EM? Welch Hunger bei Rapids Ullmann ungestillt ist

EM? Welch Hunger bei Rapids Ullmann ungestillt ist Foto: © GEPA
 

Max Ullmann ist keiner, der das Risiko scheut.

Er spekulierte mit einem Auslands-Wechsel, kehrte dem aufstrebenden LASK den Rücken und landete schlussendlich beim SK Rapid. Aus Überzeugung, wie er im Sommer festhielt. Auch im Winter auftauchende Gerüchte über einen Wechsel in die deutsche Bundesliga erstickte der Spieler im Keim.

Die Hütteldorfer halten große Stücke auf den 23-jährigen Oberösterreicher, das zeigte sich bereits im Herbst. Ullmann avancierte zum Dauerläufer und verpasste wie Kapitän Stefan Schwab und Ersatz-Captain Christopher Dibon nur ein Cup-Spiel.

Trotzdem ist der linke Außenverteidiger mit seinen Performances noch nicht völlig zufrieden, denn sein Hunger wurde bisher bei Rapid nicht ausreichend gestillt. Die persönlichen Ziele für Frühjahr liegen auf der Hand: In der Bundesliga oben angreifen, mit einem internationalen Startplatz nicht mehr mit einem weinenden Auge auf den LASK schauen müssen und vielleicht sogar noch auf den EURO-Zug aufzuspringen. Das könne man so stehen lassen, nickt der gebürtige Linzer.

Ullmann, der im November erstmals von Teamchef Franco Foda einberufen wurde, meint im LAOLA1-Interview zum EM-Traum: "Das wäre natürlich eine überragende Sache!"

ÖFB-Nominierung: "Das macht auch Lust auf mehr"

Zwar war das 0:1 in Lettland wahrlich keine Werbung jener Akteure, die auf dem Platz standen. Ullmann kam jedoch nicht zum Einsatz und schwärmt trotz des negativen Ausgangs noch immer von diesem Erlebnis.

"Ich war jetzt einmal dabei und stolz, dass ich dabei sein durfte. Ich probiere jetzt einfach, im Frühjahr noch einmal alles rauszuhauen, mich in jedem Spiel zu zeigen. Wie die Entscheidung dann ist, kann ich eh nicht beeinflussen. Ich probiere, alles zu geben und mich ins Rampenlicht zu spielen."

"Es war eine Riesenerfahrung für mich selbst. Davon, da dabei zu sein, träumt man schon als kleines Kind. Das war eine Riesen-Sache für mich."

Ullmann über erste ÖFB-A-Team-Nominierung

In der rot-weiß-roten U21-Auswahl war Ullmann ein Fixstarter, einige seiner Kollegen haben bereits den Sprung nach ganz oben geschafft. In Riga erstmals A-Team-Luft zu schnuppern, hat den Neo-Rapidler zusätzlich motiviert. "Das macht auch Lust auf mehr", so der Defensivspieler.

"Es war eine Riesenerfahrung für mich selbst. Davon, da dabei zu sein, träumt man schon als kleines Kind." Die harte Konkurrenz ist ihm bewusst, "die ist riesengroß". Mit dem Salzburger Andreas Ulmer oder universell einsetzbaren Verteidigern wie Maximilian Wöber oder Martin Hinteregger, die dadurch einen klaren Vorteil haben, und im Notfall auch noch David Alaba sind die Außenbahnen topbesetzt - vor ein paar Jahren hätte man in Österreich noch mit Handkuss Außenverteidiger dieser Qualität genommen.

Auf Dauer müsse das A-Team aber das Ziel sein - auch wenn der EURO-Zug vielleicht ohne ihn abfährt: "Das ist mein großes Ziel! Ich werde hart daran arbeiten."

Ullmanns Tor-Hunger bei Rapid noch nicht gestillt

Das geht freilich nur mit entsprechenden Leistungen bei Rapid, wo er einen Vertrag bis 2022 unterschrieben hat. Das Vertrauen in seine Person war von Anfang an vorhanden. Ullmann kam, spielte und war gesetzt.

"Im Großen und Ganzen bin ich recht zufrieden. Wer mich aus der LASK-Zeit kennt, weiß, dass ich noch mehr Tore geschossen habe. Also im letzten Drittel muss ich noch mehr die Abschlüsse suchen. Klar gibt es immer Sachen, die man verbessern kann und nicht jedes Spiel ist gleich. Aber ich bin guter Dinge, dass es auch so weitergeht", resümiert Ullmann seine Leistungen unter den neuen Rahmenbedingungen im Herbst.

Obwohl Ullmann entweder als Linksverteidiger in der Vierer- oder Fünferkette vor allem mit Defensivaufgaben vertraut ist, ist er richtig geil aufs Toreschießen, wie er selbst zugibt. "Ja, schon. Der Tor-Hunger ist schon geweckt worden! Ich freue mich über jedes Tor gleich und ich hoffe, dass mir da noch ein, zwei oder drei gelingen werden."

Das schnelle Umschaltspiel nach Ballgewinn war die erfolgreiche Philosophie des LASK, und Ullmann wurde in seinen fünf Jahren in Linz immer besser in dieses System integriert. Seine Flankenläufe wurden vorausgesetzt, sein Offensivdrang war ein großes Plus.

