Krise in der WWE: Gründe & Lösungsvorschläge

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Vince McMahon dürfte die Hantel aus den Armen gefallen sein, als er Ende November einen Blick auf die Einschaltquoten seiner WWE (World Wrestling Entertainment) warf.

Der 70-Jährige musste in den letzten Wochen und Monaten zahlreiche Tiefschläge hinnehmen, aber das war ein neuer Höhepunkt.

Erstmals seit 1997 schalteten weniger als drei Millionen Zuschauer bei „WWE Raw“, dem Flaggschiff des „WWE Universums“ ein. Das Rating von 2,16 war zuletzt am 17. Februar 1997 niedriger.

Zur Erklärung: In den USA wird mit den Ratings der prozentuelle Anteil aller TV-Haushalte, die zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Sendung sehen – in diesem Fall „Raw“, gemessen.

Zur Blütezeit des Wrestlings rund um die Jahrtausendwende erreichte die Sendung noch regelmäßig Ratings von über 6,00. Stück für Stück ging es jedoch in den letzten Jahren bergab. Manche Probleme sind hausgemacht, andere wiederum konnten McMahon und seine Vertrauten, darunter Tochter Stephanie McMahon und Schwiegersohn Triple H (bürgerlich Paul Levesque), nicht verhindern.

LAOLA1 wagt einen Blick hinter die Kulissen des „Sports Entertainment“ und verrät die Gründe für das schwindende Interesse an den WWE Superstars. Zugleich wollen wir Wege aufzeigen, wie diese Krise überwunden werden kann.

 

WWE-Legenden: The Rock, Austin, Triple H, Cena

„Attitude vs. PG Era“

Rückblick in die 90er. Die WWF, erst nach einem verlorenen Rechtsstreit gegen die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) im Jahr 2002 erfolgte die Umbennenung in WWE, befand sich auch damals in einer ernsthaften Krise. Der große Konkurrent namens World Championship Wrestling (WCW) begab sich auf der Überholspur und bereitete den McMahons und ihrem Imperium zunehmend Probleme.

Deren Kernshow „WWE Monday Night Raw“ wurde mit – man beachte die sehr ähnliche Aussprache – „WCW Monday Nitro“ ein Konkurrenzprodukt entgegengestellt, das den Nerv der Zeit traf. Ältere Semester werden sich noch sehr gut an die Geburtsstunde der „nWo“ (New World Order) erinnern, als Hulk Hogan vom Guten („Face) zum Bösen („Heel“) avancierte und der WCW einen Höhenflug bescherte.

Um dem entgegenzuwirken, läutete die WWF die sogenannte „Attitude Era“ ein. Die Charaktere wurden geschärft, die zu spielenden Rollen, sogenannte „Gimmicks“, erhielten einen brutaleren Anstrich. Stone Cold Steve Austin und später The Rock taten sich als große Aushängeschilder hervor und bescherten der WWF einen Fan-Zulauf, der am Ende dazu führte, dass die WCW den Quotenkampf verlor und von McMahon und seinem Unternehmen aufgekauft wurde.

Als Austin und The Rock schließlich dem Business den Rücken kehrten und stattdessen ihre Schauspielkarrieren verfolgten, kamen der größten Wrestling-Liga der Welt Sponsoren abhanden. Die Ausrichtung musste geändert werden. Waren es bis dahin vor allem Erwachsene (Zielgruppe ab 14 Jahren), die angesprochen werden sollten, richtete man sich fortan mehr auf Kinder und Jugendliche. Die „PG-Era“ (Parental Guidance Era) war geboren.

Damit können sich viele alteingesessene Fans bis heute nicht anfreunden, sie wünschen sich Legenden wie Mick Foley zurück, der stellvertretend für viele epische Hardcore-Wrestlinggrößen und –kämpfe erwähnt werden soll.

Feindbild Nummer eins ist für sie John Cena, der für das ältere Semester als Sinnbild für die vermeintlich langweiligere „PG-Era“ steht.

