Fehlstart: Rapid und Sturm Graz im "Krisen"-Check

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Ja eh, kein Sieg in jeweils zwei Frühjahrs-Spielen - da kann man noch nicht von einer "Krise" sprechen. Natürlich nicht. Noch nicht.

Zumindest verwehren sich Vereine gerne dagegen, dass ihnen nach einem derart kurzen Beobachtungszeitraum eine Krise angedichtet wird.

Aber formulieren wir es mal so: Kombiniert ein Remis und drei Niederlagen aus vier Spielen, also einen von zwölf möglichen Punkten geholt - es ist definitiv ein Fehlstart, den Rapid und Sturm ins Frühjahr hingelegt haben.

Die positiven Schlagzeilen tendieren bei beiden Traditions-Klubs gegen null - bei den Hütteldorfern inkludiert dies ein denkbar missglücktes Auftreten abseits des Spielfelds. Dass die sportlichen Ansprüche sowohl in Wien als auch in Graz bislang keineswegs erfüllt wurden, lässt sich nicht bestreiten.

Wenn Rapid und Sturm am Samstag im Schlager der 23. Runde (16 Uhr im LIVE-Ticker) im direkten Duell aufeinandertreffen, bietet dies beiden die riesige Chance auf einen Befreiungsschlag.

Im Falle einer Niederlage wird ein Team jedoch endgültig in einer Krise angekommen sein. LAOLA1 checkt im Vorfeld, wie viel Krise Rapid und Sturm derzeit zu bieten haben und versucht, mögliche Auswege aufzuzeigen.


Analyse: Das muss Vogel jetzt ändern!


FANS UND UMFELD:

RAPID: Aus gegebenem Anlass gilt es, mit dem Geschehen abseits des Rasens zu beginnen. So sehr sich die sportlichen Auftritte Rapids eine kritische Beleuchtung verdienen, wurden selbige in den vergangenen zwei Wochen beinahe beispiellos von den Vorgängen auf der Tribüne in den Schatten gestellt. Eine Negativschlagzeile jagte die nächste und zeichnete das unschöne Bild, wie tiefgehend und grundlegend das Problem von Rapid mit Teilen seiner Fans ist. Der Begriff Krise stellt hierbei bereits eine kleine Untertreibung dar. Andererseits bieten die Geschehnisse auch eine Chance, und zwar die Chance für den Verein - endlich - zu handeln und wirklich die Trendwende zu schaffen. Ansonsten wird der Imageschaden nicht mehr zu korrigieren sein. Fans legen bereits zahlreich ihre Abos zurück, treue Mitglieder kündigen ihre Mitgliedschaft, da sie "ihren" Verein nicht mehr wiedererkennen. Zwar hält sich alles noch im überschaubaren Rahmen, doch irgendwann könnte die Anzahl so groß werden, dass es Rapid richtig weh tut. Und Sponsoren wollen Rapid derzeit noch nicht in den Rücken fallen, beobachten die Szenerie aber ganz genau, da Negativschlagzeilen auch auf sie zurückfallen. Das Umfeld ist unruhig - und das bereits seit Jahren. Nach der vergangenen Seuchensaison dachten die Hütteldorfer, man habe das Schlimmste überstanden. Doch die aktuelle Herausforderung ist anders, aber fast noch größer.

STURM: Mit dem Eskalations-Level bei Rapid kann Sturm bei diesem Punkt keineswegs mithalten. Generell ist festzuhalten: Die Grazer Nordkurve mag zwar bisweilen mit kritischen Transparenten oder Aussendungen ihre Meinung zur Vereinspolitik kundtun, aber alles in allem ist es in der jüngeren Vergangenheit gelungen, dass Fans und Mannschaft als Einheit auftreten. Über fehlenden Support können sich die "Blackies" trotz ausbleibender Ergebnisse derzeit nicht beklagen - ganz im Gegenteil: Nach Hütteldorf begleiten Sturm 1.500 Anhänger, via offiziellem Statement mahnt das Kollektiv1909 Geduld und bedingungslose Unterstützung für die Mannschaft ein. Auch mit grün-weißen Problematiken in Sachen Benehmen konnte Schwarz-Weiß zuletzt nicht aufwarten. Bricht man es auf die sportliche Ebene herunter, lässt sich mancherorts ein gewisses Rumoren angesichts der zuletzt erschreckend schwachen Leistungen nicht verhehlen. So weit, so normal, dies liegt in der Natur der Sache. Alles in allem gelingt es Sturm bislang jedoch, dass das bekanntlich keineswegs einfache Umfeld die Ruhe bewahrt. Dies liegt sicherlich auch daran, dass mit Geschäftsführer Sport Günter Kreissl ein Macher das Sagen hat, der selbige nicht nur ausstrahlt, sondern sie auch durch die meist richtigen Worte herstellt.