Steigerungs-Potenzial? "Klar ist: Es geht noch mehr"

Bei Rapid ist die Herangehensweise ein bisschen eine andere. Dass er seine Qualitäten im Herbst vielleicht noch nicht im LASK-Stil ausspielen konnte, macht er jedoch nicht unbedingt an der unterschiedlichen Spielanlage mit mehr Rückversicherung fest.

"Ich würde gar nicht sagen, dass ich öfter hinten bleiben muss – das ist gar nicht so. Ich habe da auch schon viele Aktionen nach vorne gehabt. Viele Flanken, die ich dafür in LASK-Zeiten nicht hatte von der Seite. Da waren es eher so die Flanken auf die zweite Stange. Klar ist es ein bisschen anders, aber auf gar keinen Fall negativ. Bei Rapid haben wir viel mehr Ballbesitz, das taugt mir enorm."

Auch bei Rapid habe er schon hundertprozentige Chancen vor dem Tor gehabt. Sein bisher einziges Tor erzielte er hingegen mit einem 20-Meter-Schlenzer mit dem rechten Fuß gegen die Admira. "So etwas hat man dafür davor noch nie von mir gesehen. Aber ich hoffe, dass das Toreschießen wieder als gewohnte Stärke zurückkommt."

Denn Ullmann gibt offen und ehrlich zu, dass durchaus Steigerungspotenzial im Frühjahr vorhanden ist. "Klar ist: Es geht natürlich mehr! Aber das war in meiner LASK-Zeit auch so, da war ich auch nicht mit jedem Spiel von mir zufrieden. Aber im Großen und Ganzen bin ich richtig zufrieden mit mir, meiner Leistung, der Umstellung und der ganzen Mannschaft."

Ullmann will dorthin, wo der LASK ohne ihn ist

Dass Rapid diesen Herbst nicht international vertreten war, schmeckte keinem so wirklich. Auch nicht Ullmann, obwohl dieser zugibt, dass dadurch die Eingewöhnung durch komplette Trainings-Wochen leichter fiel.

"Ich gönne es den Jungs ja, das sind nach wie vor Freunde von mir. Ich war fünf Jahre beim LASK und habe mit einigen noch jetzt Kontakt. Aber ich bereue nichts und es tut mir auch überhaupt nicht weh."

Ullmann über Ex-Klub LASK in Europa League

Ob es wehgetan hat, dem LASK beim Höhenflug in der Europa League aus der Ferne zuzuschauen? "Nein, gar nicht. Ich gönne es den Jungs ja, das sind nach wie vor Freunde von mir. Ich war fünf Jahre beim LASK und habe mit einigen noch jetzt Kontakt. Aber ich bereue nichts und es tut mir auch überhaupt nicht weh. Ich schaue gar nicht mehr retour. Ich bin froh und stolz, dass ich da bin und konzentriere mich nur auf die Leistung."

Die Motivation ist dadurch jedoch umso größer, im nächsten Jahr auch auf der Europa-Bühne mitzuspielen. Mit Platz drei in der Tabelle haben die Wiener den Grundstein dafür bereits gelegt, fix ist aber noch nicht. "Wenn wir die Heimschwäche von den Resultaten her in den Griff kriegen, bin ich guter Dinge, dass wir da oben bleiben können."

Nur oben bleiben oder sogar noch weiter oben angreifen - das ist die Frage. "Wir schauen immer auf das Maximum", will Ullmann immer als Gewinner vom Platz gehen. Allerdings seien Rechenspiele - auch durch die Punkteteilung - nicht angebracht.

Für jeden Spaß zu haben – aber nicht fürs "Gold-Steak"

Auf dem Platz zählt Ullmann zu den Spaßvögeln, die immer ein Lächeln auf den Lippen haben. Vor den Kameras gibt er sich zurückhaltend. Trotzdem gibt er zu: "Mit mir kann man jeden Spaß haben, aber auch den nötigen Ernst. Von mir kann man alles haben, auf mich kann man sich verlassen. Auf und neben den Platz bin ich immer ein guter Zuhörer. Sonst müssen Sie andere fragen, wie die mich beurteilen."

Große Hobbies abseits des runden Leders führt der Linzer nicht an. In der Winterpause genoss er den Urlaub in Dubai und besuchte auch den Kult-Fleischer "Salt Bae", mit dem er ein Foto postete. Am Boden geblieben, wie er ist, versichert er aber auf Nachfrage: "Das stimmt, aber Gold-Steak hat es keines gegeben. Es war ein ganz normales Steak, aber gut war es", lacht der Defensiv-Akteur.

Die Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Freundin, Freunden oder der Familie. Der Paschinger hat schon mit vier Jahren seine Leidenschaft entdeckt und im Paschinger Nachwuchs die ersten Fußballschuhe zerrissen.

19 Jahre später ist er ein gestandener Bundesliga-Spieler, der bei Rapid den nächsten Schritt machen will. Und er hätte auch kein Problem, seinen Sommerurlaub zu verschieben - nämlich im Falle eines Anrufs von Franco Foda und einer Nominierung für die EURO.

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