Sie sind mehr als ein optischer Aufputz der WWE - die Diven:

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Lana

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Cameron

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Charlotte

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Emma

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Eva Marie

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Nikki Bella Bild 101 von 149
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Paige Bild 114 von 149
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Storylines

Vielen Wrestling-Fans gefallen schon seit langem die Storylines nicht mehr. Alles würde sich wiederholen, es sei nichts Innovatives dabei, liest man regelmäßig in einschlägigen Foren. Die Wut der Zuschauer ist verständlich, denn in der Tat tut sich nur noch selten etwas, über das nicht nur in Wrestling-Kreisen gesprochen wird.

Ruf man sich die letzten ein, zwei Jahre in Erinnerung, blieben nur wenige Kämpfe in den Köpfen hängen. So etwa die blutige Schlacht zwischen Brock Lesnar und dem Undertaker beim diesjährigen „Hell in a Cell". Oder natürlich Wrestlemania XXX, als Lesnar die unglaubliche Siegesserie des „Deadman“ beendete und den Taker im größten aller Wrestling-Events vor mehr als 75.000 Fans im Mercedes-Benz Superdome zu New Orleans besiegte.

Insgesamt läuft aber zu viel nach Schema F ab, die nötige Kreativität scheint den Produzenten und Storyline-Verantwortlichen abhandengekommen zu sein. Vince McMahon hat auch heute noch das letzte Wort über diverse Skripten des Kreativ-Teams und soll Berichten zufolge die eine oder andere Ansprache der WWE Superstars selbst verfassen.

John Cena, das große Aushängeschild in puncto Merchandise, hängt nach dem Geschmack vieler schon zu lange in der Rolle des „good guys“ fest. Die WWE scheint Angst davor zu haben, an Zugkraft bei den Fanartikeln zu verlieren, sollte er „Heel“ turnen, also zum Bösewicht mutieren.

Roman Reigns, der als sein Nachfolger aufgebaut werden soll und bereits die Nummer zwei bei den Fanartikel-Verkäufen ist, gilt als ähnlicher Typ: Liebling der WWE-Bosse, aber viel zu brav für einen Teil der Fans. Erst am vergangenen Wochenende änderte man beim PPV "TLC" die Taktik und ließ ihn nach einer Niederlage durchdrehen. Echte Heels, die die Massen mitreißen wie einst Austin zu WWF-Zeiten oder Hogan und die Outsiders (Kevin Nash und Scott Hall) in der WCW, fehlen ansonsten weit und breit.

Die Teilzeitwrestler Undertaker und Lesnar

Teilzeit-Wrestler und Verletzte

Unabhängig davon, dass viele Legenden ihre Karrieren beendeten bzw. beenden mussten – man denke an Ric Flair, Shawn Michaels, Edge oder Christian – gäbe es immer noch genug Aushängeschilder für die in Stamford, Connecticut ansässige WWE. Der Haken an der Sache: Viele davon sind a) verletzt oder b) nur noch Teilzeit-Wrestler.

Paradebeispiel für den Immer-mal-wieder-Wrestler ist der Undertaker. Der inzwischen 50-Jährige ist zwar immer noch in der Lage, für Fights der Extraklasse zu sorgen, benötigt aber immer längere Regenerationsphasen. Dadurch gönnt ihm die WWE, die weiterhin viel Geld mit ihm verdient, längere Auszeiten.

John Cena ist bereits seit einigen Wochen nicht mehr zu sehen, um sich der Schauspielerei zu widmen. Mit Brock Lesnar fällt ein weiterer Hochkaräter in diese Kategorie, auch er blieb den Shows über Wochen hinweg fern. Er soll mit Jahresbeginn wieder einsteigen und beim Royal Rumble den Roster aufmischen.

Bei The Rock weiß man nie so genau, ob er rund um Wrestlemania in eine Storyline eingebaut wird oder nicht. Angeblich ist er beim Mega-Event 2016 dabei, darf jedoch aufgrund seiner Verpflichtungen in Hollywood nicht selbst zulangen. Chris Jericho befindet sich mit seiner Heavy-Metal-Band Fozzy auf Tour, Triple H ist indes aufgrund seiner Verpflichtungen hinter den Kulissen vorwiegend als Teil der „Authority“, die im WWE Universum das Sagen hat, zu sehen. Er wird voraussichtlich bei Wrestlemania einen Kampf bestreiten, aufgrund der Vorfälle bei "TLC", als ihn Reigns brutal attackierte, vielleicht auch schon beim Royal Rumble.

