, 4x zu null

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RB-Brasil-Eigengewächs. Braver Backup, der seine Hauptaufgabe vor allem während der Stankovic-Verletzung im Herbst 2019 zufriedenstellend absolvierte.

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Hat im Liefering-Tor aber mehr Chancen bekommen. War im Frühjahr 2019 sogar ein paar Monate an Philadelphia Union in die MLS verliehen.

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Alexander Walke (GER/2010-laufend): 226 Spiele, 192 Gegentore, 94x zu null

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Das deutsche Urgestein! Kein anderer Bullen-Torhüter absolvierte so viele Spiele wie Walke - und war so häufig Meister (acht Mal!).

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Nach einem Fußbruch Mitte 2019 kam es seither aber zu keinen Pflichtspiel-Einsätzen für den 37-jährigen Ex-Kapitän mehr.

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Peter Gulacsi (HUN/2013-2015, jetzt RB Leipzig): 100 Spiele, 99 Gegentore, 38x zu null

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Kam schon als ungarisches Riesentalent aus Liverpool(!), wo er aber nur für die U23 zum Einsatz kam. Brauchte nur zwei Jahre, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

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Ist bekannterweise mittlerweile bei RB Leipzig ein Bundesliga- und Champions-League-erprobter Rückhalt, der seit 2016 auch nie als Leipziger Schlussmann umstritten war.

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Eddie Gustafsson (SWE/2009-2014, Karriereende): 99 Spiele, 95 Gegentore, 37x zu null

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Der sympathische Schwede mit US-Background war ab seiner Ankunft Stammgoalie, ehe das Schicksal zuschlug: Eine Horrorverletzung beim LASK 2010 beendete seine Karriere beinahe vorzeitig, fast ein Jahr musste Gustafsson pausieren.

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Kämpfte sich zwar zurück, verlor den Stammplatz aber schleichend an Walke. Beendete 2014 in Salzburg seine Karriere wirklich, ist seither Tormann-Trainer in der Akademie.

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Thomas Dähne (GER/2013, jetzt Holstein Kiel): 1 Spiel, 0 Gegentore, 1x zu null

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War als Youngster ein Fall für die zweite Mannschaft, stand nur im Mai 2013 im Kader der "Ersten", wo er das Saisonfinale gegen die Wiener Austria - den neuen Meister - absolvieren durfte und seinen Kasten beim 3:0 sauber hielt.

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Fasste dann in Leipzig nicht Fuß und ging weiter zu HJK Helsinki und Wisla Plock, wo er seine Karriere erst einigermaßen ins Rollen brachte. Jetzt Backup bei Zweitligist Holstein Kiel.

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Gerhard Tremmel (GER/2010-2011, Karriereende): 38 Spiele, 37 Gegentore, 13x zu null

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Kam im Sommer 2010 aus Cottbus als Ersatz für den verletzten Eddie Gustafsson, konnte mit 13 Gegentoren im Herbst auch überzeugen. Zuvor scheiterte schon ein Engagement bei den Bayern.

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Zog am Ende seines Einjahres-Vertrags zu Swansea weiter, wo er seine Karriere 2017 - unter anderem nach einer halbjährigen Leihe zu Werder Bremen - beendete. Sein Engagement als Swansea-Scout hielt nur ein Jahr.

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Heinz Arzberger (1999-2011, Karriereende): 151 Spiele (inkl. Austria), 191 Gegentore, 47x zu null

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Der langjährige Austria-Salzburg-Torhüter kaum auch nach der Red-Bull-Übernahme 2005 noch zu genügend Einsätzen, 2005/06 sogar zu mehr als Alexander Manninger. Danach wurden doch Ochs, dann Gustafsson vorgezogen.

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Beendete seine Karriere 2011 bei den RB Juniors und ist mit neuer Frisur seither als Liefering-Tormanntrainer engagiert. Diese Rolle durfte er 2015/16 sogar bei den "Großen" ausfüllen.

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Timo Ochs (GER/2006-2009, Karriereende): 106 Spiele, 105 Gegentore, 45x zu null

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Begründete die Tradition der Deutschen bei Red Bull Salzburg und war bei den ersten beiden Meistertiteln Stammgoalie. 2007/08 verpasste er kein Bundesliga-Spiel - allerdings auch nicht das 0:7 gegen Rapid.

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Nach Auslaufen des Vertrages 2009 wurde er bei keinem Verein mehr langfristig glücklich: Hertha, Nürnberg, 1860, Jahn Regensburg und Saarbrücken - mit Ausnahme der "Löwen" war überall nach spätestens einem Jahr, meist früher, wieder Schluss. 2014 endgültig.

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Ramazan Özcan (2006-2008, Karriereende): 2 Spiele, 5 Gegentore, 0x zu null

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"Rambo" kam als Youngster aus Lustenau nach Salzburg, hinter Dauerbrenner Timo Ochs aber nur zu zwei Einsätzen, die Salzburg auch beide verlor (2:3 daheim gegen Pasching, 1:2 in Mattersburg).

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Trotzdem wurde Red Bull zum Sprungbrett für eine erfolgreiche Deutschland-Karriere bei Hoffenheim, Ingolstadt und Leverkusen - zwischendurch Türkei und Besiktas.

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Alexander Manninger (2005-2006, Karriereende): 17 Spiele, 22 Gegentore, 7x zu null

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Kam als ganz großer Name zum Einstand von Red Bull aus Siena, war aber seltener am Platz als der bereits anwesende Heinz Arzberger und ging nach einem Jahr gleich wieder nach Italien retour.

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Udinese, Juventus, Augsburg, Liverpool wurden aber noch ganz nette Stationen für den prominentesten rot-weiß-roten Goalie der 2000er-Jahre, der seine Handschuhe 2017 an den Nagel hing.

