Markus Schopp: "Eine richtig große Nuss"

 

Es sei eine "spannende Reise", auf die Markus Schopp mit dem TSV Hartberg geht.

In der allerersten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte kann der Neo-Trainer dabei alles gebrauchen, nur keine "Passagiere" unter seinen Kadermitgliedern. Der 44-Jährige fordert Spieler, die gestaltend eingreifen.

So oder so wird diese Spielzeit für die Oststeirer eine Herausforderung, alleine schon wegen des finanziellen Wettbewerbsnachteils.

Im LAOLA1-Interview verdeutlicht Schopp, wie der Klassenerhalt dennoch gelingen soll, für welche Spieler Hartberg eine ideale Plattform darstellt und wie intensiv er sich als Taktiker ausleben darf.

LAOLA1: Sie kennen den österreichischen und steirischen Fußball sehr gut, hatten als Gegner schon öfter mit dem TSV Hartberg zu tun. Wofür stand und steht dieser Verein für Sie?

Markus Schopp: Meine Begegnungen mit Hartberg waren meistens von sehr vielen Toren geprägt. Mit den Sturm Amateuren habe ich hin und wieder hoch gegen Hartberg verloren, weil sich die Mannschaft schon seit einigen Jahren sehr bedacht und gut strukturiert entwickeln durfte. Vor allem die letzten beiden Jahre waren gewaltig. Hartberg steht sicher für einen sehr sympathischen, bodenständigen, steirischen Weg mit sehr vielen guten Ideen. Extrem spannend und interessant.

LAOLA1: Wofür soll der TSV Hartberg unter Markus Schopp in der Bundesliga stehen?

Schopp: Was wir wollen, ist diese Möglichkeit auch wirklich zu nützen. Das heißt, in der Bundesliga nicht nur dabei zu sein, sondern sich auch zu wehren und eine dementsprechende Idee zu haben, wie man gegen gute Mannschaften agieren kann. Wir wollen nicht nur passiv sein, sondern versuchen, Spiele aktiv mitzuprägen. Es wird eine spannende Reise, weil der Aufstieg von der Regionalliga über die Erste Liga in die Bundesliga sehr schnell vonstatten gegangen ist. Aber die Begeisterung ist riesig, und sich jeden Tag mit dieser Begeisterung auseinanderzusetzen, ist enorm spannend.

"Klar ist, dass es eine richtig große Nuss ist, die wir zu knacken haben. Aber wenn man die Energie hier spürt, wie alle Beteiligten daran glauben, dass dieser Aufstieg den TSV Hartberg auf ein neues Level hebt, ist das schon beeindruckend."

Markus Schopp

LAOLA1: Der Verein muss nach dem Durchmarsch im Eiltempo einiges auf die Beine stellen, beginnend mit den Adaptionen am Stadion.

Schopp: In Wahrheit ist es eine riesengroße Möglichkeit, sich zu entwickeln – auf Vereins-Ebene, auf Mannschafts-Ebene und auf infrastruktureller Ebene. Gestaltend mitwirken zu können, ist eine sehr interessante Aufgabe. Klar ist, dass es eine richtig große Nuss ist, die wir zu knacken haben. Aber wenn man die Energie hier spürt, wie alle Beteiligten daran glauben, dass dieser Aufstieg den TSV Hartberg auf ein neues Level hebt, ist das schon beeindruckend.

LAOLA1: Inwiefern ist der Kader ein Mix aus Spielern, die schon länger in Hartberg sind, jungen Talenten, aber auch Spielern, die schon Bundesliga-Luft geschnuppert haben und noch etwas zu beweisen haben?

Schopp: Man muss natürlich schon wissen, dass wir in Hartberg finanzielle Voraussetzungen haben, die ganz einfach so sind wie sie sind. Für mich war es ganz wichtig, als erste Ansprechpartner jene Spieler zu haben, die verantwortlich dafür sind, dass wir da sind, wo wir sind. Klar ist, dass die vergangene Saison Begehrlichkeiten geweckt hat, wir haben auch dementsprechend viele Abgänge. Diese Abgänge zu ersetzen, ist eine strategische Frage. Wir haben ein ganz klares Commitment, einen Weg zu gehen, der den Verein wachsen lässt, und Spieler auszusuchen, die zu diesem Wachstum passen. Das ist in erster Linie der steirische Markt, aber auch der junge österreichische Markt. Ich denke schon, dass Hartberg eine interessante Plattform ist, um als junger Spieler Bundesliga-Entwicklungs-Luft zu schnuppern. Dazu kommen natürlich auch Spieler, die schon einmal in der Bundesliga agiert haben, vielleicht steirischen Background haben, die noch hungrig sind, gut in die Kabine reinpassen, noch etwas erreichen wollen, diesen Weg mitgehen und nicht nur Passagiere sind, sondern wirklich gestaltend dabei sein wollen.

