Die Uhr im ÖSV-Wahl-Slalom tickt

Die Uhr im ÖSV-Wahl-Slalom tickt Foto: © GEPA
 

Was der Präsident sagt, wird auch gemacht!

Dieses Credo ist nicht selten zu hören, wenn über ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel gesprochen wird. Aktuell scheint aber genau dieses Credo für den heimischen Ski-Verband zum großen Problem geworden zu sein.

Schröcksnadel zieht sich im Juni nach 31 Jahren im Amt zurück, die Suche nach seinem Nachfolger gestaltet sich jedoch wie ein Slalom-Lauf auf eisglatter Piste: Es geht zwischen den Kandidaten Michael Walchhofer und Renate Götschl hin und her, Ausrutscher inklusive.

Dabei hat Schröcksnadel selbst stets betont, dass er keine Kampfabstimmung um seine Nachfolge möchte. Stattdessen wünscht er sich nur einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin, der oder die dann bei der ÖSV-Länderkonferenz am 19. Juni in Villach einstimmig gewählt wird.

Von einer Einigung kann im Moment keineswegs die Rede sein, auch weil sich Schröcksnadel – für viele zu sehr – in die Suche nach seiner Nachfolge eingemischt hat.

Nachdem lange Zeit Michael Walchhofer der einzige Kandidat zu sein schien, überraschte Mitte April Renate Götschl mit ihrer Kandidatur.

Die ehemalige "Speed-Queen" soll von Schröcksnadel favorisiert und deshalb ins Rennen gegen Walchhofer geschickt worden sein. Die These, Schröcksnadel will via Götschl weiterhin Einfluss auf "seinen" ÖSV nehmen, hält sich seit Bekanntwerden von Götschls Kandidatur hartnäckig.

Der Noch-Präsident bestreitet das und beteuert gegenüber dem "Standard", dass all seine Funktionen im Skiverband "erlöschen, wenn ich nicht mehr ÖSV-Präsident bin". In die Kandidatensuche habe er sich eingemischt, weil er gesehen habe, dass diese nicht gut laufe.

"Diese Suche wäre die Aufgabe der Landesverbände, aber da ist ihnen nicht viel gelungen, das war das Dilemma. Da war es mein gutes Recht, auch Kandidaten zu suchen. Natürlich habe ich das getan", sagte er gegenüber dem "Standard."

Götschl soll sich jedoch im Gegensatz zu Walchhofer vor einem Hearing vor den versammelten Landesverbands-Präsidenten gedrückt und sich stattdessen nur vor einzelnen Vertretern der Länder präsentiert , dabei aber nicht vollends überzeugt haben.

Die Macht der Landesverbands-Präsidenten

Die Unterstützung der Landesverbands-Präsidenten ist bei der ÖSV-Wahl entscheidend. Je mehr Mitglieder ein Verband hat, desto mehr Stimmen darf er vergeben.

Die größte und damit stimmenstärkste Landes-Organisation ist Tirol (392 Stimmen), gefolgt von Oberösterreich (204), Vorarlberg (188), der Steiermark (168), Salzburg (145), Kärnten (124) und Niederösterreich (79). Wien (39) und das Burgenland (12) halten die wenigsten Stimmen.

Während Walchhofer zwar die Mehrheit der Länder auf seiner Seite zu haben scheint, steht die Westachse mit Tirol und Vorarlberg sowie Wien auf Seiten Schröcksnadels und damit auf jener von Götschl. Die 45-Jährige, die mit ihrer Familie in Spielberg wohnt, kann wohl auch mit den Stimmen "ihrer" Steiermark rechnen, womit sie die Mehrheit hätte.

In der Vorwoche schien es so, als hätte der ÖSV bei der Suche nach dem neuen Präsidenten die letzte Zwischenzeit passiert und das Ziel bereits im Auge.

Es hieß, die Präsidenten der Landesverbände hätten sich auf eine Lösung mit Walchhofer als Präsidenten und Götschl als Vize-Präsidentin geeinigt. "Ich weiß nichts davon", zeigte sich Götschl gegenüber ORF Steiermark überrascht. "Bei mir hat sich nichts verändert, ich kandidiere immer noch als Präsidentin."

