Goldener Karl: Erst Wiederholungstäter, dann Sparten-Retter
Nun doppelter Olympia-Sieger setzt sich für die Zukunft des Snowboardsports ein. Karriere-Fortsetzung offen: "Will der Beste sein!"
Unmittelbar nach seinem zweiten Gold-Coup hat sich Benjamin Karl daran gemacht, die sehr ungewisse Olympia-Zukunft seines Sports zu retten.
"Ich habe im Ziel schon mit den Verantwortlichen gesprochen und ich kann sagen: Zu 99 Prozent bleiben wir im Programm."
Eine bessere Show, als sie die Parallel-Snowboarder am Sonntag in Livigno ablieferten, könne es nicht geben. In der Hauptrolle Karl selbst, der im Stile seines Idols Hermann Maier mit nacktem Oberkörper im Ziel posierte.
Wieder einmal war Karl zur Stelle, als es darauf ankam. Als erster österreichischer Wintersportler holte er vier Einzel-Medaillen bei vier aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen. Damit wandelt der inzwischen 40-Jährige auf den Spuren von Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen oder Norwegens Langlauf-Königin Marit Björgen.
In der Stunde des neuerlichen Triumphs nahm der Sieger jedoch lieber Anleihe bei einem recht berühmten Sommersportler: "Usain Bolt hat einmal gesagt: 'never forget, I am the greatest'".
Am Vorabend seines zweiten Olympiasieges nach 2022 hatte sich Karl eine Dokumentation über den "Lightning Bolt" angesehen.
Sieger-Gen in Buchform
Befragt zu seinem Erfolgsrezept, lächelte Karl verschmitzt. "Ich kann das jetzt nicht erzählen, weil noch bin ich aktiv. Ich könnte einmal ein Buch darüber schreiben." So viel könne er sagen: "Am Tag X gehört mehr dazu, als nur schnell zu snowboarden. Ich weiß, wie ich mich fühlen will. Ich weiß, was ich erleben will. Ich weiß, wie ich meinen energetischen Speicher auffülle."
Gleichzeitig habe er seine Emotionen zum ersten Mal bei Olympia komplett im Griff gehabt. "In Vancouver habe ich fast nichts mehr gesehen, nicht weil es so geregnet hat, als die Medaille fix war."
Dieses Mal sei er der Einzige mit einer Goldmedaille am Start gewesen. "Ich war heute sicher der Relaxedeste."
Gleichzeitig verwies Karl darauf, wie eng es in seinem Sport mit den K.o.-Läufen hergeht. Nur um den Hauch von 0,03 Sekunden war er im Achtelfinale schneller als Maurizio Bormolini, den Gesamtweltcupsieger vom Vorjahr. "Sorry, aber einen viel härteren Sport gibt es nicht", sagte Karl.
Es ist kein Geheimnis, dass die Snowboard-Alpin-Sparte nicht mehr überall den Stellenwert hat, der dem Sport laut den Aktiven zustände. Selbst innerhalb des ÖSV nicht.
Karl selbst hatte die Bedingungen vor dem Olympiawinter harsch kritisiert. "Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern", sagte Karl nun und grinste verschmitzt.
Karriere-Fortsetzung offen
Sein eigentlich bereits avisiertes Karriereende ließ er offen. Er wolle nun einmal das Erreichte auf sich wirken lassen. Solange er konkurrenzfähig sei, stehe einer Fortsetzung seiner Karriere nichts im Wege.
"Ich will kein gewöhnlicher Snowboarder sein. Ich will der Beste sein, seit ich zehn bin. Ich bin ein sehr guter Gewinner und ein sehr schlechter Verlierer."
Dabei hätte er die zweite Sportlerkarriere eigentlich bereits vorbereitet. Im Sommer zeigt sich Karl regelmäßig bei Extremradrennen. Vielleicht tritt er demnächst im Sommer unter den fünf Ringen in die Pedale.
"Wir sehen uns vielleicht bei Olympia im Cyclocross", diktierte er den internationalen Journalisten in ihre Aufnahmegeräte. "Da wäre ich nach langer Zeit wieder der Underdog. Ich liebe es, in der Underdog-Rolle zu sein."