Klagenfurt: "Jeder fühlt sich verarscht!"

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Das heftige Kopfschütteln und die große Verwunderung über das trefferreiche Finale in der HPYBET 2. Liga will kein Ende nehmen.

Die "Kronen Zeitung" schreibt von der "Nacht der Schande", der FAC-Obmann entschuldigt sich am Tag danach per E-Mail für die desolate Leistung seiner Mannschaft und in den diversen Foren posten die Fans von Betrug und Farce.

In Ried wird der Aufstieg gefeiert, in Klagenfurt ärgern sich alle über das unprofessionelle Verhalten der Wiener und auch über das Schweigen der Liga zu den Vorfällen. Gesellschafter Zeljko Karajica informiert am Sonntag die Medien, dass er gegen die Vorfälle im dramatischen Liga-Finale ein Verfahren einleiten möchte.

Im Interview mit LAOLA1 erklärt der 49-jährige Unternehmer und Manager aus Hamburg: "Liga-Vorstand Christian Ebenbauer kann sich sicher sein, dass wenn er als Geschäftsführer kein Verfahren einleitet, dass wir es machen werden. Wir werden es juristisch machen."

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Für den gebürtigen Norddeutschen, der im Süden Österreichs wieder für Erstliga-Fußball sorgen möchte, ist "das Thema so nicht hinzunehmen". Der Medien- und Sport-Manager, der vor zehn Jahren das Fernsehangebot von DSF und die Online-Sportplattform von Sport1 zu einer einheitlichen Marke zusammenführte, sagt: "Ich habe kein Problem damit, wenn jemand 8:0, 9:0 oder 10:0 gewinnt und man das Gefühl hat, dass alles passt und in Ordnung ist. Wenn man sich aber im Nachhinein bei LAOLA1 – und ich habe das mehrmals gemacht – ansieht, wie die Tore gefallen sind, wie Spieler des FAC einfach nicht zu einem Kopfball-Duell hochspringen und wie viele und welche Spieler im Kader gefehlt haben, dann ist das zumindest etwas, das nach einer Art Untersuchung schreit."

Nach dem 0:9 kann man nicht zur Tagesordnung übergehen

Karajica fordert: "Wir können alle zusammen als Liga nach so einem Spiel nicht einfach zum Alltag übergehen. Auch weil so etwas am Ende des Tages auf die Liga, auf die Professionalität, auf die Sponsoren und die Fans, alle die an den Fußball glauben, abfärbt. Daher sollten wir – auch mit dem Abstand von zwei, drei Tagen unbedingt noch einmal ein paar Takte zu diesem Thema verlieren und nicht einfach mit den Worten "das ist halt so" zur Tagesordnung übergehen".

Zur Entschuldigung des FAC-Obmanns und dem Verhalten Wiener in Ried meint Klagenfurts Gesellschafter: "Ich will niemandem etwas nachweisen, das ist zudem auch nicht mein Job. Das einzige, das ich sagen kann ist, dass der beste Spieler des FAC aus Malta lustige Urlaubsfotos postete, wie er im Wasser planscht. Dazu sind in der letzten Woche vier, fünf weitere Spieler gar nicht mehr im Kader gestanden. Gleichzeitig gab es aber von der Liga - bevor wir nach der Corona-Krise wieder losgelegt haben - aber die Auflage, dass wir die Verträge der Spieler verlängern, damit die Liga professionell zu Ende gespielt werden kann. Da kann es dann wohl nicht sein, dass ich schon Tage vor dem letzten Spiel weiß, dass mein bester Spieler auf Malta im Wasser planscht und weitere vier, fünf Spieler nicht zum Einsatz kommen werden. Das kann ich als Liga doch nicht einfach so hinnehmen. Es ist eine Farce, dass dieses unrühmliche 9:0 mit Ankündigung passiert und 48 Stunden danach von Seiten der Verantwortlichen der Liga nicht irgendein Kommentar dazu zu vernehmen ist."

Für den dreifachen Familienvater, der seit Februar keinem Konzern mehr angehört und selbständigen Tätigkeiten nachgeht, ist klar: "Jeder, der ein bisschen an den Fußball denkt und an ihn glaubt, der fühlt sich voll verarscht!"

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Als Medien-Manager wendet sich Karajica auch direkt an LAOLA1: "Sie als Lizenzgeber müssen sich ja auch fragen, was so ein Recht wert ist, wenn Mannschaften so eine unprofessionelle Darbietung abliefern. Man kann 0:9 verlieren, das gibt es – ohne Zweifel. Wir haben 6:1 gewonnen, aber es stand auf der Kippe, dass die Tiroler irgendwann das 2:2 erzielen, nachdem ihnen das 1:2 gelungen ist. Wacker hat mit voller Montur gegen uns gespielt und mit der kompletten Mannschaft."

Ein 9:0-Geschenk! Wer soll das ernst nehmen!

Was den Deutschen besonders ärgert: "Bei allem Respekt, wir spielen um den Einzug in die höchste Liga in Österreich. Da wollen wir morgen gegen Red Bull Salzburg oder bei Rapid spielen und dann kriege ich so ein 9:0 geschenkt, wer soll denn da diese Liga noch ernst nehmen? Das geht doch gar nicht!"

Zeljko Karajica erinnert an die schwierigen Verhandlungen während der Corona-Zwangpause: "Wir haben im Vorfeld der Wiederaufnahme des Spielbetriebs innerhalb der Liga lange und ausführlich diskutiert, wie das alles zu Ende geführt werden kann. Wir haben uns das ja auch in Deutschland angeschaut. Auch in der dortigen Basketball-Liga, wo am Ende ein Playoff-Turnier die Titel-Entscheidung gebracht hat. Die, die unten waren und bei denen es eh um nichts gegangen ist, die konnten aufatmen, da keiner absteigen konnte. Aber dann können sie eben nicht zur Wettbewerbsverzerrung beitragen. Wir haben ebenfalls gefordert, dass sich die Liga einen Modus überlegt, damit nicht der Wettbewerbsverzerrung Tür und Tor geöffnet ist und dass dann am Ende genau so etwas passiert, wie wir es am Freitagabend erleben mussten".

Rieds 9:0 gegen den FAC im VIDEO:

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

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Und weiter meint der Klagenfurter Funktionär: "Unabhängig von dem allen muss ich aber noch einmal anmerken, dass ich da neun Tore, Standardsituationen und Leistungen gesehen habe, wo ich einfach sagen muss – Freunde, bei allem Respekt! Und dann läuft da auch noch der Zeugwart der Rieder durch die Gegend und redet von einer Motivationsprämie, die wir dem FAC bezahlt hätten. Wir haben – und das wissen etliche Leute – vor sechs, sieben Wochen, als wir gegen den GAK verloren haben, die Liga darüber informiert, dass eine Motivationsprämie der Rieder an den GAK geflossen ist. Wir hatten diese Infos von den Spielern. Wir haben damals nur den Kommentar erhalten, wenn ihr keine genauen Beweise habt, dann können wir da nichts machen. Aber ich bitte sie, liebe Freunde, soll ich jetzt auch noch den Staatsanwalt spielen? Wir haben nach dem GAK-Spiel mit dem Liga-Vorstand gesprochen und auf die Motivationsprämie hingewiesen. Die Antwort von Christian Ebenbauer war nur, wenn ihr Beweise habt, dann geht dagegen vor. Das ist, wie wenn ich zu Hinterbliebenen eines Todesopfers sage, na gut, wenn du den Täter lieferst, dann können wir ihn verhaften. Na, wo sind wir denn, das ist doch nicht mein Job!"

Karajica hätte sich ein schnelles Statement der Liga-Zentrale erwartet

Weiters ärgert sich der 49-Jährige bei seinem Rundumschlag: "Derselbe Zeugwart von Ried sagt am Tag vorher zu uns, wir hätten 75.000 Euro oder so Motivationsgeld an den FAC gezahlt. Auch wenn alles nicht stimmt, was ich nur erwarten würde – auch im Sinne des Schutzes der Liga – dass sich irgendeiner aus seinem Halbtagsjob hinausbewegt und sagt: Freunde okay - 9:0, 6:1, Motivationsgeld - da gibt es scheinbar einiges, das passiert, aber wir sehen uns gerade Mattersburg bzw. den Fall Wattens in der Bundesliga an. Es macht doch Sinn, dass wir irgendwann offen kommunizieren und vielleicht einmal das eine oder andere einleiten an Untersuchung, um zu sagen, diese Liga ist sauber, das läuft so und so, wir haben uns das alles angeschaut anstatt zu schweigen und zu denken - das ist halt so".

Was Karajica von der Liga erwartet? "Ich weiß, dass es für alles einen Senat in der Liga gibt, der alles aufarbeiten kann. Aber es gibt aus meiner Sicht ja auch einen Geschäftsführer, Vorstand oder Pressesprecher, der nach so einem Spieltag wie am Freitag danach zumindest verlautbaren kann – und wenn es nur eine Augenauswischerei ist – wir schauen uns genau an, was da passiert ist und nehmen dann dazu irgendwann Stellung. Aber nein, es passiert gar nichts. Nichts!"

Die Ereignisse gehen dem Hamburger nicht aus dem Kopf, noch einmal legt er nach: "Niemand hat erwartet, dass der FAC in Ried mit 3:0 gewinnt. Wenn am Ende die SV Ried das Ding mit 6:1 gewinnt und wir gewinnen mit 6:1 und steigen nicht auf, dann sage ich kein Wort. Aber wenn jemand nach 30 Minuten 5:0 führt und ich das Gefühl habe, dass ich da auch meine 15-jährige Tochter aufstellen hätte können, die hätte es genauso gut gemacht, dann ist was faul. Ich will Ried überhaupt nichts unterstellen, das ist in keinem Fall mein Ansatz."

Wir werden die Einstellung des FAC zum Profisport anfechten

Was wollen sie dann damit andeuten? "Mein Ansatz ist, wenn dieser FAC, der jetzt gespielt hat und dessen Obmann sich am Tag danach für die Leistung schriftlich entschuldigt, was bringt mir das. Der überrollt mich, der schickt seine Spieler weg, die dürfen in den Urlaub, die dürfen alles Mögliche machen und das tut ihm dann leid. Mir tun viele Dinge leid, die so passieren. Aber so geht das nicht weiter. Das können wir nicht hinnehmen. Wir reden über Profisport, wir reden über Unternehmen, die finanziert werden wollen und dann sagt einer tut mir leid und weiter geht es. Der spielt in 14 Tagen ganz regulär mit einer normalen Mannschaft in der 2. Liga wieder in der Saison mit als wenn nichts gewesen wäre. Das kann doch nicht sein. Das bin ich nicht bereit zu akzeptieren und das werden wir jetzt auch tatsächlich anfechten. Mir geht es gar nicht um Ried. Die haben ihren Job gemacht. Mir geht es darum, mit welcher Einstellung gespielt wird, was sollen die Fans da noch ernst nehmen. Die schauen sich dann in der nächsten Saison dann vielleicht nur mehr ein zwei Top-Spiele an, wenn wir gegen Wacker oder Wattens spielen, und das war’s dann. Den Rest braucht man sich ja gar nicht anzusehen. Es geht ja um nichts."

Austria Klagenfurt will juristisch gegen das 0:9 vorgehen

Karajica erinnert, dass er die Liga bereits nach der Niederlage gegen den GAK kontaktiert habe: "Wir haben gegenüber der Liga bereits einmal die Hand gehoben, wurden aber, wie bereits gesagt, dazu aufgefordert, Beweise vorzulegen. Wir haben gesagt, wir lassen das jetzt ruhen und versuchen die Saison anständig zu Ende zu spielen. Es macht keinen Sinn, dass wir groß eine Unruhe reinbringen. Jetzt aber ist die Saison vorbei und der Ebenbauer kann sich sicher sein, dass wenn er es nicht macht, wir es machen werden. Wir werden es auch juristisch machen. Wir können das nicht auf uns sitzen lassen. Wir haben Partner, Investoren, Sponsoren und alles Mögliche dabei, das heißt jeder hat ja ein Interesse daran, dass alles regelkonform und sauber über die Bühne geht. Und wenn dann so etwas wie da am Freitag passiert und es schreit zum Himmel, dass da irgendetwas nicht stimmt, dann sind wir es uns aber auch allen Partnern und Fans schuldig, das Thema aufzurollen. Ich will es einfach wissen. Im schlimmsten Fall ändert es nichts an unserer Situation, aber es ändert zumindest etwas für die Zukunft, weil wir in zwei Wochen bereits mit der Vorbereitung für die nächste Saison beginnen. Und das darf so nicht passieren."

Textquelle: © LAOLA1.at

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