Von der Reha zur Medaillenhoffnung: Beierls Olympia-Comeback
Nach einem Schlaganfall hängt Katrin Beierls Karriere am seidenen Faden - nun fährt sie als Medaillenanwärterin zu Olympia.
Von einem Bruch des Mittelfußknochens lässt sich eine Katrin Beierl nicht aus der Bahn werfen.
Zwei Wochen nach ihrer Operation ist die Bobfahrerin aus Niederösterreich nach Cortina d'Ampezzo zurückgekehrt und nimmt ab Donnerstag die Trainings für die olympischen Bewerbe im Monobob und Zweierbob in Angriff.
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Beierl hat schon schwierigere Situationen gemeistert, vor dreieinhalb Jahren schien ihre Karriere nach einem Schlaganfall während eines Urlaubs in Peru zu Ende zu sein. Beierl kämpfte sich nach dem Notfall im Sommer 2022 zurück, fährt im Monobob ihre beste Saison und gibt nun ihr Olympia-Comeback - als Medaillenanwärterin, falls sie die Fußverletzung gut überstanden hat.
"Habe nichts neu lernen müssen"
Über ihre Erkrankung im Alter von nur 28 Jahren spricht sie offen und will jungen Menschen mit gleichem Schicksal damit Mut machen.
Beierl erzählte im APA-Gespräch von einer schwierigen Zeit nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking, der Trennung von ihrer Anschieberin Jennifer Onasanya und der Frage, wie es mit ihrer Karriere weitergeht.
"Dann kam der Schlaganfall. Gott sei Dank hatte ich keine motorischen Probleme, ich habe nichts neu lernen müssen", erzählte sie.
Sehr erfolgreiche Karriere
Bei der Tochter von Leistungssport-Eltern kam danach die Kämpfernatur hervor. "Seitdem ich sechs bin, mache ich Wettkämpfe, seit ich sechs bin, habe ich Verletzungen. Das ist einfach eine Verletzung, eine schwerere halt. Du darfst dich bemitleiden, vielleicht bei größeren Verletzungen ein bisschen länger, aber danach braucht es einen Plan. Ich bin froh, dass mein Plan so funktioniert hat. Das ist der größte Schulterklopfer, den man sich machen kann. Jetzt stehe ich da, das ist wirklich cool", erklärte Beierl im Vorfeld der Spiele.
Sie war bereits davor Gesamtweltcupsiegerin und zweifache EM-Medaillengewinnerin. "Man kann nicht sagen, dass ich nicht erfolgreich war. Das hat einfach extrem viel Druck rausgenommen."
Routinekontrollen und Medikamente
Geblieben sind "Routinekontrollen, und ein paar Medikamente muss ich nehmen, die man als Sicherheitsnetz braucht. An schlechten Tagen flimmert es ganz links unten (im Auge), aber das ist mehr was Nerviges, als dass es beeinträchtigen würde. An guten Tagen spüre ich gar nichts".
Etwas vorsichtiger geht sie es aber an. "Wenn ich Schwindel habe, fahre ich nicht, aber das ist nicht öfter als davor. Wenn du in die Bande einschädelst, tut das weh, egal ob Schlaganfall oder nicht, und es wird dir schwindelig. Dann fahre ich ein, zwei Tage weniger als davor", sagte Beierl. Die Letztentscheidung hat ohnehin ihr Neurologe.
Immer wieder wird sie darauf angesprochen, aus dem Weg geht sie dem Thema nicht. "Es schreiben oft Leute, die selbst davon betroffen sind: kannst du mir Tipps geben, wie hast du das gemacht. Man fragt sich als jüngerer Mensch, warum grad ich? Zu sehen, dass es auch anderen passiert, kann schon Kraft geben. Wenn es nur einer Person hilft oder wenn nur eine Person deshalb rechtzeitig ins Krankenhaus geht, dann hat es sich ausgezahlt, darüber zu reden. Wenn ich es schaffe, mit dem Bob wieder vorne mitzufahren, dann schaffen andere Leute ganz anderes", erläuterte sie ihre Beweggründe.
Emotionaler Erfolg in Lillehammer
Ihr großes Ziel war, noch einmal aufs Stockerl zu fahren. Vergangenen Dezember war es mit Rang zwei in Lillehammer so weit. "Ich habe nach dem Schlaganfall von einer Medaille geträumt. Dass es an so einem normalen Samstag passiert, wo auch Papa mit war, obwohl er gar nicht vorgesehen war - es hat alles so sein sollen", sagte Beierl. Es folgten weitere Top-Platzierungen, vor allem im Monobob, und EM-Silber in St. Moritz.
Druck will sie sich im Einsitzer-Bewerb am 15. und 16. Februar aber nicht machen. "Das ist nichts, worüber ich mir Gedanken mache. Ich habe alles gemacht, was irgendwie geht", sagte Beierl vor ihrer Fuß-Verletzung.
Dass es in diesem Winter im Monobob besser läuft als im Zweier, kann sie sich nicht erklären. "Es ist, wie wenn ich ein Paralleluniversum betreten hätte", sagte die 32-Jährige, die im Zweierbob am 20. und 21. Februar mit der eingebürgerten Jamaikanerin Christania Williams an den Start geht.
Das wird dann ihr Abschied von Olympia. Beierl will noch eine Saison weiterfahren, gleichzeitig ihre berufliche Karriere vorantreiben. Im vergangenen Juli hat sie ihre Ausbildung bei der Polizei abgeschlossen, in der wettkampf- und trainingsfreien Zeit trifft man sie im Streifendienst in Zirl in Tirol. In ihrem Jus-Studium fehlen ihr noch zwei Prüfungen, die sie im Idealfall im Sommer absolviert.