TRAINER:

STURM: Darüber, wie gut Heiko Vogel vergleichsweise den Fehlstart moderiert hat, ließ sich indessen streiten. Die eine oder andere Wortmeldung ließ den Verdacht der Dünnhäutigkeit aufkommen. Medien für schlechte Stimmung verantwortlich zu machen, ist angesichts der bisherigen Leistungen in seiner Amtszeit zumindest gewagt - ebenso wie der Hinweis, dass man doch ohnehin mit neun Punkten Vorsprung Zweiter sei, wenn man selbst noch keinen Zähler dazu beigetragen hat und gleichzeitig die Lücke zu Titelverteidiger Salzburg ordentlich aufgegangen ist. Unter der Woche legte der Deutsche jedoch einen gelungenen Auftritt im Sturm-Podcast "BlackFM" hin, in dem er sich und seine Gedankengänge ausführlich darlegen konnte. Dies ändert jedoch nichts am Umstand, dass man dem Foda-Nachfolger angesichts seiner gravierenden und bis dato nicht funktionierenden Änderungen die größte Schuld an den misslungenen Auftritten in Mattersburg und gegen Wolfsberg geben muss. Dies bestreitet er auch nicht, indem er die Hauptverantwortung übernimmt und im Wesentlichen darauf verweist, dass seine Mannschaft es ihm zu sehr recht machen wolle und daher gehemmt auftritt. Oder wie er es auf den Punkt bringt: "Zu viele Bedenken!" Frei von der Leber weg aufzuspielen, wenn System und Spielphilosophie derart drastisch geändert werden, stellte sich letztlich als zu große Herausforderung dar - zumindest als größere, als man intern nach der Vorbereitung vermutete.

Wie so ziemlich jeder neue Trainer, dessen Herangehensweise nicht auf Anhieb funktioniert, beruft sich Vogel nun auf den Faktor Zeit und spricht von einem Prozess. Das Problem: Zeit ist genau jenes Gut, das dem 42-Jährigen bei Sturm endenwollend zur Verfügung steht, schließlich war es klipp und klar ein Beweggrund für sein Engagement, dass er aus seiner Vergangenheit in Basel weiß, wie man eine erfolgreiche Mannschaft übernimmt und den Erfolg auch flott konserviert. More of the same nach der Ära Foda wäre wohl auch nicht die richtige Herangehensweise gewesen, aber letztlich überforderte die Vielzahl der Änderungen die Mannschaft spürbar - in diesem Umfang waren sie ursprünglich auch nicht geplant, hier hatte Vogel freie Hand. Kurzum: Den Spagat zwischen Neuerung und dem Konservieren bewährter Elemente hat Vogel bislang nicht hinbekommen, und dies birgt natürlich riesiges Krisen-Potenzial, wenn sich nicht bald ergebnistechnische Besserung einstellt. Die spannende Frage wird nun sein: Geht Vogel weiterhin großes Risiko und zieht sein - auf dem Papier durchaus gut klingendes - Konzept kompromisslos durch? Er selbst kündigte an, einen Schritt zurück und es den Spielern leichter zu machen. Dies ist definitiv kein schlechter Gedanke. Seine Philosophie kann immer noch zur Bereicherung für Sturm werden, aber vermutlich ist es kein Fehler, sie behutsamer zu implementieren.

