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Neo-Salzburg-Trainer Beichler: "Dann werde ich unangenehm"

Der Ex-Liefering-Coach stieg zum Cheftrainer auf, weil man von ihm eine gewisse Strenge im Umgang mit seinen Spielern erwartet. Das hat er vor:

Neo-Salzburg-Trainer Beichler: "Dann werde ich unangenehm" Foto: © GEPA

Mit der Bestellung von Daniel Beichler als neuen Cheftrainer des FC Red Bull Salzburg weht in der Mozartstadt wohl künftig ein etwas rauerer Wind.

Ein Grund, warum die Wahl auf den bisherigen Liefering-Übungsleiter fiel, läge in dessen Fähigkeiten in der Mannschaftsführung, verrät Salzburg-Sportchef Marcus Mann bei der Vorstellungs-Pressekonferenz Beichlers.

"Er versteht es, klare Leitplanken zu setzen, damit die Spieler wissen, in welchen Bereichen sie sich frei bewegen können und wo sie klare Vorgaben befolgen müssen", so der Deutsche. Jedem Kicker soll künftig bewusst sein, "woran er ist und was er zu tun hat".

Diese Anforderungen an den neuen Coach können durchaus als Kritik an Vorgänger Thomas Letsch verstanden werden. Der ehemalige Lehrer trat öffentlich stets als ruhiger, angenehmer Zeitgenossene auf; seine Versuche, Strenge zu zeigen, wirkten eher aufgesetzt.

Mann nimmt Mannschaft in die Pflicht

"Man kann einen Ball aus drei Metern ins Tor köpfen - egal, wer an der Seitenlinie steht"

Marcus Mann

Die Entscheidung, Letsch von seinen Aufgaben zu entbinden, sei bei Mann nach dem enttäuschenden 1:1 beim GAK vom vergangenen Wochenende gefallen. "Der Punkt war gekommen, wo auch das Bauchgefühl gesagt hat, der Zeitpunkt für einen neuen Impuls ist da."

Dennoch will sich Mann bei Letsch und dessen ebenfalls geschassten Assistenten Kai Hesse für die Zusammenarbeit bedanken; die beiden seien sicherlich nicht allein schuld an der sportlichen Misere gewesen.

"Trainerwechsel sind kein gutes Zeugnis für alle Beteiligten, da gehört auch die Mannschaft dazu. Die Spieler stehen auf den Platz, wir haben heute in der Kabine angesprochen, dass wir sie in die Pflicht nehmen. Man kann einen Ball aus drei Metern ins Tor köpfen - egal, wer an der Seitenlinie steht", verteilt Mann einen Seitenhieb an Angreifer Edmund Baidoo, der am Sonntag auf die von ihm beschriebene Art und Weise eine Großchance vergab.

Beichler Beförderung steht für den Salzburger Weg

An der Salzburger Seitenlinie steht künftig eben Daniel Beichler.

Der Steirer sammelte nach einer früh geendeten Spielerkarriere erste Trainererfahrung beim JAZ Süd, einem in Graz ansässigen Jugendausbildungszentrum, welches mit der Salzburger Red Bull Akademie kooperiert.

In eben jene Akademie siedelte Beichler im Sommer 2020 über. Über die "Bullen"-U14 arbeitete er sich zuletzt bis zum FC Liefering hinauf, zusätzlich führte er die Salzburger U19 im Vorjahr ins Youth-League-Halbfinale.

"Wir wollen dafür stehen, den Weg von der Akademie zum FC Red Bull Salzburg zu öffnen, das zählt nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Trainer und Mitarbeiter", sagt Mann zu Beichlers Aufstieg.

Lange Vertragsdauer! "Weil wir von Daniel überzeugt sind"

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Der Salzburger Weg bedeutet auch, Akademie-Trainern eine Chance zu geben, erklärt Mann
Foto: ©GEPA

Nach dem Beschluss, Letsch von seinem Amt zu entbinden, sei man am vergangenen Montag an den 37-Jährigen herangetreten, um ihm den Cheftrainer-Posten in Salzburg anzubieten. Jürgen Klopp, Global Head of Soccer bei Red Bull, sei in diese Entscheidung übrigens nicht eingebunden gewesen.

Die bis Sommer 2028 vereinbarte Vertragsdauer - Beichler wäre der dann längstdienende Salzburg-Trainer in der Red-Bull-Ära - sei bewusst gewählt worden. "Weil wir von Daniel überzeugt sind, weil wir überzeugt sind, dass das der richtige Weg ist, um erfolgreich zu sein."

Das sagt Beichler zum Sturm-Gerücht

Dass die Wahl auf ihn fiel, sei "ein Riesen-Privileg", erklärt Beichler in seinem Eingangs-Statement. Er habe "nicht lange zögern müssen, als die Anfrage konkret wurde".

Gerüchte, wonach er bereits im Jänner die Möglichkeit gehabt hätte, bei seinem Ausbildungsklub Sturm Graz ein Cheftraineramt in der Bundesliga zu übernehmen, kann der 37-Jährige "nicht bestätigen".

Zwar sei er bereits kurz nach Manns Ankunft in Salzburg mit ihm in Kontakt getreten, Tendenzen, dass ihm bald eine Beförderung winken könnte, habe es dabei aber keine gegeben, behauptet Beichler.

"Ich kann streng sein"

"Unangenehm werde ich nur dann, wenn wir von abgesprochenen Dingen abweichen, weil das den Erfolg der Mannschaft gefährdet"

Daniel Beichler

Sein Sportchef erwartet von ihm wie eingangs erwähnt, die Zügeln bei den Spielern etwas anzuziehen. Wie es dem Jungtrainer damit geht?

