Letsch wegen VAR sauer: "Ich bin auf 180!"
Der Salzburg-Coach ärgert sich nach dem Remis in Altach über den VAR - und die eigene Chancenausbeute.
Nur zwei Punkte hat der FC Red Bull Salzburg in den letzten drei Spielen in der ADMIRAL Bundesliga geholt, dazwischen eine Klatsche in der Europa League kassiert.
"Ich bin auf 180. Wir sind enttäuscht, dass wir nur einen Punkt mitgenommen haben, wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir zahlreiche Chancen liegengelassen haben", wurde Salzburg-Trainer Thomas Letsch im "Sky"-Interview nach dem 1:1 beim SCR Altach (zum Spielbericht>>>) deutlich.
"Am Ende des Tages ist es, wie so oft. Wenn du sie vorne nicht reinhaust, und immer dazu eines kriegst, wird es immer schwieriger, dass du Spiele entscheidest", sagte Torhüter Alexander Schlager.
Altachs Geschenke
Dabei begann die Partie für die "Bullen" nach Wunsch. Die Altacher Hintermannschaft verschlief den Start, die dritte Salzburger Chance konnte Vertessen in Minute zwölf zur Führung nutzen.
"Wir haben dem Gegner am Anfang Geschenke bereitet, zwei, drei Stück. Eines davon haben sie auch dankend angenommen", ärgerte sich Altachs Trainer Fabio Ingolitsch. Aber: "Ich finde es sehr cool, wie meine Mannschaft sich ins Spiel reingearbeitet hat, wir sind von Minute zu Minute stärker geworden."
Koller mit Köpfchen
Per Eckball glich Altach aus, Paul Koller hatte Platz und köpfte zum 1:1 ein (26.). "Wir dürfen nicht jedes Spiel Gegentore kriegen, das tun wir momentan, deshalb tun wir uns schwer, Spiele zu gewinnen", brachte es Schlager auf den Punkt.
"Altach hat gefühlt jeden Ball langgekloppt und auf zweite Bälle gespielt. Wir wussten, dass das auf uns zukommt. Wir hatten bis auf die Phase vor dem 1:1 das unter Kontrolle", ärgerte sich Letsch. Vielleicht gelinge es nicht, die Konzentration über 90 Minuten hoch zu halten, so Schlager. Es seien intensive Wochen, viele Salzburger hätten in ihrem Leben noch nie so viele Spiele in einem halben Jahr gespielt. "Vielleicht ist das ein Mitgrund."
Ingolitsch mit Glück
Nach der Pause hatten beide Teams beste Chancen, das Spiel auf ihre Seite zu drehen. "In der zweiten Halbzeit müssen wir einfach eine der Chancen nutzten", sagte Frans Krätzig. Zwei Punkte habe man liegengelassen - und viele Chancen. "Das hat bei unseren Stürmern glaube ich viel auch mit Selbstvertrauen zu tun, mal in den Rhythmus zu kommen", suchte er nach Erklärungen.
Für Aufregung sorgte dann eine Aktion in der 68. Minute, bei der Petar Ratkov im gegnerischen Strafraum im Zweikampf mit Sandro Ingolitsch zu Boden ging - und Salzburg trotz VAR-Checks keinen Elfmeter bekam. "Für mich war es im Spiel ein bissl zu wenig. Es war auf jeden Fall ein Kontakt da", erklärte Ingolitsch. Salzburg-Trainer Letsch sah das naturgemäß anders.
Letsch: "Das ist ein Skandal"
"Das ist ein glasklarer Elfmeter, wie der VAR da nicht eingreifen kann, das ist für mich ein Skandal. Das kann ich so nicht akzeptieren", redete er sich in Rage. "Wenn er das nicht sieht, dann verstehe ich das nicht. Bei allem Verständnis: Es geht um ein bisschen was, ein Elfmeter kann Spiele entscheiden. Dann stehen wir hier mit drei Punkten und die Welt ist eine andere."
Sein Gegenüber, Fabio Ingolitsch, gab sich diplomatisch. "Vielleicht haben wir da das Glück auf unserer Seite, dass wir dem Elfmeter haarscharf entgangen sind."
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Letsch mit Ärger
Die Schlussphase gehörte den Altachern, die noch einmal Druck machten. "Da waren eher wir die Mannschaft, die das Momentum auf ihrer Seite gehabt hat", so Ingolitsch. Salzburg sei ungeduldig geworden, das habe Räume geschaffen. Srdjan Hrstic vergab etwa eine gute Möglichkeit. "Dass sie gegen Ende noch ein paar Chancen haben und die Heimkulisse nutzen, ist ganz klar", so Krätzig.
Altach konnte mit dem Remis in Summe besser leben. "Wenn man gegen Salzburg punktet, muss man schon die Füße am Boden lassen und zufrieden sein", sagte Fabio Ingolitsch. Paul Koller sah es ähnlich: "Wenn man das Ende gesehen hat, haben wir nochmal gut Druck aufgebaut. Aber all in all hat uns Salzburg vor eine Riesen-Aufgabe gestellt, hat viele Chancen gehabt."
Die Fehlersuche war bei Salzburg indes rasch abgeschlossen. Bei einem xG-Wert von 2,6 müsse man eben mehr als ein Tor machen, so Letsch. "Das positive ist: Wir erspielen uns viele Chancen. Aber die Dinger müssen rein." Krätzig ergänzte: "Wir müssen ein Tor machen - aber vielleicht auch eines weniger bekommen. Deshalb müssen wir uns überall hinterfragen."