RAPID: Rapid - stagniert! Der Start als Cheftrainer und seine Bundesliga-Premiere wurden Trainer Goran Djuricin durch die Tatsache erleichtert, dass Vorgänger Damir Canadi viel verbrannte Erde hinterlassen hatte. Er rückte damals den Offensivfußball wieder in den Fokus, ließ so spielen, wie es für Rapid laut Eigendefinition notwendig ist. Das funktionierte anfangs gut, da sich die Mannschaft in den gewohnten Automatismen wohlfühlte. Das funktioniert auch zwischendurch immer wieder, wie etwa während Rapids Erfolgsserie im Herbst. Aber die Betonung liegt darauf, dass die Mannschaft das gut umsetzen kann, was sie schon seit Jahren praktiziert und was etwa unter Zoran Barisic forciert wurde. Wirklich Neues konnte Goran Djuricin in mittlerweile fast einem Jahr nicht unbedingt einführen, auch die nötige taktische Flexibilität vermisst man vielerorts. "Gogos" Handschrift kann nicht eindeutig erkannt werden. Experimente gab es höchstens auf personeller Ebene, als er etwa Philipp Schobesberger stürmen ließ, Joelinton als Zehner ins zentrale Mittelfeld zurückzog oder Dejan Ljubicic die Chance gab, zu jenem Spieler zu reifen, der aktuell das Interesse internationaler Klubs erweckt. Alles gute Ansätze, aber reicht das auch in Zukunft nur für das Ziel internationale Qualifikation als Dritter oder Vierter oder für mehr?

Fakt ist, dass Djuricin von vielen Seiten noch immer als "Trainer-Lehrling" betrachtet wird, der sich seine ersten Sporen in der Bundesliga verdient. Bei Negativerlebnissen wird diese Tatsache sofort gegen ihn verwendet, auch bei Wortmeldungen, die er sich im Nachhinein sicher lieber erspart hätte. Sei's drum! Rapids Chefbetreuer muss auf der anderen Seite wieder zugute gehalten werden, dass er nicht viel falsch gemacht hat. Sicher wären Innovationen hilfreich, in erster Linie war es jedoch seine Aufgabe, der Mannschaft wieder Selbstvertrauen zu geben, die spielerische Komponente zu verbessern und defensiv wieder weniger anfällig zu werden. Teils funktioniert das gut, teils weniger. Das große Manko ist weiterhin das Toreschießen. Und wenn die Stürmer "im Training die Netze kaputt schießen" (Zitat: Fredy Bickel), jedoch im Match die besten Chancen aus kürzester Distanz vergeben, verzweifeln auch die Trainer. Da handelt es sich dann womöglich um ein mentales Problem, bzw. fehlen die personellen Alternativen. Auf dieser Position wird im Sommer definitiv nachgerüstet. Djuricin kann die Mannschaft führen. Was möglich wäre, hat man in 12 ungeschlagenen Spielen im Herbst gesehen. Sportchef Bickel schenkt ihm das Vertrauen und will seinen Vertrag auch verlängern. Aber: Geht etwas schief, zum Beispiel verpassen die Wiener den Europacup, dann wird es ganz ungemütlich - auch für Djuricin. Denn diesen Status genießt er bei weitem noch nicht, dass er sich mehrere sportliche Misserfolge am Stück leisten könnte.

MANNSCHAFT:

RAPID: Eine Mannschaft kann nur über sich hinauswachsen, wenn jemand intern das Zepter in die Hand nimmt. Mittlerweile scheint es jedoch eher so, als würden sich die Leistungsträger verstecken, anstatt die Teamkollegen mitzureißen. Dies hat auch Bickel erkannt, indem er mehr Führungsqualitäten am Verhandlungstisch als auf dem Feld ortet. Ob Philipp Schobesberger, Louis Schaub, Thomas Murg und Co. - allesamt gute, technisch versierte Fußballer, die jedoch viel zu selten alle zusammen ihre Qualitäten auf den Platz bringen. Demnach fehlt es dem Kollektiv an Durchschlagskraft, während höchstens Einzelaktionen für Erfolge sorgen. Daran gilt es zu arbeiten. Auch an der fehlenden Einstellung, wenn Rapid etwa auswärts bei Angstgegnern wie WAC oder Altach ran muss, oder wie zuletzt die erste Halbzeit bei der Admira an Arbeitsverweigerung grenzte. Natürlich ist es gerade in dieser Phase nicht förderlich, dass mit Kapitän Stefan Schwab jener Mann ausfällt, der noch am meisten Verantwortung auf dem Platz übernimmt und zudem der torgefährlichste Rapidler ist. Dazu fehlt auch noch Louis Schaub, Boli Bolingoli ist fraglich. Allesamt Spieler, welche die Grün-Weißen besser machen können. Prinzipiell haben die Wiener eben mit dem Linksverteidiger und vor allem Lucas Galvao im Sommer viel an Qualität dazugewonnen, andere jedoch haben sich zwar in der Vergangenheit einen Namen gemacht, sind aber weit von ihrer Bestform entfernt. Das Niveau und die Konstanz müssen wieder gehoben werden, um auch die nötigen Ergebnisse einzufahren. Dass freilich auch ein treffsicherer Angreifer fehlt, muss hier nicht zum x-ten Mal näher erläutert werden, ist aber natürlich auch kein zu unterschätzender Faktor. Zusammenfassend: Rapid hat qualitativ gute Kicker in den Reihen. Doch dies auf den Punkt zu bringen, ist die große Kunst.

STURM: Chance. Dies war im Laufe der Vorbereitung eines der am öftesten gehörten Worte aus den Mündern von Sturm-Spielern. Dass die Grazer trotz der Krönung zum Winterkönig nicht der Topfavorit auf den Titel sind, war allen Beteiligten klar, aber man wollte Serienmeister Salzburg so lange wie möglich ärgern und im Fall der Fälle besagte Chance wahrnehmen, um zuzuschlagen. Mit den beiden Umfallern zum Frühjahrs-Start ist besagte Chance natürlich viel, viel kleiner geworden, und das schon Mitte Februar. Über das Thema Meistertitel muss man - Stand jetzt - nicht mehr so intensiv debattieren wie noch in den Wochen rund um den Jahreswechsel, wenngleich man die Hoffnung auch nicht aufgeben darf. Und so gemütlich es für die Mannschaft von außen betrachtet erscheinen mag, sich hinter den Diskussionen rund um die Herangehensweise von Vogel zu verstecken, gilt es natürlich auch die Spieler in die Pflicht zu nehmen. Die Häufung der individuellen Fehler ist nicht nur mit fehlenden Automatismen zu erklären, dies wäre zu billig. Wenn man merkt, dass man mit Plan A nicht zum Erfolg kommt, ist es auch nicht verboten, andere Mittel einzusetzen - und dies wäre in Mattersburg beispielsweise gewesen, das Spiel des Gegners anzunehmen und viel intensiver dagegenzuhalten. So mancher Akteur hat seinen im Herbst bestens aufgebauten Ruf zu verlieren, so mancher auch einiges im Vertrags-Poker, in welchem man gute Leistungen - zurecht - honoriert wissen möchte. Aber eine der Regeln in diesem Business lautet nun einmal: Gute Leistungen aus der Vergangenheit zählen überschaubar viel, sie gehören in der Gegenwart bestätigt. Immer und immer wieder. Sicher ist dies schwieriger, wenn das Kollektiv nicht funktioniert. Aber dass kaum ein Spieler positiv herauszustechen vermag, kann kaum nur am Trainer liegen. Verlieren die Steirer weiter und schlittern endgültig in eine Krise, werden garantiert auch Einzelleistungen intensiver hinterfragt werden, als dies bislang geschehen ist. Man kann den Spieß jedoch auch umdrehen: Gegen Rapid und Salzburg haben die Sturm-Kicker nun die Gelegenheit, einiges zu reparieren. Da ist sie wieder, die Chance.


