Nach WM-Gold: Herzog "fehlen die Worte"

Aufmacherbild Foto: © Martin Nitsch/ÖESV
 

37,12. Das sind jene Zahlen, die sich Vanessa Herzog wohl ein Leben lang merken wird. Mit Bahnrekord in 37,12 Sekunden läuft die gebürtige Tirolerin am Freitag bei der Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft in Inzell zu ihrer ersten WM-Medaille - und diese glänzt direkt in Gold.

Die 23-Jährige beendet damit eine fast 20 Jahre andauernde Durststrecke. Denn die letzte österreichische Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft datiert aus dem Jahr 1999 von Emese Hunyady. Kurz nach ihrem Erfolg ist Herzog in einem ersten Statement sprachlos: "Es ist unglaublich, mir fehlen die Worte. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen."

Ein Traum, der durchaus überraschend in Erfüllung gegangen ist. Denn eigentlich rechneten alle mit einem Sieg der Japanerin Nao Kodaira. Die 32-Jährige gewann zuletzt 37 Rennen über diese Distanz in Serie, bei sechs 500-Meter-Bewerben in dieser Saison musste sich Herzog mit Platz zwei hinter Kodaira zufrieden geben.

Wieso die Tirolerin trotz allerdem am Ende siegreich war: "Ich bin gut weggekommen, das war meine schnellste Startzeit (10,43, Anm.). Und die Runde war einfach nur geil", sagt Herzog.

Kodaira reiste extra früher an

Kodaira war am vergangenen Wochenende eigens einen Tag früher vom Weltcup in Hamar abgereist, um in Herzogs Haupt-Trainingshalle Inzell einen Tag mehr der WM-Vorbereitung zu haben. Die "Lokalmatadorin" wusste daher auch um die Gefährlichkeit ihrer größten Konkurrentin.

Ihre drei 500-m-Siege in diesem Weltcup-Winter feierte Herzog in Abwesenheit Kodairas.

Freudestrahlend ist auch Trainer und Manager Thomas Herzog. "Es war ein relativ perfekter Lauf", meint er über die Leistung seiner Ehefrau. "Der Start ist extrem gut gewesen, die erste Gerade war sehr gut, auf der Gegengeraden hat sie sich nicht ablenken lassen von Brittany und hat einen sehr guten Kurveneingang gehabt in die letzte Kurve, hat dann ein bisschen Druck bekommen und war ein bisschen unsauber, ist aber traumhaft aus der Kurve herausgekommen."

WM als großes Ziel vor der Saison

Die Herzogs hätten gewusst, dass sie den Bewerb mit 37,0 oder 37,1 gewinnen können. Dementsprechend fiel auch Herzogs Jubel nach ihrem Zieleinlauf in der gut gefüllten, 4.000 Besucher fassenden Halle aus. Das Brechen von Kodairas Serie war für Thomas Herzog die Extra-Motivation: "Das war unser Ziel für die ganze Saison. Wir haben alles auf dieses eine Rennen, auf den 8. Februar ausgelegt."

Seine Frau habe wieder einmal gezeigt, dass sie mit Druck gut umgehen könne. "Das Gute ist, sie kann so abliefern. Wir waren wirklich beide angespannt den ganzen Tag."

Der Fehlstart von Bowe sei letztlich sogar als gutes Omen zu Werten gewesen. "Sie (Vanessa Herzog, Anm.) hat das gehabt in Kolomna beim ersten EM-Titel und in Klobenstein beim zweiten EM-Titel. Bei allen guten Rennen hat sie eine Gegnerin, die einen Fehlstart macht. Sie behält aber die Nerven."

Nächste Chance bereits am Samstag

Das Ziel sei jetzt erreicht, auch wenn am Samstag (13:15 Uhr, live auf ORF Sport+) noch die Entscheidung über 1.000 m folge. Es bleibe da abzuwarten, wie es gelingen werde, noch einmal in die Medaillenränge zu laufen.

Thomas Herzog: "Bis jetzt tun wir uns schwer, nach einem solchen 'Once-in-a-lifetime'-Erfolg noch einmal abzuliefern. Wir werden versuchen, dass wir den Tag bei Null beginnen. Aber Ziel war eine Medaille, jetzt ist es der Weltmeistertitel."

Es ist die insgesamt zehnte WM-Medaille im österreichischen Eisschnelllauf bzw. die erste seit knapp 19 Jahren, als Emese Hunyady am 5. März 2000 in Nagano Einzelstrecken-Bronze über 1.500 m geholt hatte. Die "Eisgräfin" hatte auch die davor einzigen WM-Titel in Rot-Weiß-Rot geliefert, nämlich einen am 6. Februar 1994 in Butte/USA im Mehrkampf sowie am 14. März 1999 in Heerenveen über 1.500 m.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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