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Pascal Grünwald (2003-2006, Karriereende): 13 Spiele (inkl. Austria), 18 Gegentore, 3x zu null

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Wie Arzberger noch aus Austria-Zeiten im Red-Bull-Aufgebot - allerdings nicht lange. Nur acht Einsatzminuten hinter Arzberger und Manninger beim 3:2-Sieg bei Rapid, 2006 zog er mit erst 23 Jahren Richtung Pasching von dannen. 

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Ab 2007 wieder in der Tiroler Heimat aktiv, mit drei Jahren Unterbrechung bei Austria Wien (2011-2014) erst bei Wacker Innsbruck, dann WSG Tirol. Seit diesem Sommer ist Schluss.

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Nico Mantl – der Herausforderer

Etwas mehr als zwei Millionen Euro haben die Salzburger ausgegeben, um sich die Dienste Mantls zu sichern. Der Deutsche wird in wenigen Tagen 21 Jahre alt, kann mit 62 Pflichtspielen für Drittligist SpVgg Unterhaching aber schon jede Menge Erfahrung aufweisen. Einmal stand der Blondschopf auch schon im Tor der DFB-U20.

"Nico ist ein Torwart mit großem Potenzial und passt von seiner Art und Weise, wie er sein Tormannspiel interpretiert, sehr gut zu uns", sagt Salzburg-Sportchef Christoph Freund über den Neuzugang. Es ist im Frühjahr übrigens nicht vorgesehen, dass Mantl regelmäßig in der 2. Liga beim FC Liefering Spielpraxis sammelt, er nimmt direkt die Rolle des ersten Backups von Stankovic ein. Mittelfristig trauen ihm die RBS-Verantwortlichen aber auf jeden Fall die Position als Nummer eins zu. Mantl bekommt Zeit, um sich an das System Red Bull zu gewöhnen, im Sommer werden dann aber die Karten wohl neu gemischt.

Alexander Walke, Carlos Miguel Coronel, Daniel Antosch – die Auslaufmodelle

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Acht Meistertitel, sechs Cup-Triumphe, 226 Pflichtspiele – über die Verdienste von Alexander Walke (Bild) beim FC Red Bull Salzburg müssen nicht viele Worte verloren werden, die nackten Zahlen sollten reichen. Doch die Zeit des Deutschen ist vorbei, mit 37 Jahren hat er das Karriereende vor Augen. Obwohl in der Mozartstadt die Trainingsleistungen inklusive Inputs für seine jüngeren Kollegen und seine Rolle in der Kabine sehr geschätzt werden, wäre es eine große Überraschung, sollte sein im Sommer auslaufender Vertrag noch einmal verlängert werden.

Carlos Miguel Coronel steht vor einer unguten Situation. Mit Nico Mantl ist ein neuer Goalie da, der in der Hackordnung praktisch volley über ihm einsteigt. Im Sommer 2015 ist der Brasilianer erstmals nach Salzburg gekommen, war zwischenzeitlich in seine Heimat und dann an Philadelphia verliehen. Im RBS-Tor stand er nur elf Mal. Es deutet viel darauf hin, dass sich der 24-Jährige noch in diesem Winter aus Salzburg verabschiedet.

Im Mai 2018 debütierte Daniel Antosch in der 2. Liga für den FC Liefering, kurz darauf trug er schon die Kapitänsschleife, ein Jahr später avancierte er zur unumstrittenen Nummer eins bei Salzburgs Zweitvertretung. Nach 59 Pflichtspielen für Liefering ist nun aber klar: Der 20-Jährige hat keine Zukunft in der Mozartstadt. Die ersten Anzeichen dafür, dass die RBS-Verantwortlichen Antosch nicht zutrauen, den ganz großen Sprung zu schaffen, waren im Herbst 2019 zu erkennen, als er kein Thema war, den verletzten Stankovic zu ersetzen. Nun wurde der Wiener als Kooperationsspieler an den SV Horn abgegeben, im Sommer ist er ablösefrei zu haben.

Adam Stejskal, Jonas Krumrey, Kilian Vallant, Sebastian Künstner, Balazs Toth – die Nachwuchshoffnungen

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Nach dem Antoschs Abgang wird Adam Stejskal (Bild) aller Voraussicht nach als Nummer eins des FC Liefering ins Frühjahr gehen. Der 18-Jährige Tscheche ist vor zweieinhalb Jahren von Zbrojovka Brünn in die Red Bull Akademie gekommen. Drei Partien in der 2. Liga hat der Nachwuchsteamspieler bereits in den Beinen, dabei hat er zwei Mal zu Null gespielt.

Jonas Krumrey ist Stejskals Herausforderer und rittert mit ihm um den Platz im Liefering-Tor. Der 17-Jährige ist schon im Sommer 2017 aus dem Nachwuchs des FC Bayern in die Mozartstadt gekommen. Noch wartet der 17-Jährige auf seinen ersten Einsatz im Profi-Bereich, in der U18 war er im Herbst Stammgoalie.

Der 17-jährige Kilian Vallant, hinter Stankovic quasi der höchstrangige ÖFB-Goalie im Bullenstall, war zuletzt Nummer zwei in der U18. Als großes Talent gilt Sebastian Künstner, der im Alter von 16 Jahren Stammkeeper der U16 ist und auch schon in der ÖFB-U15 debütiert hat. Zudem muss der 16-jährige ungarische Nachwuchsteamkeeper Balazs Toth erwähnt werden, der im Sommer aus der Haladas-Jugend gekommen ist, in seiner Heimat als Hoffnungsträger für die Zukunft gilt und teilweise schon in Salzburgs U18-Kader steht.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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