Jürgen Säumel: Der Start in eine neue Karriere

 

Die besten Erinnerungen? Diesbezüglich muss Jürgen Säumel nicht lange nachdenken.

Das Debüt für den SK Sturm Graz im Dezember 2002 beim Europacup-Auswärtssieg bei Lazio Rom, die Spiele mit Torino in der Serie A, die Auftritte im Nationalteam und hier speziell die Heim-Europameisterschaft 2008 - "und natürlich Kapitän bei Sturm zu sein, als Jüngster in der Vereins-Geschichte. Das ist nicht selbstverständlich."

Ohne die eine oder andere langwierige Verletzung wäre für den 20-fachen A-Teamspieler womöglich noch mehr drinnen gewesen, außerdem sei man beim Blick in den Rückspiegel generell immer gescheiter:

"Mit der heutigen Erfahrung würde man einiges anders machen, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und blicke mit Stolz auf meine Karriere zurück", erklärt Säumel im Gespräch mit LAOLA1.

So schön die Erinnerungen an zahlreiche Momente der Spieler-Karriere sind, inzwischen bastelt der 33-Jährige bereits an seiner zweiten Karriere.

Die Umstellung vom Spieler zum Trainer

Der Spieler Säumel ist Geschichte, die Zukunft ist der Trainer Säumel.

Als Co-Trainer von Bundesliga-Aufsteiger TSV Hartberg kehrt er früher als von ihm erwartet auf die Profi-Bühne zurück.

Dass der frühere Mittelfeldspieler nach wie vor mit dem runden Leder umzugehen weiß, beweist er, als ein Hartberger Spieler im Training angeschlagen vom Feld muss und Trainer Markus Schopp seinen Assistenten als Einspringer ins Geschehen eingreifen lässt.

Aber generell gilt es für Säumel nun, einen anderen Blickwinkel auf besagtes Geschehen einzunehmen.

"Es ist sicherlich eine Umstellung. Als Spieler muss man sich nicht so viele Gedanken machen und kann sich im Prinzip auf sich selbst konzentrieren. Als Trainer beziehungsweise Co-Trainer muss man schon sehr viele Dinge im Kopf haben, mit denen man als Spieler so nicht konfrontiert ist. Das ist sicherlich eine Herausforderung, und ich weiß auch, dass ich noch in vielen Dingen dazulernen muss. In der Bundesliga als Co-Trainer anzufangen, ist nicht selbstverständlich. Deswegen ist das ein toller Job für mich", findet Säumel.

Es dauert, bis man den Schlussstrich zieht

Anfang Mai 2017 bestritt der Steirer sein letztes Profi-Match für den FC Wacker Innsbruck. Bis zur offiziellen Verkündung seines Karriereendes als aktiver Spieler ließ sich Säumel rund ein Jahr Zeit. Inzwischen sammelte er im LAZ Judenburg erste Erfahrungen als Trainer und arbeitete zusätzlich an einem Projekt mit Jugendlichen im Bezirk Murau.

"Es dauert schon eine gewisse Zeit, wobei ich im letzten Jahr in Innsbruck schon gemerkt habe, dass die Motivation nicht mehr so da war, wie ich es aus den Jahren zuvor gekannt habe. Aber trotzdem: Bis man dann den Schlussstrich zieht, bis man es definitiv macht und auch öffentlich macht, hat man wahrscheinlich doch ein bisschen Angst und Respekt davor."

Jürgen Säumel

"Im vergangenen Herbst war es eigentlich klar, dass ich nicht mehr aktiv spielen möchte, auch nicht unterklassig. Im Frühjahr haben wir den passenden Zeitpunkt für den Rücktritt gesucht. Sturm hat mir signalisiert, dass sie mir bei einem schönen Abschied aus der aktiven Zeit behilflich sein wollen. Deshalb hat sich die Verkündung nach hinten verschoben", erläutert Säumel, der vom Cupsieger Mitte Mai im Rahmen des Heimspiels gegen den LASK offiziell verabschiedet wurde.

Wie schwer es war, die eigene Karriere loszulassen?

