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OÖ Juniors: Schweinsteiger vermisste FCB-Vertrauen

Trotz "Panne" bei der Präsentation, neuer Juniors-Teamchef hat viel vor:

OÖ Juniors: Schweinsteiger vermisste FCB-Vertrauen Foto: © GEPA

Diese Verpflichtung hat für Aufsehen gesorgt. Der FC Juniors OÖ sichert sich die Dienste von Tobias Schweinsteiger, der für viereinhalb Jahre als Teamchef unterschreibt.

Doch bei der Präsentation in der TGW-Arena in Pasching unterläuft dem neuen Klub ein schwerer Fehler: Schweinsteiger hätte sich ein typisch bayerisches Weißwurst-Frühstück gewünscht. Geworden sind es belegte Kornspitz.

"Ich dachte, wir machen die Pressekonferenz extra um halb 12, damit wir es noch vor Mittag schaffen", ärgert sich der 36-Jährige mit einem Schmunzeln. Die Stimmung bei allen Verantwortlichen ist locker, die Doppelspitze mit Andreas Wieland scheint sich schnell gefunden zu haben.

Bei seinem Ex-Klub vermisste er am Ende das Vertrauen.

Vertrauen hat gefehlt

Auch wenn der Schritt vom Weltklub FC Bayern zu den Juniors OÖ auf den ersten Blick als Abstieg zu verstehen ist, Tobias Schweisteiger will davon nichts wissen.

"Hier habe ich die Möglichkeit, in einem tollen Trainerteam mit sehr talentierten österreichischen Spielern zu arbeiten. In München hat mir am Ende das Vertrauen gefehlt", gesteht Schweinsteiger. 

Die vergangene Saison in München als Co-Trainer der Amateure von Tim Walter, der nun Chefcoach von Zweitligist Holstein Kiel ist, habe ihm sehr weitergeholfen.

"Ich hatte das Glück, mit vielen interessanten Trainern zu arbeiten, die nun alle Karriere gemacht haben. Manuel Baum, Ralph Hasenhüttl, Erik Ten Hag, Markus Weinzierl - da zieht man für sich die besten Dinge heraus", erklärt er.

Über seinen Ex-Klub will er nicht viel sagen, das Thema sei für ihn erledigt. "Die Vertragsauflösung vergangenen Sommer war der Abschluss, wir können uns in die Augen schauen."

Auch das Selbstbewusstsein der Münchner könne er nicht nach Pasching transferieren: "Das 'Mia-san-mia-Gefühl' des FC Bayern, das bekommst du ja nicht nur, weil du bei Bayern bist, das hat man einfach. Ich will meine Spieler dahin bringen, dass sie jedes Spiel, auch im Training, gewinnen wollen. Wenn ihnen dieser Wille fehlt, dann sind sie für diesen Sport auf höchstem Niveau auch nicht gemacht."

"Ich will den Ball haben"

Denn von der künftigen Spielweise der Juniors hat der ehemalige Stürmer eine klare Vorstellung. "Mein erster Gedanke ist immer, was ich mache, wenn ich den Ball habe, welche Lösungen ich finde. Ich breche deshalb das Spiel immer auf ein Vier-gegen-Vier herunter, weil ich glaube, dass nie mehr Spieler direkt involviert sind", erklärt er.

In dieser Hinsicht ist er sich mit seinem Chef Andreas Wieland einig. "Es geht nicht um Systeme sondern, um Verhaltensweisen. In dieser Hinsicht orientieren wir uns auch am LASK und den Vorstellungen von Oliver Glasner", sagt der Cheftrainer.

Schweinsteiger ist sich sicher, dass "seine Jungs" zu Beginn von seinen Ideen ein wenig überfordert gewesen seien. Mittlerweile sei das Training auf einem sehr guten Niveau.

Über die Aufgabenteilung sind sich alle einig: "Das Bild, dass einer die Entscheidungen trifft und einer nur Hütchen aufstellt - die Zeiten sind vorbei."

Andreas Wieland stellt aber mit einen Augenzwinkern klar: "Das letzte Wort bei der Aufstellung hat der Cheftrainer."

Rundum zufrieden

"Natürlich habe ich immer Kontakt mit ihm, er ist mein kleiner Bruder - das ist doch normal"

Tobias über den Kontakt mit Bastian

Mit den Rahmenbedingungen bei den Juniors zeigt sich der ehemalige Stürmer zufrieden. "Ich hab in Deutschland Regionalliga trainiert, da ist das schon ein Fortschritt." Außerdem finde er es für die jungen Spieler lehrreicher, wenn sie nicht zu Beginn der Karriere gleich alles geliefert bekommen.

Er würde die Herausforderung brauchen, so Schweinsteiger, dem die nötige Lizenz für die 2. Liga fehlt. "Ja, irgendwann will ich schon die Fußballlehrer-Ausbildung absolvieren, aber erst muss ich alle Voraussetzungen erfüllen."

Kein Rat vom kleinen Bruder

Bei seiner letzten Trainerprüfung überzeugte er mit null Fehlern im Theorieteil - etwas, das bisher nur PSG-Coach Thomas Tuchel und ihm gelungen ist.

Seinen berühmten Bruder habe er vor der Entscheidung nicht um Rat gefragt. "Was sollte das bringen? Bastian ist im Kopf noch viel zu weit weg vom Trainergeschäft. Aber natürlich habe ich immer Kontakt mit ihm, er ist mein kleiner Bruder - das ist doch normal", so der 36-Jährige.

Aktuell wohnt Schweinsteiger in Linz noch im Hotel, seine Familie soll im Sommer nachkommen. Von der Stadt habe er noch nichts gesehen, gesteht er. "Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren viel Zeit habe, um alles kennenzulernen."

Auf die abschließende Frage, ob er denn als Trainer genauso emotional sei wie als Spieler, sagt Schweinsteiger: "Definitiv, als Spieler hat man da doch mehr Spielraum, um Akzente zu setzen."

Zum ersten Mal an diesem Tag ist sich das neuen sportliche Führungsduo der Juniors nicht einig.

"Ruhig ist relativ", sagt Andreas Wieland lachend.


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