FC Red Bull Salzburg: Ein Jahrzehnt pure Dominanz

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Double-Sieger 2012, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2019, außerdem Meister 2010 und 2018. Von den 20 Titeln, die hierzulande im zu Ende gehenden Jahrzehnt vergeben wurden, hat sich der FC Red Bull Salzburg 14 unter den Nagel gerissen. Eine derartige Dominanz hat der österreichische Fußball zuvor noch nie erlebt.

Dass sich daran etwas ändert, ist nicht abzusehen. Es ist eine erstaunliche Entwicklung, die der Verein aus der Mozartstadt in den vergangenen Jahren genommen hat. Während sich so mancher vermeintliche Großklub im Ruhm der Jahre Schnee badet, Trophäen aber nur noch aus weiter Ferne betrachten darf, sind die „Bullen“ der Konkurrenz dank eines konkreten Plans längst enteilt.

Im Juli 2012, unmittelbar vor dem Debakel in der Champions-League-Quali gegen Düdelingen, erklärte der damalige Sportchef Ralf Rangnick folgendes: „Wir sind dazu da, die Zukunft zu gestalten. Wichtig ist, mit jungen und hochtalentierten Spielern zu arbeiten. Die beiden Akademien schreien danach, dass die bestmöglichen Spieler von den bestmöglichen Trainern mit den bestmöglichen Trainingsmethoden entwickelt werden. Wir wollen die bestmöglichen jungen Österreicher. Alaba, Arnautovic, ... keiner ist durch die Salzburger Akademie gegangen. Auch wenn sie vielleicht nicht kommen, man muss es zumindest versucht haben.“

Sadio Mane, Naby Keita, Martin Hinteregger, Konrad Laimer, Valentino Lazaro, Hannes Wolf, Amadou Haidara, Xaver Schlager, Stefan Lainer – alleine diese exemplarisch genannten Namen, die nur die Speerspitze der Talente-Förderung der vergangenen Jahre darstellen, belegen den Erfolg der damals von Rangnick implementierten und von Christoph Freund bravourös fortgesetzten Richtungsänderung.

Sieben Jahre nach Rangnicks Antritt kennt so ziemlich jeder Europäer, der sich ein wenig eingehender mit Fußball beschäftigt, den FC Red Bull Salzburg und dessen Philosophie. Vor allem Letzteres ist eine Errungenschaft, die gar nicht hoch genug gewürdigt werden kann. Das gesamte Konzept – von der Transferpolitik über die Durchlässigkeit der Talente nach oben bis zum markanten Spielstil – ist stimmig und griffig.

Das waren alle Salzburg-Trainer in der Ära Red Bull. LAOLA1 stellt die illustre Runde und ihre Bilanz vor:

© GEPA

Kurt Jara (AUT) - 1. Juli 2005 bis 31. Mai 2006 - 38 Spiele, Punkteschnitt: 1,74, Titel: 0

© GEPA

Der Tiroler musste nach nur einer (titellosen) Saison gehen - wegen angeblichen "Ungereimtheiten bei Spielertransfers". Drei Jahre später einigte man sich außergerichtlich.

© GEPA

Giovanni Trapattoni (ITA) - 1. Juni 2006 bis 30. April 2008 - 87 Spiele, Punkteschnitt: 1,87, Titel: 1

© GEPA

Der schillerndste Trainer der Red-Bull-Ära wurde auf Anhieb Meister, scheiterte in Donetsk knapp an der CL, musste aber auch das 0:7 gegen Rapid einstecken.

© GEPA

Co Adriaanse (NED) - 1. Juli 2008 bis 15. Juni 2009 - 45 Spiele, Punkteschnitt: 1,98, Titel: 1

© GEPA

Der Niederländer kam, sah, gewann die Meisterschaft - sein Vertrag wurde dennoch nicht verlängert. Marc Janko erzielte in dieser Saison 39 Bundesliga-Tore.

© GEPA

Huub Stevens (NED) - 15. Juni 2009 bis 8. April 2011 - 94 Spiele, Punkteschnitt: 1,77, Titel: 1

© GEPA

2010 gelang ihm und seiner Mannschaft mit Ach und Krach die erstmalige Titelverteidigung in der Red-Bull-Ära. Stevens war ein Jahr später der erste RB-Coach, der vor Saisonende gehen musste.

