Schröcksnadel: "Da kriegst ja einen Vogel"

Schröcksnadel: Foto: © GEPA
 

Am 19. Juni endet eine Ära in der heimischen Sportgeschichte: Peter Schröcksnadel tritt nach über 30 Jahren an der Spitze des Österreichischen Skiverbandes ab.

In seinen vielen Jahren als ÖSV-Präsident hat der Tiroler viel gesagt - Lobendes, Kritisierendes oder Lustiges. So liest sich sein Schwenk beim Thema "Königsdisziplin" ein bisschen wie ein Slalom.

2002: "Wenn man die Abfahrt gewinnt, hat man alles gewonnen."

2010: "Dass die Abfahrt die Königsdisziplin ist, behaupten die Medien, weil wir früher eine Abfahrtsnation waren."

2021: "Die Abfahrt ist die Königsdisziplin!"

Vor allem in den Doping-Affären war aber manchmal auch Irritierendes dabei.

Ein Auszug aus einer umfangreichen Sammlung:

1989:

"Ich bin ein Glücksbringer". ÖSV-Vizepräsident Peter Schröcksnadel, der in Vertretung des bereits in die Heimat zurückgekehrten damaligen Präsidenten Arnold Koller mehreren ÖSV-Medaillengewinnern der WM in Vail die Medaillen umhängen durfte. Ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

1996:

"Keine Rede!" Standardspruch von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, immer wenn er während der alpinen Ski-WM in der Sierra Nevada im Österreich-Haus das Mikrofon in die Hand nahm.

1997:

"Bisher hat uns das Glück gefehlt, mit Können werden wir jetzt die Medaillen holen." Zur WM-Halbzeit in Sestriere.

"Es ist wie bei meinem Hobby, dem Fischen. Solange die Angel draußen ist, kann einer anbeißen." Nach Kombinations-Gold von Renate Götschl.

1998:

"Wir wollen ihn davor bewahren, dass er an Leute gerät, die nur Geld mit ihm verdienen wollen." Als Unterstützer von Hermann Maier bei Sponsorenverhandlungen.

1999:

"Wenn man Privilegien durchleuchten möchte, dann alle, auch die der Politiker." Vor der WM in Vail zur Steuerdiskussion um die Skiläufer.

2000:

"Fragt sich, wie viele dann heil unten angekommen wären." Antwort von Schröcksnadel, Eigentümer des Patscherkofel, auf die Aussage von Götschl, dass die Abfahrt ebendort zu einfach sei.

"Ich prophezei' vor jedem Großereignis sechs bis acht Medaillen. Und keinem ist aufgefallen, dass ich immer dasselbe sag'."

2002:

"Es kann nichts Schöneres geben. Wenn man die Abfahrt gewinnt, hat man alles gewonnen". Nach der Gold-Fahrt von Fritz Strobl bei Olympia in Salt Lake City.

"Der Sport wird sich in Zukunft sehr stark zu Wort melden, unter Umständen auch mit Demonstrationen." Im Zuge der Bildung einer neuen Bundesregierung im Kampf für einen höheren Stellenwert des heimischen Sports.

2003:

"Ich begrüße alle Athleten und Snowboarder!" Bei der Ansprache der Eröffnungsfeier der Snowboard-WM am Kreischberg.

2005:

"Zentralismus hat schon im Kommunismus nicht funktioniert." Zum angestrebten zentralen Marketing der FIS.

2006:

"Austria is a too small country to make good doping." Bei einer Pressekonferenz vor internationalen Medien nach den Doping-Razzien bei österreichischen Langläufern und Biathleten bei Olympia in Turin.

"Das war sicher nicht schlau, das war sogar äußerst dumm." In der selben Causa zur Italien-Reise von Ex-Coach Walter Mayer.

"Hätten wir gewusst, dass er von der WADA beobachtet wird, hätten wir ihn nach Frankreich geschickt." Über Walter Mayer.

"In ein faules Obst Geld zu geben, ist natürlich keine schöne Sache." Nach der Flucht der Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann.

"Ich bin wirklich ang'fressen. Wer vernadert, hat kein reines Gewissen. Das Ganze ist schlecht für den österreichischen Sport. Irgendwann werde ich meine schützende Hand nicht mehr übers ÖOC halten." Schröcksnadel nach Äußerungen des damaligen ÖOC-Generalsekretärs Heinz Jungwirth.

"So langsam bin ich richtig angefressen. Und wenn ich angefressen bin, dann bin ich am Besten." Immer noch in Turin.

"Wenn es mir keine Freude mehr macht, lasse ich es. Aber ich bin ein Kämpfer." In Turin.

"Das Ergebnis ist wie erwartet. Ich hatte nie Zweifel, dass wir ordentliche und saubere Sportler haben." Nach den negativen Doping-Ergebnissen.

2007:

"Der Gruber hat es immer vermasselt bei Großereignissen. Hätte er es nicht vermasselt, hätte er jetzt die Chance wohl bekommen." Nach der Entscheidung, Hermann Maier und nicht Christoph Gruber den letzten Abfahrts-Platz bei der WM in Aare zuzusprechen.

2009:

"Man kann überall kontrollieren und man kann überall dopen, auch im Olympischen Dorf ist das möglich." Über die Quartier-Diskussion bei Olympia.

2010:

"Dass die Abfahrt die Königsdisziplin ist, behaupten die Medien, weil wir früher eine Abfahrtsnation waren. Aber dort ist auch die Konkurrenz am Geringsten!" Zur Situation, dass Österreichs Abfahrer sieglos zu Olympia fahren, während die ÖSV-Techniker trotz Riesen-Konkurrenz die Besten der Welt sind. - Vergleiche 2002...

"Ich bin angezipft. Was willst machen, lauter vierte Plätze." Nach dem Herren-Slalom bei den Winterspielen in Vancouver.

"Bei uns ist es wie bei Real Madrid. Die sind zwar früh ausgeschieden, haben aber trotzdem eine sehr gute Mannschaft." Aufmunternde Worte nach dem verpatzen Alpin-Weltcup-Finale.

2011:

"Im Ziel ist es besser für mich, Herztabletten zu nehmen, so aufregend ist das." Bei der WM in Garmisch.

2012:

"Der ÖSV hat von Beginn an stets korrekt gehandelt und sich nichts vorzuwerfen, dies steht nunmehr auch gerichtlich fest." Nach dem Freispruch in der Doping-Causa beim Prozess in Susa.

2013:

"Wir sind stolz auf unsere Kultur. Wer sie nicht will, soll wo anders hingehen." Zur Kritik an der sehr patriotischen Eröffnungsfeier der WM in Schladming.

2014:

"Rundherum ist es im Winter genauso finster, würde ich sagen, außer bei den Rodlern, wie im Sommer. Da ist gar nicht viel anders." Dazu dass bei Olympia in Sotschi fast nur die ÖSV-Athleten Medaillen errangen.

"Er wird einen guten Rechtsanwalt brauchen." Über ÖSV-Langläufer und Medaillen-Hoffnung Johannes Dürr, der während Olympia des Dopings überführt wurde. In Österreich gibt es ein strenges Anti-Doping-Gesetz.

"Marlies ist die Größte im Slalom der heutigen Zeit. Sie hat für Österreich viele Siege gefeiert, viel mehr geht nicht." Über das Karriereende von Marlies Schild (Raich).

2015:

"Skisport und die Wiener Philharmoniker - das passt noch besser zusammen als Lindsey Vonn und Tiger Woods." Der Plan eines alpinen Ski-Weltcup-Rennens in Wien-Schönbrunn begeisterte ihn. Daraus wurde bis jetzt nichts - wie auch aus der Vonn-Woods-Beziehung langfristig nicht.

"Das ist super und taugt mir unheimlich. Damit wird Österreich als Sportnation aufgewertet. Jetzt sind wir nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer wer. Ich bin ein Fußball-Fan, schaue mir alle Spiele an. Das ist auch für das österreichische Selbstbewusstsein gut. Der einzige Nachteil ist, dass wir jetzt nicht mehr Jammern können." Nach dem erstmaligen Einzug des österreichischen Fußball-Nationalteams in die Top Ten der FIFA-Weltrangliste.

2016:

"Ich bin ein Fischer. Ich glaube immer, der nächste Wurf bringt den Fisch." Als Rio-Koordinator im ÖOC zu den Medaillenhoffnungen in Brasilien.

"Du musst dir Killer erziehen, die im richtigen Moment da sind. Einen Psychologen braucht es dafür nicht, ich halte nichts von Psychologen. Ein Olympiasieger braucht keinen Psychologen, nur die in der Mitte (der Ergebnisliste, Anm.) haben einen." Während Rio-Olympia.

"Aber es waren auch ein paar dabei, die nicht den unbedingten Siegeswillen gehabt haben." Zum Abschneiden bei Rio-Olympia.

2017:

"Verlieren war deshalb erlaubt, aber gewinnen nicht verboten." Nach dem Gold-Auftakt in St. Moritz und dazu, dass das Frauen-Team ohne Druck in die WM gegangen war.

"Hirscher hat dem Druck standgehalten, das schaffen nur große Skiläufer." Nach dem Männer-Riesentorlauf bei der WM.

"Mir ist irgendwann am Geist gegangen, dass wir so kariert umeinander fahren. Da kriegst ja einen Vogel, wenn du hinschaust vor lauter Karos." Schröcksnadel engagierte sich für österreichischen WM-Anzüge in Rot-weiß-Rot bzw. im Retro-Look.

2018:

"Er ist ein Verrückter! Marcel ist der Größte." In Pyeongchang über Doppel-Olympiasieger Marcel Hirscher.

2019:

"Ende gut, alles gut, hinter der Slowakei wäre ich nicht gern gewesen im Medaillenspiegel." Erleichtert nach dem historischen Slalom-Triple bei der WM in Aare.

"Wir haben Glück gehabt. Wir haben eine Bronzene in der Lotterie gewonnen und darüber freuen wir uns." Nach dem Normalschanzen-Bewerb der Skispringer unter widrigen Bedingungen bei der WM in Seefeld.

"Ich glaube, wir haben einen sehr guten Job gemacht, unsere Leute haben einen guten Job gemacht, weil die WM war super." Sportliche Seefeld-Bilanz.

"Nichts ist niederträchtiger als das Erkaufen von besseren Resultaten durch illegale leistungssteigernde Methoden." Zu den Vorfällen rund um die Doping-Razzia.

"Ich war einer der ersten, denen er es gesagt hat. Ich habe ihn nicht abgehalten. Marcel ist ein Mensch, der sehr genau überlegt, was er tut. Ich habe die Entscheidung akzeptiert. Es geht ihm jetzt sicher emotional viel besser als vorher. Es fällt ihm sicher ein Stein vom Herzen. Er hatte Riesendruck, den ist er jetzt los." Zum Karriereende von Marcel Hirscher.

2020:

"Es ist halt im Sport so, dass du entweder einen Helden willst, oder du willst, dass der Held verliert. Das ist die Polarisierung im Sport. Im Moment sucht der Skisport seine Helden." In der Saison nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher.

"Wie ich begonnen habe 1991 war es die erste WM in Saalbach, jetzt kann ich damit aufhören - also die WM geholt zu haben." Nach dem Zuschlag für die Ausrichtung der WM 2025.

"Wir haben keine echte Vertretung. Wir können es nicht so gut wie der Resetarits, aber sagen sollten wir dasselbe." Über die in der Coronakrise seiner Meinung nach schwache Position des Sports in der Politik. Der Kabarettist Lukas Resetarits hatte den politischen Umgang mit den Kulturschaffenden mit harschen Worten kritisiert.

2021:

"Wir waren immer eine Abfahrtsnation, jetzt sind wir es wieder." Nach Gold für Vincent Kriechmayr bei der WM in Cortina.

"Die Abfahrt ist die Königsdisziplin." Siehe dazu Aussage von 2010.

"Die Abfahrts-Goldmedaille war in Österreich immer das Wichtigste, das haben wir wieder geholt." Also doch.

"Man hat vor zwei Jahren schon gewusst, die wird eine, die das praktisch übernehmen kann. Wenn man sich das vornimmt, gelingt es auch." Über Katharina Liensberger, die ihre Slalom-Konkurrentinnen Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova bei WM und im Disziplinweltcup niederrang.

"Wenn es Covid nicht gibt, bin ich dort." Er will 2023 bei der WM in Courchevel-Meribel zuschauen.

"Mein Fehler war, dass ich zu früh gesagt habe, dass ich aufhöre." Über seine Nachfolge.

"Ich wünsche mir, dass es einen Kandidaten gibt, dass man eine geordnete Übergabe machen kann. Ich werde mich da nicht einmischen."

"Warum ich ein Fan von Renate Götschl bin? Der Renate kannst du nichts einreden, du kannst sie nicht steuern, sie ist eine Person, die ihren eigenen Weg geht." Warum er die Steirerin unterstützt.

"Ich finde, dass die gesamte Diskussion dem Skiverband schadet, enorm schadet. Aus dem Ausland schaut man auf uns, was bei uns los ist. Auch Partner und Sponsoren schauen. Wenn es einen Verband gibt, der gespalten ist, das schadet der Zukunft des Verbandes. Das gefällt mir überhaupt nicht." Unglücklich mit dem Prozess der Kandidatenfindung.

"Wir kennen uns ewig lange, mit dieser Entscheidung kann ich gut leben." Über seinen Nachfolger Karl Schmidhofer.

"30 Jahre ist es mir gelungen, den Verband unabhängig von der Politik zu führen. Egal, welche Farben grad' dran waren. Die wichtigste Entscheidung im Sport ist, politisch unabhängig zu sein." Tipp an seinen Nachfolger.

"Man muss es umgekehrt sehen. Wenn ein Jungbauer übernimmt, ist kein Jungbauer so dumm, dass er den Altbauern nicht fragt." Zur Nachfolger-Thematik.

"Ich wollte nie reich werden, sondern nur nicht pleitegehen." Das erklärt den wirtschaftlichen Wohlstand.

"Ich glaube, die Politik nimmt die Kunst und den Sport nicht besonders ernst. Das hat man auch in der Coronakrise gesehen." Schröcksnadel im aktuellen APA-Interview.

Textquelle: © LAOLA1/APA Zum Seitenanfang »

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