Austro-Schiedsrichterin bei Olympia! "Vorfreude ist riesig"
Eine Salzburgerin vertritt Österreich als Eishockey-Schiri bei den Winterspielen in Mailand und Cortina.
Das rot-weiß-rote Team hat die Qualifikation verpasst, dank Julia Kainberger geht das olympische Eishockeyturnier der Frauen in Mailand aber mit österreichischer Beteiligung über die Bühne.
Die Salzburgerin ist eine von zwölf Head-Referees und die einzige, die nicht aus einer Eishockey-Großmacht kommt.
"Die Vorfreude ist riesig", sagte die 31-Jährige, die vor vier Jahren in Peking als Linienrichterin schon Olympia-Erfahrung gesammelt hat.
Ex-Profi und Lehrerin
Kainberger hat sich mit vielfältigen Einsätzen in den vergangenen Jahren in einen Pool potenzieller Olympia-Schiedsrichterinnen hochgearbeitet.
"Wir haben uns die letzten vier Jahre vorbereitet. Man ist in einem Zyklus, dann bleiben zwölf übrig, die die Ehre haben", sagte die AHS-Lehrerin für Biologie, Geografie und digitale Grundbildung in Zell/See, die sich für Olympia freistellen lassen musste.
Die ehemalige Nationalteam-Spielerin und mehrfache WM-Teilnehmerin war nach ihrer aktiven Karriere ungeplant ins schwarz-weiß gestreifte Trikot gewechselt. Zuerst pfiff sie Männer-Eishockey, erst dann Frauen-Spiele, mittlerweile beides auf hohem Niveau und ohne große Anpassungsprobleme.
"Es ist nur ein bisschen eine Umstellung von den Spielzügen und unserer Positionen", erklärte Kainberger im APA-Interview.
Vorreiterin in ICE und CHL
Kainberger hat immer wieder Meilensteine gesetzt. Am 30. Dezember 2023 leitete sie als erste Hauptschiedsrichterin ein Spiel der heimischen ICE-Liga, danach als erste Frau ein Match in der Champions Hockey League (CHL).
Im Finale der Frauen-WM 2021 kam die Salzburgerin als Linienrichterin zum Einsatz, 2024 pfiff sie ein WM-Halbfinale, zudem leitete sie Ligaspiele in Nordamerika und Schweden. Nun folgt das Highlight Olympia als Hauptschiedsrichterin. "Es ist das Höchste, was ein Sportler erreichen kann, bei uns Schiedsrichtern ist das genauso. Da zieht es einem die Gänsehaut auf", sagte Kainberger.
Nach den Corona-Spielen von Peking 2022 freut sie sich auf ein ganz anderes Turnier "mitten in Europa. Es ist ein ganz anderer Maßstab, man weiß, wie riesig das Turnier wird und der Ansturm. Es kommen auch viele Freunde." Dank ihrer internationalen Einsätze "kennt man alle Spielerinnen", welche Partien sie zugewiesen bekommt, erfährt sie wohl erstmals am 4. Februar, einen Tag vor Beginn des Turniers. "Bei Olympia nimmt man jedes Spiel gerne", äußerte sie keine Präferenzen.
Kolleginnen nur aus Traditionsnationen
Kainberger ist am (heutigen) Montag nach Mailand angereist und trifft dort ihre Kolleginnen aus Kanada und USA (je 4) sowie Finnland, Schweden und Tschechien (je 1). Im Dezember hat das Dutzend mit den zehn Linienrichterinnen, die ebenfalls nur aus den fünf Eishockey-Traditionsländern kommen, schon ein zweieinhalbtägiges Camp in Mailand absolviert, um die Gegebenheiten kennenzulernen.
"Wir haben uns die Wege vor Ort angeschaut, das Video-System, die Eishallen", berichtete die 31-Jährige.Und man habe an einem gemeinsamen Standard der Regel-Interpretation gearbeitet, weil das Schiedsrichterinnenteam aus unterschiedlichen Ländern und Ligen kommt. "Ich bin da ganz gut dabei, pfeife bei uns die ICE-Liga, das ist ein bisschen nordamerikanisch angehaucht. Das Männer-Eishockey ist kompetitiver, aber auch die PWHL (Anm.: nordamerikanische Frauen-Profiliga) spielt mit Körper."
"Hätten in Österreich Potenzial"
Kainberger gab sich stolz, ihr "Land vertreten zu dürfen und zu zeigen, dass wir in Österreich Potenzial hätten, wenn es die richtigen Förderungen gibt. Es beginnt beim Nachwuchs, und ohne Nachwuchs gibt es auch keine Schiris. Es ist ein Rad, das sich dreht. Gesundheitsförderung wird immer wichtiger, kann man nicht genug Förderungen in Kindersport stecken", betonte die Pädagogin.