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Fürchtet Rodeln um Olympia-Zukunft? Georg Hackl hat Vorahnung

Österreich hat unter anderem dank der deutschen Rodel-Legende Georg Hackl gute Chancen auf Olympia-Edelmetall. Die Zukunft des olympischen Rodelsports ist aber in Gefahr.

Fürchtet Rodeln um Olympia-Zukunft? Georg Hackl hat Vorahnung Foto: © GEPA

Ältere Semester werden sich an von Sigi Bergmann kommentierte hitzige Rodelduelle von Österreichs Markus Prock, des Südtirolers Armin Zöggeler und des Bayern Georg Hackl erinnern.

In den 90ern hatte "der Hackl-Schorsch" letztlich immer die Fußspitze vorne: Er holte olympisches Gold auf den Rodelbahnen von Albertville 1992, Lillehammer 1994 sowie Nagano 1998.

Aus den Konkurrenten von damals sind Freunde geworden. Prock ist als österreichischer Verbandspräsident Vorgesetzter des Trainers Georg Hackl. Armin Zöggeler, der 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin Gold holte, arbeitet für den italienischen Verband.

"Es ist doch schön, wenn man sich zuerst duelliert und dann mit einem Schmäh auf die harten Kämpfe zurückblickt. Das ist das Schöne bei uns im Rodeln: Trotz der harten Bandagen im Wettkampf ist die Atmosphäre sehr familiär", beschreibt Hackl das Verhältnis zu seinen früheren Rivalen.

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Selina Egle und Lara Kipp wollen auch bei Olympia jubeln
Foto: ©GEPA

Die Bahnen Nagano oder Turin gibt es heute nicht mehr. Und der Rodelsport hat generell einen schweren Stand: Gemäß IOC-Vorgaben gibt es auch einen Frauen-Doppelsitzer – aber nicht mehr Plätze. Rodelsportler aus Nicht-Wintersportnationen wie Argentinien oder Irland können dann nicht mehr teilnehmen. Mit den Exoten geht ein Hauch Olympia-Flair verloren, so Hackl im LAOLA1-Interview - und vielleicht das Rodeln an sich.

Sportlich gut unterwegs

Georg Hackl nimmt sich ausführlich Zeit für das Interview im Vorfeld der Spiele und spricht einmal über das Sportliche:

Österreich, so der Deutsche, habe gute Chancen: "Wir sind mit den Deutschen von der Leistung her gleichauf und gemeinsam die führenden Nationen. Vor vier Jahren war das rot-weiß-rote Team noch eher jung, mit ein paar erfahrenen Leuten. Die Jungen haben sich in die Weltspitze hinein entwickelt."

Österreichs Olympia-Teilnehmer 2026:

Teilnehmer

Disziplin

Bestes Saisonergebnis

Selina Egle/Lara Kipp

Frauen-Doppelsitzer

Platz 1 (Lake Placid, Sigulda, Oberhof)

Hannah Prock

Frauen-Einsitzer

Platz 1 (Winterberg x2)

Lisa Schulte

Frauen-Einsitzer

Platz 2 (Sigulda, Oberhof x2)

Dorothea Schwarz

Frauen-Einsitzer

Platz 3 (Winterberg)

Juri Gatt/Riccardo Schöpf

Männer-Doppelsitzer

Platz 1 (Winterberg)

Thomas Steu/Wolfgang Kindl

Männer Doppelsitzer

Platz 2 (Winterberg, Oberhof)

Jonas Müller

Männer-Einsitzer

Platz 1 (Park City, Winterberg, Oberhof)

Nico Gleirscher

Männer-Einsitzer

Platz 3 (Winterberg)

Wolfgang Kindl

Männer-Einsitzer

Platz 3 (Lake Placid)

Realistische Medaillen-Chancen haben vermutlich alle elf Österreicher und Österreicherinnen, die in Cortina d'Ampezzo am Start stehen.

Allerdings findet er die Frage nach konkreten Siegen "müßig und respektlos, vorher zu sagen, dass einer gewinnt und ein anderer nicht. Ein schlauer Mann sagte einmal: Sporting results are unpredictable." Damit wollte er erklären, dass Sport gerade wegen seiner Unvorhersehbarkeit beliebt ist.

Neben Deutschland sind es die Gastgeber aus Italien, die USA und Lettland, die zur Konkurrenz gehören. Die Letten hätten sich durch konzentrierte und zielgerichtete Arbeit in die erweiterte Weltspitze gearbeitet. Nicht dabei sind die früher starken Russen. Sportlich ein Verlust, so Hackl. Die jungen, unter neutraler Fahne antretenden Russinnen und Russen kommen an alte Größe nicht heran.

Das Problem ist, dass durchschnittliche Zuschauer nicht sofort sehen können, warum einer schneller oder langsamer ist.

Georg Hackl

Endlich im Fokus?

Wie viele andere kleinere Sportarten steht das Rodeln bei Olympia alle vier Jahre unter medialer Beobachtung wie sonst nicht. Zwar stellt man nach Ski Alpin (22) und Bob (12) die drittgrößte Abordnung, dass die Mediencoverage bei Sportarten wie Ski Alpin, Biathlon oder Skispringen größer ist und diese größere Zuschauermagneten sind, bestreitet er nicht.