"Ich kann streng sein, das gehört ein Stück weit zum Trainerdasein dazu. Unangenehm werde ich aber nur dann, wenn wir von abgesprochenen Dingen abweichen, weil das den Erfolg der Mannschaft gefährdet", so Beichler.

In einem Interview mit 90minuten im Februar 2025 erklärte der damalige Liefering-Coach, dass sein durchaus direkter Umgang mit seinen Spielern auch daher rührt, dass er sich einen solchen in seiner frühen Spielerkarriere selbst von seinen Trainern erhofft hätte.

"Ich hätte mir vielleicht auch mal gewünscht, noch eine klarere Rückmeldung zu bekommen, wo ich als Spieler stehe", erklärte Beichler damals.

Beichler hatte schon 14 Salzburg-Kicker unter seinen Fittichen

Ähnlich wie bereits bei Liefering wird der Grazer nämlich auch in Salzburg hauptsächlich blutjunge Fußballer betreuen. Viele von ihnen hatte er bereits in der Akademie oder der 2. Liga unter seinen Fittichen.

"Ich habe heute mal durch die gesamte Kabine geschaut und es waren 14, mit denen ich schon zusammenarbeiten durfte", grinst Beichler.

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In der Youth League scheiterten Beichlers "Jungbullen" in der Vorsaison nur äußerst unglücklich am Finaleinzug
Foto: ©GEPA

Diese Spieler hätten einzig den Vorteil zu wissen, "wie der Trainer und die Person Daniel Beichler tickt, aber sie bekommen keinen Startvorteil. Es interessiert mich auch unglaublich, wie die anderen Jungs ticken - nicht nur als Fußballer, sondern als Persönlichkeiten."

Schwieriger ist der Weg in die Kampfmannschaft für die Salzburger Eigenbauspieler durch seine Bestellung aber bestimmt nicht geworden: "Es geht darum, dass die Jungs performen. Dann wird der Weg nach oben sicher nicht versperrt sein."

"Jetzt geht es um das Wie"

Dabei handelt es sich um die mittel- bis langfristigen Aufgaben Beichlers. Kurzfristig geht es für ihn darum, die "Bullen" sportlich wieder auf Kurs zu bringen, um endlich wieder Titel in die Mozartstadt zu holen.

"Das sind die Ziele und Ansprüche, die wir hier als Klub haben. Jetzt geht es um das Wie. Ein sehr guter Rat ist, viel und vor allem qualitativ zu arbeiten, weil nur wünschen ist zu wenig. Uns wird in dieser Liga nichts geschenkt", konstatiert Beichler.

Genaueres zum "Wie" lässt sich der Grazer am Mittwoch noch nicht entlocken. Sein Anspruch an seine Mannschaft sei, "sehr intensiven und proaktiven Fußball zu spielen".

In den ersten paar Trainingstagen gehe es vor allem darum, "in den Basics, der Intensität und der Proaktivität im Spiel gegen den Ball richtig gute Schritte zu machen und Klarheit reinzubringen, was ich von den Jungs am Sonntag (gegen den LASK, Anm.) sehen will".

Findet Beichler die Lösungen gegen tiefstehende Mannschaften?

Letsch scheiterte schlussendlich auch daran, dass Salzburg unter ihm große Probleme gegen tiefstehende Mannschaften hatte. In Österreich machte zuletzt kaum ein Gegner den Fehler, die "Bullen" ins Pressing kommen zu lassen.

"Das Bespielen eines tiefen Blocks wird sicher ein Thema sein, das uns begleitet - aber das ist nur eine Komponente. Ich will das Spiel im Gesamten sehen. Wenn der LASK nur lange Bälle schlägt, ist es cool, dass wir einen Pressingplan haben, aber der wird nicht aufgehen. Dementsprechend werden die Jungs auch einen Plan mit dem Ball bekommen", verspricht Beichler.

Gleichzeitig betont er in Hinsicht auf das Topspiel in Linz in vier Tagen: "Wir werden nicht zaubern können, das wird ein bisschen dauern. Aber viel Zeit haben wir nicht."

Wiedersehen mit Junuzovic

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Beichler (rechts) und sein Co Junuzovic (links) kennen sich unter anderem von einer gemeinsamen ÖFB-Nominierung 2010
Foto: ©GEPA

Unterstützung bei der Einarbeitung in seiner neuen Rolle bekommt Beichler unter anderem von Zlatko Junuzovic, der Co-Trainer bleibt. Die beiden kennen sich aus ihrer aktiven Laufbahn.

"Er bringt super Aspekte mit, die ich bei einem Co-Trainer extrem schätze. Er hat eine coole Energie, kann den Jungs viel von seiner Erfahrung mitgeben", schwärmt Beichler.

Außerdem rückt sein Liefering-Assistent Raphael Ikache mit auf - allerdings zunächst nur vorläufig bis zum Ende des Grunddurchgangs, "weil es am Ende darum geht, die bestmögliche Lösung für die Jungs und auch für mich zu finden. Da wollen wir keinen Schnellschuss tätigen."

Ein Schnellschuss war die Bestellung Beichlers zum Salzburger Cheftrainer mit Sicherheit nicht. Der Steirer gilt nicht umsonst als großes Trainertalent, dem es vor allem endlich wieder gelang, viele Lieferinger zu Bundesliga-Spielern weiterzuentwickeln.

Außer Frage steht allerdings auch, dass sich schon andere, deutlich erfahrenere Trainer an der aktuell schwierigen Aufgabe FC Red Bull Salzburg in der jüngeren Vergangenheit die Finger verbrannten.

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