"Es dauert schon eine gewisse Zeit, wobei ich im letzten Jahr in Innsbruck schon gemerkt habe, dass die Motivation nicht mehr so da war, wie ich es aus den Jahren zuvor gekannt habe. Aber trotzdem: Bis man dann den Schlussstrich zieht, bis man es definitiv macht und auch öffentlich macht, hat man wahrscheinlich doch ein bisschen Angst und Respekt davor. Deswegen habe ich mir auch bewusst Zeit gelassen und parallel eben schon in den Trainerjob hineingeschnuppert und auch gemerkt, dass mir das taugt. Deswegen fiel es im späteren Herbst dann schon leichter, den Schlussstrich zu ziehen."

Man muss im Fußball spontan sein

So sehr Säumel die ersten Gehversuche auf dem Trainer-Terrain getaugt haben - so schnell wieder im Profi-Bereich zu arbeiten, war eigentlich nicht der Plan. Oder um genau zu sein: Den konkreten Plan, wo ihn die Trainer-Karriere hinführen soll, gab und gibt es noch nicht.

Eigentlich wollte er zuerst die A-Lizenz machen und dann selbst irgendwo als Cheftrainer einsteigen und sich erste Sporen verdienen: "Aber im Fußball ist es oft so, dass man spontan sein muss, dass Überraschendes kommt - und so war es jetzt auch. Ich freue mich auf diese Aufgabe und bin voller Tatendrang."

Das Engagement in Hartberg hatte Säumel noch vor eineinhalb Monaten nicht wirklich auf dem Zettel: "Es ist schon sehr überraschend gekommen. Markus hat mich angerufen, ob ich mir das vorstellen kann. Ich war von der Idee gleich begeistert, habe zwei, drei Gespräche mit ihm geführt und gemerkt, dass es gut funktionieren könnte. Ich bin froh, dass ich hier bin. Es wird sicher eine tolle Herausforderung."

Die beiden Sturm-Urgesteine Schopp und Säumel kennen sich schon lange. Im LAOLA1-Interview strich Schopp unlängst hervor, dass ihn an Säumel unter anderem die Art und Weise, wie er die Dinge angeht und sie auch hinterfragt, fasziniert.

Im Nachhinein ist es leicht gesagt

Ein analytischer Geist war Säumel schon als Spieler. Nun hat er die Gelegenheit, den Seitenwechsel Schritt für Schritt zu vollziehen: "Markus hat als Trainer schon viele Erfahrungen gesammelt. Ich bin erst kurz in diesem Beruf, kenne die Spielerseite noch sehr gut, verstehe die Spieler auch noch gut und weiß, wie die jetzige Generation tickt. Deswegen denke ich, dass das gut funktionieren kann."

Und im Bedarfsfall kann Säumel seinen Schützlingen sicher auch Tipps geben. Erfahrungswerte hat er in seiner Laufbahn genügend angesammelt. Was konkret er denn eigentlich anders gemacht hätte?

"Natürlich hätte man bei manchem Vereinswechsel noch genauer hinschauen und vielleicht auch den Zeitpunkt anders wählen können. Mit einem Berater hatte ich einmal ein Thema, das nicht ganz angenehm war. Aber so macht eben jeder junge Spieler seine Erfahrungen und manchmal auch Fehler. Im Nachhinein ist es immer leicht gesagt, hätte ich doch etwas anders gemacht. So bin ich nicht! Das ist abgehakt. Ich schaue nach vorne und möchte mit Hartberg erfolgreich sein."

Der Spieler Säumel ist Geschichte, die Zukunft ist der Trainer Säumel.


Die 15. Ausgabe von LAOLA1 on Air - der Sport-Podcast beschäftigt sich mit dem VdF-Camp, also mit Arbeitslosigkeit im österreichischen Fußball. Wie groß ist die Zukunftsangst? Wie kümmert man sich um berufliche Alternativen? Wie ist das Bildungs-Level? Wie viele Profis haben ausgesorgt? Wie lautet die finanzielle Wahrheit? Zu Wort kommen die Profis Christian Klem, Daniel Offenbacher und Dominik Doleschal, die Ex-Profis Oliver Prudlo und Gregor Pötscher von der VdF, sowie Laufbahnberater Hans-Peter Muckenschnabel.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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