© GEPA

Ricardo Moniz (NED) - 8. April 2011 bis 12. Juni 2012 - 65 Spiele, Punkteschnitt: 1,97, Titel: 2

© GEPA

Nach dem verpassten Meistertitel 2011 holte er 2012 erstmals in der Red-Bull-Ära das Double - um wenig später zurückzutreten. Grund waren enorme Meinungsverschiedenheiten, die es mit der neuen medizinischen Abteilung gegeben hat.

© GEPA

Roger Schmidt (GER) - 1. Juli 2012 bis 30. Juni 2014 - 99 Spiele, Punkteschnitt: 2,24, Titel: 2

© GEPA

Nach zwei Blamagen (Düdelingen und Pasching) sowie einer titellosen Saison, schlug Salzburg unter Schmidt zurück: Double, Meisterschaft im März fixiert (Rekord), Achtelfinale in der Europa League. Dank Ausstiegsklausel ging es für den beliebten Trainer dann nach Leverkusen. 

© GEPA

Adi Hütter (AUT) - 1. Juni 2014 bis 15. Juni 2015 - 54 Spiele, Punkteschnitt: 2,09, Titel: 2

© GEPA

Holte wie seine beiden Vorgänger das Double, das allerdings bereits im ersten Jahr, verabschiedete sich dann freiwillig mit dem Satz: "Ich bin kein Ausbildungstrainer."

© GEPA

Peter Zeidler (GER) - 22. Juni 2015 bis 3. Dezember 2015 - 25 Spiele, Punkteschnitt: 1,80, Titel: 0

© GEPA

Der erste Trainer, der von der zweiten Mannschaft zur ersten aufrückte - ein Fehler. Nie wurde ein Chefbetreuer in der Red-Bull-Ära früher verabschiedet - nach der Hinrunde.

© GEPA

Thomas Letsch (GER) - 3. Dezember 2015 bis 14. Dezember 2015 - 2 Spiele, Punkteschnitt: 2,00, Titel: 0 (interimistisch im Amt)

© GEPA

Der Feuerwehrmann erledigte seinen Job mit einem 0:0 in Mattersburg und einem 2:0  zu Hause gegen Rapid.

© GEPA

Oscar Garcia (ESP) - 28. Dezember 2015 bis 14. Juni 2017 - 73 Spiele, Punkteschnitt: 2,26, Titel: 4

© GEPA

An den Titeln gemessen der erfolgreichste Trainer der Red-Bull-Ära: Vier Titel, Punkteschnitt 2,26 und die zweitbeste Red-Bull-Saison in der Bundesliga (81 Punkte) stehen zu Buche. Er folgte im Juni 2017 dem Ruf von St. Etienne.

© GEPA

Marco Rose (GER) - 1. Juli 2017 bis 26. Mai 2019

© GEPA

Nach dem Triumph mit der Salzburger U19 in der UEFA Youth League stieg er zum Cheftrainer auf und eilte von Erfolg zu Erfolg. In der ersten Saison wurde er mit dem Punkterekord von 83 Zählern Meister und führte das Team bis ins Halbfinale der Europa League, in seiner zweiten Saison ist gar das Double möglich.

© GEPA

Andernorts werden die Ansätze praktisch im Jahresrhythmus mit dem jeweiligen Sportdirektor und Trainer geändert, ein paar Schlagworte reichen, um als Philosophie durchzugehen. Die Salzburger haben es indes geschafft, sich unabhängig von einzelnen Personen zu machen. Das mussten sie auch, ist ihre Philosophie doch davon geprägt, Spieler und Trainer schnell so weit zu bringen, dass der österreichische Fußball ihren Fähigkeiten zu minder ist.

Die Konkurrenz macht es den „Bullen“ mit ihrer Sprunghaftigkeit leicht, die „Bullen“ machen es der Konkurrenz mit ihrer Konstanz schwer. Die Schere geht immer weiter auf - national wie international. Während sich RBS als Vorhof zur internationalen Spitzenklasse etabliert, verlieren die restlichen Bundesliga-Klubs endgültig an internationaler Bedeutung. In den Diskussionen, was passieren müsste, damit die Vorherrschaft der Salzburger durchbrochen wird, ist folgendes Satzfragment Standard: „…da sein, wenn Salzburg einmal auslässt.“ Doch der Serienmeister ist so weit, dass er nicht mehr auslässt. Ein Punkteschnitt von mindestens 2,1 pro Spiel muss es schon sein, um den Liga-Krösus ernsthaft herauszufordern.