Das millionenschwere ÖSV-Imperium

Der Kompromiss soll auch gescheitert sein, weil keiner der beiden als Geschäftsführer der bedeutsamen Kapitalgesellschaften bzw. der neuen Holding des Skiverbandes vorgesehen gewesen wäre.

Der ÖSV ist unter der Führung von Schröcksnadel zu einem Imperium angewachsen. Der Skiverband, der 1.100 Vereine und 140.000 Mitglieder zählt, ist mittlerweile ein Wirtschaftsunternehmen mit rund 40 Millionen Euro Jahresbudget und knapp 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Diese Gesellschaften unter dem Dach der Austria Ski Team Handels- und Beteiligungs-Ges.m.b.H. dienen unter anderem der Abwicklung sämtlicher Weltcup-Veranstaltungen in Österreich. Ausgenommen hierbei sind die Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel und die Vierschanzen-Tournee der Skispringer, die sich selbst vermarkten.

Alle anderen Veranstaltungsorte von Weltcup-Bewerbe zahlen einen je nach Art der Veranstaltung gestaffelten Beitrag an den ÖSV (laut "Salzburger Nachrichten" für ein Einzelrennen rund 500.000 Euro, für ein Wochenende eine Million), der Skiverband trägt dafür alle Kosten, kassiert aber auch sämtlich Einnahmen wie TV, Tickets oder Werbung.

Eine weitere wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Tochtergesellschaft ist die Austria Ski WM & Großveranstaltungs Gmbh. Wie der Name schon sagt, ist diese für die Ausrichtung aller Großveranstaltungen in Österreich wie etwa die Ski-WM 2013 in Schladming oder die Nordische WM 2019 in Seefeld und auch die kommende Ski-WM 2025 in Saalbach-Hinterglemm verantwortlich. Dass es hier um Millionen-Beträge geht, ist selbstredend.

Aktuell sind bei allen Gesellschaften der ÖSV-Präsident und der Generalsekretär (Christian Scherer) Geschäftsführer und damit für ein Budget von geschätzt 40 Millionen Euro verantwortlich.

Dem Vernehmen nach hätte die Westachse um Tirol gerne, dass diese Agenden in ihren Reihen bleiben. In diesem Zusammenhang tauchte zuletzt öfters der Name Markus Schröcksnadel - 56-jähriger Sohn des Noch-Präsidenten - auf, dieser dementierte aber umgehend.

Auch Schröcksnadel senior betont, dass er schon vor einiger Zeit alle Funktionen in den Gesellschaften des ÖSV mit Wirkung 19. Juni zurückgelegt habe.

Walchhofer hat von Beginn seiner Kandidatur weg keine Zweifel aufkommen lassen, dass er die Zukunft des Verbandes ohne Einflüsterer bestimmen will.

"Ich habe relativ früh und oft klar gemacht: Der Präsident muss in den Gesellschaften die wirtschaftliche Verantwortung gemeinsam mit dem Generalsekretär haben. Sollte das nicht der Fall sein, stehe ich nicht zur Verfügung", erklärte der Salzburger Ex-Abfahrtsweltmeister und Hotelier im ORF abermals deutlich.

Die Zeit läuft davon

Langsam aber sicher wird im Rennen um die ÖSV-Präsidentschaft auch die Zeit knapp. Laut ÖSV-Statuten muss sich der Wahlausschuss bis 21 Tage vor der Wahl, die am 19. Juni stattfindet, auf einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin verständigt haben.

Der Wahlausschuss tagt am Dienstag wieder und nimmt einen erneuten Anlauf, zu einer Einigung zu kommen.

Sollte das bis Ende Mai nicht gelingen, könnte es zu einem Novum kommen, denn bisher gab es bei einer ÖSV-Präsidenten-Wahl noch nie eine Kampfabstimmung zwischen zwei Kandidaten.

Dieser Fall ist selbst in den Statuten nicht verankert. "Sie müssen beide zusammenfinden in irgendeiner Form", sagt Schröcksnadel über die Kandidaten Walchhofer und Götschl.

An den beiden ehemaligen Ski-Stars scheint es jedoch nicht zu liegen, so wie der Präsident sagt...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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