Als wären all diese Vorgaben nicht genug, müssen die Fans auch auf zahlreiche Verletzte verzichten. Seth Rollins verabschiedete sich als amtierender WWE World Heavyweight Champion mit einem Kreuzbandriss unfreiwillig für sechs bis neun Monate aus dem Geschäft und war dadurch seinen Titel los. Ein schwerer Schlag für McMahon und Co., sollte der 29-Jährige doch als neuer Super-Bösewicht aufgebaut werden.

Der Ausfall von Cesaro (Schulterverletzung) mag verkraftbar sein, viele Experten sehen in dem Schweizer allerdings einen potenziellen Leader, vorausgesetzt, die Verantwortlichen helfen ihm mit dem nötigen Push.

Schwerer ins Gewicht fallen da die Ausfälle von Sting, der 2014 erstmals für die WWE in den Ring stieg und sich schwer am Nacken verletzte, und Daniel Bryan. Der Ehemann von Diva Brie Bella war zuletzt vor mehr als sechs Monaten zu sehen, als er erklärte, möglicherweise seine Karriere beenden zu müssen. Der 34-Jährige leidet bis heute an den Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung. Seine Zukunft ist weiter ungewiss.

Ein blutender Ric Flair: Heute eine Seltenheit

Wege aus der Krise

  • In einem Punkt reicht den McMahons ein wenig Geduld: Cena und Lesnar werden in einigen Wochen zurückkehren und ohne das Zutun der Bosse dafür sorgen, dass der Quoten-Abwärtstrend gestoppt wird. Die beiden polarisieren beim Publikum und sorgen automatisch für Rückkehrer vor den Bildschirmen.

  • Das Kreativ-Team muss wieder Mut beweisen. Als die WCW der WWF das Wasser abgrub, ging man völlig neue Wege. Aufgrund der Monopol-Stellung – TNA oder Independent-Ligen sind nicht ansatzweise eine Gefahr – wird der Eindruck erweckt, als sei man träge und nachlässig geworden. Cena als Heel wäre ein möglicher Schritt, auch wenn das ein gewisses Risiko bedeuten würde.

  • Die Ausrichtung sollte überdacht werden. Viele Fans wollen härtere Kämpfe sehen, in denen auch mal (Kunst)Blut spritzt. Die „Attitude Era“ wird man nicht 1:1 wiederaufleben lassen können, aber eine gesunde Mischung macht’s: Ab und an sollte die Erwachsenen-Community bedient werden. Reigns' Wutanfall gegen Triple H lässt bereits darauf hindeuten, dass die einst so populäre Rivalität zwischen Austin und Vince McMahon neu aufgelegt wird.

  • Legenden könnten ins Boot geholt werden. McMahon hat unglaublich viel für das Sports Entertainment getan, aber frisches Blut hat noch niemandem geschadet. Leute wie Mick Foley, der in den sozialen Netzwerken des Öfteren gewütet hat, hätten nichts dagegen, Verantwortung zu übernehmen. Positiver Nebeneffekt: Sie haben Legenden-Status bei den Fans und würden zu einer positiveren Stimmung beitragen.

  • Große Talente werden unnötig verheizt. Dolph Ziggler kommt bei den Fans gut an, wird aber seit seinem Push bei der Survivor Series 2014 zumeist in der Midcard eingesetzt. Dasselbe gilt für Cesaro. Kevin Owens und der frischgebackene Intercontinental Champion Dean Ambrose gehören zwar eine Stufe darüber zur sogenannten Upper Midcard, doch auch sie hätten das Potenzial für Main Events, also Hauptkämpfe. Man sollte ihnen die Chance geben – wann, wenn nicht jetzt? Umgekehrt muss man sich beim einen oder anderen „WWE Superstar“ fragen, warum er gepusht wird, ohne die entsprechende Resonanz beim Publikum auszulösen.


Christoph Nister

 

Was würdet ihr an der WWE ändern? Wer sollte gepusht werden?

 

 

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