"Wir sind im Rodelsport dennoch zufrieden mit der Medienpräsenz und der Wahrnehmung als kleinere Sportart", meint der Bayer, der auch weiß, was vielleicht etwas schwierig zu vermitteln ist: "Das Problem ist, dass durchschnittliche Zuschauer nicht sofort sehen können, warum einer schneller oder langsamer ist. Das liegt natürlich in der Natur des Rodelsports, aber wir arbeiten stets daran, die Performance sichtbarer und transparenter zu machen." Zudem sollen die Formate zuschauerfreundlicher gestaltet werden.

Der große Skibergsteig-Fan ist immerhin froh, dass es dem Rodeln nicht wie "Skimountaineering" geht. Dass dort das Sprint-Programm und keine ordentliche Tour mit 1.000 und mehr zu überwindenden Höhenmetern gemacht wird, ist für ihn unverständlich. Man hätte die Infrastruktur der Herrenabfahrt in Bormio nutzen können. Im Klartext:

"Ich finde, dass Skibergsteigen eine sehr tolle Sportart ist und schon längst dabei sein hätte sollen – und dann macht man so ein Format. Ich kenne ja viele Skibergsteiger und die sind nur mittelmäßig an Olympia interessiert, weil es ein reiner Sprint ist."

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David Gleirscher holte 2018 Gold
Foto: ©GEPA

Sorgenfalten wegen Frauen-Zweier

Da haben die Rodler einen Vorteil: Man teilt sich die Infrastruktur mit Bob und Skeleton. Insgesamt werden auf einer Bahn mehr als zehn Disziplinen ausgetragen, die Infrastruktur wird also ausreichend genutzt. Die Bahn in Cortina ist mitten im Ort, "urbaner geht’s nicht". Sorgenfalten macht ihm die neue Disziplin Frauen-Zweierrodeln.

Nicht wegen der Geschlechtergleichstellung, sondern weil die Anzahl der Startplätze gleich bleibt. Damit steht für ihn die Gefahr im Raum, dass der olympische Gedanke verloren geht. 2022 schwenkten argentinische und irische Rodlerinnen die Fahne ihres Landes.

Bei David Gleischers Olympiasieg 2018 trug sich mit Shiva Keshavan ein Inder in die Ergebnisliste ein. 2014 nahm Bruno Banani für Tonga teil. Wenn die maximale Anzahl an Sportlerinnen und Sportlern nun gleich bleibt, könnten die Plätze für diese Athleten wegfallen.

"Wie es mit dem Rodelsport weitergeht, hängt stark davon ab, inwiefern das IOC den Sport fördern möchte, also das Kontingent erhöht. Wenn das nicht geschieht, muss der internationale Rodelverband sich in Zukunft überlegen, ob er sich den Arm oder das Bein abhackt. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, wenn irgendwann die kleinen Nationen, die Olympia so divers ausmachen, nicht mehr dabei sind. Sonst fahren nur noch fünf Länder um die Wette," befürchtet er. "Es fühlt sich jedenfalls so an, als ob man uns auf lange Sicht aus dem Programm bekommen möchte."

Ich bin seit fast 45 Jahren als Sportler oder Trainer nur unterwegs, feiere im Winter gerade einmal Weihnachten zuhause. Ich will nicht mehr jeden Tag neben der Bahn stehen.

Georg Hackl

Nach Olympia ohne Hackl

Nichtsdestoweniger ist er mit der generellen Entwicklung des Sports zufrieden. Dass viele ehemalige Olympiarennstrecken wie eingangs erwähnt nicht mehr betrieben werden, ist hingegen schlecht. Auch, dass man sich in Innsbruck-Igls verplant hat und die Bahn nicht zugelassen ist. Oder, dass seine Lieblingsbahn in Königssee seit letztem Jahr wieder in Betrieb sein sollte, es aber vielleicht auch nächstes Jahr nicht ist.
Der Sport macht indes, was er am besten kann: Aus Zipfelbobathleten echte Olympioniken formen.

"Unsere Nachwuchsförderprogramme setzen bereits in der Schule an, um den jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, es auszuprobieren." Dann stellt sich schnell heraus, ob die Kinder daran Spaß haben: "Die, die davon begeistert sind, bleiben dabei und die brauchen wir."

Nach Olympia aber ohne ihn. Er weiß noch nicht, was er tun wird, aber genau, was er nicht tun wird: "Ich bin seit fast 45 Jahren als Sportler oder Trainer nur unterwegs, feiere im Winter gerade einmal Weihnachten zuhause. Ich will nicht mehr jeden Tag neben der Bahn stehen. Vielleicht gibt es Aufgaben im Weltverband oder in der Nachwuchsarbeit."

Und irgendwann wird er nichts mehr machen und zuschauen, wie sich die nächsten Hackls, Zöggelers und Procks um Tausendstel raufen. Denn gerade dafür ist Olympia da: Sportarten eine Bühne zu geben, die den Rest des Jahres kaum im Rampenlicht stehen.

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