Ingolitsch: "Die klassische Red-Bull-DNA gibt es nicht mehr"
Der Sturm-Coach erklärt seine Aussage, wonach die Salzburger zurzeit "völlig konträr zu ihrer DNA" spielen würden. Was Jürgen Klopp damit zu tun hat:
von Simon Urhofer
Fabio Ingolitsch hat im Vorfeld des Spitzenduells der 30. Runde der ADMIRAL Bundesliga mit einem Sager zu seinem Ex-Klub durchaus für Aufsehen gesorgt.
"Wenn man sich ihre Spiele gegen Austria Wien angeschaut hat, dann war es plötzlich auch kein Pressing mehr, sondern ein tieferer 4-4-2-Mittelfeldblock. Also etwas, das völlig konträr zu ihrer DNA ist", meinte der Sturm-Coach nach dem 1:1 seiner Mannschaft in der Vorwoche gegen die Wiener Austria.
Nun, nach dem direkten Aufeinandertreffen mit dem FC Red Bull Salzburg, welches mit einem 1:1 endete (Spielbericht>>>), erklärt er sich nochmals genauer.
"Einfach eine Feststellung"
"Was gegen den Ball gemacht wird, hat mich überrascht, weil es von der Ideologie ein Stück weit weg ist. Es ist nicht mehr dieses hohe, aggressive Angriffspressing, sondern eher aus einer stabilen Kompaktheit heraus", so der gebürtige Salzburger, der sieben Jahre in verschiedenen Funktionen im "Bullen"-Nachwuchs tätig war.
Dies sei "nicht negativ oder als Kritik gemeint, sondern einfach eine Feststellung, dass sie die letzten vier Spiele in einer anderen Art und Weise verteidigen", führt Ingolitsch aus.
Generell findet er: "Die klassische Red-Bull-DNA gibt es so nicht mehr. Jede Philosophie entwickelt sich auch weiter. Wenn du stehen bleibst, wirst du nicht ganz oben stehen können."
Brachte Klopp ein neues System mit?
"Die Red-Bull-DNA von 2015 hat anders ausgeschaut, als die Red-Bull-DNA 2026 ausschauen soll. Speziell mit dem Einstieg von Jürgen (Klopp, Anm.) ist erkennbar, dass mit Flügelspielern gespielt werden soll. Dadurch hat sich die Charakteristik des Spiels mit dem Ball verändert. Es ist weniger vertikal, es geht mehr um die Breite", sieht Ingolitsch eine Kausalität mit Jürgen Klopps Übernahme als Head of Global Soccer bei Red Bull Anfang 2025.
International ist blindes Drauflospressen ohnehin längst kein adäquates Mittel mehr, aber auch in der heimischen Liga haben sich die Teams darauf eingestellt.
"In der österreichischen Bundesliga merkt man gerade, dass dieses klassische Angriffspressing, das schnelle Umschalten aus der Raute ohne Breite, nicht mehr funktioniert. Deswegen haben sie sich etwas überlegt mit breiten Flügeln, wir uns etwas mit Wingbacks, um Breite zu generieren", gibt Ingolitsch spannende Einblicke.
"In Salzburg gewinnt niemand so gerne wie ich"
So genau Auskunft über die Salzburger Spielanlage kann der Coach der "Blackies" auch deshalb geben, "weil Salzburg Sturm auswendig kennt und umgekehrt. Jeder hat drei, vier Analysten sitzen, die Trainer kennen sich nicht nur beruflich sondern auch privat. Deshalb gibt es wenige Geheimnisse", so Ingolitsch, der mit seinem Gegenüber Daniel Beichler seit gemeinsamen Salzburger Zeiten befreundet ist.
Für den 34-Jährigen war das 1:1 gegen die "Bullen" am Sonntag bereits das fünfte Remis seiner Trainerkarriere gegen den einstigen Liga-Krösus, den er bereits mit seinem Ex-Klub SCR Altach das ein oder andere Mal ärgern konnte.
"Mir fehlt noch ein bisschen, gegen Salzburg zu siegen. Speziell hier in Salzburg gewinnt jeder gerne, aber niemand so gerne wie ich", zwinkert Ingolitsch.
Dennoch ein schönes Wiedersehen
Auch wenn das Resultat schlussendlich nicht das erwünschte war, kann er auf eine erfreuliche Rückkehr in seine Heimat zurückblicken.
"Du fährst aus der Steiermark rein, siehst die Landschaft, deine vertraute Umgebung. Das fühlt sich im tiefsten Inneren gut an, weil es mein Zuhause ist. Ich habe hier in sieben Jahren sehr viele Menschen kennengelernt, die ich noch immer sehr gerne mag", so Ingolitsch.