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Skitechniker Alex Martin: Der Mann hinter den Weltcup-Erfolgen

Welche Athleten besonders anspruchsvoll waren und wie viel ein Servicemann wirklich zum Erfolg beiträgt: HEAD-Skitechniker Alex Martin hat uns die Türen zu den "heiligen Katakomben" des Skiraums geöffnet.

Skitechniker Alex Martin: Der Mann hinter den Weltcup-Erfolgen

Er ist präzise, beherrscht sein Handwerk wie kein anderer und gilt längst als "alter Hase" im Geschäft: Alex Martin.

Der gebürtige Vorarlberger ist – mit kleinen Unterbrechungen – seit 1996 Skitechniker bei HEAD und hat in dieser Zeit Ski-Größen wie Ted Ligety auf ihrem Weg zu Weltcup-Siegen und Olympia-Gold begleitet. Heute betreut Alex Martin die Skier der ÖSV-Athleten Lukas Feurstein und Stefan Babinsky.

Wir haben mit ihm über seinen außergewöhnlichen Beruf gesprochen – über die Vorbereitungen für die Olympischen Winterspiele 2026, Materialentscheidungen, große Erfolge der Vergangenheit und kleine Hoppalas, die niemand bemerkt.

LAOLA1: Wenn du einem Laien deinen Job erklären müsstest – wie würdest du ihn beschreiben?

Alex Martin: Das ist eigentlich ganz einfach: Ich schaue, dass die Ski so gut präpariert sind, dass der Athlet so schnell wie möglich und unfallfrei den Berg hinunterkommt.

Wie sehr verändert sich deine Arbeit in einer Saison, in der ein Großereignis wie die Olympischen Winterspiele vor der Tür steht?

Eigentlich gar nicht. Im Endeffekt muss der Erfolg schon da sein, sonst hast du ja gar keine Berechtigung, bei Olympia mitzufahren. Für uns zählt das Weltcup-Rennen genau gleich wie Olympia – nur, dass der Hype bei Olympia größer ist. Aber an der Arbeit selbst ändert sich nichts.

Schauen wir uns so einen Renntag doch einmal genauer an: Wie viel schläfst du als Servicetechniker im Durchschnitt?

Das Rennen selbst ist nicht so aufwendig wie ein Trainingstag. An einem guten Trainingstag hast du viel mehr Läufe, ein viel größeres Volumen, einen viel größeren Umfang und brauchst viel mehr Skier. Dadurch haben wir auch weniger Zeit zum Schlafen.

An einem Renntag sind wir normalerweise schon zu einer normalen Uhrzeit wieder im Hotel, so um sieben Uhr abends. Dann gehen wir noch Essen, danach vielleicht noch ein gemeinsames Bier – also nur wir Servicetechniker, natürlich nicht mit den Athleten – und dann früh schlafen gehen und früh wieder aufstehen.

Wann läutet an einem Renntag der Wecker in der Regel?

05:30 Uhr. Wenn man ein Morgenmensch ist, kommt einem das sehr zugute.

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Foto: ©LAOLA1

Welche Aufgaben hast du während eines Renntags? Setzt du dich nach dem Präparieren der Ski gemütlich vor den Fernseher und beobachtest das Rennen oder wie dürfen wir uns das vorstellen?

Der Renntag ist eigentlich sehr speziell. Der beginnt in der Regel relativ früh. Der Athlet fährt mit mir gemeinsam auf den Berg. Dann macht er sein Warm-up-Programm, während ich das Auto auslade. Danach fahre ich mit ihm zur Besichtigung, dann wird eingefahren, und dann geht’s eh schon los mit dem ersten Durchgang. Dazwischen gibt es meistens eine Besprechung, also da wird einem nicht langweilig.

Wie viele Paar Ski hat ein Athlet bei einem Weltcup Rennen, bei Olympischen Spielen oder bei der Vorbereitung in Übersee dabei?

Also man muss da unterscheiden: Bei den Rennen ist es von der Anzahl der Ski her schon weniger. Da gibt es meistens nur zwei Läufe, da brauchen wir keine zehn Paar Ski. In Übersee ist es schon anders. Da haben wir relativ viele Ski dabei, weil wir umfangreich trainieren. Da sind wir pro Athlet bei ca. 40 Paar Ski.

Was ist der Satz, den du an einem Renntag am häufigsten sagst – entweder laut ausgesprochen oder nur für dich?

Heut' passt’s.

Und welchen Satz hörst du am häufigsten an einem Renntag?

Passt alles?

Du bist schon lange im HEAD-Team dabei, betreust A-Kader-Athleten, hast aber auch schon B-Kader-Athleten oder jüngere Sportler betreut. Wie unterscheidet sich da die Arbeit?

Wir unterscheiden grundsätzlich nicht zwischen jüngeren und älteren Athleten. Der einzige Unterschied findet sich zwischen sehr guten und guten Athleten: Der Top-Athlet kann dir ganz genau sagen kann, was er will und braucht. Nachwuchsfahrer sind oft noch nicht so weit, dass sie das genau wissen, das muss sich erst alles einspielen.

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Foto: ©LAOLA1

Bist du auch gefordert, die jüngeren Athleten bis zu einem gewissen Grad zu "erziehen", damit sie dir gutes Feedback geben?

Ja, logisch. Je mehr du mit deinem Athleten kommunizierst, desto besser. Ich bin schon ein alter Hase in diesem Zirkus und habe viel Erfahrung, die ich mit meinen Nachwuchsfahrern teilen kann. 

Was würdest du sagen: Wie viel Prozent am Erfolg eines Athleten macht das Material aus?

Fünf Prozent?! Sicher nicht mehr. Das Material ist von allen Anbietern durchwegs top, nicht nur von HEAD. Den Unterschied macht am Ende der Athlet. Es gibt vielleicht Situationen, in denen die Ausrüstung bzw. das Material den Unterschied machen kann, beispielsweise, wenn es sehr kalt ist. Dann könnten es vielleicht sieben Prozent sein, oder lass es zehn sein. 

Wie viel "Wissenschaft" steckt mittlerweile im Beruf eines Skitechnikers und wie viel ist Bauchgefühl?

Ich würde sagen 50:50. Aber das Bauchgefühl braucht es auch jeden Tag.

Als Außenstehender hat man häufig das Gefühl, dass in Bezug auf das Material sich alles rasant weiterentwickelt: Alles wird präziser, genauer, schneller. Löst das Druck in dir aus? Und beobachtest du dabei auch, was die Konkurrenz macht?

Nein, eigentlich nicht. Natürlich will man, dass der eigene Athlet Erfolg hat. Aber da schaue ich nicht nach links oder rechts, sondern fokussiere mich auf mich und meine Arbeit und darauf, dass mein Athlet so schnell wie möglich den Berg hinunterkommt.

Springen wir einmal ins Jahr 2035: Wie sieht ein idealer Ski aus? Was müsste sich verändern?

Ich denke, irgendwann wird die Technologie so weit sein, dass wir per USB-Stick irgendwas auf die Ski spielen können. Das wird sicher irgendwann einmal kommen, ob das 2035 ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht wird auch KI ein Thema. Dann muss ich den Ski nur noch hinlegen, der KI sagen, dass sie bitte die Kanten feilen soll, und ich steh' nur noch daneben und schaue zu – das wäre natürlich der Wunschtraum. 

Wenn du persönlich eine Veränderung anregen dürftest – zum Beispiel bei HEAD – was würdest du sofort testen lassen?

Es gibt immer Luft nach oben. Aber das kann ich jetzt gar nicht sagen, sonst ist mein Chef böse (lacht). Aber alles in allem passt bei HEAD schon alles sehr gut.

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Foto: ©LAOLA1

Was macht dich persönlich zufriedener: Ein Sieg oder ein Lauf, bei dem das Set-up zu 100 Prozent gepasst hat, aber es schaut vielleicht nur ein siebter Platz heraus?

Ganz klar der Sieg.

Was ist das Skurrilste, das du je im Serviceraum erlebt oder gesehen hast?

Lass mich nachdenken… da war sicher der Michi Gmeiner in irgendeiner Art involviert (lacht). Nein, wir sind ja professionell hier in den heiligen Katakomben des Skiraums, da passiert nicht viel – oder da sollte zumindest nicht viel passieren. 

Wie sehr hängt der Erfolg vom Vertrauen zwischen dir – dem Skitechniker – und dem Athleten ab?

Ich glaube, das ist essenziell. Ohne Vertrauen gibt es keinen Erfolg. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mit allen Athleten, die ich betreue und betreut habe, einen sehr guten Draht habe und auch mit allen mehr oder weniger erfolgreich bin und war. Das Vertrauen muss zu 100 Prozent da sein, dass ich mich auf meinen Part und der Athlet sich auf voll auf seinen Part konzentrieren kann.

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Foto: ©GETTY

Wie baut man dieses Vertrauen auf? Wie schaffst du es, dass dein Athlet dir zu 100 Prozent vertraut?

Mit g'scheid reden (lacht). Nein, man muss natürlich kommunikativ sein und eine entsprechende Vita haben, dann wächst man zusammen. Meine Maxime ist: Bevor ich einen neuen Athleten bekomme, möchte ich mit dem erstmal sprechen, ob wir überhaupt zusammenpassen. Es gibt Athleten, die überhaupt nicht mit ihrem Servicemann kommunizieren können, weil sie auf einer komplett anderen Ebene sind.

Ich hatte diesen Fall mit Ted Ligety. Der wollte mich einfach nicht. Der hatte im Jahr zuvor mit einem Servicemann erfolgreich zusammengearbeitet und alles gewonnen, und der wollte natürlich wieder diesen Servicemann – für mich total verständlich. Ich habe ihn dann darum gebeten, mir die Chance zu geben, mich beweisen zu dürfen. Sonst kann ich ja nicht zeigen, dass ich irgendwas kann. Und dann haben wir es eh geschafft.

War es dann ein schwieriger Weg mit Ted?

Das erste halbe Jahr war eine Katastrophe. Ich war nach drei Wochen Neuseeland so weit, dass ich am liebsten alles hingeschmissen hätte. Aber wir haben uns zusammengerauft und dann sogar das erste Rennen gewonnen. Und dann das zweite, dritte, vierte – und plötzlich kannte er den alten Servicemann gar nicht mehr (lacht). 

Seid ihr auch jetzt noch befreundet?

Ja, wir sind immer noch befreundet. Seine Frau ist die Taufpatin meines Sohnes und wir haben immer noch sehr viel Kontakt.

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Foto: ©GETTY

Das hört sich am Ende nach einer schönen Geschichte an. Passt auch gut zur nächsten Frage: Welcher Athlet hat dich in der Vergangenheit im Skiraum regelmäßig zum Schmunzeln gebracht?

Der Ted hat mich schon zum Schmunzeln gebracht. Und Luki (Anm. d. Red.: Feurstein) auch. Die beiden sind vom Typ her relativ ähnlich, beides technisch feine Skifahrer, aber auch unglaublich coole Menschen. Und ab und zu kommen dann schon Storys, da lachst du einfach. 

Gibt's eine Geschichte, wo du einem Athleten den Tag gerettet hast, es aber keiner gemerkt hat?

Ja, die gibt es. Damals bei Markus Larsson, da haben wir 2009 in Westendorf für den Slalom in Kitzbühel trainiert, und er hat es nicht ein einziges Mal den Hügel hinuntergeschafft. Also nicht ein Mal. Das war ein Samstagvormittag. Luftlinie zehn Kilometer weiter war das Abfahrtsrennen. Ich habe dann die Sachen zusammengepackt, Markus wollte eigentlich noch ein paar Läufe machen, aber ich habe ihm gesagt, dass wir jetzt besser eine Pause machen. Also sind wir eine Knödelsuppe zu Mittag essen gegangen und haben ein Bier gemeinsam getrunken.

Am nächsten Tag sind wir zum Rennen nach Kitzbühel und ich bin am Berg oben gestanden – mit zwei verschiedenen Ski! Da habe ich schnell Schadensbegrenzung gemacht und Markus ist an diesem Tag Sechster geworden. Das war sein bestes Kitzbühel-Resultat. Er weiß das bis heute nicht.

Das kann er jetzt ja bald bei uns nachlesen. Wir bedanken uns fürs Gespräch!

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