LAOLA1: Sehr gestaltend war in den letzten Jahren Torjäger Dario Tadic mit dabei. Wie wichtig ist sein Commitment zu bleiben?

Schopp: Sehr wichtig. Dario hatte ja schon vor einigen Jahren die Möglichkeit, sich in der Bundesliga zu beweisen, hatte dabei jedoch viel Verletzungspech. Während der letzten Jahre hat er sich enorm stabilisiert, ist mit seinen Bewegungen ein unheimlich interessanter Spieler und ein wichtiges Element dafür, warum der TSV Hartberg dort ist, wo er jetzt ist. Ihn zu verlängern, war ein wichtiges Symbol, weil er ganz einfach für den Prozess der letzten Jahre steht. Mit ihm die nächsten Schritte zu gehen, ist eine absolut interessante Geschichte.

LAOAL1: Mit Tobias Kainz und Daniel Geissler sind zwei Spieler neu, die sich von gemeinsamen Zeiten in den Sturm-Jugend, bei Heerenveen und Kapfenberg kennen. Für Kainz ist es die nächste Bundesliga-Chance, für Geissler die erste. Was erwarten Sie von den beiden?

Schopp: Für mich war die Art und Weise, wie sie diese Möglichkeit angegangen sind, wichtig. Sie waren von der ersten Sekunde an hellauf begeistert und haben mir das Gefühl gegeben, das ist der richtige Schritt für sie in ein Umfeld, in dem sie sich entwickeln können und in dem sie das auch wollen. Dazu kommt natürlich, dass Tobi Kainz schon bewiesen hat, was er in der Bundesliga leisten kann. Bei Dani ist es ein bisschen anders gelagert. Er ist ein hochspannender Spieler, der sehr früh den Weg ins Ausland gewählt hat, hie und da mit Verletzungen zu kämpfen hatte und auf diese große Möglichkeit, die sich für ihn jetzt ergibt, gewartet hat. Ihn heranzuführen ist ein spannendes Projekt. Ich bin begeistert, wie er die Sache angeht, bin aber auch sehr bedacht, dass er nach seinen Verletzungen in der Vergangenheit nicht zu schnell die nächsten Schritte geht. Wir versuchen das im Trainerteam richtig anzugehen. Ich erwarte mir ganz einfach von beiden, ihre Erfahrungen in diese Truppe miteinzubringen.

"Dass sich jetzt diese Möglichkeit in Hartberg ergibt, ist eine riesengroße Chance, keine Frage. Ich habe die letzten Jahre intensiv dafür verwendet, mich darauf vorzubereiten."

Markus Schopp

LAOLA1: Für Sie ist es der erste fixe Cheftrainer-Job in der Bundesliga. Ist auch für Sie Chance das richtige Wort?

Schopp: Das glaube ich schon. So wie für viele Spieler und den Verein an sich ist es auch für das Trainerteam eine riesengroße Chance, im Speziellen für mich. Ich habe viele Jahre im Jugendbereich verbringen dürfen und habe diese Zeit extrem genossen, weil ich der Meinung bin, dass man dort viele Dinge probieren und testen kann, aber noch nicht jeder darauf schaut: Ist es gut oder schlecht? Ich habe auch den letztjährigen Schritt zurück in die Bundesliga als Co-Trainer in St. Pölten sehr positiv gesehen. Ich durfte das Profitum vielleicht eher aus der zweiten Reihe kennenlernen und mit zwei extrem interessanten Trainern zusammenarbeiten. Dass sich jetzt diese Möglichkeit in Hartberg ergibt, ist eine riesengroße Chance, keine Frage. Ich habe die letzten Jahre intensiv dafür verwendet, mich darauf vorzubereiten. Was daraus wird, wird man in den nächsten Wochen und Monaten sehen.