PERSONELLE ABLENKUNG:

STURM: Völlig konträr ist bei Sturm und Rapid die nicht unwesentliche Sportdirektoren-Frühjahrsbeschäftigung "Kaderplanung" einzuordnen, durch das kolportierte Interesse der Hütteldorfer an Stefan Hierländer und Marvin Potzmann schließt sich am Ende aber doch wieder ein Kreis. Während Bickel mehr oder weniger seit seinem Amtsantritt damit beschäftigt ist, den Kader zu reduzieren (siehe unten), läuft sein Gegenüber Kreissl diversen aktuellen Kadermitgliedern mit dem genau gegenteiligen Anliegen hinterher - nämlich doch bitteschön weiterhin beim Verein zu bleiben. Inzwischen ist es ohnehin ein Dauer-Thema, bei dem kein Fortschritt ersichtlich ist. Mit Hierländer, Potzmann, Dario Maresic, Christian Schoissengeyr und James Jeggo würde Sturm gerne verlängern - ein klares Commitment für oder auch gegen einen Verbleib in Graz ist den Spielern jedoch nicht abzuringen, zumindest offiziell. Im Prinzip ist es recht einfach: Wie groß diese Ablenkung ist, ist eng an den sportlichen Erfolg geknüpft. Je länger die Saison ohne personelle Weichenstellungen andauert, desto intensiver wird darüber diskutiert werden - das liegt in der Natur der Sache. Stimmt parallel dazu die sportliche Performance, würde es das Betriebsklima jedoch weniger stören. Dass das Thema so oder so keine Hilfe ist, ist ohnehin keine Neuigkeit - Planungssicherheit ist schließlich immer von Vorteil.

RAPID: Von außen lässt es sich leicht reden: Rapid muss einen Stürmer holen, Rapid muss einen Außenverteidiger verpflichten, Rapid muss endlich Spieler loswerden, die keine Rolle mehr spielen. Doch leichter gesagt als getan. Bickel kann ein Lied davon singen, denn in Wirklichkeit ist der Schweizer seit seinem Amtsantritt mit Altlasten beschäftigt, die ihm Vorgänger Andreas Müller hinterlassen hat. An die Kadergröße und Budgeteinsparungen muss auf der Suche nach Verstärkungen ebenso Rücksicht genommen werden, wie auf laufende Verträge. Müller wurde in der Vergangenheit noch applaudiert, damalige Leistungsträger so lange an den Verein binden zu können, dies stellt sich jedoch nun als Hemmschuh heraus. Die genauen Ziele für den Sommer sind bekannt: Ein Stürmer, diesmal wirklich eine Nummer 9 mit Torriecher, muss kommen. Dazu noch ein Außenverteidiger, da es in dieser Hinsicht sehr eng geworden ist. Einfach holen? Das wird nicht funktionieren. Ohne Europacup-Qualifikation soll der Kader 23 fitte Spieler nicht überschreiten, im Fall der internationalen Teilnahme 25. Das heißt: Bickel muss erneut abbauen, will er zwei neue Kadermitglieder begrüßen - Hierländer und Potzmann wären ob ihrer Allrounder-Fähigkeiten aber jedenfalls keine schlechte Idee. Die Verträge von Steffen Hofmann und Andreas Kuen wird Rapid auslaufen lassen, bei Mario Pavelic wird noch überlegt. Die Leihe von Thanos Petsos wird beendet werden. Und auch Joelinton wird wohl nicht zu halten sein bzw. hat er zuletzt keine Eigenwerbung betrieben, um für ihn an die Schmerzgrenze zu gehen. Auch mit verliehenen Spielern wie Matej Jelic, Philipp Malicsek oder Alex Sobczyk müssen Lösungen gefunden werden, da sie noch laufende Verträge haben. Im Frühjahr ist somit genug zu tun. Dazu kommen dann auch Anfragen für Leistungsträger, die man eigentlich gerne halten würde: Dejan Ljubicic, Lucas Galvao, Boli Bolingoli - sie standen schon im Winter im Fokus. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen Louis Schaub, Philipp Schobesberger oder Stefan Schwab, die womöglich den nächsten Schritt setzen wollen. Das lenkt ab, macht die Kaderplanung alles andere als einfach und wirkt sich auch personell auf das Sportliche aus.