Naby Keita, Jonatan Soriano, Martin Hinteregger, Dayot Upamecano und Bernardo haben den Klub in der Saison 2016/17 verlassen. Salzburg wurde Meister. Konrad Laimer, Valentino Lazaro, Paulo Miranda, Christian Schwegler und Wanderson haben den Klub in der Saison 2017/18 verlassen. Salzburg wurde Meister. Amadou Haidara, Duje Caleta-Car, Hee-chan Hwang und Valon Berisha haben den Klub in der Saison 2018/19 verlassen, nach dem Grunddurchgang wurden sogar die Punkte halbiert. Salzburg holte das Double.

Nun werden wieder zahlreiche Leistungsträger Angebote von größeren Klubs annehmen. Munas Dabbur und Hannes Wolf sind schon fix, Xaver Schlager, Stefan Lainer und andere könnten folgen. Nichtsdestoweniger wird Salzburg als haushoher Favorit in die kommende Spielzeit gehen.

Ganz einfach auch deswegen, weil der Spielerpool inzwischen eine derart große Anzahl an potenziellen Nachrückern bietet, dass selbst eine hohe Ausfallsquote – die sowieso nicht gegeben ist – nicht mehr ins Gewicht fällt. Mit Erling Haland, Jasper van der Werff, Antoine Bernede und Dominik Szoboszlai stehen schon die nächsten Spieler parat, die der Liga in der neuen Saison den Stempel aufdrücken können – und dieses Quartett wäre locker um sieben, acht Namen zu ergänzen.

Freilich kommt diesmal noch der Abgang von Erfolgstrainer Marco Rose hinzu. Doch Trainerwechsel haben in der Mozartstadt keinen Seltenheitswert. Jesse Marsch wird im ablaufenden Jahrzehnt der achte Chefcoach auf der Bank sein. Seit dem Paradigmen-Wechsel 2012 hat – abgesehen von Peter Zeidler – jeder Trainer Erfolg gehabt.

Zudem ist das Risiko, das mit Marsch eingegangen wird, ein eher geringes. Der US-Amerikaner kennt die Welt von Red Bull mittlerweile wie seine Westentasche, hat im Jänner 2015 in New York begonnen und sich nun eine Saison lang als Co-Trainer in Leipzig auch in Europa akklimatisiert. Der 45-Jährige weiß um die Gegebenheiten bestens Bescheid und hat in Leipzig auch erfahren dürfen, wie damit umgegangen werden muss, wenn nicht alle Kadermitglieder die für Salzburg so immens wichtige Mentalität mitbringen.

Die schlechte Nachricht für alle Nicht-Red-Bull-Fans: Auch im kommenden Jahrzehnt ist ein Ende der Salzburger Vorherrschaft nicht absehbar. Zumal der Verein eine ganz wichtige Sache noch erledigen konnte: Er ist de facto von seinem früheren Geldgeber Red Bull unabhängig geworden. Die Transfererlöse spülen dermaßen viel Geld in die Kassen, dass die Salzburger nicht mehr auf Finanzspritzen von Dietrich Mateschitz angewiesen sind.

Die gute Nachricht für alle Nicht-Red-Bull-Fans: Auch im kommenden Jahrzehnt werden die Klubs ihrer Herzen von topausgebildeten Talenten, die den Sprung zu den Salzburger Profis nicht schaffen, verstärkt und auch der eine oder andere in Salzburg ausgebildete Coach wird sein Wissen auf anderen Trainerbänken dieses Landes vermitteln. Ganz zu schweigen vom Ansehen des österreichischen Fußballs im Ausland und dem Nationalteam, die von der starken Arbeit in Salzburg profitieren.

Und vielleicht schafft es ja auch der eine oder andere vermeintliche Top-Klub, dessen Trophäenschrank nach Zuwächsen lechzt, sich den Bundesliga-Dominator zum Vorbild zu nehmen und eine Philosophie zu entwickeln und vor allem dann auch über eine längere Zeit hinweg durchzuziehen, die diesen Namen auch verdient. Dass das nämlich eigentlich gar nicht so schwer ist, beweist der LASK in jüngerer Vergangenheit.

Textquelle: © LAOLA1.at

Salzburgs Meisterparty: Gin Tonic und die Würstel-Debatte

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare