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Ferdinand Feldhofers "kleines Wunder" in Lafnitz

Aufstieg in die 2. Liga. Für den Trainer Feldhofer soll es noch weiter rauf gehen.

Ferdinand Feldhofers

13-facher ÖFB-Teamspieler, 277 Einsätze in der österreichischen Bundesliga, Meister mit Sturm und Rapid - der Spieler Ferdinand Feldhofer gehörte eineinhalb Jahrzehnte lang zum Inventar des heimischen Fußballs.

Inzwischen hat der 38-Jährige eine Trainer-Karriere eingeschlagen, und auch diese soll ihn nach oben führen.

Der erste Schritt dazu ist mit dem SV Lafnitz getan, denn gleich der erste Job als Cheftrainer bringt einen Aufstieg mit sich. Der Tabellenführer der Regionalliga Mitte wird in der kommenden Saison Teil der neuen 2. Liga sein.

Im LAOLA1-Interview spricht Feldhofer über seine Ziele als Trainer, eigene Coaches, die ihn inspiriert haben, seinen Ausflug in die Privatwirtschaft und die Hintergründe des Erfolgslaufs des SV Lafnitz, den der Steirer als "kleines Wunder" bezeichnet.

Zudem weist der Teilnehmer am UEFA-Pro-Lizenz-Kurs des ÖFB Kritik an der heimischen Trainer-Szene zurück.

LAOLA1: Du hast mit dem SV Lafnitz in dieser Saison einen beeindruckenden Durchmarsch in die 2. Bundesliga hingelegt. Inwiefern ist der Verein für dich der ideale Einstieg ins Trainergeschäft?

Ferdinand Feldhofer: Als ich das Angebot aus Lafnitz erhalten habe, war es eine Riesen-Chance, für die ich sehr dankbar bin. Es ist meine erste Kampfmannschafts-Station. Dass es so gut aufgeht, ist wunderbar, aber im Fußballer-Leben wird man ja nie am Vergangenen gemessen, sondern immer an der Gegenwart beziehungsweise an der Zukunft.

LAOLA1: Wohin soll deine Reise als Trainer in Zukunft gehen?

Feldhofer: Es gibt schon höhere Ziele. Ich werde jetzt einmal die UEFA-Pro-Lizenz absolvieren, dementsprechend steht mir dann ja nichts im Wege, dass ich vielleicht einmal in einer höheren Liga Cheftrainer werden kann.


LAOLA1 on Air - der Sport-Podcast: Das Experiment 2. Liga

In der 7. Ausgabe widmen wir uns den kontroversen Dikussionen rund um die neue Sechzehner-Liga in der zweiten Leistungsstufe. Es diskutieren u.a. Ferdinand Feldhofer (Lafnitz), Alfred Hörtnagl (Wacker Innsbruck) und ein Vertreter des GAK:


LAOLA1: Wofür steht der Trainer Ferdinand Feldhofer?

Feldhofer: Mir sind ähnliche Dinge wichtig wie früher als Spieler: Ehrlichkeit, Einsatz, und das Zwischenmenschliche muss auf jeden Fall passen.

LAOLA1: War dir schon während der Spielerkarriere klar, dass dies ein interessantes Metier für dich sein könnte?

Feldhofer: Dass mich Dinge wie Taktik schon immer interessiert haben, ist kein Geheimnis. Gleich nach meiner Spieler-Karriere bin ich aber einmal in die Privatwirtschaft gegangen. Ich war als Produktmanager und im Marketingbereich in der Software-Branche tätig. Es war eine wirklich wichtige Erfahrung, einmal etwas anderes zu sehen, andere Möglichkeiten zu haben. Das hat mir für meine Zeit als Trainer geholfen. Und ich merke jetzt auch, dass Trainer schon mein Traumberuf ist.

"Man muss sich in jedem Job weiterbilden. Wer das nicht kapiert, wird stehen bleiben, sich nicht verbessern und als Trainer uninteressant für andere Vereine werden. Genauso wie man sich in der Privatwirtschaft weiterbilden muss, muss man das als Trainer tun."

Ferdinand Feldhofer

LAOLA1: Inwiefern muss man als Trainer einen neuen Job erlernen, auch wenn man natürlich als früherer Profi eine gute Vorbildung hat?

Feldhofer: Man muss sich in jedem Job weiterbilden. Wer das nicht kapiert, wird stehen bleiben, sich nicht verbessern und als Trainer uninteressant für andere Vereine werden. Genauso wie man sich in der Privatwirtschaft weiterbilden muss, muss man das als Trainer tun. Aber natürlich ist es ein Vorteil gegenüber anderen, die nie Profi waren, wenn man 17 Jahre Profi war und 20 verschiedene Trainer hatte. Daraus nimmt man viel mit. Es gibt nur wenige Situationen, die man noch nicht durchlebt hat.

LAOLA1: Gibt es einen Trainer, der dich besonders geprägt hat?

Feldhofer: Mehrere! Ich hatte viele Trainer, und ich will auch keinen vergessen, aber besonders hängen geblieben sind Ivica Osim, Josef Hickersberger und auf jeden Fall auch Franco Foda, mit dem ich ja schon zusammengespielt habe und den ich dann als Trainer genießen durfte. Bei den Sturm-Amateuren war sicherlich auch Mischa Petrovic sehr prägend für mich.

LAOLA1: Es gibt verschiedene Wege als Trainer in den Profifußball: Als Co-Trainer weiter oben, man kann sich über den Nachwuchs hochdienen oder bei einer Kampfmannschaft in einer unteren Liga beginnen. Welche Vorteile hatte der Einstieg in Lafnitz für dich?

Feldhofer: Wenn es eine Regel für den besten Weg geben würde, würde es jeder gleich machen. In diesem Fall ist es schön, dass alle Wege möglich sind. Ich habe als Trainer selbst im Nachwuchs angefangen. Das ist eine ganz gute Erfahrung. Dass ich jetzt aus der dritten in die zweite Liga komme, ist toll, das heißt aber nicht, dass es der richtige Weg ist. Ich hatte letzten Sommer Angebote von Vereinen aus höheren Ligen. Ich habe mich aber entschieden, dass ich es mit Lafnitz wissen will, ob wir es schaffen oder nicht, weil es doch mit all den Planungen und Kaderzusammenstellungen irgendwo auch mein Projekt war. Es war für mich persönlich sehr wichtig, das zu Ende zu führen.

LAOLA1: Das ist eindrucksvoll gelungen. Der Durchmarsch in die 2. Bundesliga in dieser Saison ist ein eindrucksvoller. Was ist das Erfolgsgeheimnis des SV Lafnitz?

Feldhofer: Wir hatten Zeit, das zu planen, haben die Mannschaft zusammengelassen und uns immer nur punktuell verstärkt. Das ist jetzt Gott sei Dank so aufgegangen. Letztlich liegt es daran, wie das Vereinsleben gelebt wird – beginnend vom Obmann über den Vorstand bis hin zu allen Mitarbeitern. Die ermöglichen, dass alles passt. Wenn alle mithelfen und am gleichen Strang ziehen, kann so etwas passieren.

LAOLA1: Mit welcher Philosophie geht Lafnitz in die neue zweite Liga?

Feldhofer: Wir wollen vor allem authentisch bleiben. Wir wollen Spieler aus der Region, also Oststeiermark beziehungsweise Burgenland, haben, damit die Leute einen Bezug zur Mannschaft haben. Der Hauptanteil des Kaders kommt aus dieser Gegend, und wenn das nicht möglich ist, müssen wir eben ein bisschen weiter schauen. Generell wollen wir eine Plattform für junge Spieler sein, die noch höher rauf wollen. Mit der zweiten Mannschaft wollen wir in die Landesliga kommen, damit wir sportlich wirklich das optimale Umfeld bieten können.

LAOLA1: Welche Herausforderungen kommen auf den Verein zu, wenn er in den Kreis der 28 Bundesligisten aufsteigt?

Feldhofer (schmunzelt): Ich denke, da wird sich nicht viel ändern. Wir werden sehen, was passiert, aber wir bleiben alle Amateure, so wie wir es jetzt schon sind. Wir trainieren deswegen nicht öfter. Das ist auch nicht möglich, weil alle Spieler berufsstätig sind. Daher wird sich nicht viel ändern, außer dass wir ein paar Mal in den Westen fahren, aber das werden dann schöne Wochenendausflüge.

LAOLA1: Aus welchen Berufsgruppen setzt sich dein Kader aktuell zusammen?

Feldhofer: Der größte Teil sind Lehrer – von Volksschullehrern bis zu Oberstufenlehrern, und das in drei verschiedenen Bundesländern. Wir haben Elektriker, Verkäufer, Büroangestellte, Studenten. Es ist also nicht immer ganz so leicht zu organisieren. Das Schwierigste für einen Trainer ist sicher, das alles unter einen Hut zu bringen, Trainingszeiten zu finden oder die Motivation für die Spieler zu kreieren, dass sie jedes Wochenende so Gas geben.

LAOLA1: Ein paar Kadermitglieder kennt man aus dem Profibereich. Versuchen die, ihre Karriere in Lafnitz wieder in Schwung zu bringen?

Feldhofer: Die älteren Spieler wie ein Michael Tieber, Martin Rodler, Mario Kröpfl oder Winter-Neuzugang David Schloffer sind großteils schon berufstätig. Die lassen ihre Karriere eher bei uns ausklingen. Aber die Jungen sind schon noch motiviert, dass sie nach oben in der Bundesliga kommen. Für sie bieten wir das ideale Umfeld.

LAOLA1: Obmann Bernhard Loidl hat den SV Lafnitz 2009 in der sechsten Leistungsstufe übernommen, seither geht es bergauf. Welche Rolle spielt er?