UMGANG MIT DER KRISE:

RAPID: Es müssen klare Zeichen gesetzt werden! Außerhalb des Platzes muss eine strikte Linie gegen Unruhestifter her. Stadionverbote, die für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar sind, sowie Regressforderungen, die zwar ein hartes Durchgreifen unterstreichen, jedoch wo voraussichtlich nicht viel zu holen ist, sind zu wenig, werden aber von den Vereins-Verantwortlichen gebetsmühlenartig wiederholt. "Wir machen eh was", so der Tenor aus dem grün-weißen Lager. Dabei handelt es sich jedoch um Reaktionen, wenn es schon zu spät ist. Dabei hat die Vergangenheit den Verein gelehrt, dass mehrere Schritte und Vorkehrungen nötig sind. Eine proaktive Vorgehensweise, um Maßnahmen für die Zukunft zu setzen, sucht man (bislang) vergeblich. Denn die Fanszene hat sich verändert, das streiten die Entscheidungsträger gar nicht ab, auch die Gesellschaft an sich. Und viele treue Fans wenden sich von Rapid ab, weil sie sich aufgrund dieser Entwicklungen nicht mehr mit den Grün-Weißen identifizieren können. Ein Machtwort wäre eine klare Antwort, jedoch müssen der Ankündigung auch Taten folgen. Und sportlich? Von Krise ist noch keine Rede. Der Punkt im Derby war zwar wenig, jedoch vertretbar. Anders als die Niederlage bei der Admira. Dabei kommt es einem vor, als wäre es für Rapid ohnehin schon Gewohnheit. Während gegen die Top 4 fast immer respektable Leistungen unabhängig vom Ergebnis abgeliefert werden, weiß man, dass man Probleme gegen die vermeintlich Kleinen hat. "Enttäuschung" oder "wir haben uns mehr vorgenommen" werden oft ausgesprochen. Richtige Kritik ist selten zu hören, die gibt es angeblich nur intern. Auch die Stürmer wurden monatelang in Schutz genommen, ehe erstmals öffentlich gezweifelt wurde. Alles in allem scheint sich Rapid über die Jahre damit abgefunden zu haben, dass der Meistertitel ein Traum bleibt und man schon irgendwie in den Europacup kommen wird. Das ist jedoch die falsche Herangehensweise. Nur wenn Missstände deutlich zum Ausdruck gebracht werden, kann daran auch etwas geändert werden.

STURM: Bisher hätten Trainer, Spieler und er selbst "in aller Würde Verantwortung" für den Fehlstart übernommen, findet Kreissl. Das stimmt auch. Fußball ist auch ein Spiel der Erwartungen und bisher wurde selbige in Graz im Kalenderjahr 2018 enttäuscht. Dafür bleibt es rund um Sturm bislang relativ ruhig - vielleicht auch, weil der Rivale Rapid für dankbare landesweite Ablenkung sorgt und dank der Fan-Turbulenzen viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dass die Beziehung von Vogel zum einen oder anderen Grazer Lokalmedium vorerst keine friktionsfreie ist, ist jedoch durchaus schon zu spüren - widmete sich sein Vorgänger Foda möglicherweise bisweilen zu viel der Kontaktpflege, verzichtet der Neo-Coach möglicherweise zu sehr darauf. Dies ist sein gutes Recht, könnte jedoch dazu führen, dass er weniger unter Dauerschutz stehen könnte, als dies der Neo-Teamchef fraglos tat - schlechte Ergebnisse wurden in Graz eher selten Foda angelastet. Vogels Problem: Schlechte Ergebnisse hat Foda gerade in dieser Saison kaum eingefahren, also sollte er wohl eher früher als später damit beginnen, Siege einzufahren, ansonsten ist es wohl keine zu kühne Prognose, dass das emotionale Umfeld nervöser als bisher wird. Zu Vogels Verteidigung sei jedoch festgehalten, dass Sturm zuletzt auch unter Foda nur sehr schleppend ins Frühjahr gestartet ist. Dies ist eine Problematik, über die man sich bei den "Blackies" grundsätzlich Gedanken machen sollte. Denn an einen Zufall zu glauben, fällt immer schwerer. Findet man gegen Rapid und Salzburg nicht in die Spur, wird abermals viel daran liegen, welche Worte Kreissl findet. Aber: So gut der eloquente Sportchef positive wie negative Entwicklungen auch moderieren kann, das beste Rezept gegen eine Krise sind und bleiben Siege.

Textquelle: © LAOLA1.at

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