LAOLA1: Spricht man mit Hartberger Spielern, streichen sie Ihre Vorzüge als Taktiker hervor. Dass Sie dieses Gebiet sehr interessiert, ist schon seit Spieler-Zeiten in Italien kein Geheimnis. Können Sie diese Vorliebe nun richtig ausleben?

Schopp: Das ist die Frage! Was ich in den letzten Jahren lernen durfte, ist, dass man Mannschaften dort abholen muss, wo sie sind. Es stimmt, mein Thema in den letzten Jahren war sicher der taktische Bereich. Es ging darum, sich ein Bild zu machen, was möglich ist. Aber es ist immer die Mannschaft, die dir gewisse Dinge gibt. Der TSV Hartberg hat eine unglaubliche Saison gespielt. Da sind enorm viele Elemente dabei gewesen, auf die man aufbauen muss. Man muss versuchen, diese Elemente weiter zu detaillieren und zu verfeinern. Wohin die Reise geht, bestimmt also in erster Linie das Vermögen der Mannschaft. Ich versuche, sie mit Ideen zu bereichern und unterstützend da zu sein. Man muss nämlich sehr achtsam sein, inwieweit man versucht, taktische Elemente in eine Mannschaft reinzupressen, sondern sehr bedacht mit diesen Elementen umgehen und versuchen, sie dann zu geben, wenn die Mannschaft sie braucht.

LAOLA1: Inwiefern ist gerade auch Ihr Auge als Sportdirektor gefragt? Ich nehme an, dass Sie federführend an den Transfers mitwirken.

Schopp: Das Zusammenspiel mit Erich Korherr ist natürlich ein sehr enges. Er ist extrem engagiert und bemüht, die richtigen Leute zu finden. Wir sind in permanentem Austausch. Vor allem durch meine Rolle als Analyst im letzten Jahr durfte ich sehr viele Spieler schon sehr genau beobachten, vor allem auch in der 2. Liga. Ich denke, dass es auch für Erich Korherr sehr wichtig ist, dass er da immer einen Ansprechpartner hat und sich eine Meinung abholen kann. Aber im Prinzip ist das ganze Trainerteam involviert, um am Ende des Tages Entscheidungen zum Wohle des Vereins zu treffen.

"Wenn wir nächstes Jahr wieder hier stehen, will ich auf jeden Fall sagen, dass wir die Klasse gehalten haben, und mein Ziel ist es, sagen zu können, dass wir die Klasse auf eine Art und Weise gehalten haben, die für Hartberg gesprochen hat."

Markus Schopp

LAOLA1: Mit Jürgen Säumel haben Sie einen ehemaligen Weggefährten aus Sturm-Zeiten zum Co-Trainer gemacht. Warum fiel die Wahl auf ihn?

Schopp: Mit Jürgen bin ich schon seit sehr vielen Jahren im Austausch. Er hat ja auch eine Zeit lang in Italien gespielt. Mich fasziniert an ihm ganz einfach die Art und Weise, wie er die Dinge angeht und auch versucht, die Dinge zu hinterfragen. Für Jürgen gilt in Wahrheit das Gleiche wie für viele hier im Verein, nämlich jetzt schnell lernen zu müssen, um unsere Ziele erreichen zu können. Jürgen bringt extrem viel mit, es macht jeden Tag Spaß, mit ihm am Platz zu stehen und seine Meinung zu vielen Themen zu hören.

LAOLA1: Wenn wir uns in einem Jahr wieder zu einem Interview treffen sollten: Wann wären Sie mit der Saison des TSV Hartberg zufrieden? Reicht der Klassenerhalt, egal wie? Oder wollen Sie weitere Entwicklungsschritte sehen?

Schopp: Natürlich steht in erster Linie der Klassenerhalt im Vordergrund. Wenn wir nächstes Jahr wieder hier stehen, will ich auf jeden Fall sagen, dass wir die Klasse gehalten haben, und mein Ziel ist es, sagen zu können, dass wir die Klasse auf eine Art und Weise gehalten haben, die für Hartberg gesprochen hat – nämlich mit sehr viel Leidenschaft und Energie, aber auch mit dem Drang, wirklich Fußball zu spielen. Das ist mir wichtig, das versuche ich jeden Tag zu vermitteln – wohlwissend, dass es ein sehr, sehr harter Weg wird.

Textquelle: © LAOLA1.at

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