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"Viel brachialer": Kriechmayr mit Vorfreude auf Kitzbühel

Nach dem zweiten Platz in Wengen wartet laut Kriechmayr auf der Streif nun ein ganz anderes Rennen: "Viel brachialer, viel brutaler", meint der 34-Jährige.

"Viel brachialer": Kriechmayr mit Vorfreude auf Kitzbühel Foto: © GEPA

Mit Rang zwei in der Lauberhornabfahrt in Wengen hat Vincent Kriechmayr seine Anwartschaft auf eine Goldene Gams deponiert. "Ich freue mich auf Kitzbühel. Ich bin sehr motiviert. Schauen wir, was dort raus schaut", sagte Kriechmayr nach dem ersten Podestplatz eines Österreichers in einer Weltcup-Abfahrt seit 23 Monaten.

"Das ist nicht der Anspruch für uns Österreicher. Wir geben unser Bestes und hoffen natürlich, dass es nicht wieder zwei Jahre dauert", sagte Kriechmayr.

Schlecht geschlafen will Österreichs Nummer 1 im Speedbereich in den 700 Tagen ohne Sprung aufs Weltcup-Treppchen in der "Königsdisziplin" nicht haben.

"Natürlich hat es mich gewurmt, dass es letztes Jahr nicht funktioniert hat und auch heuer bei den ersten Rennen nicht. Aber ich habe schon gewusst, dass ich es noch halbwegs draufhabe", sagte der stets selbstkritische Kriechmayr.

Von Odermatt "paniert"

Deswegen freute sich der Abfahrts-Vizeweltmeister von 2025 am Samstag in erster Linie über die Platzierung. "Acht Zehntel auf Odermatt sind eine gscheite Panier", erinnerte der zweifache Lauberhorn-Sieger (2019, 2022) an den Respektabstand nach Odermatts Fabelfahrt.

Als erster Skifahrer der Weltcup-Ära seit 1967 hat Odermatt die Wengen-Abfahrt nun viermal gewonnen. Dies sogar in Serie. "Es ist keine Schande, hinter Odi Zweiter zu werden", sagte Kriechmayr.

Der 28-jährige Odermatt, vor allem aber Franjo von Allmen (24) und Shootingstar Giovanni Franzoni (24) würden sich permanent und extrem am Limit bewegen, so Kriechmayr. "Da muss ich mich gscheit zusammenreißen, dass ich mit meinen 34 Jahren noch mithalten kann."

Obwohl er sich nicht alt fühle, zählt sich Kriechmayr doch zur Generation um Dominik Paris (36). "Wir zwei Haudegen schauen, dass wir uns noch oft genug nach vorne schmeißen." Auch der Kitzbühel-Liebhaber Paris schaffte es als Dritter von Gröden in dieser Saison bisher einmal aufs Podest.

Streif kein Lauberhorn: "Viel brutaler"

Er habe seit Saisonbeginn schon einen guten Grundspeed gefühlt, erzählte Kriechmayr. "In Beaver hätte es auch noch ganz gut funktioniert und Gröden - Gröden mag mich einfach nicht." In Wengen habe er sich immer wohlgefühlt.

Mit der Streif warte nun aber "ganz was anderes. Viel brachialer, viel brutaler. Ich werde schauen, dass ich meine sieben Sachen beieinander habe", sagte Kriechmayr. "Ich bin gespannt, wie sich die Streif im ersten Training (am Dienstag, Anm.) präsentiert." Bei den Hahnenkammrennen hat er 2023 in der Abfahrt und 2021 im Super-G triumphiert.

Der vor dem Olympia-Winter neu installierte Speed-Coach Andreas Evers hoffte darauf, dass der Podestplatz zur Initialzündung für Kriechmayr im an Höhepunkten noch reichen Winter wird.

"Er hat zuletzt hart gekämpft", sagte Evers und formulierte für die schon länger restlos ausverkaufte Kitz-Abfahrt einen frommen Wunsch: "Ein Trepperl höher wäre schön."

Olympia fährt in Kitz mit

Hinter Kriechmayr rittern einige um ihren Abfahrts-Startplatz für die Olympischen Spiele. Kitzbühel ist für viele die letzte Chance, sich in die Auslage zu fahren.

Selbst Daniel Hemetsberger, der es als Wengen-Achter als zweiter fitter Österreicher in dieser Saison in die Top Ten schaffte, fühlt sich noch nicht sicher. "Ich bin definitiv noch nicht für Olympia qualifiziert", sagte Hemetsberger auf ein "geiles Ergebnis" im Speed-Mekka hoffend.

Das mögliche Super-G-Team hat sich mit den Siegern Kriechmayr und Marco Schwarz sowie den Podestläufern Stefan Babinsky und Raphael Haaser bereits formiert.

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