Feldhofer: Ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Ich kann nur die zweieinhalb Jahre, seit ich beim SV Lafnitz bin, besser beurteilen. Er bietet ein perfektes Arbeitsumfeld, ist ein absoluter Sportsmann, man muss wirklich sagen ein Ehrenmann. Denn sein Wort gilt, wenn er irgendetwas sagt. Es steht aber schon noch eine ganze Maschinerie dahinter, also er ist nicht alleine für das Ganze verantwortlich. Es gibt einige Sponsoren, die ihn begleiten. Die halten einfach zusammen und ermöglichen dieses kleine Wunder.

"Mit einem Verein aus einer 1400-Einwohner-Gemeinde in die zweite Liga aufzusteigen, ist schon ein kleines Wunder."

Ferdinand Feldhofer

LAOLA1: Ist es ein Wunder? Von der Konkurrenz wurdet ihr in die Favoritenrolle gedrängt?

Feldhofer: Mit einem Verein aus einer 1400-Einwohner-Gemeinde in die zweite Liga aufzusteigen, ist schon ein kleines Wunder. Dass alles so funktioniert, wie man es plant, ist schön, aber es war nicht so einfach, wie es ausschaut.

LAOLA1: Wäre der Aufstieg ohne Reform der zweiten Liga möglich gewesen?

Feldhofer: Ganz klar: Unmöglich für Lafnitz! Der Reiz ist jetzt, dass wir in der sportlich höchsten Liga, die für Lafnitz möglich ist, spielen. Das wollten wir unbedingt erreichen. Ich finde es super, wenn man solche Ziele hat, denn ohne Ziele wird man sich nicht weiterentwickeln können. Wir haben es bravourös geschafft und freuen uns, Lafnitz in der neuen Liga präsentieren zu können.

LAOLA1: Wo kann für Lafnitz in dieser Liga die Reise hingehen?

Feldhofer: Nächste Saison ist das Ziel ganz klar, die Liga zu halten. Mehr wird aktuell nicht möglich sein. Es wäre schön, wenn wir uns in der Liga etablieren könnten. Aber es wird sicher schwierig, weil sich die Konkurrenz vermutlich mehr verstärken wird. Wir werden wie bisher weiterarbeiten. Die noch attraktiveren Gegner sind sicher ein Reiz für uns.

LAOLA1: Verstehst du, dass die Liga teilweise kritisch beäugt wird?

Feldhofer: Von Seiten bestehender Zweitliga-Vereine verstehe ich es, weil es finanziell natürlich Verluste gibt. Aber für uns ist es eine Riesen-Chance – in Wahrheit die einzige Chance, um aufzusteigen.

LAOLA1: Den einen oder anderen Aufstieg hat in seiner Trainer-Karriere Ralph Hasenhüttl hingelegt. Als er noch Trainer bei Unterhaching war, hat er gemeint, dass er seine ersten Erfahrungen als Trainer unbedingt in unteren Ligen machen wollte, weil er dort noch den einen oder anderen Fehler machen könne, der ihm im Profigeschäft sofort das Genick brechen würde. Kannst du mit diesem Gedanken etwas anfangen?

Feldhofer: Fehler werden immer passieren, egal wo man trainiert. Die passieren im Nachwuchs genauso wie bei Bayern München – nur das Feedback wird ein anderes sein, größer oder kleiner. In Lafnitz habe ich sehr reife Spieler, die wissen, worauf es ankommt, und sie verzeihen auch Fehler. Wenn keine Fehler passieren, werden wir uns nie weiterentwickeln.

LAOLA1: Ähnlich wie Hasenhüttl in Deutschland hat Peter Stöger in Österreich in der Regionalliga gearbeitet. Man merkt, es kann schnell gehen.

Feldhofer: Es kann sehr schnell gehen. Wie gesagt: Letzten Sommer waren Angebote da, ich habe mich aber trotzdem für Lafnitz entschieden. Man kann jetzt sagen, das war falsch, aber für mich zählt eigentlich nur, was für mich richtig ist. Ich habe mir selbst bewiesen, dass meine Planungen gestimmt haben, und das ist mir persönlich schon sehr wichtig.

LAOLA1: Hasenhüttl, Stöger oder Adi Hütter arbeiten auf Top-Niveau. Ansonsten gibt es immer wieder Kritik an der heimischen Trainer-Szene. Verstehst du das?

Feldhofer: Ich glaube, wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken, egal ob das Deutschland, Schweiz oder andere Länder sind. Man merkt immer wieder, dass die österreichische Liga stärker ist, als ausländische Trainer oder Spieler glauben. Wir haben sehr gute Trainer in Österreich, die jederzeit überall trainieren könnten. Wie man sieht: Es beweisen sich ja immer mehr Trainer im Ausland. Das schadet uns Österreichern sicher nicht, und wir brauchen nicht immer nur negativ sein und jammern, sondern wir wissen schon, was wir tun. Man kann ruhig stolz sein, Österreicher zu sein.

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